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Elisabeth I. oder Elisabeth Petrowna (russisch Елизавета Петровна, * 18. Dezember 1709 in Moskau; † 24. Dezember 1761 in Sankt Petersburg) war Kaiserin von Russland (1741-1761), Tochter des Zaren Peter des Großen und dessen zweiter Gemahlin Katharina I.

Jugend


Elisabeth wurde als uneheliches Kind geboren und erst drei Jahre später durch die Hochzeit ihrer Eltern legitimiert. Die Kindheit verbrachte sie in der Obhut ihrer Tante Praskowja Fjodorowna, zusammen mit der älteren Schwester Anna Petrowna. Unter den Fittichen der Tante entwickelte sich Elisabeth zu einer von starken religiösen Gefühlen durchdrungenen Person. Nachdem sich die französischen Heiratspläne ihres Vaters zerschlagen hatten (Elisabeth sollte den König von Frankreich, Ludwig XV., heiraten), wurde sie mit Karl August von Holstein verlobt, der jedoch kurz vor der Hochzeit an den Pocken starb.

Elisabeth war die einzige Nachfahrin Peters des Großen, die das Erwachsenenalter erreichte. Nach seinem Tod wurde sie aber mehrfach von ihren Verwandten von der Thronfolge ausgeschlossen. Man versuchte, sie durch Heirat unschädlich zu machen. Doch Elisabeth wehrte sich erfolgreich dagegen und blieb unverheiratet. Sie zog sich nach Ismailowo in der Nähe von Moskau zurück und führte dort das einfache Leben einer Gutsherrin. In dieser Zeit schloss sie mit einigen Leuten Freundschaft, die später, als sie Kaiserin geworden war, zu Bedeutung gelangten: Michail Larinowitsch Woronzow (später Vize- dann Großkanzler), Peter Schuwalow (Senatspräsident) und Alexej Rasumowskij (ihr Liebhaber). Auch hatte Elisabeth, ähnlich wie ihr Vater, keine Scheu, sich unter das einfache Volk zu mischen - besondere Freude empfand sie dabei, Kinder niederer Herkunft bei der Taufe zu halten. Das blieb auch später so, sie war eine der volkstümlichsten Herrscherinnen Russlands.

Regierungsantritt


Als man Elisabeth wegen ihrer Heiratsunwilligkeit mit dem Kloster drohte, kam es im November 1741 zu einem Staatsstreich: auf Drängen ihrer Anhänger marschierte sie an der Spitze des Preobraschenskij-Regiments zum Winterpalast. Dort wurde der minderjährige Iwan VI. mit seiner Regentin Anna Leopoldowna gefangengesetzt. Elisabeth rief sich zur Kaiserin aus (den Kaisertitel hatte Peter der Große 1721 eingeführt). Als Usurpatorin versuchte sie von Anfang an, ihre Macht zu festigen, indem sie die Privilegien des Adels ausweitete.

1742 erfolgte die Krönung in Moskau. Elisabeth setzte sich die Kaiserkrone selbst aufs Haupt, was bis dahin kein russischer Herrscher gewagt hatte. Bei der Krönung schwor die Monarchin, künftig kein Todesurteil mehr zu unterzeichnen. Die Todesstrafe war damit zwar nicht abgeschafft, wurde aber unter ihrer Herrschaft nicht vollstreckt (die Urteile wurden in Verbannung umgewandelt.)

Regierungszeit


1743 musste Elisabeth ein Komplott niederschlagen: Einige Verschwörer hatten versucht, sie zu stürzen. Elisabeth reagierte grausam: sie verbannnte die Verschwörer "auf Ewig" nach Sibirien, befahl allerdings, dass ihnen zur Verschärfung der Strafe die Zungen herausgerissen wurden.

Elisabeth gilt in Russland als Inbegriff einer absolutistischen Herrscherin: sie führte verschwenderisch Hof und ließ zahllose barocke Schlossanlagen erbauen (Großer Palast in Peterhof, Katharinenpalast in Zarskoje Selo, Winterpalast in Sankt Petersburg). In ihrer Regierungszeit wurde das erste russische Nationaltheater gegründet, 1755 auf Anregung des Universalgelehrten und Schriftstellers Michail Lomonossow in Moskau die erste russische Universität eröffnet und die Akademie der Künste in Sankt Petersburg aufgebaut.

Innenpolitisch konnte Elisabeth das Reich stabilisieren. Allerdings war einer Reihe von Reformen nur dürftiger Erfolg beschieden: die Schaffung eines neuen Gesetzbuches kam nicht über die ersten Anfänge hinaus, ebenso wie die erste allgemeine Landesvermessung.

Negativ war die Religionspolitik der Kaiserin: selbst sehr religiös, versuchte sie vor allem die Moslems in ihrem Reich zu missionieren und gründete eigens dafür die Kanzlei für Heidenbekehrung. Dabei ging es nicht ohne Blutvergießen zu. Auch die Altgläubigen hatten unter starken Repressalien zu leiden, und es kam zu zahlreichen rituellen Selbstverbrennungen. Berühmtheit erlangte die Kommission zur Aufspürung außerehelicher Verhältnisse.

Im Alter wurde der Charakter der Monarchin immer seltsamer: sie liebte die absolute Einsamkeit, schlief den Tag über und war in der Nacht wach, oft betete sie stundenlang auf Knien vor ihren Ikonen. Sie dachte an Abdankung und ließ das Smolny-Auferstehungs-Kloster in Sankt Petersburg erbauen, wohin sie sich als Nonne zurückziehen wollte.

Als besonders schweres Problem galt ihr ihre Nachfolge: obwohl sie ein langes Liebesverhältnis zu Alexej Rasumowskij (einem Mann einfacher Herkunft) und später zu Iwan Schuwalow unterhielt, war sie kinderlos geblieben. Das Haus Romanow war aber in seiner männlichen Linie bereits 1730 mit Peter II. ausgestorben. Also ernannte Elisabeth den Sohn ihrer Schwester Anna Petrowna zum Nachfolger, Peter Fjodorowitsch (geborener Karl Peter Ulrich von Holstein-Gottorp). Elisabeth liebte ihren Neffen nicht und seine politischen Ansichten entsprachen ihr nicht, weil er ein Bewunderer Friedrichs II. von Preußen war, gegen den sie im Siebenjährigen Krieg an der Seite Österreichs kämpfte. Sie konnte es noch erleben, dass ihre Truppen Ostpreußen besetzten und in Berlin einmarschierten. Dieser Krieg forderte von Russland ungeheure Kraftanstrengungen und brachten den Staat an den Rand des Ruins (Inflation).

Elisabeth starb 1761, nur 52 Jahre alt. Nach ihrem Tod wurden ihre militärischen Erfolge gegen Preußen von ihrem Nachfolger, Peter III., zunichte gemacht.

Literatur


  • Daria Olivier: Elisabeth von Russland. Die Tochter Peter des Großen. Wien 1963.
  • Tamara Talbot Rice: Elisabeth von Russland. Die letzte Romanow auf dem Zarenthron. München 1970.

Frau | Zar (Russland) | Romanow | Geboren 1709 | Gestorben 1761

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