Der elektrische Stuhl ist eine Vorrichtung zur Hinrichtung eines Delinquenten durch elektrischen Strom. Electric chair.jpg
Der elektrische Stuhl wurde von Edisons Mitarbeiter Harold P. Brown entwickelt. Da Edison sich stark für Browns Arbeit einsetzte, wird er heute oft als Erfinder des elektrischen Stuhls bezeichnet. Edison und George Westinghouse, der den Wechselstrom propagierte, lieferten sich damals einen erbitterten Streit darüber, welcher Strom sicherer in der Anwendung sei. Edison versuchte durch mehrere Tests mit Hunden, Katzen und Pferden die Gefährlichkeit des Wechselstroms seines Widersachers zu belegen. Dabei wurde von Harold P. Brown sogar ein Elefantenbulle, der drei seiner Wärter getötet hatte, mit Wechselstrom hingerichtet. Das Tier wurde getötet, indem es mit seinen Füßen auf Metallplatten gestellt und durch Ketten fixiert wurde, bevor man Wechselstrom durch die Metallplatten schickte. Auch der elektrische Stuhl wurde mit Wechselstrom entworfen, und Edison schlug den Begriff „Electricution“ oder „to westinghouse“ für die Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl vor. Westinghouse wehrte sich dagegen öffentlich. Er beauftragte einen bekannten Staranwalt mit dieser Angelegenheit. Westinghouse bangte um den Ruf seiner Firma, die mit der mutmaßlich gefährlichen Wechselspannung Geld verdienen wollte. Nach 14 Monaten war die Anhörung vorbei, und Edison durfte den elektrischen Stuhl zum Einsatz für eine Hinrichtung vorbereiten. Die meisten Experimente durch Edison und Brown fanden 1888 in Edisons West Orange Laboratorium in New Jersey statt.
Der erste auf einem elektrischen Stuhl hingerichetete Mensch war William Kemmler, der wegen eines Axtmordes an einer Frau zum Tode verurteilt wurde. Die Hinrichtung im Auburn Prison wurde durch den State Electrician Edwin Davis durchgeführt. Kemmler wurde auf dem präparierten Stuhl festgezurrt und mit jeweils einer Elektrode am Kopf und einer an den Füßen verbunden. Zunächst wurde eine Spannung von 1000 Volt eingestellt. Nachdem der Strom eingeschaltet wurde, krampfte Kemmler unter starkem Zucken und wand sich vor Schmerzen. Sein Blut kochte und ließ die Adern platzen, ebenso seine Augäpfel, die aus ihren Höhlen sprangen. Sein Fleisch verbrannte, Qualm stieg auf, sein rechtes Schulterblatt brach durch die starke Verkrampfung. Nach 17 Sekunden wurde der Strom erstmals abgeschaltet. Zum blanken Entsetzen der anwesenden Ärzte und Zeugen lebte Kemmler jedoch noch. Der Verurteilte röchelte, keuchte und erbrach sich. Man entschloss sich daher, die Spannung zu verdoppeln und somit auf 2000 Volt zu erhöhen. Erst als der Strom nach weiteren 70 Sekunden abgeschaltet wurde, war der Delinquent tot. Ein der Hinrichtung als Zeuge beiwohnender Reporter der New Yorker Presse bezeichnete anschließend diese neue Hinrichtungsmethode als eine äußerst grausame und qualvolle Art, jemanden zu töten: „Ein entsetzliches Schauspiel - weit schlimmer als Erhängen.“. Auch George Westinghouse war fassungslos: „Sie hätten ihn genauso gut mit einer Axt bei lebendigem Leib in Stücke hauen können.“, wird er zitiert.
Die erste Frau, die durch den elektrischen Stuhl hingerichtet wurde, war Martha M. Place am 20. März 1899. Sie wurde wegen Mordes an ihrer Stieftochter Ida zum Tode verurteilt. Auch sie starb wie zuvor schon William Kemmler durch Edwin Davis als State Electrician.
Der erste elektrische Stuhl in Texas, wie in einigen anderen Staaten der USA Old Sparky genannt, wurde 1924 von einem zum Tode verurteilten Häftling erbaut und war knapp 40 Jahre in Betrieb. Erst 1964 wurde er durch ein moderneres Modell ersetzt.
Die erste Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl nach der Aussetzung der Todesstrafe durch den Obersten Gerichtshof zwischen 1972 und 1976 fand am 25. Mai 1979 statt, als John Arthur Spenkelink in Florida hingerichtet wurde.
Nebraska ist heute der einzige Bundesstaat der USA, in dem der elektrische Stuhl die einzige Exekutionsmethode ist. Außerdem führen die Staaten Alabama, Florida, Georgia, South Carolina, Virginia und Illinois diese Methode noch immer fort, nachdem sie in vielen Staaten bereits abgeschafft worden war. Zuletzt wurde am 28. Mai 2004 James Neil Tucker in South Carolina auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. In Arkansas, Kentucky und Tennessee werden die Todeskandidaten nur noch mit der Giftspritze exekutiert, aber wenn das entsprechende Verbrechen noch vor dem Abschaffungsdatum stattfand, kann es durchaus möglich sein, dass der Verurteilte durch den elektrischen Stuhl hingerichtet wird.
Die Philippinen verwendeten von 1924 bis 1976 ebenfalls den elektrischen Stuhl *. In Äthiopien, wo heute noch die Todesstrafe besteht, wurde die Einführung des elektrischen Stuhls 1890 unter Kaiser Menelik II. mangels Elektrizität gleich nach der Bestellung wieder aufgegeben. Einer der Stühle wurde zum kaiserlichen Thron umfunktioniert. Andere Länder verzichteten auf die Benutzung des elektrischen Stuhls.
Bei der Exekution werden mindestens zwei Stromstöße vorgenommen, die je nach körperlicher Statur des Delinquenten unterschiedlich lange angewandt werden. Zunächst werden 2000 Volt eingesetzt, um den Widerstand der Haut zu brechen. Danach wird ein zweiter Stoß mit weniger Spannung durchgeführt, um den Stromfluss zu reduzieren und Brände zu vermeiden. Bei der Hinrichtung fließt üblicherweise ein Strom von 8 Ampere und der Körper erhitzt sich auf über 59° Celsius. Der Tod tritt sowohl durch eine unkontrollierte Depolarisation wichtiger Muskeln (z.B. Herz und Zwerchfell) als auch durch die Denaturierung, also das Stocken von Eiweißen, ein.
Es gibt aber zahlreiche Berichte darüber, dass die Körper der Verurteilten anfingen zu brennen oder Transformatoren überhitzten, so dass die Exekution unterbrochen werden musste. Zum Beispiel 1946 versagte die Methode bei Willie Francis, der Berichten zufolge „Take it off! Let me breathe!“ (Deutsch: „Hört auf! Lasst mich atmen!“) schrie. Darauf folgte ein Prozess vor dem US Supreme Court (Francis vs. Resweber) *, ob Francis nun bereits hingerichtet sei oder noch mal exekutiert werden müsse. Francis verlor den Prozess und wurde ein Jahr später bei seiner zweiten Hinrichtung getötet.
Selbst bei korrekt vollzogenen Hinrichtungen können starke Verbrennungen an der Haut auftreten, sodass diese an den Kontaktstellen zum Teil am Stuhl oder vielmehr an den Elektroden festbrennt. Der Delinquent verliert bei seiner Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl die vollständige Kontrolle über seine Muskulatur. Dies hat zur Folge, dass die meisten Verurteilten während der Hinrichtung defäkieren. Teilweise wurden die elektrischen Stühle an diese Bedingungen angepasst.
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