Elard Kurt Maria Fürchtegott von Oldenburg-Januschau (* 20. März 1855 in Beisleiden, heute Bezledy, Kreis Preußisch-Eylau; † 16. August 1937 in Marienwerder) war ein deutscher Großagrarier, Lobbyist und Reichstagsabgeordneter. Er gilt in der historischen Forschung als eines der einflussreichsten Mitglieder der so genannten Kamarilla um den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, also jenem Kreis, der die Politik des deutschen Reiches in der Spätphase der Weimarer Republik maßgeblich bestimmte, und in diesem Zusammenhang als eine Schlüsselfigur im Zusammenhang mit den Entwicklungen die schließlich zur Ernennung Adolf Hitlers zum deutschen Reichskanzler führten.
Nach der Eheschließung war Oldenburg-Januschau nach Ostpreußen ausgewandert und hatte dort 1801 das Gut Beisleiden erworben, das Januschaus Vater 1843 zur Bewirtschaftung übernommen hatte. In 1. Ehe war der Vater mit der Freiin Brunsig von Brun verheiratet, mit der er drei Töchter und einen Sohn hatte, der frühzeitig starb. Aus seiner 2. Ehe mit Maria von Arnim entstammte Sohn Elard. Er war der vierte Sohn aus dieser Verbindung. Die beiden ältesten Söhne starben schon als Kinder, während Elard und sein älterer Bruder im Elternhaus aufwuchsen. Im Jahre 1862 kaufte der Vater Oldenburg-Januschaus das östlich von Rosenberg gelegene heruntergewirtschaftete Gut Januschau mitsamt dem spätklasizistischen Gutshaus aus dem 18. Jahrhundert, um seinem Sohn Elard später einen landwirtschaftlichen Besitz hinterlassen zu können. Ein Dorf Januschau wurde 1312 erstmals erwähnt und erhielt die Handfeste 1362.
Der junge Oldenburg-Januschau besuchte die Schule in Königsberg, Wernigerode, Brandenburg und Halle. Dann wurde er Soldat und besuchte die Ritterakademie in Brandenburg. Nach bestandenem Fähnrichsexamen trat er in das traditionsreiche 2. Garde-Ulanen-Regiment in Berlin ein, wo er 1875 zum Leutnant befördert wurde. Während der acht Jahre seines aktiven Militärdienstes in Potsdam lernte Januschau Kaiser Wilhelm I., Otto von Bismarck, Helmuth von Moltke und den Kriegsminister Albrecht von Roon persönlich kennen. Obwohl vom soldatischen Leben sehr angetan, nahm er 1883, zu diesem Zeitpunkt im Rang eines Sekonde-Leutnants, nach dem frühen Tod seines Bruders Boto (1852-82) seinen Abschied, um sich der Verwaltung und Bewirtschaftung des Familienguts widmen zu können. 1885 nach dem Tod des Vaters übernahm er auch das Gut Beisleiden.
1884 heiratete Januschau Agnes Gräfin von Kanitz. Aus der Ehe, die bis zu seinem Tod hielt, gingen drei Töchter hervor, welche Januschau achtzehn Enkel gebaren. Durch seine Heirat knüpfte er Bande zu einer der politisch einflussreichsten Familien des Kaiserreiches. Sein Schwager, der Landrat Gerhard Graf von Kanitz - einer der bedeutendsten Parlamentarier seiner Zeit -, führte Januschau in die Politik ein und betrieb seine Aufnahme in den Kreis der konservativen Reichstagsabgeodneten. Sein Schwippschwager war der General Heinrich Graf von Lehndorff, der Generaladjudant Wilhelm I.
Seine Karriere führte ihn über den Kreistag, den Provinziallandtag, den Provinzialausschuss ins Preußische ABgeordnetenhaus, dem er von 1898 bis 1910 angehörte, und schließlich in den Reichstag, in dem er von 1902 bis 1912 (für die Konservative Partei) und 1930 bis 1932 (für die DNVP) Mandatsträger war. Er war wegen seiner radikal antiparlamentarischen und antidemokratischen Auffassungen bei seinen Mitparlamentariern und in der Öffentlichkeit berüchtigt. In den Gremien trat er mit sseiner unkonventionellen, derben und humorvollen Art insbesondere für die Interessen de rLandwirtschaft, des Militärs und des Hauses Hohenzollern ein. Insbesondere fiel er wegen der markigen Wortwahl, mit der er diese Ansichten kundtat, auf. So sorgte er am 29. Januar 1910 während der Reichstagsdebatte über den Militäretat reichsweit für großes Aufsehen, als er im Plenum des Reichstages in seiner Rede erklärte: "Der König von Preußen und Deutsche Kaiser muss jeden Moment zu einem Leutnant sagen können: Nehmen Sie zehn Mann und lösen Sie den Reichstag auf." Bei seinen konservativen Fraktionskollegen erregte er mit diesem Ausspruch zum direkten Verfassungsbruch lebhaften Zuspruch, bei den übrigen Parlamentariern hingegen - insbesondere bei den Sozialdemokraten - rief er damit energischen Protest hervor. Die Rede zog tumultartige Szenen im Parlament nach sich, so dass Oldenburg-Januschau sich genötigt sah, sich tagelang nicht im Reichstag sehen zu lassen und sich eine zeitlang vor der empörten Öffentlichkeit im Offizierskasino einer Kaserne verbergen musste (der "Volkszorn" gegen Januschau ging soweit, dass ein Mann der fälschlicherweise für ihn gehalten wurde, vor dem Portal des Reichstages von einer aufgebrachten Menschenmenge attackiert wurde). In einigen Städten kam es sogar zu öffentlichen Protestversammlungen gegen Januschau. Am 27. November 1910 legte er in diesem Zusammenhang sein Mandat in der preußischen Abgeordnetenkammer in Berlin nieder.
In weiteren aufsehenerregenden Ansprachen inner- und außerhalb des Parlaments äußerte Januschau auf die Bemerkung, die Thematik seiner eigenen Rede habe doch der Abgeordnete Richter schon direkt vor ihm ausführlich erläutert, dass es ihn mehr interessiere, "wieviele Ferkel eine Sau in Januschau bekommt, als die geistreichste Rede des Abgeordneten Richter" und dass er den Deutschen gern "eine Verfassung einbrennen" wolle, dass ihnen "Hören und Sehen vergehen" würde. Sein Lieblingsfeind im Parlament war August Bebel, der Parteivorsitzende der Sozialdemokraten, mit dem er sich u.a. eine heftige verbale Auseinandersetzung über Sinn bzw. Unsinn und Notwendigkeit bzw. Entmenschlichtheit des Stechschrittes der preußischen Soldaten lieferte. Während der Daily-Telegraph-Affäre stellte er sich als einziger ABgeordneter schützend vor den Kaiser, titulierte die SOzialdemokraten die seine ede störten, als "Schweinebande".
Neben seiner Tätigkeit als Reichstagsabgeordneter war Januschau auch als Präsident der Westpreußischen Landwirtschaftskammer tätig. Zu dem damals pensionierten General von Hindenburg pflegte er aufgrund der gemeinsamen, "standesgemäßen", Zugehörigkeit zum "Herrenklub" freundschaftliche Beziehungen.
Oldenburg-Januschau besuchte Hindenburg in der letzten Woche des Januar 1933 auf Gut Neudeck. Die dabei erfolgende Aussprache trug nach Aussage des damaligen Staatssekretärs des Reichspräsidenten Otto Meißner bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen viel zu Hindenburgs Entscheidung bei, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen.
Nach dem Tode des Großvaters übernahm sein Enkelsohn Heinfried Graf von Lehndorff das Gut Januschau und verwaltete es bis 1945. Das Gut war zuletzt 2.826 ha groß. 1945 wurde das Gutshaus Januschau Sitz der sowjetischen Kommandantur für die Region. Nach dem Abzug der Roten Armee und massiven Plünderungen ist das Gutshaus im Laufe der Jahre immer mehr verfallen, bis nur noch eine Ruine übrig war. Seit 2001 befindet sich das Gut im Besitz der polnischen Familie Zdun, die den Plan verfolgt, die Überreste des Guts in ein Hotel umzuwandeln.
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