El Alto (spanisch: "die Höhe") ist eine Stadt in Bolivien und liegt unmittelbar westlich von La Paz, zu dem es bis 1985 als Stadtteil gehörte. El Alto hat ca. 775.000 Einwohner (Schätzung von 2005) und ist damit die drittgrößte Stadt Boliviens, nach Santa Cruz (1.368.000) und La Paz (812.000) und vor Cochabamba (592.000). Sie bildet zusammen mit La Paz den bevölkerungsreichsten Ballungsraum Boliviens. In El Alto liegen zahlreiche Industriebetriebe und der internationale Flughafen von La Paz.
El Alto liegt zwischen 3.850 und 4.150 m ü.NN auf der trockenen Hochebene des Altiplano. Die Gesamtfläche des Stadtgebiets beträgt 1.042 km². Das Klima auf der kargen Hochebene ist wesentlich exponierter (insbesondere starke Winde) und kühler als in La Paz, das ca. 400 m tiefer geschützt im tief eingeschnittenen Tal des Río Chokeyapu liegt. Die Jahresdurchschnittstemperatur der Stadt beträgt 8,2 Grad C, mit langjährigen Durchschnittswerten von -4,7 Grad im Juli (Winter) und +17 Grad im Dezember (Sommer).
El Alto hat aufgrund seiner kurzen Geschichte und seiner Entstehung als Vorort kein historisches Stadtzentrum. Das Straßennetz ist geprägt von langen, geraden Straßen mit rechtwinkeligen Querstraßen.
Entlang der überregionalen Hauptstraßen haben sich viele Industriebetriebe angesiedelt, die im beengten Talkessel von La Paz keinen ausreichenden Platz hätten. Im zentralen Viertel von El Alto am Höhenrand des Talkessels ("la Ceja"), finden sich zahlreiche Läden und Straßenmärkte. Der früher auf freiem Feld liegende Flughafen ist inzwischen von der wachsenden Stadt völlig umschlossen. An den Stadträndern und um den Flughafen befinden sich ausgedehnte Elendssiedlungen von Landflüchtigen, die sich in der Stadt ein besseres Leben erhoffen.
Insgesamt wirkt die Stadt eher ärmlich, da sich überproportional viele einkommensschwache indigene Bevölkerungsteile mit ländlichem Hintergrund ansiedeln, die sich keinen Wohnraum im klimatisch wesentlich angenehmeren La Paz leisten können.
El Alto steht dabei in starkem Kontrast zum wesentlich wohlhabenderen La Paz, das ein kolonial geprägtes Stadtbild und eine mehrheitlich europäischstämmige Bevölkerung hat.
El Alto ist Ausgangspunkt von asphaltierten Hauptstraßen zum Titicaca-See, nach Desaguadero (Grenzübergang nach Peru), Arica (Chile), Oruro und Cochabamba. Zwischen La Paz und El Alto gibt es eine vierspurige (mautpflichtige) Schnellstraße ("Autopista"') und mehrere steile und enge Straßen durch Wohngebiete. Auch die Eisenbahnlinien zum Titicaca-See, Arica und Oruro laufen in El Alto zusammen, von wo aus es eine Stichstrecke nach La Paz gibt. Derzeit ist nur die Bahnstrecke nach Oruro in Betrieb, seit Mai 2006 findet dort auch wieder Personenverkehr mit einem Schienebus ("Ferrobus") statt. Darüber hinaus wird auf politischer Ebene erwogen, die stillgelegten Strecken nach Arica (möglichweise nur für Güterverkehr) und nach La Paz (für den Personenverkehr) zu reaktivieren.
El Alto hat keinen eigenen Busbahnhof; die meisten Überlandbusse haben Agenturen in El Alto und halten auf ihren Fahrten von und nach La Paz in der Stadt. Der innerstädtische Nahverkehr und die Verbindung nach La Paz wird von Minibussen und Linien-Sammeltaxis ("Trufis") bedient.
Da mit Ausnahme der Verbindung in die Yungas sämtliche Verkehrsverbindungen von und nach La Paz durch El Alto verlaufen (und sich wichtige Versorgungsbetriebe wie Raffinerien und Gasabfüllanlagen in El Alto befinden), kann La Paz durch die Blockade weniger Punkte am Höhenrand in El Alto faktisch von der Außenwelt abgeschnitten und belagert werden. Dies kam während der sozialen Unruhen zwischen 2003 und 2005 mehrfach vor, so dass zwischenzeitlich sogar erwogen wurde, den Regierungssitz aufgrund seiner strategischen Verwundbarkeit in eine andere Stadt zu verlegen.
Die karge und unwirtliche Hochebene oberhalb von La Paz war lange unbewohnt.
Die 1903 eröffneten Eisenbahnlinien zum Titicaca-See und nach Arica hatten ihre Endstation und Werkstätten am Höhenrand oberhalb von La Paz. In unmittelbarer Nähe entstanden die erste Siedlungen von Eisenbahnarbeitern. Erst 1905 ging eine steile Stichbahn von El Alto nach La Paz in Betrieb.
1925 wurde auf der Hochenene der Flugplatz und ein Militärstützpunkt für die neu gegründete Luftwaffe angelegt, was weitere Ansiedlungen nach sich zog. 1939 war die Siedlung so groß, dass eine Grundschule mit Anfangs einem Dutzend Schüler eröffnet wurde. Die Besiedlung lief jedoch noch zögerlich, da das Trinkwasser aufwendig in Tanks aus La Paz angeliefert werden musste.
Erst als El Alto Anfang der 1950er Jahre an die Wasserversorgung von La Paz angeschlossen wurde und gleichzeitig das Bauland im beengten Tal von La Paz knapp wurde, setzte in El Alto eine starke Expansion ein.
Während der Revolution von 1952 besetzten aufständische Minenarbeiter El Alto und eroberten die Luftwaffenbasis. Sie verhinderten damit die geplante Bombardierung von La Paz, das von Aufständischen kontrolliert wurde.
Ab 1957 organisierten sich die Bewohner des rasch wachsenden Stadtteils und strebten eine Loslösung von La Paz an. Im gleichen Jahr wurde die erste weiterführende Schule in El Alto eröffnet. 1970 erhielt El Alto eine eigene Stadtteilverwaltung (Sub Alcaldía), 1976 wurde die erste Poliklinik eröffnet.
Mit Gesetz vom 6. März 1985 wurde El Alto politisch als eigenständige Verwaltungseinheit ("sección municipal") von La Paz abgetrennt. 1988 wurde das unabhängige El Alto zur Stadt erhoben. Der 6. März 1985 wird heute als offizielles "Gründungsdatum" der Stadt gefeiert.
Die Stadt war bis zum Jahr 2002 in fünf Distrikte ("Municipios Vecinos") unterteilt: Achocalla, Laja, La Paz (Kanton Zongo), Pucarani und Viacha. Durch Dekret vom 29. Mai 2002 besteht die Stadt heute aus acht Stadtbezirken und einem Landbezirk ("Distritos Municipales").
Neben der offiziellen Stadtregierung wird El Alto durch ein System von rund 600 Nachbarschaftskomitees ("Juntas Vecinales") organisiert, in denen sich die ortsansässige Bevölkerung zusammengeschlossen hat und die ein bedeutender Machtfaktor sind.
El Alto gehört zu den am schnellsten wachsenden Städten der Welt, etwa 50% der Bevölkerung ist 19 Jahre alt und jünger, nur 18% der Bevölkerung sind älter als 39 Jahre. Die Gründe für das Bevölkerungswachstum sind sowohl die hohe Reproduktionsrate der ansässigen Bevölkerung als auch der unverminderte Zuzug von Landflüchtigen, während die Einwohnerzahl von La Paz, das sich wegen der topographischen Beschränkungen nicht weiter ausdehnen kann, seit Jahren stagniert.
74% der Bevölkerung von El Alto gehören der Gruppe der Aymara an, 6% sind Quechua.
El Alto gehört auch zu den ärmsten Städten der Welt, da sich die Elendsviertel der Stadt La Paz hierher verlagert haben: mehr als 70% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, 88% der Menschen sind Analphabeten. Immer noch haben die meisten Wohnviertel weder einen Wasser- noch einen Stromanschluss.
Viele Einwohner arbeiten in den örtlichen Industriebetrieben oder pendeln nach La Paz. Etwa 70 % der fast ausschließlich indigenen Bevölkerung sind in der informellen Wirtschaft tätig, dazu gehört vor allem der Handel auf riesigen Märkten mit landwirtschaftlichen, eigengefertigten, aber zum Teil auch geschmuggelten oder gestohlenen Gütern. Inzwischen hat sich im Handel eine eigene städtische Mittelschicht herausgebildet.