Ekklesiologie (v. griech.: εκκλησία / lat.: ecclesia = Kirche) ist die Lehre von der Kirche in der christlichen Theologie.
Im Wesentlichen lassen sich drei Ausprägungen der Ekklesiologie unterscheiden. Die eine wird stärker von der orthodoxen und den anderen katholischen Kirchen, die anderen beiden eher von den Kirchen der Reformation vertreten.
Nach katholischer Auffassung ist die Kirche ihrem Wesen nach sakramental. Sie ist Zeichen und Werkzeug des Heilshandelns Gottes in der Welt. Darum hat ihre geschichtliche Kontinuität und weltumspannende organische Einheit, garantiert durch die Bischöfe als Nachfolger der Apostel, theologische Relevanz. - Strittig ist die Primatsfrage.
Nach evangelischer Auffassung ist die Kirche "Geschöpf des Wortes Gottes" (creatura verbi). Sie entsteht und lebt überall dort, wo das Evangelium von der Gnade Gottes um Christi willen rein verkündet und glaubend angenommen wird. Sie ist die Gemeinschaft der gerechtfertigten Sünder, die durch ihr Handeln und ihre Organisationsform Gottes Wirken bezeugt.
Ein weiteres, weit verbreitets Kirchenverständnis ist von der Kirche als "Gemeinschaft der Glaubenden", die sich in der Ortsgemeinde konkretisiert. Für die Täufer - und in ihrer Nachfolge die Mennoniten und Baptisten - führt dieses Verständnis dazu, dass die Unabhängigkeit der Kirche vom Staat für die Ekklesiologie dieser Bewegungen konstitutiv ist. Auch in dem presbyterialen und synodalen Reformierten Kirche wird dieses Kirchenvertändnis sichtbar, obwohl sie öfters in ihrer Geschichte den Staat als Werkzeug ihres Glaubens zu benutzen versucht haben.
Diese unterschiedlichen Verständnisse überlappen zum Teil in den einzelnen Konfessionen. So ist zwar in den lutherischen Bekenntnisschriften die zweite Auffassung stark vertreten, jedoch wird auch in den gleichen Schriften nicht nur auf das Wort Gottes Bezug genommen, sondern auch auf die Verwaltung der Sakramente. Der Anglikanismus versteht sich zwar grundsätzlich als katholische Kirche im oben beschriebenen Sinn, vertritt aber auch die anderen beiden Kirchenverständnisse, die idealerweise alle zusammen auf die Kirche zutreffen sollten.
Diesen unterschiedlichen Ekklesiologien entsprechen unterschiedliche Vorstellungen von der gesuchten Einheit der Kirche Christi. Die Frage der gegenseitigen Anerkennung als "Kirche" ist ein zentrales Problem der aktuellen ökumenischen Bewegung. So unterscheidet die römisch-katholische Kirche z.B. in der Erklärung Dominus Iesus von 2000 zwischen "Kirchen" und "kirchlichen Gemeinschaften", was von vielen protestantischen Kirchen bis heute als Herabsetzung empfunden wird. Auch mit Apostolicae Curae (aus dem Jahr 1896) hat die römische Kirche sich vom Kirchenverständnis Anderer abgegrenzt.
Der aktuelle Stand der ökumenischen Diskussion findet sich in einer Ekklesiologie-Erklärung, die der Ökumenische Rat der Kirchen 2006 auf seiner 9. Vollversammlung in Porto Alegre (Brasilien) verabschiedet hat. Sie basiert auf der Studie "Wesen und Auftrag der Kirche", die von der ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung erarbeitet wurde und der seit 1968 auch die römisch-katholische Kirche als Vollmitglied angehört.
Aktuelle Literatur zur Ekklesiologie
Ekleziologie | Εκκλησιολογία | Ecclesiology | Eclesiología | Eklesioloogia | Kirkko-oppi | Ecclesiologie | Ekklesiologi | Kilise bilimi
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