Bei Räder der Eisenbahnen unterscheidet man zwischen Vollrädern und Rädern mit Radreifen sowie zwischen Metall- und Pneureifen. Weitere Merkmale von Rädern der Schienenfahrzeuge sind heute der Spurkranz sowie eine exakt berechnete geometrische Form. Zugräder.JPG, Bolivien]]
Das Vollrad wird heute sehr häufig eingesetzt. Fast alle Reisezugwagen und Triebwagen laufen heute mit Vollscheibenrädern. Das Vollrad ist leichter als ein bereiftes Rad. Es kann weiter abgefahren werden, weil es sich nicht lösen kann. Man umgeht bei einem Vollrad die Materialalterungsprobleme von Radscheiben nach 30-jähriger Nutzungsdauer, indem man das Rad nach seiner Laufleistung verschrottet.
Die Laufleistung eines Vollrades kann man nicht so genau angeben, weil es je nach Bauart unterschiedlichen Instandhaltungsintervallen unterliegt. Im optimalen Fall können Laufleistungen zwischen 1 Million und 2,5 Millionen Kilometern erreicht werden. Dabei kann ein Rad bis zu 10 cm seines Profils verlieren. Räder sind grundsätzlich aus weicherem Material als die Schienen, damit sich die Räder und nicht die Schienen abnutzen. Denn Räder sind günstiger und einfacher auswechselbar als Schienen.
Bei scheibengebremsten Vollrädern, die sehr hohe Laufleistungen erreichen ohne abgedreht werden zu müssen, kann es in seltenen Fällen zu einer Materialdoppelung im Laufbereich kommen. Diese Fälle sind sehr selten und die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Das Material löst sich flächig wenige Millimeter unterhalb der Lauffläche ab, deshalb sind die Vollräder bis zur nächsten Aufarbeitung in den Laufkilometern begrenzt.
Es entstehen infolge der Wärmebehandlung am Rand des Radkranzes von außen nach innen gesehen folgende Schichten
Die Harte Schicht und die Mischschicht werden in der anschließenden Hartbearbeitung abgedreht, so dass das Grundgefüge, nämlich im Wesentlichen Perlit, übrig bleibt. Somit läuft ein verhältnismäßig weiches Rad auf harter Schiene; d.h. das Rad erfährt die Abnutzung - und nicht die Schiene. Entsprechend wird das Rad nach Erreichen seines maximal zulässigen Abnutzungsgrades ersetzt - und nicht die Schiene. In Europa werden niedriglegierte Schmiedebaustähle für die Eisenbahnräderproduktion verwendet. Gängige Werkstoffbezeichnungen sind R7, R8, R9. Die UIC 812-3 Norm des internationalen Eisenbahnverbandes spezifiziert die geforderten technischen Eigenschaften vor und nach der Wärmebehandlung. Schlüsselvorgaben werden gemacht für:
Um der beim Einsatz von Kompositbremssohlen auftretenden zusätzlichen Erwärmung und den daraus resultierenden möglichen Spannungsrissen engegenzuwirken, werden seit Ende der 1980er versuchsweise und seit Mitte der 1990er in größerem Umfang eigenspannungsarme Radsätze eingesetzt. Die Kompositionsbremssohlen können die entstehende Bremswärme weniger gut abführen als die Graugussbremssohlen, so dass die Radscheibe mehr Wärmeenegie abführen muss und damit stärkeren Temperaturschwankungen ausgesetzt ist.
Um durch Temperaturschwankungen entstehende Spannungsrisse wirksam zu bekämpfen, wurde eine Radscheibe entwickelt, die weniger empfindlich auf solche Spannungen reagiert. Diese Radscheibe unterscheidet sich vor allem durch ihre ausgeprägte S-Form zwischen Radnabe und Laufflächenkörper, wodurch ein besserer Spannungsabbau erreicht wird als bei flachen Radscheiben. Im Nebeneffekt bewirkt die größere Oberfläche auch eine verbesserte Wärmeabfuhr. Solche Radsätze sind bei Güterwagen mit einem unterbrochenen, senkrechten weißen Strich auf dem Lagergehäuse gekennzeichnet.
Er besteht in einer Auswölbung an der Innenseite des Eisenbahnrades, die etwa 3 cm (Spurkranzhöhe) über die Lauffläche hinausragt. Der Spurkranzkuppe schließt sich die in der Regel 70° geneigte Spurkranzflanke an, bevor der Spurkranz über die Hohlkehle in die Lauffläche übergeht. Der Abstand der beiden Spurkränze eines Radsatzes wird Spurmaß genannt. Die Gesamtheit der beiden Räder mit Spurkränzen, der mit ihnen fest verbundenen Radsatzwelle und gegebenenfalls den Bremsscheiben heißt Radsatz. Durch die Spurkränze wird das Spurspiel, innerhalb dessen sich das Eisenbahnfahrzeug in Querrichtung bewegen kann, jeweils durch einen Spurkranzanlauf, also das Anlaufen eines Spurkranzes an den inneren Schienenkopf, begrenzt. Dadurch wird eine sichere Spurführung von Eisenbahnfahrzeugen gewährleistet. Zusätzlich wird in der Regel das Laufverhalten durch den Sinuslauf stabilisiert.
Um in Kurven Geräuschentwicklungen und übermäßigen Verschleiß des Spurkranzes durch das Anlaufen an die Schienenflanke zu vermeiden, verfügen viele Lokomotiven, Steuerwagen und Triebzüge über Einrichtungen zur Spurkranzschmierung.
Eine andere Führungstechnik ist der Spurnagel. Dieser befindet sich direkt am Fahrzeug und greift in den Zwischenraum der in diesem Falle sehr breiten Schienen. Dieses Prinzip der Spurführung findet sich bei sehr alten Schienenfahrzeugen des Bergbaues und wurde bei der Entwicklung der Eisenbahn nicht weiter verfolgt.
Aus geometrischen Gründen ist es einem Doppelkegel schwer möglich, eine Schiene, die er entlang rollt, zu verlassen, da jede Auslenkung nach rechts oder links aufgrund räumlicher Geometriegesetze zum Entstehen einer Kraft in der entgegengesetzten Richtung führt. Doppelkegel taumeln sich so in ein Gleichgewicht ein und stabilisieren sich unter höheren Geschwindigkeiten sehr genau. Es ist möglich, einen Doppelkegel eine Schiene entlang laufen zu lassen, wobei er mittig läuft und seine stabilisierte Lage nicht mehr verlässt. Der Lauf in der Schiene kann technisch so exakt justiert werden, dass nur noch Taumelbewegungen im Millimeterbereich auftreten. Dies ermöglicht es, die überstehenden Bestandteile des Doppelkegels einfach wegzulassen. Schienenräder entsprechen dann nur jenen Scheiben des Doppelkegels, die die Schiene berühren. Beide Spitzen und die zentralen Bestandteile des Doppelkegels werden für diesen Effekt nicht benötigt.
Der beschriebene Effekt spielt bei der Konstruktion von modernen, hochleistungsfähigen Schienenfahrzeugen ebenso eine Rolle wie bei der Konstruktion von Gleisen und Schienenbetten. Bei Kurvenfahrten beispielsweise verschiebt sich die Spurlage durch die Zentrifugalkraft nach außen, weshalb das kurvenäußere Rad die längere Strecke auf einem größeren Raddurchmesser befährt und das kurveninnere Rad demgegenüber im Bereich eines geringeren wirksamen Raddurchmessers läuft; bei den üblichen Starrachsen verringern sich dadurch die beim Durchfahren von Kurven entstehenden Reibungsverluste. Auch die zulässige Höchstgeschwindigkeit von konventionellen Schienenfahrzeugen wird durch die geometrische Beschaffenheit der Räder und das Zusammenspiel von Spurkranz und Radreifen maßgeblich mitbestimmt.
Schienenfahrzeuge ziehen einen großen wirtschaftlichen Vorteil daraus, dass sie die Antriebsenergie wesentlich effizienter umsetzen können als viele andere Fahrzeuge. Denn die geringe Reibung des Rades auf der Schiene, die einerseits das allgemein schlechtere Bremsverhalten von Schienenfahrzeugen bewirkt, führt andererseits zu einer effizienten Ausnutzung der benötigten Energie.
Eine optimale Ausnutzung der Laufeigenschaften von Schienenfahrzeugen setzt allerdings einheitliche Standards bei der geometrischen Ausführung von Rädern und Gleisen voraus. Die unterschiedlichen Passungen von Rädern und Schienen sind ein Grund dafür, dass Schienenfahrzeuge, sobald sie Gleissysteme befahren, die nach verschiedenen Standards gebaut wurden (andere Länder, andere Gleistypen), einen Teil ihrer technischen Effizienz einbüßen. Langsamere oder andere Durchschnittsgeschwindigkeiten bewirken einen erhöhten Energieverbrauch, die Beanspruchung des Spurkranzes (besonders in Kurven) kann zu höheren Wartungskosten führen.
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