| Eisbär | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| : | Laurasiatheria |
| : | Raubtiere (Carnivora) |
| : | Hundeartige (Canoidea) |
| : | Bären (Ursidae) |
| : | Ursus |
| : | Eisbär |
Das Fell ist üblicherweise weiß gefärbt, kann aber im Sommer einen gelblichen oder sogar hellgrauen Farbton annehmen. Die Haare haben keine Pigmente, daher kann das Sonnenlicht ungehindert auf die schwarz gefärbte Haut durchdringen. Eine mehr als 10 Zentimeter dicke Fettschicht ergänzt die Anpassung an den polaren Lebensraum. Im Körperbau unterscheidet er sich von anderen Bären durch den langen Hals und den relativ kleinen, flachen Kopf. Im Gegensatz zu nah verwandten Braunbären fehlt ihnen der muskulöse Buckel am Nacken. Die Augen sind klein, die Ohren aufgerichtet und rund. Wie die meisten Bären haben Eisbären 42 Zähne. Die Vorderbeine sind lang und kräftig, die großen Vorderfüße sind paddelartig entwickelt und ermöglichen ein schnelles Schwimmen. Die Fußsohlen sind dicht behaart, was sowohl einen Kälteschutz darstellt als auch das Ausrutschen auf dem Eis verhindert. Alle Füße tragen fünf nicht einziehbare Krallen, wie alle Bären sind Eisbären Sohlengänger.
Es werden sechs Hauptpopulationen unterschieden:
Die nördlichsten bislang gefundenen Tiere hielten sich auf 88° nördlicher Breite auf, die am weitesten südlich vorkommenden Tiere halten sich entlang der Hudson Bay und der Nordwestküste der sich etwas weiter südöstlich anschließenden James Bay auf. Vereinzelt wurden Eisbären auch auf Neufundland und Island gesichtet.
Während des Sommers legen sie manchmal Gruben oder Höhlen in der Erde an, um der Sonne aus dem Weg zu gehen und sich kühl zu halten. Im Gegensatz zu etlichen anderen Bärenarten verbringen sie die kalte Jahreszeit allerdings nicht schlafend. Zwar ziehen sie sich manchmal während ausgesprochen schlechtem Wetter in Baue oder Schneehöhlen zurück, bleiben aber nur kurz darin. Die Ausnahme von dieser Regel sind trächtige Weibchen, die sich von Oktober oder November bis März in eine Schneehöhle zurückziehen. Da dabei Atemfrequenz und Herzschlag zwar deutlich zurückgehen, die Körpertemperatur aber nur leicht sinkt, spricht man nicht von einem echten Winterschlaf, sondern von Winterruhe. Die Schneehöhlen, die zu diesem Zweck angelegt werden, bestehen aus einem 1 bis 3 Meter langen, oft steilen Tunnel und einer ovalen Kammer mit rund 3 Kubikmetern Inhalt. Die Winterruhe erfolgt also im Gegensatz zu anderen Bären nicht als Anpassung an das verringerte Nahrungsangebot, sondern um den im Winter geborenen Jungtieren größtmöglichen Schutz zu bieten.
Eisbären sind gute Schwimmer, obwohl sie meist nicht im Wasser nach Beute jagen. Sie können eine Geschwindigkeit von 6,5 Kilometern pro Stunde erreichen und Distanzen von bis zu 65 Kilometer schwimmend zurücklegen. Sie können bis zu 2 Minuten tauchen, gehen dabei aber selten tiefer als 1 bis 2 Meter. Auch an Land können sie sich schnell fortbewegen und auf kurze Distanzen ein Rentier einholen.
Im offenen Wasser sind die Robben kaum zu erjagen. Im Winter bieten sich dagegen auf den Packeisfeldern an Eisspalten beste Jagdbedingungen; mit dem Geruchssinn spüren die Eisbären Robben in mehr als 1 Kilometer Entfernung oder unter 1 Meter dicken Eis- oder Schneeschichten auf. Typisches Jagdverhalten des Eisbären ist das Ausharren an Atemlöchern von Robben. Er wartet dort oft stundenlang, bis eine Robbe zum Luftholen nach oben kommt, und erlegt sie dann durch blitzschnellen Zugriff mit Gebiss und Pranken. Allerdings verlaufen rund 9 von 10 Fangversuchen erfolglos. Durch sein helles Fell ist der Eisbär an die Umgebung angepasst; gut getarnt kann er vom Beutetier unter dem Wasserspiegel nur schwer wahrgenommen werden. Um den einzigen Hinweis auf seine Anwesenheit, die schwarze Schnauze, zu verbergen, lernt er früh, sie mit seiner hellen Pranke zu verdecken, um den Jagderfolg zu optimieren.
Zoo Berlin Eisbär.jpg Wohlgenährte Eisbären fressen vom frisch erlegten Beutetier nur Haut und Speck; der Rest bleibt liegen. Schwächere Bären oder Polarfüchse, aber auch aasfressende Seevögel wie Möwen machen sich dann darüber her. Viele Polarfüchse haben sich regelrecht darauf spezialisiert, Eisbären zu folgen und deren Nahrungsreste zu konsumieren.
Neben Robben verzehren sie auch Vögel, die sie am Wasser schwimmend erbeuten. Daneben zählen auch Kleinsäuger wie Erdhörnchen und Lemminge, Vogeleier und Fische zu ihrer Nahrung. Manchmal erlegen sie auch Rentiere oder fressen die gestrandeten Kadavern von Walen. Pflanzliches Material macht nur einen kleinen Teil der Nahrung aus, im Sommer und Herbst verzehren sie manchmal Beeren.
Auch Kannibalismus ist nicht ungewöhnlich. Junge Eisbären laufen immer wieder Gefahr, von einem älteren männlichen Bären gefressen zu werden, weshalb Muttertiere mit ihren Jungen den Männchen ausweichen oder sie mit Drohgebärden verjagen.
Eisbären haben in ihrer Leber so viel Vitamin-A gespeichert, dass Polarforscher oder Inuit deren Verzehr vielfach mit schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Lebervergrößerungen büßen mussten. Im Extremfall endete die Überdosierung tödlich.
Die Geburt der jungen Bären erfolgt dann zwischen November und Januar, also im tiefsten Winter. Wie oben erwähnt, halten trächtige Weibchen eine Winterruhe, dazu beziehen sie etwa einen Monat vor der Geburt Geburtshöhlen, meist kleine Schneehöhlen mit einem 1 bis 3 Meter langen Tunnel, wobei der Eingang der Höhlen gewöhnlich als Kältefalle ausgestaltet ist. Die Mütter verlassen diese Geburtshöhlen erst wieder vier Monate später (im März oder April) mit ihren Jungen. Die Gegenden, in denen die Weibchen ihre Jungen gebären, werden als „Denning Areas“ (Höhlengebiete) bezeichnet.
Das in seiner Ausdehnung größte Geburtshöhlengebiet der gesamten Arktis ist im kanadischen Wapusk-Nationalpark gelegen, der sich an der Südküste der Hudson Bay rund 70 Kilometer südöstlich der Stadt Churchill, zwischen dem Nelson River und Cape Churchill ausdehnt („Wapusk“ ist die Bezeichnung der Cree-Indianer für „weißer Bär“). Große kanadische Höhlengebiete erstrecken sich außerdem um die Mündung des Winisk River in die Hudson Bay (südöstlich des Wapusk-Nationalparks), um die Agu Bay an der Westküste der Baffin-Insel nahe dem westlichen Ende der Fury-und-Hecla-Straße und entlang der zum Ukkusiksalik-Nationalpark gehörenden Wager Bay in der Nordwestecke der Hudson Bay. Ausgedehnte Geburtshöhlengebiete außerhalb Kanadas befinden sich unter anderem auf Spitzbergen und der Wrangelinsel im Norden Sibiriens.
Der Wurf besteht aus einem bis vier, üblicherweise jedoch zwei etwa kaninchengroßen, bei der Geburt sehr fein behaarten, zunächst noch blinden und tauben Jungen von 400 bis 900 Gramm Gewicht. In den ersten beiden Monaten erreichen sie ein Gewicht von 10 bis 15 Kilogramm, und ihr weißes Fell wird immer dichter. Die Jungen werden 1½ bis 2½ Jahre gesäugt, lernen währenddessen das Jagdverhalten der Mutter und werden schließlich von ihr verlassen. Unter den harten arktischen Lebensbedingungen überleben nur etwa 50% der Jungen diese Anfangsjahre.
Eisbären werden mit etwa fünf bis sechs Jahren geschlechtsreif. Ab 20 Jahren geht die Fruchtbarkeit der Weibchen deutlich zurück. Das potentielle Höchstalter der Eisbären in freier Natur wird auf 25 bis 30 Jahre geschätzt, in menschlicher Obhut können sie 45 Jahre alt werden.
Churchill-polar-bears.jpg]] In jüngerer Zeit sind allerdings zwei weitere Faktoren für die Bedrohung der Eisbären maßgeblich geworden. Zum einen wird durch die verstärkte Förderung von Erdöl und Erdgas in den arktischen Regionen ihr Lebensraum eingeschränkt, insbesondere die Gebiete, in denen sich die Weibchen zur Winterruhe und zur Geburt zurückziehen, sind dabei in Mitleidenschaft gezogen. Zum anderen wird befürchtet, dass durch die globale Erwärmung die Lebensräume der Eisbären drastisch zurückgehen.
So berichteten Forscher der US-Wissenschaftsbehörde Geological Survey im Juni 2006 in der Zeitschrift Polar Biology, dass sie seit 2004 wiederholt Überreste von erwachsenen weiblichen Tieren gefunden hätten, die von männlichen Artgenossen getötet und teilweise aufgefressen worden seien. In einem Fall habe man Fußabdrücke eines Jungtieres neben dem toten Weibchen entdeckt. Das Jungtier habe entkommen können, weil das angreifende Männchen ihm nicht gefolgt sei. Die Forscher um Teamleiter Steven Armstrup werteten dieses Verhalten als Anzeichen dafür, dass Hunger die treibende Kraft für den Angriff war und nicht das Töten eines fremden Jungtieres. Alle Fälle ereigneten sich in Gebieten, in denen das Polareis mehr und mehr wegschmilzt. Die Tiere in diesen Regionen seien zudem auffallend dünn.Spiegel-Online vom 13. Juni 2006 und Agentur AFP vom 15. Juni 2006
In Literatur und Film, vor allem für Kinder, kommen immer wieder Eisbären vor. Bekannt ist die Bilderbuchserie „Der kleine Eisbär“ von Hans de Beer. Im deutschsprachigen Raum war auch das Lied „Eisbär“ der Schweizer Band Grauzone aus dem Jahr 1980 bekannt.
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