Ein-China-Politik bezeichnet das Prinzip, dass es nur ein China gibt und sowohl Festland-China als auch Taiwan Teil davon sind. Alle Nationen, die diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China (VRC) aufnehmen wollen, müssen dieses Prinzip anerkennen. Außerdem hat die VRC es zu der Grundlage gemacht, die andere Nationen vor Verhandlungen mit der Regierung der Republik China (Taiwan) anerkennen müssen.
Die veränderte Position der VRC wurde im Anti-Sezessions-Gesetz von 2005 deutlich, das zwar ein unteilbares China proklamiert, dieses aber nicht mehr eindeutig mit der VRC identifiziert. Seit 2004 hat Peking keine wesentlichen Äußerungen mehr gemacht, die die VRC als einzig rechtmäßiges China darstellen und damit seine Definition des einen China leicht verändert. Sie hat dadurch ein Konzept abgesteckt, das als "Konsens von 1992" bekannt ist und definiert, dass es ein China bestehend aus Festland-China und Taiwan gibt, allerdings unterschiedliche Interpretationen dieses einen China existieren.
Eine weitere Interpretation des einen China ist, dass nur eine geographische Region China existiert, die durch den Chinesischen Bürgerkrieg in zwei Regierungen gespalten wurde. Dies ist im wesentlichen die Position der taiwanesichen Unterstützer der Chinesischen Wiedervereinigung, deren Ziel es ist, dass das "eine China" schließlich unter einer gemeinsamen Regierung vereinigt wird. Seit 2005 ist diese Position nah genug an denen der VRC, um einen Dialog auf höchster Ebene zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und der Oppositionskoalition Taiwans (Pan-blaue Koalition) zuzulassen.
Die Bezeichnung "Chinese Taipei" ist der einzig annehmbare Name auf den meisten internationalen Spielfeldern, da "Taiwan" annehmen lässt, dass Taiwan ein eigener Staat wäre und "Republik China" suggeriert, dass es zwei Chinas gibt; beides würde die Ein-China-Politik verletzen. Die meisten Staaten, die Peking anerkennen, umgehen die diplomatische Nomenklatur, indem sie "Handelsbüros" einrichten, welche ihre Interessen auf taiwanesischem Boden vertreten, während die Interessen der Republik China im Ausland über die TECO (en:Taipei Economic and Cultural Office, Taipeh Wirtschafts- und Kulturbüros) vertreten werden; Taipeh Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland. Nationen, die diplomatische Beziehungen mit der VRC unterhalten, haben keine formellen diplomatischen Beziehungen zu Taiwan, stattdessen werden außenpolitische Verhältnisse über formell private Organisationen wie das Deutsche Institut in Taipei gepflegt. Die Bundesrepublik Deutschland verfolgt die Ein-China-Politik nach dem Leitsatz Ein Land, zwei Systeme und akzeptiert auch die Demokratie in Taiwan.
Die VRC hat klargestellt, dass ihre Interpretation des "einen China" nicht starr ist und dass "ein China" sich nicht notwendigerweise auf die VRC bezieht. Sie hat Gespräche mit Parteien in Taiwan und der taiwanesischen Regierung auf der Basis des Konsens von 1992 angeboten. Dieser postuliert, dass es ein China gebe, welches aber unterschiedlich interpretiert werden könne. Trotzdem bedeutet diese Politik, dass Taiwan formell seine Unabhängigkeitsbestrebungen aufgibt und dass jede Formulierung nach "einer Nation, zwei Staaten" ähnlich wie in der deutschen Ostpolitik oder der Koreanischen Wiedervereinigung ausgeschlossen ist.
"Ein China" war die Formulierung der Republik China vor den 1990er Jahren, wobei hier geltend gemacht wurde, dass die Republik China und nicht die VRC dieses eine China darstelle. 1991 sagte Präsident Lee Teng-hui, dass er das Recht der kommunistischen Behörden auf Kontrolle des Festlandes nicht angreifen werde. Im Verlauf der 1990er Jahre entfernte Präsident Lee sich von der Ein-China-Formulierung, was dazu führte, dass viele glaubten, er sympathisiere mit dem Gedanken der taiwanesischen Unabhängigkeit. 1999 schlug Lee eine Zweistaatentheorie für das Verhältnis zwischen Festland-China und Taiwan vor, auf die Peking ungehalten reagierte. Daraufhin endete der halboffizielle Dialog.
Nach der Wahl von Chen Shui-bian im Jahr 2000 schlug die Republik China Verhandlungen ohne Vorbedingungen vor. Obwohl Chen die Zweistaatentheorie Lees nicht ausdrücklich zurückwies, unterstützte er sie auch nicht explizit. Im Jahr 2001 gab es erfolglose Versuche, eine für beide Seiten akzeptable Formulierung wie den Konsens von 1992 befolgen zu finden. Nachdem Präsident Chen den Vorsitz der Demokratischen Fortschrittspartei übernommen hatte, verdeutlichte er seine Politik und sagte, es sei deutlich, dass beide Seiten der Straße Formosa getrennte Staaten seien. Diese Formulierung wurde von der oppositionellen pan-blauen Koalition scharf kritisiert. Diese verfolgt eine Ein-China-Politik, wendet sich aber gegen die Definition der VRC als dieses "Einen China".
Die Ein-China-Politik wurde Thema im Wahlkampf der Präsidentschaftswahl 2004. Chen Shui-bian verdeutlichte seinen Standpunkt erneut und wies die Ein-China-Politik öffentlich von sich, da sie impliziere dass Taiwan ein Teil der VRC sei. Sein Herausforderer Lien Chan unterstützte die Politik "Ein China, verschiedene Interpretationen"", wie bereits 1992. Lien Chan und sein Vizekandidat James Soong sagten aber nach der Wahl, dass sie die Wiederveinigung Chinas nicht als höchstes Ziel ihrer Politik gegenüber der VRC sehen und die Möglichkeit einer späteren Unabhängigkeit Taiwans nicht ausschließen.
Im März 2005 verabschiedete die VRC ein Anti-Sezessionsgesetz, das den Einsatz militärischer Gewalt autorisiert, um Bestrebungen, die sich von der Ein-China-Politik entfernen, zu begegnen. In diesem Gesetz wird allerdings nicht von der VRC als dem "Einen China" gesprochen. Im April und Mai 2005 besuchten Lien Chan und James Soong Festland-China getrennt voneinander und machten ihre Unterstützung für den Konsens von 1992 und das Konzept des "Einen China" deutlich. Beide stellten auch die Position ihrer Parteien gegen die Unabhängigkeit Taiwans klar.
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