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Eigersund
 

Der Eiger ist ein 3'970 m ü. M. hoher Gipfel in den Berner Alpen. Dem Hauptkamm der Berner Alpen nördlich vorgelagert gehört der Eiger ganz zum Schweizer Kanton Bern. Zusammen mit Mönch und Jungfrau dominiert er die Landschaft des zentralen Berner Oberlands.

Der Name Eiger ist urkundlich zuerst erwähnt 1252 als "mons Egere". Ob dies aus dem Mittelhochdeutschen "Hej Ger" (= "Hoher Spiess") stammt, ist ungeklärt.

Lage und Umgebung


Eiger_Westgrad.jpg

Der Eiger selbst erstreckt sich primär in NO-SW-Richtung und erscheint aus diesen Richtungen als markantes Horn. Insbesondere der NO-Grat (Mittellegigrat) ist eine eindrucksvolle Kletterei (S, III). Nach SO und vor allem NW zeigt er seine Breitseiten. Er überragt das Tal bei Grindelwald-Grund um gut 3'000 m und ist dem aus Nordwesten heranziehenden Schlechtwetter besonders stark ausgesetzt.

Am Fusse der Eiger-Nordwand beginnt das UNESCO-Weltnaturerbe Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn.

Im Inneren des Berges, mit einem Bahnhof und Fenstern in der Eiger-Nordwand, verläuft der Tunnel der Jungfraubahn.

Geologie


Der Eiger besteht komplett aus Kalk, speziell aus Sedimenten des Mesozoikum (Erdmittelalter), die hier am Nordrand des Aarmassivs steil aufgerichtet stehen. Das Aarmassiv ist von Süden bis zum Nördlichen Eigerjoch über die Sedimente aufgeschoben (eine geologische Rarität).

Routen und Besteigungen


Routen

Westflanke

  • Schwierigkeit: ZS (Frz. Skala: AD)
  • Zeitaufwand: 6-8 Stunden
  • Ausgangspunkt: Station Eigergletschter der Jungfraubahn (2'320 m)
  • Talort: Grindelwald (1'034 m)

Westgrat

  • Schwierigkeit: AS, VI (Frz. Skala: ED; mit VI. UIAA-Grad Felskletterei)
  • Zeitaufwand: 9-11 Stunden
  • Ausgangspunkt: Station Eigergletschter der Jungfraubahn (2'320 m)
  • Talort: Grindelwald (1'034 m)

Nordostgrat oder "Mittellegigrat"

  • Schwierigkeit: S, III (Frz. Skala: D; mit III. UIAA-Grad Felskletterei)
  • Zeitaufwand: 4-5 Stunden
  • Ausgangspunkt: Mittellegihütte (3'355 m)
  • Talort: Grindelwald (1'034 m)

Südgrat

  • Schwierigkeit: ZS, III (Frz. Skala: AD; mit III. UIAA-Grad Felskletterei)
  • Zeitaufwand: 5-6 Stunden
  • Ausgangspunkt: Mönchsjochhütte (3'657 m)
  • Talort: Grindelwald (1'034 m)

Südwestgrat

  • Schwierigkeit: ZS (Frz. Skala: AD)
  • Zeitaufwand: 6-8 Stunden
  • Ausgangspunkt: Station Eigergletschter der Jungfraubahn (2'320 m)
  • Talort: Grindelwald (1'034 m)

Eiger-Nordwand

Er ist berühmt für seine schwierig zu durchkletternde Nordwand (strenggenommen NW-Wand) mit ca. 1'650 Metern Höhendifferenz, die im Volksmund auch als Eigermordwand bezeichnet wird. Erstmals durchstiegen wurde die Eiger-Nordwand vom 21.-24. Juli 1938 durch eine deutsche und eine österreichische Seilschaft mit Heinrich Harrer, Anderl Heckmair, Fritz Kasparek und Ludwig Vörg. In der Wand hatten sich die beiden Seilschaften (Kasparek und Harrer aus Österreich einerseits, Heckmair und Vörg aus Deutschland andererseits) vereinigt. Obwohl der Zusammenschluss der Seilschaften keinerlei politische Gründe hatte (die vier hatten sich aus Freude über ihr Überleben in einer Lawine in der "Spinne" verbunden), sah das damalige nationalsozialistische Regime in der Vereinigung ein Symbol für den Anschluss Österreichs an Deutschland, der kurz vorher, am 13. März 1938, erfolgt war, und schlachtete den bergsteigerischen Erfolg als Zeichen für die Stärke Deutschlands propagandistisch aus.

Die Schweizer hielten damals wenig von der vor allem in Bayern und in Wien betriebenen "Akrobatik" im Bergsteigen (= Kletterei jenseits des IV. Grades) und natürlich auch nicht von der deutsch-nationalen Inanspruchnahme ihres Berges.

Die erste Winterbegehung der Eiger-Nordwand erfolgte 1961 durch Toni Hiebeler, Walter Almberger, Anderl Mannhard und Toni Kinshofer. Die erste Winterbegehung durch eine italienische Gruppe fand im folgenden Jahr unter der Führung des Südtiroler Bergsteigers Armando Aste statt.

Die erste Alleinbegehung erfolgte 1963 durch den Schweizer Michel Darbellay.

1968 gelang Reinhold Messner die Erstbesteigung des Eiger-Nordpfeilers.

1974 gelangen Peter Habeler und Reinhold Messner die damals schnellste Begehung der Eiger-Nordwand innerhalb von 10 Stunden. Dies gilt bis heute als die schnellste Durchsteigung durch eine Seilschaft.

Die schnellsten Begehungen (unter 5 Stunden) erfolgten 1983 unabhängig voneinander durch die Alleingänge von Thomas Bubendorfer und Reinhard Patscheider. Noch schneller war im Jahr 2003 der Südtiroler Christoph Hainz (4,5 Stunden)

Die Nordwand wurde vor allem durch die dortigen Katastrophen bekannt, insbesondere die des Toni Kurz (mit Anderl Hinterstoisser, Edi Rainer und Willy Angerer, 1936) und die des Claudio Corti (einziger Überlebender der Gruppe neben den umgekommenen Stefano Longhi, Günther Nothdurft und Franz Mayer, 1957). Bekannt wurde auch das tödliche Ende eines Versuchs der Durchsteigung für vier Spitzenbergsteiger aus der DDR im Jahr 1967.

Die klassische Route durch die Nordwand (Heckmair-Route) führt über folgende Stellen: Erster Pfeiler, Stollenloch, Schwieriger Riss, Hinterstoißer-Quergang, Erstes Eisfeld, Schwalbennest, Eisschlauch, Zweites Eisfeld, Bügeleisen, Todesbiwak, Drittes Eisfeld, Rampe, Wasserfallkamin, Rampeneisfeld, Brüchiges Band, Götterquergang, Spinne, Corti Biwak, Ausstiegsrisse und Gipfeleisfeld, AS, V.

Direktrouten (Diretissime) führen im zentralen Wandteil empor (John-Harlin-Route, 1966), im rechten Wandteil (Japaner-Route, 1969) und im linken Wandteil (Tschechen-Route II, 1978). Unbewältigt ist bislang der Ausstieg aus der Rampe direkt gegen die oberste Nordrippe.

Der Eigergipfel war auf anderen Routen schon lange vorher bestiegen worden, erstmals durch die Grindelwalder Bergführer Christian Almer und Peter Bohren zusammen mit Charles Barrington, einem irischen Gast am 11. August 1858. Grosse_Scheidegg.jpg

Hinterstoißer-Quergang
Der Hinterstoisser-Quergang ist eine ca. 30 m breite Felsplatte, eine schwierige Passage der Eigernordwand. Benannt nach dem Berchtesgadener Bergsteiger Andreas Hinterstoisser, welcher am 18. Juli 1936 die Stelle mittels der Technik des Seilzugquergangs meisterte.

Bekanntheit erlangte der Quergang durch den Erstbesteigungsversuch der Deutschen Hinterstoisser und Toni Kurz und der Österreicher Willy Angerer und Edi Rainer. Nachdem die vier den Quergang an Hinterstoissers Seil passiert hatten, zogen sie das Seil ab, was ihnen später den sicheren Rückweg versperren sollte. Sie kamen nur bis zum Todesbiwak und beim Abstieg am 21. Juli versuchten sie dann, sich hundert Meter abzuseilen.

Dabei wurden drei Bergsteiger durch Steinschlag/Lawinen getötet, nur Toni Kurz konnte den weiteren Abstieg fortsetzen. Er verstarb mit den Worten: "Ich kann nicht mehr" drei Meter über den Rettern an Erschöpfung - der Karabinerabseilsitz verklemmte sich im Knoten, der zwei Seile verband.

Todesbiwak
Das Todesbiwak ist ein Biwak-Platz am oberen Ende des Bügeleisens - also des Felssporns, der die Plattenschüsse trennt, die früher das Zweite und Dritte Eisfeld trugen.

Der Ausdruck Todesbiwak kam auf, da dies die letzte Stelle war, an welcher Karl Mehringer und Max Sedlmayr zuletzt lebend (vom Tal aus, mittels Fernrohr) gesehen wurden. Die beiden Münchner waren die ersten Bergsteiger, welche die Eigernordwand durchsteigen wollten. Am 21. August 1935 starteten sie und starben fünf Tage später im Schneesturm.

Götterquergang
Quergang in der Eiger-Nordwand (Normalroute) zwischen "Rampe" (genau: zwischen dem Brüchigen Riss) und "Spinne" in ca. 3'600 m Höhe. Landschaftlich hervorragend schön und zugleich gut kletterbar, daher der Name. Erstmals betreten von Anderl Heckmair und Ludwig Vörg am 23. Juli 1938.

Die "Spinne"
Die Spinne ist ein Firnfeld in der Gipfelwand des Eigers. Firncouloirs, die von oben her in die Spinne führen, und solche, die nach unten aus der Spinne herausführen, geben ihm das Aussehen einer riesigen Spinne. Der Name Spinne beschreibt jedoch nicht nur das Aussehen, sondern auch das Wesen dieser Wand. Speziell durch Lawinen, Steinschlag und das schnell wechselnde Wetter wurde dieser Wandabschnitt vielen Bergsteigern zum Verhängnis.

Routen der Nordwand
  • Klassische Route: AS, V; 20-30 Stunden; 21. - 24. Juli 1938
  • Ochsner-Brunner Route: SS+, V; 5½ Stunden, 13. August 1982
  • Route Knez: SS+, IV+; 3 Stunden, 15. Juli 1982
  • Spit Verdonesque: EX, VIII; 5 Tage; 3. Juni und 9. - 12. Juli 1983
  • Le Chant du Cygne: EX, VII; 29./30. Juli 1991
  • Genferpfeiler, Les Portes du Chaos: AS, V; 4 Tage; 13. - 16. August 1979
  • La Sanction: AS, VII-; 5. - 7. August 1988
  • Nordverschneidung: AS; VII-; 26./27. August 1981
  • Gelber Engel: EX, VII; 60 Stunden; 6. - 11. August 1988
  • Ghilini-Piola Route: EX-; 5 Tage; 26. - 30. Juli 1983
  • Tschechen-Route: AS, VI; 21 Tage; 4. - 29. August 1976
  • Japaner-Route: AS+; 20-30 Stunden; 15. Juli - 15. August 1969
  • Pochylý-Route: AS; 20. März - 2. April 1983
  • John Harlin-Route: AS+; 23. Februar - 25. März 1966
  • Jugoslawen-Route: AS, VII; 26./27. Juli 1985
  • Schotten-Route: AS; 28. - 31. Juli 1970
  • Nordpfeiler: SS; 10-14 Stunden; 30. Juli - 1. August 1968
  • Symphonie de Liberte´: EX+, X-; 1999

Eiger-Südostwand

Die erste Durchsteigung der Südostwand gelang im Jahre 1937 den beiden Deutschen Otto Eidenschink und Ernst Möller.

Routen der Südostwand
  • Eidenschink-Moeller-Rebitsch-Vörg Route: SS; 10-12 Stunden; 11./12. August 1937
  • Panoramaweg: AS, VI; 6-8 Stunden; September 1991
  • Moser-Müller Route: SS+; 10 Stunden; 24. August 1974

Jungfraubahn


Die Jungfraubahn fährt in einem Tunnel durch den Eiger. Mitten in der Eigernordwand gibt es seit 1903 einen Halt mit Aussichtsfenstern.

Galerie


Image:Eiger 2415.jpg|Nordwest-Seite, von der Kleinen Scheidegg aus Image:Eiger_Mittelegi.jpg|Sonnenaufgang über dem Eiger-Mittellegigrat Image:Eiger_blue_hour.jpg|Eiger-Nordwand mit frischem Herbstschnee durch ein Nebelloch. Image:Eiger_Föhnwolke.jpg|Eiger-Nordwand im Winter vom Lauberhorn aus gesehen mit Föhnwolke.

Literatur


  • Heinrich Harrer: Die Weiße Spinne. Ullstein, Wien 1958. Zuletzt Ullstein, München 2001. ISBN 354836229X
  • Thomas Ulrich: Eiger-Nordwand: mit Nagelschuhen und Hanfseil auf den Spuren der Erstbegeher. AS Verlag, Zürich 2003. ISBN 3-905111-86-1
  • Daniel Anker (Hrsg.): Eiger, die vertikale Arena. 3. Aufl. AS Verlag, Zürich 2000, www.as-verlag.ch. ISBN 3-905111-51-9
  • Toni Hiebeler: Eigerwand: von der Erstbesteigung bis heute. Goldmann, München 1978. ISBN 3-442-11163-3
  • Karl Hausmann: SAC Clubführer - Berner Alpen 4. Verlag des SAC 1997. ISBN 3-85902-162-1

Filme / TV


  • Der Weg ist das Ziel - Die Eiger-Nordwand-Tragödie 1936, Gerhard Baur, BRD 1981
  • The Eiger Sanction, Clint Eastwood, 1975
  • Eiger Nordwand Live - Live-Besteigung der Eiger-Nordwand (Schweizer Fernsehen), 1999

Weblinks


Berg in der Schweiz | Berg in den Alpen | Dreitausender | Alpinismus | Geographie (Kanton Bern)

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