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Mit den Begriffen Ehestreit, Beziehungsstreit oder Partnerschaftsstreit bezeichnet man den Streit zwischen Partnern in einer Beziehung oder in einer Ehe.

Der Beziehungsstreit tritt in vielen, wenn nicht in allen Beziehungen auf, und ist daher eine sehr häufig verbreitete Form des Streites, deren Ursachen eine tieferliegende Bedeutung hat, die mit Liebe und Hass in Berührung gesehen wird. Die genauen Ursachen des Streits zwischen Partnern ist in seiner psychologischen Deutung nicht eindeutig geklärt und Gegenstand von Theorien.

Ein gelegentlicher, nicht ausufernder Beziehungsstreit unter Beibehaltung einer Streitkultur wird als Ventil oder als reinigendes Gewitter für aufgestaute vorangegangene Konflikte angesehen. Wird der Streit zu häufig und zu heftig, so ist oft eine Trennung die Folge.

Ablauf


Ein Beziehungsstreit beginnt in nahezu den meisten Fällen mit einem Vorwurf oder einer Behauptung, die der Partner als falsch oder unangebracht empfindet und ihr daher widerspricht, oder nur mit einer Bemerkung in der falschen Tonlage. Er spielt sich klassisch als laute verbale Auseinandersetzung ab, welche die alternativen Bezeichnungen Beziehungskrach und Ehekrach begründen. Die im Beziehungsstreit häufig eskalierenden Handlungen führen nach der verbalen Attacke aber auch zu Handgreiflichkeiten, dem Werfen von Gegenständen, Zerstörung von Geschirr (Porzellan) und Mobiliar zur Unterstreichung der Ernsthaftigkeit, und halten auch nicht vor Gewalttätigkeiten ein, bis hin zum Totschlag im Affekt. Zur Schlichtung eines lauten Beziehungsstreites kommen auch Nachbarn zu Hilfe oder sie rufen in schweren Fällen die Polizei. Meistens folgt einem Beziehungsstreit die Versöhnung, da es den Partnern leid tut, sich im Grunde wegen Nichtigkeiten angeschrien zu haben.

Ursache


Die einfachste Anschauung für die Ursachen des Beziehungsstreits findet sich z.B. in den landläufigen Erklärungen, dass Paare nicht zusammenpassen oder durch äußere Umstände zuviel Stress ausgesetzt sind, auf zu engem Raum miteinander leben müssen, Probleme nicht durch Kommunikation miteinander lösen können. Weitere bekannte Auslöser für den Streit sind Eifersucht, Missverständnis, Stichelei, Schuldvorwürfe, fehlende Zuwendung. Durch die enthemmende Wirkung des Alkoholrausches kann die Eskalation eines Ehestreits beschleunigt und zu schwerwiegenden Affekthandlungen vorangetrieben werden.

Die eigentliche allgemeine Erklärung des Ehestreits liegt mehr im intuitiven emotional gesteuerten Drang, das Verhalten des Partners für die Zukunft des Zusammenlebens beeinflussen zu wollen. Dabei spielt vor allem der wiederholt fehlgeschlagene Versuch eine bestimmte Verhaltensweise ändern zu können zu immer heftigerer Auseinandersetzung. Häufig ist für den Ehestreit schon der falsch gewählte Ton einer kleinen Bemerkung der Auslöser, wenn dies schon zum wiederholten Male beanstandet worden war. Daher ist Beziehungsstreit der vehemente Versuch, den Partner zu belehren, nachdem zuvor Maßnahmen wie Hinweise, Bitten, Aufforderung etc. nichts erbracht haben.

Der Ehestreit ist nicht an bestimmte gesellschaftliche Schichten gebunden. Eine Häufung ist in gesellschaftlich einfachen Schichten scheinbar zu beobachten. In Schichten, für denen jede lautstarke Auseinandersetzung als unschicklich gilt, kann er möglicherweise besser kaschiert oder äußerlich unterdrückt werden.

Theorien


Im Gegensatz zum sportlichen Wettstreit, wird der Beziehungsstreit sehr emotional und nach außen hin irrational ausgetragen. Der Anlass zu einem Beziehungsstreit ist oft kaum oder gar nicht als real erkennbar. Er ergibt sich aufgrund vieler Vorkommnisse, und Wiederholungen von Vorkommnissen, in der Vorgeschichte des Paares und aufgrund unterschiedlicher sozialer Anschauungen und Erfahrungen.

Da der Ehestreit in bestimmten glücklichen Beziehungen weniger oder gar nicht vorkommt oder nach anfänglichen Kämpfen ausgestanden ist, und sich allzuoft besonders an Meinungsverschiedenheiten im Verhalten zum Kind entzündet, ist es möglicherweise ein Selektionsmittel der Evolution, die Partner für eine Beziehung zu formen und sie für die zu bestehenden Aufgaben der Kindererziehung zu schulen und zu testen, und ist gleichzeitig ein Mittel eine nicht funktionierende Beziehung, wenn dies noch möglich ist, vorher zu beenden.

Eine weitere Theorie zum Beziehungsstreit besteht darin, dass der Streit besonders stark zwischen Paaren unterschiedlicher Mentalität und Bildung auftritt und darin begründet ist, dass die Bildung und mentale Verständigungsfähigkeit beim Menschen ein Selektionskriterium der Evolution geworden ist. Die Evolution, damit sind die komplexen Mechanismen zur Fortpfanzung und Weiterbildung der Art zu verstehen, versucht zwar einerseits eine Beziehung zwischen niedrigerer Herkunft und höherer Herkunft zu vermeiden, um eine Höherentwicklung zu begünstigen. Aber das Individuum möchte durch eine Verbindung mit einem höhergestellten Partner aufsteigen. Für den höhergestellten Partner ist die Beziehung in solch einem Fall von Nachteil und führt aufgrund der unterschiedlichen Verständigkungsmöglichkeiten zu Reibereien, die durch fortgesetzten Streit psychologisch äußerst unangenehm werden können, und zur frühzeitigen Trennung führen sollen.

Dass Beziehungsstreit eine rein mentale Auseinandersetzung der Partner ist, belegt auch die Tatsache, dass Beziehungsstreit bei Tieren nicht bekannt ist. Dort gibt es vor der Beziehung die bisweilen ebenso heftigen Paarungskämpfe, die aber nichts mit Beziehungsstreit zu tun haben.

Vermeidung


Die dauerhafte Vermeidung des Beziehungsstreits verlangt von den Partnern die gegenseitige Anerkennung in allen ihren Schwächen und Fehlern, sowie die Toleranz gegenüber wiederkehrenden Unerträglichkeiten und die Anerkennung der Partnerschaft als eine Verbindung, die diese Toleranz rechtfertigt.

Bei einer Überschreitung der Verfehlungen über alles Maß der Toleranz ist in letzter Konsequenz die Trennung der Partnerschaft ein Mittel zur Vermeidung des Partnerschaftsstreites.

Auswirkungen


Der Beziehungsstreit überschreitet oft die strafrechtliche Schwelle zur Beleidigung oder Körperverletzung, ohne zur Anzeige gebracht zu werden. Gründe hierfür sind in der Besonderheit einer Beziehungspartnerschaft zu sehen, die für die beteiligten Personen mehr als nur eine Zweckgemeinschaft darstellt, sondern auch die eigene Existenz und die von Kindern miteinschließen, sodass man die Beziehung auch bei häufigem Streit nicht einfach beendet, ohne gleichzeitig etwas Erhaltenswertes zu zerstören. Die mit Abstand häufigsten Fälle von Totschlag in unserer Gesellschaft gehen aus einem Beziehungsstreit hervor. Wird eine Körperverletzung oder Sachbeschädigung aufgrund eines Ehestreits zur Anzeige gebracht, haftet der Verursacher strafrechtlich dafür.

kommunikation | konflikt

 

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