Das Egerland (Eghaland, tschechisch Chebsko) ist eine Region im Westen Böhmens, benannt nach dem Fluss und der Stadt gleichen Namens (heute Cheb). Es wurde bereits unter den Bezeichnungen "Regio Egire" (1135) oder "Provincia Egrensis" (1218) in der Geschichtsliteratur erwähnt. In dem Quellenband "Monumenta Egrana" des Egerer Stadtarchivars Heinrich Gradl sind wichtige Quellen zur Geschichte des Egerlandes gesammelt. “Regio Egrensis“ wird neuerdings von der grenzüberschreitenden Landesplanung reaktiviert.
Unter dem Begriff Euregio Egrensis ist eine gesellschaftlich anerkannte Form der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Mitteleuropa entstanden. 1991 gegründet, wurde die Organisation zu einem Wegbereiter für Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Tschechien. Neben der Euregio Egrensis haben sich die grenznahen Orte um das vogtländische Dreiländereck - Ortschaften des „Böhmischen Vogtlands“ und des Vogtlandkreises - zur tschechisch-deutschen Mikroregion Freunde im Herzen Europas zusammengeschlossen.
Zunächst muss jedoch zwischen dem historischen und dem Egerland im heutigen Sinne unterschieden werden.
Die historisch korrekte Bezeichnung für das Egerland ist Reichspfandschaft Eger. Die reichsunmittelbare Stadt Eger und das zugehörige Landgebiet wurden von Kaiser Ludwig dem Bayer im 14. Jahrhundert dem König von Böhmen verpfändet. Dieses Pfand wurde niemals eingelöst. Nachdem die Krone des Deutschen Reiches und Böhmens in einer Hand vereinigt waren, war für eine Einlösung des Pfandes kein Grund mehr gegeben. Eger und das Egerland waren zwar an die böhmische Krone verpfändet, aber dadurch niemals Teil Böhmens geworden. Innerhalb der österreichischen Monarchie waren das Egerland und Böhmen folgerichtig auch politisch getrennt. Aufgrund von Unwissenheit oder sprachlicher Schlampigkeit wurde und wird das Egerland oft als "böhmisch" bezeichnet. Dies ist wissenschaftlich unzutreffend. Verpfändungen von Herrschaften waren im Mittelalter und der frühen Neuzeit gang und gäbe aufgrund einer Art von "Staatsprivatrecht". Das Egerland war zunächst von germanischen Stämmen besiedelt, wurde in der Völkerwanderungszeit von Slawen besiedelt, wurde dann Besitz der Grafen von Vohburg im sog. Vogtland,von Deutschen besiedelt, kam durch Erbschaft an das Haus der Hohenstaufen, blieb kaiserlicher Besitz und war daher reichsunmittelbar. Daher befindet sich in Eger als einzigem Ort der tschechischen Republik eine Kaiserpfalz. Vor 1945 war das Egerland niemals von Tschechen besiedelt. Eger war genauso deutsch wie Nürnberg.
* und stets nicht als staatsrechtliches Territorium Böhmens galt. Nach der einen Meinung wurde das historische Egerland nach dem Ende des Ersten Reichs Teil Böhmens. Die Zweite Meinung setzt diesen Vorgang mit dem Ende des Zweiten Reichs (1918) gleich. Erst ab dann kann und darf das Egerland als integrativer Teil Böhmens und somit der Tschechoslowakei angesehen werden. -->
Das Gebiet in der Region Karlsbad erstreckt sich vom sogenannten Egerer Becken bis Karlsbad. Von Bedeutung ist dabei auch der Kaiserwald. Das Gebiet war bis 1945 durch Deutsche (etwa 800.000 Einwohner) besiedelt, die größtenteils nach dem 2. Weltkrieg vertrieben wurden. Dennoch tragen auch heute viele Bewohner der Region deutsche Namen.Im Raum Falkenau liegt zudem eines der Zentren der heutigen deutschen Minderheit in Tschechien. Dort gibt es Gemeinden mit bis zu 6 % deutscher Bevölkerung. Die Gebietsfläche des Egerlands beträgt 7466 km².
Die Egerländer Deutschen wurden entgegen dem Grundsatz vom Selbstbestimmungsrecht der Völker von den tschechischen Nationalisten der Masaryk-Regierung gewaltsam in die Tschechoslowakei gezwungen. Zahlreiche Deutsche wurden ermordet. Die Befreiung von der tschechoslowakischen Herrschaft 1938 mussten die Egerländer 1945 mit dem Verlust ihrer Heimat und ihres gesamten Vermögens "bezahlen".
Typisch für das Egerland sind die stattlichen Fachwerkhöfe mit großen Speicherbauten, die von fränkischen Siedlern gebaut wurden. Neben der Landwirtschaft siedelte sich auch, vor allem im Ascher Gebiet, die Textilindustrie an, im Falkenauer Becken wurde Braunkohle gefördert und in Alt- und Neurohlau, Neusattl und Chodau war die Porzellanindustrie dominierend. Daneben hatten sich die Handwerker einen guten Ruf geschaffen.
Musik
Ernst Mosch, geboren am 7. November 1925 in Zwodau (heute: Svatava) bei Falkenau (heute Sokolov), gründete 1956 die Original Egerländer Musikanten. Er wird auch als König der Blasmusik bezeichnet. Mit seinem berühmten Orchester spielte er Polkas, wie die „Amboss-Polka“, Märsche wie den „Egerländer Musikantenmarsch“ oder „Wir sind Kinder von der Eger“. Außerdem beeindruckte er mit Walzern wie „Abschied vom Liebchen“.
Darüber hinaus war das Egerland bis nach dem Zweiten Weltkrieg das letzte deutschsprachige Gebiet, in dem der traditionelle böhmische Dudelsack ("Bock" genannt) gespielt wurde.
Siehe auch: Liste deutscher Bezeichnungen tschechischer Orte
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