Efim Bogoljubow (ursprünglich russisch /Jefim Dmitrijewitsch Bogoljubow; * 14. April 1889 nahe Kiew; † 18. Juni 1952 in Triberg im Schwarzwald) war ein ukrainisch-deutscher Schachgroßmeister.
Leben
Bogoljubow 1925.jpg
Jugend im Zarenreich
Bogoljubow, der
Theologie und
Landwirtschaft studiert hatte und mit
Schach erst als 18-Jähriger in Kontakt kam, entschloss sich zu einer Berufsschachspielerkarriere.
Seine ersten Erfolge in Turnieren datieren auf das Jahr 1909: in Kiew gewann er das Klubturnier und in Odessa wurde er Zweiter bei der Südrussischen Meisterschaft. 1911 wurde er Meister von Kiew und nahm an Turnieren in Sankt Petersburg und Warschau teil (Vierter hinter u. a. Akiba Rubinstein). In Wilna 1912 wurde er Zweiter im Hauptturnier und siegte im gleichen Jahr in Łódź. 1913 besiegte er an gleicher Stelle Georg Salwe in einem Wettkampf mit 6-4 (+5-3=2) und erhielt den Titel Russischer Meister.
Erster Weltkrieg und neuer Wohnsitz in Deutschland
Bei Ausbruch des
Ersten Weltkrieges 1914 hielt er sich bei seinem ersten Turnier im Ausland in
Mannheim auf und wurde in Triberg interniert. Bogoljubow, der eine Deutsche zur Frau nahm, blieb während und auch nach dem Krieg in Triberg. Aus der Zeit von 1914 bis 1919 sind zahlreiche Partien von lokalen Turnieren und Wettkämpfen Bogoljubows mit anderen Internierten erhalten.
Im Jahr 1919 gewann Bogoljubow in Berlin und wurde Dritter in Stockholm. 1920 unterlag er in einem Wettkampf in Stockholm und Göteborg Akiba Rubinstein mit 5,5-6,5 (+4-5=3), gewann jedoch ein Match gegen Aaron Nimzowitsch in Göteborg mit 3-1. 1921 gewann er in Kiel, 1922 in Piešťany vor Alexander Aljechin, im gleichen Jahr in Hastings. In Karlsbad 1923 gewann er gemeinsam mit Alexander Aljechin und Géza Maróczy.
Von Oktober 1920 bis August 1921 siegte er in einem Fernschachwettkampf gegen Spieler und Schachklubs aus Schweden (+19,=5,-1).
Auf dem Weg zur Weltklasse und die Weltmeisterschaftskämpfe
Bis 1927, dem Jahr in dem er die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt, war er Bürger der
Sowjetunion und spielte auch an UdSSR-Meisterschaften: 1924 und 1925 wurde er
UdSSR-Meister. Seinen größten Erfolg feierte er 1925 in
Moskau, als er das internationale Turnier vor
José Raúl Capablanca und
Emanuel Lasker gewann. 1928 gewann er vor Capablanca in
Bad Kissingen.
Anfang 1928 und zur Jahreswende 1928/1929 besiegte Bogoljubow in zwei von der FIDE organisierten Wettkämpfen um deren Championat den Niederländer Max Euwe (Spielorte waren verschiedene Städte der Niederlande) mit jeweils 5,5-4,5 (+3-2=5 und +2-1=7). Seine Erfolge ermunterten Mäzene in Deutschland und den Niederlanden, einen Weltmeisterschaftskampf gegen Alexander Aljechin zu finanzieren, der 1929 zustandekam. Bogoljubow unterlag deutlich mit 9,5-15,5 (+5-11=9).
1931 (nach Stichkampf mit Ludwig Rödl) und 1933 gewann Bogoljubow die deutsche Meisterschaft. 1932 besiegte er Rudolf Spielmann mit 5-4 (+4-3=2) am Semmering. 1934 fanden sich in Deutschland wieder schachbegeisterte Mäzene, die einen Wettkampf gegen Weltmeister Alexander Aljechin (Alekhine) organisierten: diesmal unterlag Bogoljubow mit 10,5-15,5 (+3-8=15).
Bester Schachspieler in Nazi-Deutschland
Bogoljubows beste Zeit war vorbei, obwohl er weiterhin als bester Spieler Deutschlands galt. Die Teilnahme an der "Meisterschaft von Deutschland" wurde ihm aber nach 1933 verwehrt, da er nach damals geltenden Gesetzen zwar deutscher Staatsangehöriger, aber nicht "deutschen Blutes" war. In der Zeit bis zum
Zweiten Weltkrieg gewann er 1935 in
Bad Nauheim und
Bad Saarow, 1936, 1937 und 1938 in
Bad Elster, 1938 in
Karlsruhe, 1939 in
Stuttgart. Im gleichen Jahr unterlag er in einem Wettkampf dem vielversprechenden Jungtalent
Erich Eliskases mit 8,5-11,5 (+3-6=11). 1941 unterlag er in
Karlsbad Max Euwe mit 3,5-6,5 (+2-5=3). Während des Krieges wurde Bogoljubow ins
Generalgouvernement eingeladen, wo er neben verschiedenen Turnieren und Schachveranstaltungen an denen er teilnahm auch eine Stellung in der
Krakauer Verwaltung als Übersetzer ausführte. Dies wurde ihm nach dem Krieg von der FIDE übelgenommen. Bei der Verleihung des
Großmeistertitels im Jahr 1950 an verdiente Meister wurde er übergangen. Erst 1951 erhielt er den Titel.
Schwere Nachkriegszeit
Im Nachkriegsdeutschland war Bogoljubow als Berufsspieler auf ständige Teilnahme an Turnieren angewiesen, musste er doch seine Ehefrau und zwei Töchter ernähren: Er gewann 1947 in
Lüneburg,
Kassel und
Flensburg. 1949 gewann er zum dritten und letzten Mal (nach 1931 und 1933) das Turnier um die Meisterschaft von Deutschland in Bad Pyrmont. 1950 und 1951 besiegte er die damaligen deutschen Spitzenspieler
Georg Kieninger und
Walter Niephaus in Zweikämpfen in
Schwelm mit 5:3 (+3-1=4) und
Baden-Baden mit 5-1 (+5-1=0). In
Luzern 1951, kurz vor seinem Tod, gelang ihm ein 3-3 gegen den argentinischen Großmeister
Herman Pilnik. Er starb unmittelbar nach seiner Rückkehr von einem internationalen Schachturnier in Belgrad am 18. Juni 1952.
Theoriebeitrag
Nach Boguljubow wurde eine
Schacheröffnung benannt: die
Bogoljubow-Indische Verteidigung: 1.d2-d4 Sg8-f6 2.c2-c4 e7-e6 3.Sg1-f3
Lf8-b4+.
Auch eine Variante im schottischen Vierspringerspiel (1. e2-e4 e7-e5 2. Sg1-f3 Sg8-c6 3.Sb1-c3 Sb8-c6 4. d2-d4 Lf8-b4) ist mit nach ihm benannt (Morphy-Bogoljubow-Variante).
Historische Elo-Zahl
Bogoljubows beste
historische Elo-Zahl war 2768. Diese erreichte er 1927. Demnach war er kurzfristig auch die Nummer 1 der Weltrangliste.
Werke
- Schach-Schule, Baden 1925
- Klassische Schachpartien aus modernen Zeiten, 3 Bde., Berlin/Leipzig 1926-1928
- Die moderne Eröffnung d2-d4!, Triberg 1928
- Schachkampf um die Weltmeisterschaft, Karlsruhe 1935
Literatur
Weblinks
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