Edward Teller (ungarisch: Teller Ede, (* 15. Januar 1908 in Budapest (damals noch Österreich-Ungarn), † 9. September 2003 in Stanford, Kalifornien) war ein ungarisch-amerikanischer Physiker. Zusammen mit Hermann Arthur Jahn erklärte er den Jahn-Teller-Effekt. Weiterhin gilt er als Vater der Wasserstoffbombe.
Teller studierte in Deutschland. Wegen seiner jüdischen Herkunft emigrierte er 1935 in die USA. Er war sehr früh Mitglied des Manhattan-Projekts, das die ersten Atombomben entwickeln sollte. Bereits während dieser Zeit drängte er auf die zusätzliche Entwicklung fusionsbasierter Atomwaffen.
Nach seinen kontroversen Aussagen in den Verhören zur Sicherheitseinstufung seines ehemaligen Kollegen im Los Alamos National Laboratory, Robert Oppenheimer, wurde Teller ein Geächteter in der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Er wurde allerdings weiterhin von der US Regierung sowie den Forschern des Militärs unterstützt. Teller war einer der Mitbegründer des Lawrence Livermore National Laboratory und mehrere Jahre erst dessen Direktor und später stellvertretender Direktor.
In späteren Jahren war Teller hauptsächlich für sein vehementes Eintreten für kontroverse technologische Ansätze zur Lösung militärischer wie auch ziviler Probleme bekannt, wie beispielsweise ein Plan zur Schaffung eines künstlichen Hafens in Alaska durch die Nutzung thermonuklearer Sprengkörper.
Er war ein prominenter Befürworter von Ronald Reagans Strategic Defense Initiative (SDI) und wurde später beschuldigt, die sehr schwierige Durchführbarkeit des Programm verschleiert zu haben. Sein Leben lang war Teller sowohl für seine großen wissenschaftlichen, als auch für seine schlechteren zwischenmenschlichen Fähigkeiten bekannt. Es wird angenommen, dass Teller ein wichtiges Vorbild für den Charakter von Dr. Strangelove im gleichnamigen Film aus dem Jahre 1964 war.
In München kam es zu einem schweren Unfall, als er so unglücklich vom Trittbrett der fahrenden Straßenbahn ausstieg, dass er mit dem Fuß unter die Räder geriet. Zeitlebens musste er eine Fußprothese tragen und humpelte. Während seiner Studienzeit freundete er sich mit den russischen Physikern George Gamow und Lev Landau an, die zu dieser Zeit Westeuropa bereisten.
Später war er zwei Jahre an der Universität Göttingen tätig (Zusammenarbeit mit James Franck, Hertha Sponer und Arnold Eucken) und verließ wegen seiner jüdischen Abstammung Deutschland 1934 in Richtung England. Seine politischen Erfahrungen in Ungarn und Deutschland machten ihn zu einem Feind sowohl des Kommunismus als auch des Faschismus. Nach einem kurzen Aufenthalt in England ging Teller nach Kopenhagen, Dänemark, um unter Niels Bohr zu arbeiten. Im Februar 1934 heiratete er "Mici" (Augusta Maria)) Harkanyi, die Schwester eines guten Freundes. Nur ein Jahr später, im Jahre 1935, emigrierte er in die USA und wurde Dozent an der George Washington University, wo er bis 1941 mit George Gamow zusammenarbeitete. Vor der Entdeckung der Kernspaltung (1938) forschte Teller in den Bereichen der Quanten-, Molekular- und Kernphysik. Als er 1941 Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika wurde, widmete er sich hauptsächlich der Kernphysik; sowohl der Kernspaltung wie auch der Kernfusion.
Tellers wohl bedeutendste Arbeit war die Erklärung des Jahn-Teller-Effekts, der die Verzerrung in der Geometrie des Ligandenfelds einiger oktaedrischer Komplexverbindungen entlang einer Raumachse beschreibt. Des Weiteren wirkte er entscheidend bei der BET-Theorie mit.
Aufgrund seiner Abneigung gegen Nazi-Deutschland und die Sowjetunion wirkte Teller nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges an der militärischen Forschung der USA mit. Nach dem Rat des ebenfalls emigrierten ungarischen Aerodynamikforschers Theodore von Kármán entwickelte er zusammen mit seinem (ebenfalls emigrierten) Freund Hans Bethe eine Theorie der Ausbreitung von Schockwellen. Später sollte sich diese Forschung über der Rolle von Gas bei Schockwellen als sehr hilfreich herausstellen.
Während des Zweiten Weltkrieges war er in der Abteilung für theoretische Physik in den damals geheimen Forschungslabors in Los Alamos im US-Bundesstaat New Mexico und setzte sich stark für die Entwicklung einer Wasserstoffbombe ein, die an Priorität einbüßte, als sich bereits die Entwicklung einer reinen Atombombe als sehr schwierig herausstellte. Wegen seiner Präferenz für eine H-Bombe und seiner Frustration über die Berufung von Hans Bethe zum Direktor der theoretischen Forschungsabteilung an seiner statt, weigerte sich Teller, sich an den Berechnungen für die Implosion der A-Bombe zu beteiligen. Dies führte zu Spannungen mit anderen Forschern und führte zur Einstellung weiterer Wissenschaftler, die diese Arbeit übernehmen sollten. Unter ihnen war auch Klaus Fuchs, der später als russischer Spion identifiziert wurde. Weiterhin machte sich Teller durch sein nächtliches Klavierspiel bei seinen Nachbarn und Kollegen unbeliebt. Trotzdem half er entscheidend bei der Erforschung von Nuklearwaffen mit, insbesondere bei der Erklärung der Implosion. 1946 verließt Teller Los Alamos und wurde er Professor an der Universität von Chicago.
1950 zeigten Berechnungen von Stanislaw Ulam und seinem Mitarbeiter Cornelius Everett, die von Fermi bestätigt wurden, dass Tellers frühere Annahme über die Tritium-Menge, die für die H-Bombe benötigt wurde, zu niedrig war. Selbst mit einer deutlich höheren Menge Tritium war der Energieverlust während des Fusionsprozesses zu groß, um die Fusion aufrecht zu erhalten. 1951, nach vielen Jahren ergebnisloser Arbeit, übernahm Teller eine innovative Idee von Ulam und er entwickelte das erste arbeitsfähige Design für eine Wasserstoffbombe mit mehreren Megatonnen TNT Sprengkraft. Die einzelnen Beiträge der beiden Forscher zum so genannten Teller-Ulam-Design sind nicht genau öffentlich bekannt; der Anteil, der Teller von seinen damaligen Kollegen zugerechnet wird entspricht in etwa der Meinung, die diese Personen insgesamt von ihm hatten. In einem Interview mit Scientific American aus dem Jahre 1999 sagte Teller:
Dieser Punkt ist jedoch umstritten. Bethe sprach schon 1954 von Tellers Geniestreich bei der Erfindung der H-BombeHans Bethe, "Testimony in the Matter of J. Robert Oppenheimer" (1954). Auf Englisch online verfügbar unter http://www.atomicarchive.com/Docs/Oppenheimer/OppyTrial2.shtml. Auch im Jahre 1997 wiederholte Bethe seine Ansicht, dass der entscheidende Durchbruch 1951 dank Teller erreicht wurdeHans Bethe, "J. Robert Oppenheimer", in Biographical Memoirs vol. 71 (National Academy of Sciences, 1997): S. 197. Auf Englisch online verfügbar unter http://www.nap.edu/books/0309057388/html/197.html. Andere Wissenschaftler, die ihm eher ablehnend gegenüber standen (wie etwa J. Carson Mark), äußerten die Auffassung, dass ohne die Hilfe von Ulam und anderen Wissenschaftlern Teller nie in die Nähe einer funktionierenden H-Bombe gekommen wäreBengt Carlson, "How Ulam set the stage" Bulletin of the Atomic Scientists 59:4 (Juli/August 2003): 46-51. Auf Englisch online verfügbar unter http://www.thebulletin.org/article.php?art_ofn=ja03carlson
Der Durchbruch – die technischen Details sind immer noch geheim – war anscheinend die Trennung von Spaltungs- und Fusionskomponenten der Waffe und die Nutzung der Strahlung, die durch die Kernspaltung erzeugt wird, um den Fusionsbrennstoff vor der Zündung zu komprimieren. Allerdings wäre die Kompression alleine nicht ausreichend gewesen und der andere entscheidende Faktor – die Bombe in zwei Phasen aufzuteilen – wurde wohl ausschließlich von Ulam erdacht. Weiterhin wollte Ulam den mechanischen Schock der ersten Phase nutzen, um die Fusion in der zweiten zu begünstigen, während Teller sehr schnell feststellte, dass die Strahlung der ersten Phase dies schneller und effizienter erledigen könnte. Einige Mitglieder des Labors (besonders J. Carson Mark) äußerten später, dass die Idee, hierzu die Strahlung zu benutzen, wohl jedem Beteiligten an dem physischen Prozess gekommen wäre, Teller habe wohl sofort daran gedacht weil er schon an den Tests zur Operation Greenhouse im Frühling 1951 gearbeitet hatte. In diesem Test wurde der Energieeffekt einer A-Bombe auf eine Mischung von Deuterium und Tritium untersucht.
Unabhängig davon wie die Details des Teller-Ulam Designs genau zustande kamen und wer welchen Anteil beigetragen hat, erkannten die beteiligten Wissenschaftler sehr schnell, dass es das Projekt den entscheidenden Schritt weiterführen würde. Diejenigen Mitglieder, die bis dahin noch gänzlich an der Umsetzbarkeit einer H-Bombe zweifelten, waren nun auch überzeugt, dass es lediglich eine Frage der Zeit sein würde, bis sowohl die USA als auch die Sowjetunion über Waffen mit einer Sprengkraft von mehreren Megatonnen verfügen würden. Selbst Oppenheimer, der dem Projekt anfangs ablehnend gegenüber stand, bezeichnete die Idee als technically sweet (technisch schön).
IvyMike2.jpg Obwohl er federführend das Design entwickelte und seit langer Zeit ein Befürworter des Konzeptes war, wurde er nicht zum Direktor des Projekts ernannt (seine schwierige Persönlichkeit dürfte dazu beigetragen haben). 1952 verließ Teller das Projekt und ging an die aufgrund seines Drängens neu gegründete Livermore-Abteilung an der Universität von Kalifornien. Nach der Detonation von [[Ivy_mike|Ivy Mike| ]] am 1. November 1952, der ersten thermonuklearen Waffe, die auf dem Teller-Ulam Design aufgebaut war, wurde Teller der Öffentlichkeit als der Vater der Wasserstoffbombe bekannt. Teller selbst war bei dem Test nicht anwesend – er erklärte, er fühle sich am Testgelände Pacific Proving Grounds nicht willkommen – und sah die Auswirkungen lediglich an einem Seismographen im Keller eines Saales in Berkeley.
Durch eine Analyse des radioaktiven Niederschlags hätten die sowjetischen Forscher um Andrei Sakharov sehr leicht darauf schließen können, dass das Design Kompression als wichtige Grundlage nutzte. Allerdings wurde diese Tatsache später von sowjetischen Forschern bestritten, die behaupteten, zu der Zeit noch nicht genug organisiert gewesen zu sein, um Daten vom radioaktiven Niederschlag bei US-Tests messen zu können. Wegen der öffentlichen Geheimhaltung gibt es wenige Informationen zur Entwicklung der Bombe und Berichte in der Presse schrieben die gesamte Entwicklung Teller und seinem Livermore Laboratory zu, obwohl es tatsächlich in Los Alamos entwickelt wurde Yuli Khariton und Yuri Smirnov, "The Khariton version," Bulletin of the Atomic Scientists 49:4 (Mai 1993): 20-31. Auf Englisch online verfügbar unter http://www.thebulletin.org/article.php?art_ofn=may93khariton.
Einige Kollegen Tellers waren sehr irritiert aufgrund der Tatsache, dass er es scheinbar zu genießen schien, sämtliche Anerkennung für ein Projekt zu erhalten, zu dem er nur einen – wenn auch entscheidenden – Teil beigetragen hatte. Auf Anregung von Enrico Fermi schrieb Teller daraufhin einen Artikel The Work of Many People (Die Arbeit Vieler), der im Science Magazin im Februar 1955 erschien und in dem er klarstellte, dass er die H-Bombe nicht alleine entwickelt habe. In seinen Memoiren sollte er später bemerken, dass er in diesem Artikel eine white lie (Notlüge oder Schwindelei) geschrieben habe, was impliziert, dass er sehr wohl alleine die volle Anerkennung für die Entwicklung der Waffe erhalten solle Soshichi Uchii, "Review of Edward Teller's Memoirs," PHS Newsletter 52 (22. Juli 2003). Auf Englisch online verfügbar unter http://www.bun.kyoto-u.ac.jp/phisci/Newsletters/newslet_52.html.
Teller war bekannt dafür, dass er sich in Projekte vertiefte, die theoretisch sehr ansprechend, allerdings praktisch kaum umsetzbar waren, so das Projekt einer Superbombe. Über seine Arbeit darin sagte Bethe:
Während des Manhattan-Projekts sprach sich Teller auch für die Entwicklung einer Bombe auf Basis von Uranhydriden aus, obwohl viele seiner Forscherkollegen annahmen, dass diese nicht funktionieren würde. In Livermore setzte Teller seine Arbeit an dieser Hydridbombe fort, was aber lediglich in einem Blindgänger endete. Ulam schrieb einmal an einen Kollegen über eine Idee, die er Teller mitgeteilt hatte: "Edward ist voller Enthusiasmus über diese Möglichkeiten; vielleicht ist das ein Hinweis, dass sie nicht funktionieren werden." Fermi sagte einmal, er kenne außer Teller keinen anderen Monomanen mit verschiedenen Manien.
1954 sagte Teller gegen Robert Oppenheimer, den früheren Direktor von Los Alamos und Mitglied der Atomic Energy Commission, bei Oppenheimers Verhören zur Sicherheitseinstufung aus. Oppenheimer hatte sich für Rüstungskontrolle ausgesprochen, weswegen das Komitee für unamerikanische Aktivitäten und federführend Senator McCarthy ihn hinsichtlich Bedenken bezüglich der nationalen Sicherheit verhörte. Tellers Aussage führte zu einer weiteren Entfremdung zwischen ihm und seinen alten Kollegen in Los Alamos. Teller war in Los Alamos bereits mehrere Male mit Oppenheimer über Fragen der Erforschung der Kernspaltung sowie der Kernfusion aneinander geraten. Bei den Verhören war er das einzige Mitglied der wissenschaftlichen Gemeinschaft, das Oppenheimer als Sicherheitsrisiko betitelte.
Auf die Frage des Staatsanwalts Roger Robb, ob er andeute, dass Dr. Oppenheimer illoyal den Vereinigten Staaten gegenüber sei, antwortete Teller:
Auf die Frage, ob er glaube, dass Oppenheimer ein Sicherheitsrisiko darstelle, antwortete er hingegen:
Teller sagte außerdem aus, dass Oppenheimers Meinung über das themonukleare Programm anscheinend mehr auf dem Gedanken der wissenschaftlichen Machbarkeit der Waffe beruhte, als auf anderen Überlegungen. Weiterhin sagte er, Oppenheimers Führung von Los Alamos sei wissenschaftlich wie administrativ eine „sehr außergewöhnliche Leistung“ gewesen, und er lobte dessen „sehr schnellen Geist“ und dass er „einfach einen höchst wunderbaren und exzellenten Direktor“ abgegeben habe.
Trotzdem führte er daraufhin detailliert aus, auf welche Art und Weise er das Gefühl hatte, dass Oppenheimer seine (Tellers) Bestrebungen hin zu einem aktiven thermonuklaren Entwicklungsprogramm behindert habe. Weiterhin kritisierte er ausführlich Oppenheimers Entscheidung, im Laufe seiner Karriere nicht mehr Aufwand in dieser Frage betrieben zu haben. Tellers wohl schärfste Verurteilung Oppenheimers war folgende Aussage:
Oppenheimer wurde daraufhin die erforderliche Sicherheitsgarantie für sensible militärische Forschung entzogen und Teller von seinen ehemaligen Kollegen als Geächteter behandelt. Infolgedessen begann Teller, sich mit Militärs und Regierungsvertretern zu umgeben und er wurde zum wissenschaftlichen Liebling konservativer Politiker und Vordenker aufgrund seiner Befürwortung amerikanischer Vorherrschaft im wissenschaftlichen und technologischen Bereich. Nach dem Vorfall bestritt Teller immer wieder, dass er Oppenheimer hatte schaden wollen und behauptete sogar, dass er versucht habe, ihn zu entlasten. Jedoch deuten Beweisdokumente sehr stark darauf hin, dass dies wahrscheinlich nicht der Fall war. Sechs Tage vor seiner Aussage traf sich Teller mit einem Verbindungsbeamten der Atomic Energy Commission und schlug vor, in seiner Aussage die Vorwürfe zu vertiefen Steven Shapin, "Megaton Man (Review of Edward Teller's Memoirs)," The London Review of Books (25 April 2002). Auf Englisch online verfügbar unter http://www.lrb.co.uk/v24/n08/shap01_.html.
Teller war von 1958 bis 1960 Direktor und Gründungsmitglied (zusammen mit Ernest O. Lawrence) des Lawrence Livermore National Laboratory, danach stellvertretender Direktor, da er zusätzlich in Berkeley lehrte. Er trat unermüdlich für die nukleare Bombe ein und sprach sich für weitere Forschungen und Atomwaffentests aus. In der Tat war seine Lobbyaktivität gegen die Gesetzesinitiative zum teilweisen Testverbot von Nuklearwaffen ein weiterer Grund, seine Stelle als Direktor des Lawrence Livermore National Laboratory aufzugeben. Er sprach sich sowohl vor dem US-Kongress als auch im US-Fernsehen gegen dieses Gesetz aus.
Nach der Oppenheimer-Kontroverse wurde Teller von einem Großteil der akademischen, wissenschaftlichen Gemeinschaft geächtet. Andererseits war er in militärwissenschaftlichen und Regierungszirkeln immer noch gern gesehen.
Neben seiner traditionellen Fürsprache nuklearer Energiequellen, eines starken Arsenals an Nuklearwaffen und eines konsequenten Atomwaffentestprogramms, beteiligte er sich an der Entwicklung von Sicherheitsstandards für Atomreaktoren und half bei dem Entwurf eines Reaktors, in dem die Kernschmelze hypothetisch unmöglich sein würde.
1975 ging er in Pension und war danach emeritierter Direktor des Livermore Laboratory und darüber hinaus Senior Research Fellow am Hoover-Institut.
Teller war einer der stärksten und bekanntesten Befürworter der Erforschung friedlicher Kernwaffenexplosionen, auch bekannt unter dem Namen Operation Plowshare. Eines der am kontroversesten diskutierten Projekte, das er vorschlug, war die Nutzung einer Multi-Megatonnen Wasserstoffbombe zur Erzeugung eines mehr als eine Meile langen und eine halbe Meile breiten Tiefwasserhafens zur Verschiffung der Rohstoffe der Kohle- und Ölfelder nahe Point Hope, Alaska. 1958 akzeptierte die Atomic Energy Commission Tellers Vorschlag und das Vorhaben wurde Projekt Chariot benannt. Während die AEC das Land an der geplanten Stelle in Alaska begutachtete und es der öffentlichen Nutzung entzog, trat Teller öffentlich für den wirtschaftlichen Nutzen des Plans ein, schaffte es aber nicht, lokale Regierungsvertreter von der Finanzierbarkeit des Projekts zu überzeugen.
Andere Wissenschaftler kritisierten das Projekt wegen seiner potentiellen Gefahr für die betroffene Tierwelt und die einheimischen Inupiat, die in der Nähe des in Frage kommenden Gebietes wohnten, und die bis 1960 von offizieller Seite nichts über den Plan erfuhren. Darüberhinaus wurde herausgefunden, dass der Hafen neun Monate im Jahr wegen der starken Eisbildung nicht befahrbar sein würde. Schließlich wurde das Projekt im Jahre 1962 wegen finanzieller Unsicherheit und gesundheitlichen Bedenken aufgrund der radioaktiven Strahlung wortwörtlich auf Eis gelegt.
In einem ähnlichen Experiment, das auch Tellers Fürsprache fand, sollte in den 'Athabasca oil sands' in Nord-Alberta, Kanada, durch Kernwaffenexplosion die Ölförderung ermöglicht werden. * Der Plan wurde von der Regierung von Alberta befürwortet, aber von der kanadischen Regierung unter Premierminister John Diefenbaker verhindert. Zusätzlich zu seinen Bedenken gegenüber Nuklearwaffen in Kanada war Diefenbaker besorgt, dass solch ein Projekt die sowjetische Spionagetätigkeit auf kanadischem Boden erhöhen könnte.
1979 erlitt Teller einen Herzinfarkt, für den er Jane Fonda die Schuld gab; nach dem Reaktorunfall auf Three Mile Island hatte sich die Schauspielerin während der Promotion ihres neuesten Filmes stark gegen die Nutzung der Kernenergie eingesetzt. Der Film Das China-Syndrom, in dem es um einen Unfall in einem Kernkraftwerk geht, wurde zufälligerweise etwas mehr als eine Woche vor dem tatsächlichen, schweren Unfall auf Three Mile Island veröffentlicht und behandelte somit ein aktuelles Problem. Als Antwort auf die Bemühungen Fondas warb Teller für die Nutzung der Kernenergie, die sich seiner Meinung nach durch Sicherheit und Zuverlässigkeit auszeichnete. Durch die Aufregung und die großen Anstrengungen während dieser Kampagne erlitt Teller einen Herzinfarkt. Weiterhin verfasste er für das Wall Street Journal einen zweiseitigen Artikel mit dem Titel Ich war das einzige Opfer von Three Mile Island (I was the only victim of Three-Mile Island), der in der Ausgabe vom 31. Juli 1979 erschien. Der erste Absatz des Artikels lautete:
Am nächsten Tag kritisierte die New York Times in ihrem Leitartikel den Beitrag Tellers und merkte an, dass dieser von Dresser Industries bezahlt wurde. Dresser Industries hatte eines der defekten Ventile hergestellt, die zu dem Unfall auf Three Mile Island führten.
In den 1980er Jahren begann Teller eine Kampagne für die später so genannte Strategic Defense Initiative (SDI), von Kritikern auch Star Wars genannt. Das Konzept sah vor, Laser- und Satellitentechnik zur Abwehr sowjetischer Interkontinentalraketen einzusetzen. Teller versuchte Regierungsbehörden von seinem Plan zur Entwicklung eines ausgefeilten Satellitensystems, das nukleare Waffen zum Abschuss feindlicher Raketen mit Röntgenstrahlen nutzen sollte, zu überzeugen – und gewann die Unterstützung des US-Präsidenten Ronald Reagan. Allerdings wurde die Angelegenheit später zu einem Skandal, als sich herausstellte, dass das Vorhaben technisch nicht durchführbar war. Die technischen Schwierigkeiten hatten Teller und sein Partner Lowell Wood vorsätzlich heruntergespielt und möglicherweise die Entlassung des Labordirektors Roy Woodruff unterstützt, der dies genauer untersuchen und korrigieren wollte. Aus dieser Affäre entwickelte sich ein Witz, der in der wissenschaftlichen Gemeinschaft zirkulierte: die Maßeinheit für unbegründeten Optimismus sei das „Teller“, ein Teller sei dabei so groß, dass die meisten Beobachtungen in Nano- oder Pikoteller gemessen werden müssen.
Mehrere Wissenschaftlern wiesen auf die Sinnlosigkeit des Vorhabens hin. Bethe und der IBM-Physiker Richard Garwin analysierten das System in einem Scientific American-Artikel und kamen zu dem Schluss, dass jeder vermeintliche Feind das Abwehrsystem leicht durch passende Köder überlisten könne. Das Projekt wurde mehrfach eingeschränkt und letztendlich nicht realisiert. Allerdings wurde Teller später durch die Regierung Bush bestärkt, die das Raketenabwehrprogramm Anfang des 21. Jahrhunderts neu belebte; Kritiker benannten es in Anspielung auf den Spitznamen von SDI als Sohn von Star Wars.
Trotz (oder vielleicht wegen) seiner Reputation als Falke betonte Teller, dass er den Abwurf der ersten Atombomben auf zivile Städte im Zweiten Weltkrieg bereue. Vor der Bombardierung Hiroshimas hatte er in der Tat bei Oppenheimer dafür geworben, die neue Waffe erst als Demonstration vorzuführen, die das japanische Oberkommando und die Bürger zu sehen bekämen, bevor tausende Menschen dadurch sterben müssten. In Diskussionen nutzte der Vater der Wasserstoffbombe diesen quasi anti-nuklearen Standpunkt, indem er argumentierte, dass Nuklearwaffen sehr bedauerlich seien, aber dass das Wettrüsten wegen der unfügsamen Natur des Kommunismus unausweichlich sei. Mit diesem Argument warb Teller dann für Projekte wie SDI, die seiner Ansicht nach notwendig seien, um sicherzustellen, dass Nuklearwaffen niemals wieder eingesetzt würden (Besser ein Schild als ein Schwert war der Titel eines seiner Bücher zu dem Thema).
In den Anfangsjahren seiner Karriere leistete Teller viele wichtige Beiträge in der Kern- und Molekularphysik, der Spektroskopie (Jahn-Teller und Renner-Teller Effekte) und der Oberflächenphysik. Seine Erweiterung von Fermis Theorie des Betazerfalls (Gamow-Teller-Zerfall) bedeutete einen Meilenstein hin zu Anwendung dieser Theorie. Der Jahn-Teller-Effekt und die BET-Theorie besitzen bis heute Gültigkeit und sind Grundpfeiler der Physik und Chemie. Teller leistete darüber hinaus Beiträge zur Thomas-Fermi-Theorie, dem Vorläufer der Dichtefunktionaltheorie, heutzutage eine Standardmethode zur Berechnung der Eigenschaften von Vielelektronensystemen, vor allem Molekülen und Festkörpern. 1953 verfasste Teller zusammen mit Nicholas Metropolis und Marshal Rosenbluth einen Artikel, der als Anfangspunkt der Anwendung der Monte-Carlo-Simulation in der statistischen Mechanik gilt.
Tellers vehementes Eintreten für den Einsatz von Nuklearwaffen – insbesondere da viele, die zu Kriegszeiten seine Forscherkollegen gewesen waren, später ihr Bedauern über das Wettrüsten ausdrückten – machte ihn zu einer beliebten Zielscheibe und zum Prototypen des verrückten Wissenschaftlers (sein ungarischer Akzent und seine hängenden Augenbrauen taten ihren Teil). Im Jahre 1991 wurde er als einer der ersten Preisträger mit dem satirisch gemeinten Ig-Nobelpreis "ausgezeichnet", dafür dass er "dem Frieden eine neue Bedeutung verlieh" (lifelong efforts to change the meaning of peace as we know it). Es wurde außerdem spekuliert, dass Teller eine der Inspirationen für den Charakter von Dr. Strangelove in Stanley Kubricks gleichnamiger Satire aus dem Jahre 1964 war (andere Inspirationen sollen angeblich RAND-Theoretiker Herman Kahn, Raketenforscher Wernher von Braun und der ehemalige Verteidigungsminister der USA Robert McNamara gewesen sein). In dem bereits erwähnten Science American-Interview aus dem Jahre 1999 soll Teller auf die Frage erzürnt geantwortet haben: Mein Name ist nicht Strangelove. Ich weiß nichts über Strangelove. Ich interessiere mich nicht für Strangelove. Was kann ich noch sagen? ... Sehen Sie, sagen Sie das noch dreimal und ich schmeiße Sie aus diesem Büro. Der ungarische Physiker und Nobelpreisträger Isidor I. Rabi erklärte einmal Ohne Teller wäre es eine bessere Welt gewesen.Dieses Zitat ist von mehreren Nachrichtenquellen häuptsächlich Rabi zugeordnet worden (vgl. u.A. allerdings gibt es auch seriöse Quellen, die es Hans Bethe zuordnen (z.B. im Anhang zum Epilog in Herken 2001 [http://www.brotherhoodofthebomb.com/bhbmedia/notes_epilogue.doc).
Im fortgeschrittenen Alter hielt er auch einmal einen Vortrag im Frankfurter Volksbildungsheim. Er trat dort merkwürdigerweise mit einem langen Gehstock, bewehrt mit eiserner Spitze, auf. Auf die Frage, ob man die erste Atombombe auf Deutschland geworfen hätte, wenn Deutschland das Kriegsende hätte hinauszögern können, antwortete er sinngemäß: "Nein, die Deutschen waren in der Atomforschung schon zu weit, und wir durften ihnen keinen Hinweis geben oder gar eine Hilfe im Falle eines Blindgängers. Diese Gefahr bestand in Japan nicht."
Teller starb am 9. September 2003 in Stanford. Er war Mitglied der American Academy of Arts and Sciences, der American Association for the Advancement of Science, und der American Nuclear Society und wurde mit dem Albert Einstein Award, dem Enrico-Fermi-Preis und der National Medal of Science geehrt. Er war außerdem Mitglied der Gruppe von US-Forschern, die vom Time magazine zur Person of the Year 1960 gewählt wurde. Des Weiteren ist der Asteroid 5006 Teller nach ihm benannt. Weniger als zwei Monate vor seinem Tod wurde er von Präsident George W. Bush mit der Presidential Medal of Freedom ausgezeichnet.
Auch wenn Teller Ungarn Jahrzehnte vorher verlassen hatte, vergaß er weder seine Herkunft noch seine Muttersprache. Nach der Überwindung des Kommunismus in Ungarn im Jahre 1989, besuchte er sein Heimatland mehrmals und verfolgte die politische Entwicklung sehr genau. Während des Wahlkampfes 2002 in Ungarn sandte Teller einen Brief an die bürgerliche politische Partei Fidesz, um sie seiner Unterstützung zu versichern. Knapp einen Monat nach Tellers Tod veröffentlichte ein ungarischer Journalist einer linksgerichteten Zeitung einen angeblichen Brief von Teller, in dem er seinen Hass gegen die Partei ausdrückte. Tellers Freunde und seine Sekretärin bezweifelten die Authentizität des Schreibens, da sie nicht glauben konnten, dass Teller jemals so etwas verfasst habe. Bald darauf flog auf, dass der Brief eine Fälschung war.
Englische Referenzen
Mann | US-Amerikaner | Ungar | Physiker (20. Jh.) | Geboren 1908 | Gestorben 2003
Edward Teller | Edward Teller | Edward Teller | Edward Teller | Edward Teller | Edward Teller | אדוארד טלר | Teller Ede | Edward Teller | エドワード・テラー | 에드워드 텔러 | Edward Teller | Edward Teller | Едвард Телер | Edward Teller | எட்வர்ட் டெல்லர்
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