Eduard suess.jpg Eduard Suess (* 20. August 1831 in London - † 26. April 1914 in Wien) war ein österreichischer Geologe und Politiker des 19. Jahrhunderts und wurde bekannt als Experte für den tektonischen Bau der Alpen. Auf ihn sind zwei wesentliche paläo-geographische Entdeckungen zurückzuführen: der ehemalige Superkontinent Gondwana und das Tethysmeer.
Suess war auch am Bau des Sueskanals beteiligt, und plante mit Karl Junker die 1873 eröffnete Wiener Hochquellenwasserleitung, die Wien seither mit Trinkwasser aus dem Rax-Schneeberg versorgt.
Im weiteren Verlauf seiner Karriere seit 1878 versuchte sich Suess an einer groß angelegten Zusammenfassung der geologischen Kenntnisse seiner Zeit, wobei er die gesamte Gestalt der Ozeane und Kontinente mit ihren Gebirgsketten betrachtete. Lyells alte "Fahrstuhl-Tektonik" (langsames Auf und Ab der Festlandsmassen, mit entsprechend langsamer Erosion und Überflutung) hielt er, seit seiner Beschäftigung mit der komplexen Tektonik der Alpen, für ungeeignet. Statt dessen versuchte er, ähnlich wie Élie de Beaumont einige Jahrzehnte zuvor, sein tektonisches Modell mit der Entwicklungsgeschichte der Erde zu verbinden, wie sie in den Sedimentgesteinen überall auf der Welt überliefert worden war. Allerdings tat er dies auf eine sehr viel differenziertere Weise: Suess nahm an, dass der Einbruch eines Ozeanbeckens ein weltweites Sinken des Meeresspiegels (Regression) bewirken würde. Dieses führe dann zu einer verstärkten Erosion der entblößten Festländer, dies wiederum zu vermehrtem Eintrag von Sedimenten in die Ozeane bis diese gefüllt sind, und dies schließlich zu einem erneuten Anstieg des Meeresspiegels (Transgression). Mit der Einführung des (heute noch gebräuchlichen) Konzepts der eustatischen Meeresspiegelschwankungen lieferte er eine plausible Erklärung, warum verschiedene geologische Einheiten, wie Jura, Kreide, etc., überhaupt weltweit in ähnlicher Gestalt ausgebildet sind, und sich miteinander korrellieren lassen.
Im Gegensatz zu Dana hielt Suess die Ozeane also für relativ junge und veränderliche Strukturen, und nicht für uralte, primordiale Einsturzbecken, die schon seit der Zeit der ersten Krustenbildung des Erdkörpers bestünden. Suess' Aussage: Der Zusammenbruch des Erdballs ist es, dem wir beiwohnen. wurde zum Kernsatz seines geologischen Weltbildes.
Auf Grund solcher Überlegungen, kam Suess zu dem Schluss, dass Afrika und Europa einstmals eng verbunden waren, und dass die nördlichen Alpen einst der Grund eines Ozeans gewesen waren, von dem das Mittelmeer nur noch ein Überbleibsel darstellte. Obwohl größere Teile dieser These heute nicht mehr akzeptiert werden (u.a. weil die Theorie der Plattentektonik zu Suess' Zeiten noch nicht entwickelt worden war), lag er mit dieser These so nahe an den Tatsachen, dass ihm die Entdeckung des Tethys-Ozeans zugeschrieben wird, dem er 1893 diesen Namen verlieh.
Zu seinen weiteren wichtigen Entdeckungen zählt, dass eine bestimmte Farngattung Glossopteris in Fossilien Südamerikas, Afrikas und Indiens zu finden ist (dass diese Farngattung auch in antarktischen Fossilien vorkommt, konnte Suess zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen). Seine Erklärung für diese Tatsache war, dass diese drei Erdteile einstmals als "Superkontinent" vereint waren. Diesen nannte er "Gondwana". Damit widersprach er der bis dahin vorherrschenden Meinung, identische oder nah verwandte Arten seien stets über Landbrücken, ähnlich wie die Landenge von Panama, von einem Kontinent zum anderen gewandert. Nach heutigem Wissensstand ist Suess' Theorie aber ebenfalls nicht vollständig korrekt. Er glaubte, dass die Ozeane die heute diese Erdteile trennen, im Laufe des Tertiär eingesunken seien. Die Tatsache, dass die Landmassen auseinanderdrifteten, war ihm zu seiner Zeit noch nicht bekannt. Jedoch begriff Suess als Erster, dass der Ostafrikanische Graben auf Grund von lateralen Ausdehnungsbewegungen entstanden sein musste, die zur Ausdünnung der Erdkruste und zur Bildung eines Grabenbruchs führten.
In einer späteren Ausgabe seines Werkes von 1904 versuchte Suess übrigens eine möglichst naturalistische Erklärung für den biblischen Sintflut-Bericht zu finden: er hielt die Flut für das tragische Zusammentreffen eines seismischen Ereignisses mit einem tropischen Sturm am Südende des Persischen Golfs. Mit der entstehenden Gezeitenwelle (Tsunami) könnten Überlebende in seetüchtigen Booten bis in die Bergländer im Norden des heutigen Irak gespült worden sein. Das Aufbrechen der Brunnen der Großen Tiefe (1 Gen 7,11) führte er auf das bekannte Phänomen von Quellen in den Schwemmgebieten großer Flüsse zurück, die während eines Erdbebens plötzlich mehr Wasser ausspeien. Diese Art und Weise antike Mythen in rational verständliche Vorgänge umzudeuten, und sie damit ihrer eigentlichen mythologischen und moralischen Anteile zu berauben, erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit, allerdings eher unter pseudowissenschaftlichen Autoren. Auch Suess' Vorstellungen über das Versinken von Erdkruste in neuen Ozeanbecken fand bereits unter zeitgenössischen Okkultisten, wie Ignatius Donnelly und Helena Blavatsky großen Anklang. Sie benutzten Suess' Theorien um z.B. das Versinken von Atlantis und anderer hypothetischer Kontinente zu erklären.
1937 übertrug der südafrikanische Geologe Alexander du Toit Suess' Namen Tethys und Gondwana auf die Gegebenheiten in Alfred Wegeners Kontinentaldrift-Theorie. Du Toits Name Laurasia für den ehemaligen Superkontinent nördlich der Tethys geht auf Suess' Bezeichnung "Laurentia" für das Gebiet zurück, das wir heute als Kanadischen Schild kennen. Die von Wegener verwandten Bezeichnungen SiMa und SiAl für ozeanische und kontinentale Kruste wurden ebenfalls von Suess zuerst geprägt.
Nach ihm wurde der Suessgletscher in Viktorialand im Süden der Antarktis benannt.
Geologe | Paläontologe | Politiker (Österreich) | Österreicher | Mann | Geboren 1831 | Gestorben 1914
Eduard Suess | Eduard Suess | Eduard Suess | Eduard Suess | Зюсс, Эдуард | Eduard Suess
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