Edirne Turkey Provinces locator.gif | edirne.jpg in Edirne, 1575 erbaut von Sinan]] Edirne (Adrianopel, griech. Αδριανούπολις / Adrianoupolis, in der Antike Orestia, röm. Hadrianopulis, trak. Odrysai, bulg. Одрин / Odrin; ca. 120.000 Einwohner) ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im europäischen Teil der Türkei.
Edirne befindet sich ca. 220 km westlich von Istanbul nahe dem Dreiländereck Bulgarien, Griechenland und Türkei am türkisch-griechischen Grenzfluss Meriç Nehri (griech. Evros, bulgar. Maritza). Der Nebenfluss Tunca (griech. Tonzos, bulg. Tundscha) mündet südlich vom Zentrum in den Meriç Nehri. Die Stadt liegt in der fruchtbaren thrakischen Küstenebene. Die geografischen Koordinaten sind , die durchschnittliche Höhe über NN beträgt 26 m.
Edirne ist durch den mautpflichtigen Trans European Motorway (E 80) erschlossen, der vom bulgarisch-türkischen Grenzübergang Kapitan Andrejewo bei Swilengrad/Kapıkule über Istanbul und die Bosporus-Br%C3%BCcke bis nach Ankara führt.
Durch die Stadt führt auch die bereits im 19. Jahrhundert erbaute Eisenbahnlinie Sofia - Istanbul. Nach den Grenzkorrekturen durch den Vertrag von Lausanne 1923 verlief ein kurzer Abschnitt der Strecke auf griechischem Gebiet, erreichte aber noch vor der bulgarischen Grenze wieder türkisches Territorium. Drogenschmuggler nutzten diese Route ab Ende der 1960er Jahre zur illegalen Einreise nach Griechenland (sog. Midnight Express). Nach den Spannungen mit Griechenland im Zuge der Zypernkrise bauten die Türkischen Staatsbahnen (TCDD) eine neue Nebenstrecke, die nurmehr auf türkischem Gebiet verlief. Die alte Strecke wurde aufgegeben. Der alte osmanische Bahnhof ist gut restauriert worden. Edirne erhielt einen neuen Bahnhof, der inzwischen auch für den Autoreisezugverkehr geeignet ist. In den Sommermonaten werden dort Autoreisezüge der ÖBB von und nach Wien sowie der Fa. Optima-Tours von und nach Villach und Niš (Serbien) abgefertigt.
Edirne dient vor allem als Handelsplatz für landwirtschaftliche Erzeugnisse, hauptsächlich Weintrauben. Haupterzeugnisse der Stadt sind Textilien und Textilrohwaren, Lederwaren und Teppiche, außerdem Rosenwasser und Rosenöl.
Mit der Trakya Üniversitesi ist Edirne seit 1982 auch Universitätsstadt. Es besteht ein Universitätsklinikum.
Die Stadt war der Sitz des Erzbistums Hadrianopolis in Haemimonto, das heute noch als Titularbistum der Römisch-Katholischen Kirche weiterlebt.
In den russisch-türkischen Kriegen von 1828-1829 und 1877-1878 sowie während der Balkankriege von 1912-1913 wurde Edirne mehrfach angegriffen und erobert. Am 26. März 1913 nahmen die Bulgaren die Stadt nach viermonatiger Belagerung ein. Im zweiten Balkankrieg konnten die Türken Edirne kurz darauf zurückerobern. Nach dem 1. Weltkrieg fiel die Stadt 1920 durch den Vertrag von Sèvres an Griechenland, mit dem Vertrag von Lausanne kam sie wieder zur Türkei.
Die ältesten Bauten sind die Ruinen der römischen Stadtmauern mit einem byzantinischen Turm (Makedon Kulesi).
Die 1575 vom Architekten Sinan erbaute Selimiye Moschee und die Karawanserei Rüstem Pascha (1554) sind die bekanntesten Bauwerke. Weitere sehenswerte Moscheen sind die Eski Cami (Alte Moschee; 1414), Üç Şerefeli Cami (Moschee mit drei Galerien; 1447) sowie die Moschee und der Komplex von Beyazıd II. mit einer der weltweit ersten Anstalten für psychiatrische Erkrankungen (1488). Dieser Komplex beherbergt heute das 2004 mit dem Museumspreis des Europarats ausgezeichnete Türkische Museum für die Geschichte der Psychiatrie. Die Muradiye Moschee verfügt über sehr gut bearbeitete, typisch osmanische Fliesen und Ornamente aus dem Jahre 1426.
Edirne verfügt über drei historische Basare, den Ali Pascha Basar (1569) und den Arasta Basar, beide von Sinan erbaut sowie den ältesten von allen, den Bedesten Basar (1418).
Die Ruinen des alten Sultanspalasts in Edirne beherbergen einen gut erhaltenen osmanischen Turm (Adalet Kasrı) und ein Jagdhaus. Brücken gibt es am Tunca (1615), am Meriç (1842. Ferner Brücken von Gazimihal (1420) sowie von Beyazıd II. (1488). Weiterhin sehenswert sind noch die typischen alten osmanischen Häuser aus Holz in der Altstadt Kaleiçi.
In Edirne befinden sich auch ein archäologisches und ein ethnographisches Museum mit Funden aus Thrakien sowie ein Museum für türkische und islamische Kunst. Im architektonisch reizvollen alten Bahnhof an der stillgelegten Strecke ist heute eine Gedenkstätte zur Erinnerung an den Vertrag von Lausanne untergebracht. Vor dem Gebäude befindet sich ein an den Unabhängigkeitskrieg und den Lausanner Vertrag als "Geburtsurkunde der Republik" erinnerndes, mehrere Meter hohes stählernes Mahnmal im Stil der klassischen Moderne.
Zwischen den Flüssen laden Grünanlagen mit Imbissen bei gutem Wetter zum Verweilen ein.
Eine kulinarische Spezialität der Stadt ist frittierte Hühnerleber. Viele kleine Imbisse im Zentrum der Stadt bieten nur dieses Gericht und die - allerdings in der gesamten orientalischen Küche verbreiteten - Köfte an.
Edirne ist das Zentrum der alten türkischen Nationalsportart Ölringen (Kirkpinar). Der Austragungsort des bedeutendsten Turniers im ganzen Land ist eine Arena am Stadtrand.
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