Edgar Rice Burroughs (* 1. September 1875 in Chicago, Illinois; † 19. März 1950 in Tarzana, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Burroughs schuf unter anderem den Dschungelhelden Tarzan.
Nach seinem Abschluss auf der Michigan Military Academy im Jahr 1895 trat Burroughs in die 7. US-Kavallerie ein. Als ein Armeearzt bei ihm einen Herzfehler diagnostizierte und er deshalb nicht Offizier werden konnte, verließ Burroughs die Armee vorzeitig im Jahr 1897 und arbeitete bis 1899 wieder auf der Ranch seines Bruders. Danach ging er zurück nach Chicago und arbeitete in der Firma seines Vaters.
1900 heiratete Burroughs seine Jugendliebe Emma Centennia Hulbert. Da aber die tägliche Routine in der Fabrik seines Vaters nicht Burroughs Sache war, verließ das Ehepaar 1904 Chicago, um abermals in Idaho zu leben. Mit seinen Brüdern, die inzwischen ihre Ranch aufgegeben hatten, versuchte er sich erfolglos als Goldgräber. Kurze Zeit später arbeitete er als Eisenbahnpolizist in Salt Lake City. Auch diesen Job gab Burroughs auf und zog mit seiner Frau wieder zurück nach Chicago, wo er eine Reihe Jobs annahm, unter anderem als Vertreter. 1911 investierte er sein letztes Geld in einer Handelsagentur für Bleistiftanspitzer und scheiterte.
Burroughs, der zu dieser Zeit an Depressionen litt und, nach einigen seiner Biographen, an Selbstmord dachte, kam auf die Idee, selbst eine Geschichte für ein Magazin zu schreiben. Seine erste Erzählung Dejah Thoris, Princess of Mars, unter dem Pseudonym Normal Bean für das „All-Story“-Magazin von Thomas Metcalf geschrieben, wurde zwischen Februar und Juli 1912 als Fortsetzung veröffentlicht.
Burroughs erhielt für seine erste Kurzgeschichte 400 Dollar, war aber nach dem Erscheinen der Story unzufrieden mit dem Ergebnis. Metcalf hatte sein Pseudonym in Norman Bean geändert, und auch der Titel seiner Geschichte wurde zu Under the Moon of Mars abgewandelt. Auf Burroughs Beschwerde bezüglich der Änderungen, lenkte Metcalf ein und bot an, Burroughs nächste Geschichte unter seinem richtigen Namen zu drucken. Eine weitere Beschwerde Burroughs betraf den Zusatz For all Rights auf seinem Honorarscheck. Nach längerem Briefwechsel erreichte er, das die 400 Dollar nur für den Erstabdruck galten.
Burroughs zweite Geschichte, The Outlaw of Torn, wurde jedoch von All-Story abgelehnt. Der große Erfolg kam mit Burroughs drittem Anlauf, Tarzan of the Apes.
Die Geschichte von Tarzan wurde ebenfalls 1912 von All-Story veröffentlicht. Burroughs produzierte in der Folgezeit immer wieder neue Tarzan-Geschichten und konnte sich, weniger als zehn Jahre nach der Veröffentlichung von Tarzan of the Apes, ein riesiges Stück Land in der Nähe von Los Angeles kaufen. Selbst nach Burroughs Tod im Jahr 1950 erschienen weitere Tarzan Geschichten. Das Landstück bei Los Angeles ist heute die Gemeinde Tarzana.
In den frühen 1930er Jahren wurde sein schriftstellerischer Erfolg allerdings immer mehr von privaten Problemen überschattet. 1934 ließ er sich scheiden und heiratete ein Jahr später Florence Dearholt. Doch schon 1942 wurde auch diese Ehe geschieden. Nach der Bombardierung von Pearl Harbor begab sich Burroughs 1941 als Kriegsreporter nach Hawaii. Nach dem Krieg kehrte er nach Kalifornien zurück, wo er, nach vielen gesundheitlichen Problemen, 1950 einem Herzanfall erlag.
Burroughs verfasste ca. 70 Bücher, von denen zu Lebzeiten 59 erschienen.
Seine Romane und Erzählungen haben nichts mit der wirklichen Welt zu tun und die Probleme seiner Helden sind keine Alltagsprobleme. Bei den Charakterzeichnungen schwach, sprudeln Burroughs Geschichten über vor Ideen und Action. Die Helden seiner Romane haben verschiedene Merkmale gemeinsam, beispielsweise das Geheimnis um ihre Herkunft. Entweder haben die Helden nie eine Kindheit erlebt, oder können sich nicht daran erinnern, oder aber sie sind wie Tarzan und The Cave Girl Waisen.
Ein weiteres Merkmal von Burroughs Geschichten ist der, wie Brian W. Aldiss¹ es nennt, ausgeprägte sexuelle Dimorphismus. Das jeweils dominante Geschlecht ist hässlich.
Obwohl es in den Romanen und Geschichten Burroughs von schönen, nackten Frauen nur so wimmelt, werden sexuelle Beziehungen weder angedeutet, noch erwähnt. Burroughs Welt scheint ein präpubertäre zu sein. Doch ist die Jungfräulichkeit immer in Gefahr. Fast schon zwanghaft mutet an, dass es in den Geschichten Burroughs, die zwischen 1911 und 1915 geschrieben wurden, nicht weniger als 76 Mal zu Vergewaltigungsdrohungen kommt, die natürlich alle abgewendet werden können. Zu den Bedrohern der weiblichen Unschuld gehören verschiedene Marsianer, Sultane, Höhlenmenschen, japanische Kopfjäger und Affen².
E. F. Bleiler schreibt über Burroughs, seine Literatur seien "Fantasien von Erotik und Macht" ³.
Dabei hat Burroughs Mars wenig mit dem echten Mars zu tun. Auch die Beschreibung der Geographie des Planeten wird nur grob geführt. John Carter, der Held der Mars-Romane, kommt per mystische Übertragung auf den Mars, der von seinen Bewohnern Barsoom genannt wird. Ruinenstädte und austrocknende Meere beherrschen das Bild, Überreste alter Zivilisationen sind überall vorhanden. Dennoch ist der Planet voller Lebewesen. Es gibt verschiedene Rassen intelligenter Marsbewohner, die sich durch ihre Hautfarbe unterscheiden. Die einzelnen Stämme sind untereinander verfeindet. Es gibt grüne, weiße, gelbe und rote Marsianer, teils riesig groß und vierarmig. Die Frauen auf Barsoom legen Eier und sind meistens wunderschön. John Carter verliebt sich in Dejah Thoris, eine rote Marsianerin.
Neben Science Fiction und Fantasy-Geschichten, die auf verschiedenen Planeten, vergessenen Inseln, Kontinenten Caprona und im sogar Innern der hohlen Erde Pellucidar spielen, schrieb er historische Romane, Western und sozialrealistische Bücher.
Einen Sonderplatz in Burroughs Schaffen nehmen die beiden Bücher um den Apachenhäuptling Shoz Dijiji ein, in denen sich Burroughs erstmalig in der amerikanischen Literatur bemühte, ein realistisches Bild der Apachen zu zeichnen.
Die Bücher von Burroughs hatten auch in Deutschland eine große Fangemeinde, wo in den 1920er und 1930er Jahren 8 Tarzanbände erschienen. Auf 16 Tarzan-Bände (davon 8 dt. Erstveröffentlichungen) brachte es in den 1950er Jahren der Pegasus Verlag. Anfang der 1970er Jahre wurden auch andere Bücher des Autors in Deutschland verlegt, darunter vier Bücher der Venus-Reihe und vier Mars-Romane. Der letzte ambitionierte Versuch in den 1990er Jahren scheiterte aus gesundheitlichen Gründen des Verlegers. Im Kranichbornverlag erschienen 15 Tarzan-Bände, davon vier als deutsche Erstveröffentlichungen, und zwei Mars-Romane. Lediglich im Jahre 2000 erschien mit dem Caprona-Zyklus ein weiteres Werk des Autors in deutscher Sprache.
Autor | Literatur (20. Jh.) | Literatur (Englisch) | Fantasy-Literatur | SF-Literatur | US-Amerikaner | Mann | Geboren 1875 | Gestorben 1950
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