In der Informatik spricht man von Echtzeit (englisch: real-time, deutsch: veraltet Realzeit) um sie von einer Modellzeit zu unterscheiden. Echtzeit bedeutet dabei die Zeit, die Abläufe in der "realen Welt" verbrauchen. Modellzeit hingegen bedeutet die von einer Software selbstverwaltete Laufzeit. Ist nun diese Modellzeit synchron zu Echtzeit, spricht man davon, dass das System echtzeitfähig ist.
– Für Einsatzbereiche wie Temperaturregelungen oder Füllstandsüberwachungen sind Reaktionszeiten von einigen Sekunden völlig ausreichend (günstige Microcontroller, einfache SPS (Speicherprogrammierbare Steuerung).
– Automatisierungslösungen mit einer SPS (Speicherprogrammierbare Steuerung) oder auf einem Feldbussystem basierende Produktionslinien kommen mit Reaktionszeiten im Millisekunden-Bereich hervorragend aus.
– Schnelle digitale Regelungen, Steuerungen, Filterungen und Überwachungen, Messdaten-Onlineauswertung benötigen Echtzeit-Systeme die im Mikrosekunden-Bereich arbeiten (ADwin).
Die Anforderung einer Automatisierungsaufgabe ist immer das Kriterium dafür, welches Echtzeitsystem zum Einsatz kommt.
Folgendes Beispiel soll den Zusammenhang zwischen der Reaktionszeit und dem Einfluss auf die zu realisierende Anwendung verdeutlichen: Ein fiktives Echtzeitsystem habe eine angenommene Reaktionszeit von 10µs. Auf diesem Echzeitsystem sollen verschiedene Prozesse mit unterschiedlichen Zykluszeiten ablaufen. Je nach Zykluszeit des Prozesses nimmt die Reaktionszeit einen beträchtlichen Prozentsatz ein:
| Prozess | Frequenz | Zykluszeit bzw. Periodendauer | Reaktionszeit in % von der Zykluszeit |
|---|---|---|---|
| Prozess 1 | 1KHz | 1000µs | 1% |
| Prozess 2 | 10KHz | 100µs | 10% |
| Prozess 3 | 50KHz | 20µs | 50% |
| Prozess 4 | 100KHz | 10µs | 100% |
Während bei Prozess 1 und 2 die Reaktionszeit nur einen kleinen Anteil der Prozesszykluszeit einnimmt, somit diese sicherlich realisierbar sind, sieht man deutlich den mit 50% größeren Anteil der Reaktionszeit bei Prozess 3. Nicht mehr realisierbar wäre Prozess 4, denn hier nimmt die Reaktionszeit ganze 100% der Prozesszykluszeit ein, somit steht keine Rechenleistung für die eigentliche Aufgabenrealisierung mehr zur Verfügung. Daraus folgt: je schneller Prozesse ablaufen sollen, je kürzer muss die Reaktionszeit des Echtzeitsystems sein, um möglichst viel Rechenleistung für die Abarbeitung des Prozesses zur Verfügung zu stellen. Ideal wäre eine Reaktionszeit von „0“ was sicherlich unmöglich ist, aber mikrosekundengenaue mit Reaktionszeiten weit unter einer µs kommen dem schon sehr nahe.
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