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Echo 1 (eigentlich Echo 1A) ist der Name eines großen Ballonsatelliten der USA, der am 12. August 1960 als erster Nachrichten- und geodätischer Satellit gestartet wurde. Seine internationale COSPAR-Nummer war 6000901 (9. Start des Jahres 1960, 1.Komponente).
Start, Umlaufbahn und Ballon
Der Start erfolgte als zweiter Einsatz einer neu entwickelten
Trägerrakete vom Typ
Delta, der später erfolgreichsten amerikanischen Raketentype im mittleren Leistungsbereich. Ihr Erstflug (am
13. Mai 1960 mit Echo 1 und einem
Startgewicht von etwa 60 t) war allerdings ein
Fehlstart.
Der mit dünnem Aluminium überzogene dünne Ballon aus dem nylon-ähnlichen Material Mylar (einer nur Bruchteile von Millimeter starken Folie) wurde erst „aufgeblasen“, als die Endhöhe von etwa 1500 km erreicht war (Umlaufzeit knapp 2 Stunden). Die 30 Meter große, stark reflektierende Kugel war etwa 10 Jahre lang als heller Stern 1. Größe zu sehen und diente der passiven Weiterleitung von Signalen im Radio- und Funkverkehr. Gegen Ende seiner Lebenszeit – kurz vor dem Verglühen im Jahr 1968 – war die Bahnhöhe von 1500 auf etwa 1000 km gesunken.
Reichweite der Funkwellen, Sichtbarkeit
Eine einfache Skizze oder der „
Pythagoras“ ergibt, dass ein solcher
Erdsatellit in einer 1500 km hohen
Kreisbahn bei einem
Erdradius von 6370 km mehr als 4600 km weit sichtbar ist. Liegen zwei
Funkstationen also 9000 km auseinander und geht die
Satellitenbahn zwischen ihnen durch, können sie bei genügend starken Funkwellen deren gegenseitige
Reflexion empfangen.
Die erste Fernmeldeverbindung über größere Distanz gelang zwischen zwei US-Erdfunkstellen im Ostküstenstaat New Jersey und im westlichen Kalifornien (Crawsfords Hill und Goldstone) über fast 4000 km. Die aluminium-beschichtete Plastikhülle erwies sich als ausreichender Reflektor für die Funkwellen.
Die visuelle Sichtbarkeit ist jedoch deutlich geringer als mittels Funkwellen, weil
- der Satellit von der Sonne beleuchtet sein muss
- der Beobachter im Schatten (d.h. auf der Dämmerungs- oder Nachtseite der Erde liegen muss
- die Helligkeit einer Kugel vom Winkel zwischen Lichteinfall und Beobachter abhängt - siehe Mondphasen, und
- außerdem in Horizontnähe durch die atmosphärische Extinktion stark absinkt.
Dennoch ist es auch für präzise Zwecke der Satellitengeodäsie kein Problem, einen Flugkörper wie Echo 1 bis herab zu Höhenwinkeln von 20° zu beobachten – was einer Distanz von 2900 km entspricht. Daher lassen sich theoretisch Entfernungen zwischen Vermessungspunkten bis über 5000 km „überbrücken“, und in der Praxis zumindest 3–4000 km.
Geodätische Nutzung von Echo 1
Optisch kann man Satelliten am besten vor dem Hintergrund des
Sternhimmels beobachten. Man braucht dazu kein besonderes Instrument - ein
Feldstecher und eine gute
Sternkarte genügt. Im Prinzip wurden zu Beginn der
Raumfahrt die Messungen tatsächlich so durchgeführt, nur musste auch die
Zeitmessung entsprechend
genau erfolgen.
Notwendige Genauigkeiten
Wenn man auf ±0,01° (oder 36") genau die Satellitenspur vor den
Fixsternen misst und sich der Satellit um 0,3° pro Sekunde bewegt, muss die Zeit auf 1/30
Sekunde genau sein. Das konnten aber nur sehr geübte Beobachter im damaligen "
Moonwatch"-Programm. Für Zwecke der
Geodäsie wäre eine noch höhere Genauigkeit notwendig.
Diese höhere Qualität erhielt man schon damals mit fotografischen Kameras bei Brennweiten ab 20 cm. Zwar kann man damit nur Satelliten aufnehmen, die etwa eine freiäugige Helligkeit besitzen, doch war das für helle Ballonsatelliten des Echo-Typs bei weitem erfüllt (wegen des guten Erfolgs folgten noch weitere 3 Starts bis 1966).
Fotografische Auswertung und Stellartriangulation
Liegen nun solche Foto-Aufnahmen mit Satellitenspur plus kurze Unterbrechnungen (
Verschluss mit Zeitmarken) vor, kann daraus die Satellitenbahn im
Sternkoordinatensystem α, δ auf etwa ±2" bestimmt werden (siehe
Bahnbestimmung). Nun hat man 2 Möglichkeiten:
- Analyse der Bahnstörungen und damit eine genaue Bestimmung des Erdschwerefeldes in Satellitenhöhe, oder
- gleichzeitige Messung des Satelliten von 2 oder mehr Bodenstationen und Bildung von großen Dreiecken zwischen ihnen. Diese Methode entspricht der terrestrischen Triangulation, mit der die Geodäten zwischen 1600 und 1950 die Erde großräumig vermessen haben, und heißt deshalb „Stellartriangulation“.
Damit wurden zwischen 1960 und 1968 – als der 1.Ballonsatellit verglühte – hunderttausende Messungen gemacht. Die Achsen des Erdellipsoids, die bis dahin wegen der geodätisch fast unüberbrückbaren Ozeane nur auf etwa 100 Meter bekannt waren (0,0016 Prozent des Erdradius), konnten dadurch etwa zehnmal genauer bestimmt werden. Durch den Fortschritt der Technik stieg diese Genauigkeit bis 1975 nochmals 5-fach (auf 2–3 m); 1980 erreichte man ±1m und heute ist man – allerdings mit Mikrowellen-Techniken und GPS – bei wenigen Zentimetern bis Dezimetern angelangt.
Entwicklung der Satellitentechnik nach Echo-1
Aktive statt passive Funksatelliten
Für die
Nachrichtentechnik wurde das „passive Prinzip“ (Reflex der
Funkwellen an der
Ballonhaut) jedoch bald durch aktive
Systeme ersetzt:
- Einerseits war der technische Fortschritt in den ersten Jahren der Raumfahrt einigermaßen rasant und wirkte sich
- andererseits erkannte man bald, dass nur mit aktiv arbeitenden Satelliten eine effektive Informationsübertragung möglich ist
Der erste aktiv sendende, kommerzielle
Fernsehsatellit Telstar 1 wurde am
10. Juli 1962 gestartet und kam bereits im Sommer für eine direkte
Fernsehübertragung zwischen
USA,
Westeuropa und
Japan zum Einsatz. Er konnte gleichzeitig mehrere hundert
Tonkanäle aussenden.
Wegen des so erfolgreichen Nachrichtensatelliten wurde schon 1963 in den USA die Kommunikationssatellitengesellschaft COMSAT (Communications Satellite Corporation) gegründet. Ein Jahr später folgte die Intelsat (International Telecommunications Satellite Organization) und COMSAT war Gründungsmitglied. Ihr erste Nachrichtensatellit hieß Early Bird (Morgenvogel) und startete 1965. Early Bird (offiziell Intelsat 1) konnte 240 Telefongespräche bzw. einen Fernsehkanal übertragen.
Echo-2 und weitere Ballonsatelliten
Weil Echo-1 trotz seiner o.e. elektronischen Nachfolger doch recht erfolgreich war, wurde
1964 ein ähnlicher Ballonsatellit
Echo 2 gestartet. Seine Bahn war etwas niedriger (anfangs etwa 1200 km) und verlief sehr
polnah (
Bahnneigung nun ca. 82°, gegenüber Echo-1 mit 47°).
Dadurch konnte man den Satelliten auch in höheren
Breiten beobachten, wo großer Bedarf an
interkontinentalen Verbindungsmessungen bestand. Echo-2 hatte mit seinen 6 oder 7 Jahren eine etwas kürzere Lebensdauer als Echo-1 (1960–1968). Beide Ballons verloren ihre Kugelgestalt erst nach einigen Jahren, obwohl ihre
Gasfüllung wegen der
Mikrometeoriten vermutlich nur wenige
Stunden vorhanden war. Im Jahr vor dem Absturz waren beide "Echos" schon ziemlich „verbeult“, und man konnte ihre
Rotation deutlich am variablen Licht erkennen. Ihre
scheinbare Helligkeit war im Laufe der Jahre von 1.Größe (0,2 bis 1,0) um fast 1 Größenklasse gesunken.
Als etwas kleinere Ballonsatelliten hatte die NASA zwei sogenannte Explorer gestartet (Nr. 19 und 38 ?), und im Jahr 1966 folgte der besonders große 40 m-Ballon PAGEOS. Sein Name bedeutet (deutsch wie englisch) „PAssiver GEOdätischer Satellit“.
PAGEOS und das Weltnetz
PAGEOS wurde speziell für das sogenannte „
Weltnetz der Satellitengeodäsie“ gestartet, für das bis 1973 etwa 20
vollberufliche Beobachtungsteams
weltweit unterwegs waren. Mit den bewährten, vollelektronischen
BC-4 Kameras (1:3 /
Brennweite 30 bzw. 45 cm) nahmen sie auf 46 Bodenstationen insgesamt 3000 verwertbare
Fotoplatten auf, woraus die Stationen
dreidimensional auf durchschnittlich 4m genau berechnet werden konnten. Der Koordinator dieser Campagnen war
Univ.Prof. H.H. Schmid von der ETH
Zürich.
In Europa lagen 3 Stationen des Weltnetzes: Catania auf Sizilien, der Hohenpeißenberg in Bayern und Tromsø im nördlichen Norwegen. Zur Ergänzung des reinen Richtungsnetzes waren genaue Streckenmessungen nötig, die auf 4 Kontinenten – und auch quer durch Europa – mit Genauigkeiten von 0,5 mm pro km vermessen wurden.
Siehe auch
Nachrichtentechnik,
Ionosphäre,
Erdmessung,
Satellitengeodäsie
Weblinks
Kommunikationssatellit | Geodäsie
Echo satellite