Die Eberswalde-Finowfurter Eisenbahn (bis 1930 Eberswalde-Schöpfurther Eisenbahn) verkehrte von 1907 bis 1996 auf einer 9,6 Kilometer langen Strecke zwischen der Stadt Eberswalde und der Gemeinde Schöpfurth (heute Finowfurt) sowie dem 1,3 Kilometer langen Abzweig Heegermühle (heute Finow)-Messingwerk (ab 1914) und dem 2,2 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Eberswalde und Spechthausen (1931-1945).
Die rasante wirtschaftliche Entwicklung des Gebietes (verbunden mit der weiteren Ausprägung der Industrialisierung im Finowtal) in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlangte nach neuen Lösungen zur Verkehrsanbindung. Mit dem Bau der Eisenbahnlinie Berlin-Stettin, die am 30. Juli 1842 bis Neustadt Eberswalde vollendet war, wurde der Gundstein für die spätere Entwicklung Eberswaldes zum Eisenbahnknotenpunkt gelegt.
Am 15. August 1843 ist die Strecke nach Stettin fertig gestellt worden, 1866 nach Bad Freienwalde und Frankfurt (Oder) sowie 1898 nach Templin. Am 7. Januar 1878 wurde die königliche Hauptwerkstatt für die Ausbesserung von Lokomotiven und Wagen eröffnet. Später wandelte sie sich zum Reichsbahnausbesserungswerk. Die Deutsche Bahn AG betreibt es heute als Fahrzeuginstandhaltungswerk. Außerdem entstand die Eisenbahnbrücke in der Nähe des Bahnhofes, die am 27. Juni 1910 polizeilich abgenommen wurde.
Die Unternehmen im Finowtal waren bisher nicht an die Eisenbahnlinie Berlin-Stettin angeschlossen. Firmen wie die Hüttenwerk AG, die Messingwerke AG, die Papierfabrik Wolfswinkel und die Schering-Kahlbaum AG drängten immer stärker auf einen Anschluss an das Staatsbahnnetz. 1898 gab es erste Pläne für eine schmalspurige Anschlussbahn von Eberswalde nach Schöpfurth. Das Projekt wurde auf Grund finanzieller Schwierigkeiten und dem Desinteresse der Stadt Eberswalde nicht verwirklicht.
1904 erklärte sich die AG für Bahn-Bau und -Betrieb in Frankfurt am Main bereit, den größten Teil der Kosten für den Bau einer normalspurigen Eisenbahnlinie zu übernehmen. Auch der Landkreis Oberbarnim beteiligte sich finanziell. Die Konzession zum Bau und Betrieb der Eisenbahnstrecke erteilte am 17. Januar 1906 der Königliche Regierungspräsident. Die Bauarbeiten an der Strecke begannen im Februar 1906.
Die landespolizeiliche Abnahme der Teilstrecke zwischen Eberswalde und Heegermühle erfolgte am 1. März 1907, drei Tage später verkehrten die ersten Personenzüge (Borsig-Dampflokomotiven Dn2vt und zweiachsige Personenwagen). Hinzu kamen Güterwagen für den Waren- und Materialtransport. Die polizeiliche Abnahme des Streckenabschnittes zwischen Heegermühle und Schöpfurth für den lokalen Güter- und Personenverkehr erfolgte am 16. Oktober 1907. Am selben Tag wurde der Betrieb aufgenommen.
Die Bahnlinie hatte Anschluss an die Gleise des Staatsbahnhofes Eberswalde (heute Hauptbahnhof). Da die Einführung der Kleinbahnzüge in den Staatsbahnhof nicht möglich war, weil sich der Regierungsbaumeister außer Dienst Hoffmann weigerte die Linie über sein Privatgrundstück bauen zu lassen, musste ein gesonderter Bahnhof rund 500 Meter weiter westlich an der Strecke nach Schöpfurth errichtet werden.
Die Bezeichnung „Kleinbahnhof“ für den Ausgangspunkt der Bahnlinie in Richtung Schöpfurth im Eberswalder Stadtteil Westend (damals noch weitestgehend unbebaut) entstand. Der Bahnhof in Westend erhielt ein Ladegleis, ein Nebengleis, in das eine Gleiswaage eingebaut wurde, und ein Aufstellungsgleis, das auch zum Verladen des aus dem städtischen Wald angefahrenen Holzes dienen sollte. Des weiteren wurde ein zweistöckiges Empfangsgebäude mit angebautem Güterschuppen und ein Nebengebäude errichtet.
1908 bauten die Märkischen Elektrizitätswerke bei Heegermühle ein Kohlekraftwerk und transportierten die Kohle über ein Anschlussgleis. 1914 erfolgte die Eröffnung der 1,3 Kilometer langen Zweigstrecke von Heegermühle zum Messingwerk am Hohenzollernkanal (heute Oder-Havel-Kanal) für den Personen- und Güterverkehr.
Neben dem Güter- (weitere Firmen wurden angeschlossen) entwickelte sich der Personenverkehr in schnellem Tempo. In den verbleibenden Monaten des Jahres 1907 beförderte die Kleinbahn rund 21.000 Personen. Im Jahre 1915 waren es schon 338.000 beförderte Fahrgäste. Schließlich fuhren im Jahre 1920 fast eine Million (987.895 Passagiere) mit der Eisenbahn. 1924 wurde die Kleinbahn in eine Privatbahn (Eberswalde-Schöpfurther Eisenbahn AG/ESE, ab 1930 Eberswalde-Finowfurter-Eisenbahn AG/EFE) umgewandelt.
Der Bahnhof Eberswalde-West (im Volksmund „Kleinbahnhof“) blieb nicht der östlichste Endpunkt (im Fall der Personenbeförderung, beim Güterverkehr hatte er nie einen Endpunkt dargestellt) der Bahnlinie in Richtung Finowfurt (Schöpfurth hatte sich 1929 mit Steinfurt zu Finowfurt vereinigt). Am 17. April 1931 erfolgte die Eröffnung der 2,2 Kilometer langen Strecke von Eberswalde in Richtung Spechthausen. Zusätzlich zum bereits bestehenden Haltepunkt „Wasserfall“ an der Eisenbahnstrecke Eberswalde-Berlin wurde nun ein weiterer Bahnsteig für aus Finowfurt kommende Sonntagszüge der Kleinbahn eingerichtet.
Extrazüge dienten den Reisenden zum Besuch der großen Sängerfeste oder der beliebten Wasserfallkonzerte. Auch wenn man in Finow (aus Heegermühle entstand 1928 durch Zusammenlegung von früher selbständigen Gemeinden und ehemaligen Gutsbezirken ein neuer Ort, nämlich Finow) oder Finowfurt Schützenfeste oder Wettkämpfe im Heegermühler Sportpark veranstaltete, wurden Sonderzüge der Kleinbahn eingesetzt.
Als Zubringer diente die ab 1910 in Eberswalde fahrende Straßenbahn. Am Kleinbahnhof kreuzte diese die Gleise der Eberswalde-Finowfurter Eisenbahn. 1940 wurde die Straßenbahn durch den bis heute verkehrenden Oberleitungsbus ersetzt. Neben Wasserfall und Eberswalde-West gab es auf der Strecke folgende Bahnhöfe und Haltepunkte: Eisenspalterei, Finow (Mark), Sportpark, Messingwerk, Spechthausener Weg, Finowfurt Bahnhof und Finowfurt Ort.
Die Eröffnung von Kraftpostlinien der Reichspost im Jahre 1925 nach und durch das von der Bahn befahrene Gebiet brachte einen Rückgang bei der Personenbeförderung, der aber vorerst durch die steigenden Gütermengen, die transportiert wurden, ausgeglichen wurde. Besonders während der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 wahren zahlreiche Eberswalder Firmen in vielfältigster Art und Weise an der Rüstungsindustrie beteiligt. Die Eberswalde-Finowfurter Eisenbahn profitierte überwiegend deshalb davon, weil sie viele Anschlüsse zu diesen Betrieben besaß und für den Transport der Güterwagen zuständig war.
Einen gewissen Ausgleich zur Autobuskonkurrenz brachte ab 1933 der neue Schienenbus. Nach mehr als 25jähriger Dienstzeit sollten die Dampflokomotiven durch modernere Leichttriebwagen des Typs B von der Waggonfabrik Wismar ersetzt werden. Am 8. Oktober 1933 kam das Fahrzeug (Höchstgeschwindigkeit 45 Kilomter in der Stunde) erstmalig in Brandenburg zum Einsatz.
Der Wismarer Schienenbus (im Volksmund „Schienenzepp“) war zehn Meter lang und hatte ein Leergewicht von rund sechs Tonnen. Besondere Aufmerksamkeit wurde auf die Ausbildung des Laufwerkes des Schienenbusses gelegt. Die Achsen besaßen Rollenlager und besonders elastische Blattfedern. Die Räder trugen außerdem zwischen Lauffläche und Radscheibe ein starkes Gummipolster, so dass Stöße und Geräusche wesentlich gedämpft werden konnten. Der Wagen besaß auf beiden Endseiten einen Motor.
In der Folgezeit wurden die mit Dampflokomotiven bespannten Personenzüge weitgehend durch die neuen Schienenbusse ersetzt. Doch auch der „Finowtalbus“ konnte - trotz der wohlwollenden Aufnahme durch die Bürger der Region - den Niedergang der Personenbeförderung mit der Kleinbahn nicht aufhalten.
Durch die starke Konkurrenz der Autobusse, die mit ihren kürzeren Taktzeiten und einer größeren Zahl von Haltestellen besser auf die Wünsche der Menschen eingehen konnten, ging der Personenverkehr auf der Eisenbahnstrecke weiter zurück. Nach 406.000 Personen im Jahre 1925 und 342.000 Fahrgästen im Jahre 1930 waren es 1935 nur noch 221.000 Passagiere, die mit der Kleinbahn fuhren. 1933 verkehrten zehn Züge von Eberswalde nach Finowfurt und neun Züge in der Gegenrichtung. Die Fahrzeit betrug durchschnittlich 20 Minuten. Um den Ausflugsverkehr auf der Strecke auszuweiten, bestellte man 1940 einen vierachsigen Triebwagen des Typs „Mosel“, der aber durch die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges nicht mehr ausgeliefert wurde.
1945 wurde die Strecke nach Spechthausen stillgelegt und die Trasse abgebaut. Im gleichen Jahr erfolgte auch die Einstellung des Personenverkehrs auf dem Streckenabschnitt zwischen Finow und Messingwerk. Die Eberswalde-Finowfurter Eisenbahn hatte den Krieg ohne große Schäden überstanden und wurde zum Transport demontierter Maschinen und Anlagen von an der Rüstung beteiligter Firmen in die Sowjetunion benutzt. Am 1. Mai 1947 ging die Eisenbahn an die Landesbahnen Brandenburg; am 1. April 1949 an die Deutsche Reichsbahn.
Ab 1959 führte die Errichtung des neuen Walzwerkes auf dem Gelände des früheren Messingwerkes in Finow zu einer starken Zunahme des Güterverkehrs. Deshalb wurde der Personenverkehr immer weiter zu Gunsten des Omnibusverkehrs eingeschränkt. Im Winterfahrplan 1959/1960 kamen werktags nur noch drei Personenzüge zum Einsatz. Schließlich erfolgte mit Wirkung vom 28. Mai 1961 die Einstellung des Personen- und Gepäckverkehrs auf der Strecke Eberswalde-Finowfurt.
1963 ersetzte die Deutsche Reichsbahn die Privatbahnloks durch Dampflokomotiven der DRG Baureihe 52. In den folgenden Jahren wurde die Bahnlinie weiter für den Güterverkehr der angeschlossenen Industriebetriebe und Truppentransporte der sowjetischen Armee genutzt. Eine Kuriosität der Finowtaler Eisenbahngeschichte war die Rangierlok der Chemischen Fabrik. Die Dampfspeicherlok Typ C besaß keine Feuerung, für kurze Fahrten konnte der Dampf gespeichert werden, der dann die Lokomotive antrieb.
1972 wurde der Dampflokeinsatz auf der Strecke beendet. Danach fuhren überwiegend nur noch Diesellokomotiven der Baureihen V 60 und V 100, im geringen Umfang auch die Baureihe V 15. Mit dem wirtschaftlichen Niedergang ab 1990, der Verlagerung des Frachtaufkommens auf die Straße und dem Abzug der GUS-Streitkräfte 1994 wurde auch der Güterverkehr immer seltener.
Am 1. Januar 1994 übernahm die neugegründete Deutsche Bahn AG die Linie. Am 4. Dezember 1995 erfolgte die letzte Rangierfahrt zum Imprägnierwerk in Finowfurt. Die Stilllegung der Strecke zwischen Eisenspalterei und Finowfurt erfolgte am 31. Dezember 1995. Mit der Einstellung des Betriebes zum Kranbau am 4. März 1996 endete der Verkehr auf der Strecke. Pläne die Linie als Tourismusbahn für die Landesgartenschau 2OO2 in Eberswalde wiederzueröffnen scheiterten.
Vom Kleinbahnhof in Eberswalde ging die Fahrt im Bogen durch den (damaligen) städtischen Wald zum Bahnhof Eisenspalterei (2,2 Kilometer). In Kilometer 1,6 zweigte in Richtung Eberswalde ein Anschlussgleis für eine von der Stadt Eberswalde am Finowkanal zu errichtende Umschlagstelle ab. Das Hauptgleis dieser Abzweigung führte weiter zu der ebenfalls am Finowkanal gelegenen Märkischen Eisengießerei von F. W. Friedeberg.
In Höhe des Kilometers 1,865 zweigte noch ein Anschlussgleis nach dem Eisenhüttenwerk von Hoffmann & Motz in Eisenspalterei (später Walzwerk-Altwerk) ab. Nach dem Passieren des Fachwerkbaus am Bahnhof Eisenspalterei fuhr der Reisende durch den Königlichen Forst und erreichte bei Kilometer 5,2 den Bahnhof Heegermühle (heute Finow). Davor wurde noch eine Abzweigung (Kilometer 3,2) für das Linoleumwerk (später Chemische Werke Finowtal) geschaffen.
Der Heegermühler Bahnhof erhielt ein Umfahrungsgleis, welches gleichzeitig als Ladegleis diente, und ein Rampengleis. Das zweistöckige massiv gebaute Empfangsgebäude enthielt im Erdgeschoss die Wohnung des Stationsbeamten. Der Güterschuppen wurde an das Empfangsgebäude angebaut. Bei Kilometer 5,414 zweigte ein Anschlussgleis nach dem am Finowkanal gelegenen Steinverladeplatz der Heegermühler Dampfziegelei von Ferdinand Weber (Webers Ablage in Finow/Messingwerk) ab.
Vom Bahnhof Heegermühle aus wandte sich die Bahn in einem Bogen nach links und gleich darauf - nachdem die Biesenthaler Straße überschritten war - mit einem Gegenbogen wieder nach rechts. In der Biesenthaler Straße, die unter einem Winkel von 16 Grad gekreuzt wurde, mussten Rillenschienen eingelegt werden, damit Fuhrwerke die Straße ungehindert passieren konnten. Der Endbahnhof Schöpfurth wurde dann bei Kilometer 9,0 erreicht. Neben Empfangsgebäude und Güterschuppen erhielt der Bahnhof einen Lokschuppen mit Werkstatt und Lager. Kohlen- und Wasserstation vervollständigten die Einrichtung. Aus dem Bahnhof zweigte ein Gleis zu den Schöpfurther Mühlen ab. Zweigstrecken führten von Heegermühle zum Messingwerk am Hohenzollernkanal (heute Oder-Havel-Kanal) und von Eberswalde in Richtung Spechthausen.
Zum Einsatz kamen folgende Lokomotiven: Borsig 1901/5013-C1'n2t, Borsig 1903/5184-C1'n2t, Borsig 1903/5185-C1'n2t, Borsig 1903/5186-C1'n2t, Borsig 1906/5908-Dn2vt, Borsig 1906/5909-Dn2vt, Borsig 1908/6810-C1'n2t, HANOMAG 1891/2311-Cn2t, Hartmann 1889/1601-Cn2t (Typ: MIII-4e), Henschel 1885/1892-Cn2t (Typ: MIII-4e), Henschel 1925/20508-Dn2t, Henschel 1927/20980-1'Ch2t (Typ: Elna 5), Henschel 1936/23071-Dh2t (Typ: Elna 3), Henschel 1938/23665-Dh2t, Hohenzollern 1900/1220-Bn2t, Schichau 1893/665-Cn2t (Typ: MIII-4e) und Vulcan 1895/1510-Cn2t
Zum Einsatz kamen folgende Triebwagen: Wismar 1933/20219-AA bm (Typ: Wismarer Schienenbus Typ B), Wismar 1933/20231-AA bm (Typ: Wismarer Schienenbus Typ B) und WUMAG 1938/22175-(1A)'(A1)'
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