EGNOS (European Geostationary Navigation Overlay Service) ist ein europäisches Erweiterungssystem zur Satellitennavigation, vergleichbar mit DGPS. Der Fachbegriff für diese satellitengestützten Systeme lautet Satellite Based Augmentation System (SBAS). Bei seiner Fertigstellung voraussichtlich 2006 soll es die Positionsgenauigkeit der Systeme GPS und GLONASS von 10 - 20 Meter auf 1 - 3 Meter steigern. Zusätzlich liefert es Informationssignale über die Integrität des Systems. Innerhalb von 5-10 Sekunden warnt es die Nutzer, wenn die Positionierungssysteme falsche Daten ausstrahlen oder die Integrität der GPS-Daten aus anderen Gründen (wie zum Beispiel aufgrund atmosphärischer Störungen) eingeschränkt ist.
EGNOS stützt sich auf zwei Inmarsat-Satelliten über Zentralafrika und Ostatlantik sowie den Forschungssatelliten Artemis (ebenfalls über Zentralafrika). Jeder Satellit erfordert eine NLES. Zur besseren Ausfallsicherheit ist jeweils eine weitere NLES vorgesehen.
Der EGNOS-Empfang ist für die private Nutzung kostenlos. Ein Zusatzgerät ist nicht erforderlich, falls der verwendete GPS-Empfänger und die verwendete Anwendungssoftware die EGNOS-Demodulation unterstützen und die Verwendung im Empfänger und in der Software aktiviert wurde. Bei vielen Geräten wird der funktionierende Empfang der EGNOS-Korrekturdaten durch ein "D" im Empfangsstärke-Balken der jeweiligen korrigierten GPS-Satelliten angezeigt. Dieses D steht für das "D" in DGPS, da EGNOS eine Art von DGPS darstellt.
Während der Testphase wird das EGNOS-Signal mit dem Code "0" gesendet. Daher verweigern einige Geräte, die eigentlich EGNOS-Demodulation unterstützen, die Nutzung der als Testsignale gekennzeichneten Daten. Wenn der Regelbetrieb (Code "1") oder der Safety-of-Life Dienst (Code "2") aktiviert wurde, dann akzeptieren auch diese Geräte die EGNOS-Daten anstandslos. Bei vielen Geräten muss die SBAS-Nutzung erst vom Benutzer eingeschaltet werden. Während der Testphase werden geostationäre Inmarsat-Kommunikationssatelliten zur Übertragung benutzt. Diese finden sich südlich nahe über dem Horizont und sind daher für Privatanwender teilweise nur schwierig empfangbar. Die kommerziellen Hauptbenutzer des EGNOS-Systems sind aber Flugzeuge. Diese haben in aller Regel guten Sichtkontakt zu diesen Satelliten.
Kompatible Systeme sind das bereits vollständig funktionstüchtige amerikanische WAAS, und das japanische MSAS.
Das System befindet sich derzeit (Anfang 2006) im Übergang vom Testbetrieb zum Routinebetrieb. Neben dem EGNOS-Signal wird weiterhin das Signal des EGNOS System Test Bed (ESTB) ausgestrahlt. Der Starttermin des Signals für die Öffentlichkeit ist geplant für Anfang 2006, der Starttermin für Safety of Life-Anwendungen ist für Anfang 2007 geplant, wenn das Signal für die Systemintegrität zertifiziert ist.
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