| Elektrische Gitarre (E-Gitarre) | ||||||
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| engl.: electric guitar, ital.: chitarra elettrico, frz.: guitare électrique | ||||||
| Fender Stratocaster.jpg]] | ||||||
| Klassifikation |
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| Chordophon (Zupfinstrument) |
| verwandte Instrumente: |
| Gitarre, E-Bass |
| Musiker |
| Liste von Gitarristen |
Eine elektrische Gitarre (auch E-Gitarre oder Stromgitarre genannt) ist eine speziell zur elektrischen Tonabnahme entwickelte Gitarre. Sie setzt im Gegensatz zur akustischen Gitarre nicht primär auf einen akustischen Klangkörper zur Verstärkung der Saitenschwingungen. Hierdurch können prinzipiell andere Bauformen erreicht werden, die vielen E-Gitarren unter anderem eine besonders leichte Bespielbarkeit verleihen.
Die Entwicklung der E-Gitarre wurde von dem Wunsch getrieben, dem Instrument eine größere Lautstärke zu verschaffen. Dieses wurde notwendig, da sich die Gitarristen im Jazz mit rein akustischen Instrumenten nur schlecht gegen Bläser oder sogar ein einzelnes Klavier durchsetzen konnten. So entwickelte sich die E-Gitarre stufenweise aus der bekannten akustischen Gitarre. Deshalb wird unter dem Begriff E-Gitarre im weiteren Sinne die gesamte Bandbreite von akustischen (Jazz-)Gitarren mit angebautem Tonabnehmer auf der einen Seite und Gitarren ohne Resonanzkörper auf der anderen Seite verstanden. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es zahlreiche Mischformen, die sich bis heute gehalten haben und die meistens als halb-akustische E-Gitarren oder Halbresonanzgitarren bezeichnet werden.
Der Korpus einer E-Gitarre besteht meistens aus massivem Holz (Solidbody). Selten werden auch andere Materialien wie unterschiedliche Kunststoffe oder Graphit verwendet. Es gibt aber auch E-Gitarren mit einem der akustischen Gitarre ähnlichen Hohlkörper sowie Mischformen (Halbresonanzgitarre, „Semi-acoustic“). Das verwendete Material, die Beschaffenheit des Materials und die Form des Klangkörpers spielen eine entscheidende Rolle für den Klang.
Bolt on neck.jpg.]] Auch in konstruktiven Details gibt es verschiedene Ausprägungen, die einen massiven Einfluss auf das Klangbild der Gitarre haben:
So ist z. B. zu unterscheiden zwischen verschiedenen Methoden, den Hals mit dem Korpus zu verbinden. Die gebräuchlichsten Methoden sind das Verschrauben und das Verleimen. Beim Verschrauben wird der Hals in eine entsprechende Fräsung in den Korpus eingelassen und mit meistens vier Holzschrauben, die durch eine Metall-Unterlegplatte geführt werden, mit dem Korpus verbunden. Es gibt allerdings auch Konstruktionen mit drei oder fünf Schrauben und mit einzelnen Unterlegscheiben oder Hülsen. Beim Verleimen wird der Hals meistens wesentlich weiter in den Korpus eingesetzt und fest damit verleimt. Bei einigen Modellen besteht der Hals auch aus einem durchgehenden Block, und es werden nur noch die Korpushälften angeleimt.
Auch bei der verwendeten Hardware (siehe Mechanik), also z. B. den Stimmechaniken oder dem Steg (speziell bei der E-Gitarre Bridge genannt), gibt es stark unterschiedliche Ausprägungen, die durch Bauweise und verwendetes Material den Klang des Instruments beeinflussen.
Eine elektrische Gitarre hat in der Regel sechs Saiten. Es gibt jedoch Ausführungen mit sieben oder zwölf Saiten. Die siebensaitige E-Gitarre ist eine neuere Ausführungsform, benutzt und entworfen von Steve Vai in Zusammenarbeit mit Ibanez. Der Tonumfang wurde durch eine zusätzliche Basssaite um eine Quarte (tiefes H) nach unten gegenüber der üblichen Bauform mit sechs Saiten erweitert. Dadurch können unter anderem Melodieläufe bis in den Bassbereich gespielt werden. Eine weitere Ausführungsform ist eine E-Gitarre mit zwei Hälsen mit je sechs Saiten beziehungsweise mit sechs und zwölf Saiten.
E-Gitarren haben in der Regel 21, 22 oder 24 Bünde (Es existieren durchaus auch Sonderanfertigungen mit bis zu 36 Bünden (K. K. Downing (Judas Priest) besitzt z. B. eine), die dabei helfen, die Saite beim Greifen zu verkürzen, um einen bestimmten Ton beim Anschlagen zu erzeugen. Jedes Bundstäbchen entspricht dabei einem Halbtonschritt. Es gibt verschiedene Halslängen und -breiten.
Das bis heute vorherrschende Prinzip der Abnahme der elektrischen Signale geht auf die 1930er Jahre zurück: Dauermagnete werden direkt unterhalb der schwingenden Saiten aus Stahllegierungen montiert. Die Permanentmagneten sind mit einer Spule umwickelt. Schwingungen der Saiten führen zu Störungen des Magnetfeldes, die wiederum eine elektrische Spannung in der Spule durch Induktion hervorrufen. Dieses schwache Signal wird einem Verstärker zugeleitet. Es handelt sich bei einer E-Gitarre insofern um ein elektrisches, nicht aber ein elektronisches Musikinstrument. Schwingungen, die durch das Korpusmaterial und den Hals laufen, beeinflussen wiederum die Schwingung der Saite, daher hat das verwendete Holz (oder ggf. anderes Material) auch einen Einfluß auf den Klang.
Um die Klangvielfalt der E-Gitarre zu beeinflussen, haben viele E-Gitarren Wahlschalter, um zwischen den einzelnen Tonabnehmern hin- und herschalten zu können und auch um Kombinationen zwischen den einzelnen Tonabnehmern herzustellen. Die Tonabnehmer können oftmals zusätzlich in der abzugebenden Spannung und damit Ausgangslautstärke durch das zur Lautstärkeregelung vorgesehene Potentiometer und einen Höhenregler, das Ton-Potentiometer, reguliert werden. Einige Modelle werden auch mit Piezo-Tonabnehmern ausgestattet, um den Klang einer akustischen Gitarre nachzuahmen.
Seit Einführung des MIDI-Standards Mitte der achtziger Jahre wurden Systeme entwickelt, mit denen die einzelnen Saitenschwingungen einer Gitarre in Echtzeit in MIDI-Signale umgewandelt werden. Durch diese „MIDIfizierung“ der Gitarrensignale ist eine Steuerung von Klangerzeugern möglich, die MIDI-Befehle verarbeiten können. Eine Gitarre kann so Klänge von Synthesizern , Drumcomputern oder Samplern spielen. Im Gegensatz zum Gitarrensynthesizer wird dabei das Audiosignal der Tonabnehmer nicht für die Klangerzeugung benutzt.
Die berühmtesten und in der Stückzahl am meisten verbreiteten E-Gitarren sind die „Stratocaster“ (1954) von Fender und die „Gibson Les Paul“ (1952) der Firma Gibson. Gefolgt werden diese Modelle von der „Fender Telecaster“ (1950) und der „Gibson SG“ (1961). Alle diese Modelle werden bis heute hergestellt.
Die „Fender Stratocaster“ verfügt über zwei Cutaways, also über Einbuchtungen am Halsansatz des Korpus, die die Bespielbarkeit der höheren Lagen ermöglichen sollen, und drei Single-Coil-Tonabhnehmer. Die „Gibson Les Paul“ hat nur einen Cutaway und ist mit zwei Humbucker-Tonabnehmern bestückt. Neben den unterschiedlichen Tonabnehmern, sorgen auch grundlegende Unterschiede in Konstruktion und Holzauswahl dafür, dass diese Modelle sich auch in ihrem Klang deutlich unterscheiden. Die „Les Paul“ erzeugt einen warmen, vollen Ton, während die „Stratocaster“ einen schärferen, durchsichtigeren Ton abgibt.
Natürlich existieren auch abweichende Bauformen und E-Gitarren mit besonderen, auf den Musikstil zugeschnittenen Formen (z. B. die Flying V in Pfeilform, die Gibson Explorer, Jackson ´Randy Rhoads´ oder die noch extremeren Modelle von BC Rich), doch im Groben beziehen sich die meisten – auch neueren – Modelle auf die klassischen Bauweisen der „Stratocaster“ bzw. „Les Paul“.
Als Stimmmechanik oder einfach Mechanik bezeichnet man die drehbaren Elemente am Kopf der Gitarre, mit denen die Saiten „aufgewickelt“ und gestimmt werden (siehe auch Wirbel). Die Mechanik bei E-Gitarren (und Westerngitarren) ist wegen der starken Spannung der Stahlsaiten vorzugsweise aus Metall - im Gegensatz zu klassischen Konzertgitarren mit Nylonsaiten. Bei Gitarrenmodellen mit Kopfplatte in „Stratocaster“-Manier sind alle Elemente hintereinender auf einer Seite der Kopfplatte angeordnet. Diese Anordnung wird durch die schräge Form des Kopfes möglich und bewirkt – von vorne betrachtet – eine gerade Saitenführung, die prinzipiell weniger zu Verstimmungen tendiert. Meistens werden aber für die hohen Saiten noch Saitenniederhalter benötigt, damit die Saiten einen gewissen Auflagedruck am Sattel haben. Bei Gitarren im „Les Paul“-Stil befinden sich – genau wie bei akustischen Gitarren – jeweils drei Elemente auf einer Seite. Die Kopfplatte ist dabei meistens nach hinten abgewinkelt und die Saiten werden vom Sattel aus sowohl nach hinten als auch zur Seite abgewinkelt zu den Mechaniken geführt. Bei einigen Gitarrenmodellen – wie z. B. von den Firmen Paul Reed Smith oder MusicMan – finden sich auch Abwandlungen oder Mischformen dieser beiden Bauformen.
Hauptartikel: Tremolo
Viele E-Gitarrentypen verfügen über eine mechanische Vorrichtung zur Tonhöhenvariation (Vibrato), die -eigentlich unzutreffend- als Tremolo (eigentlich: Lautstärkevariation) bezeichnet wird. Je nach Gitarrentyp gibt es unterschiedliche Tremolosysteme (z. B. Bigsby oder Floyd Rose). Die Tonhöhenveränderungen werden durch das Erschlaffen oder Spannen der Saiten ermöglicht, das durch einen Hebel (ugs. „Whammy Bar“ oder „Jammerhaken“) an der Saitenbrücke gesteuert wird. Die Saiten werden sozusagen vorübergehend kontrolliert verstimmt.
Ein gegenläufiger Trend in der Gitarristenszene entsteht durch viele neue Firmen, die Vollröhrenverstärker in kleinen Stückzahlen und oft handgefertigt herstellen. Diese Verstärker werden oft mit eher schwacher Leistung angeboten (1 Watt, 6 Watt, 15 Watt) um den „echten“ Sound eines Vollröhrenverstärkers auch bei geringeren Lautstärken zu erzielen. Diese Verstärker sind meistens sehr einfach aufgebaut, erlauben jedoch eine grosse Klangvielfalt, da sie den Betrieb unterschiedlicher Röhrentypen ermöglichen, womit die Klangcharakteristik verschiedenster Modelle (bspw. sog. „British Sound“ mit EL34-Typen (Marshall) oder EL84 (Vox) oder „American Sound“ mit 6L6-Röhren (Fender)) zu erzeugen imstande sind.
1931 entwickelte George Beauchamp zusammen mit Adolph Rickenbacker einen Tonabnehmer, der sich die Saitenschwingung von Stahlsaiten direkt zu Nutze machte. Dieser Tonabnehmer basierte auf dem Prinzip der Induktion: Um einen Magnetkern wurde eine Spule gewickelt. Bewegten sich nun im Magnetfeld dieses Magneten die Metallsaiten, wurde es verändert, wodurch in der Spule eine Spannung induziert wurde. Das Grundprinzip, auf dem auch heutige Pickups noch basieren, war erfunden. Zunächst bestand dieser Tonabnehmer noch aus zwei Hufeisenmagneten, durch die die Saiten hindurchgeführt wurden. Rickenbacker baute diesen Tonabnehmer in eine Lapsteel-Gitarre, die aus einem einzigen Stück Holz gearbeitet war. Wegen ihrer eigenartigen Form wurde sie „Frying Pan“ (Bratpfanne) genannt. Spätere Versionen dieser Gitarre waren sogar ganz aus Aluminium. Das US-Patent für seine musikalische Bratpfanne sandte Beauchamp 1932 ein, das zweite für eine überarbeitete Version wurde 1934 eingereicht. Obwohl die Gitarre bereits erfolgreich auf dem Markt war, stellte das Patentamt die Frage, ob man das Gerät überhaupt benutzen könne. Um das zu beweisen, schickte Adolph Rickenbacker mehrere Gitarristen zu dem zuständigen Patentamt in Washington D.C., um den Sachbearbeitern ein Ständchen zu spielen. Nach langen Verzögerungen erhielt er das Patent 1937. Inzwischen hatten auch andere Hersteller elektrische Gitarren entwickelt.
Eine der ersten regulär zu spielenden Gitarre mit elektrischem Tonabnehmer in Serienfertigung war wohl 1936 die ES-150 der Firma Gibson. Im Prinzip war dieses eine Jazz-Gitarre mit in die Decke eingelassenem Tonabnehmer. „ES“ steht hierbei für Electric Spanish und war nicht so sehr auf die Verwandtschaft mit der klassischen „spanischen“ Gitarre bezogen, sondern auf die gegriffene Spielweise in Abgrenzung zur Lapsteel. Die Zahl „150“ stand für den damaligen offiziellen Verkaufspreis von 150 Dollar. In Deutschland gehörten in den 40er Jahren die Gitarrenbauer Wenzel und Roger Rossmeisl zu den Pionieren auf dem Gebiet elektrifizierter Jazz und Hawaii-Gitarren.
1941 wurde von Lester William Polfus (alias Les Paul) ein weiterer Schritt in Richtung moderner E-Gitarren begangen: Er zersägte eine akustische Gitarre in zwei Hälften und fügte in der Mitte einen massiven Klotz ein. Dieses Instrument erhielt den Namen „The Log“ (der Klotz). Von diesem Instrument war es nur noch ein kleiner Schritt zu den Solidbody-Gitarren (mit massivem Korpus). Mit diesen wurden vor allem die oft störenden Rückkopplungen bisheriger E-Gitarren reduziert. Außerdem wurde ein länger anhaltendes Schwingen (Sustain) der Saite erreicht.
Die erste E-Gitarre mit massivem Korpus wurde 1948 von Paul Bigsby auf Anregung des Countrymusikers Merle Travis hergestellt. Die Gitarre besaß einen Singlecoil-Pickup in Stegposition, einen durchgehenden Hals und eine Kopfplatte mit sechs in Reihe montierten Mechaniken. Bigsby, der sich insbesondere einen Namen mit seinen Vibratosystemen machte, stellte verschiedene Versionen dieser Gitarre in kleiner Stückzahl bis in die 1960er Jahre her.
Inspiriert von der Bigsby/Travis Gitarre brachte Leo Fender 1950 unter dem Namen „Esquire“ seine erste E-Gitarre auf den Markt. Dieses nach mehreren Namenswechseln „Telecaster“ genannte Instrument war die erste in Massenfertigung hergestellte E-Gitarre. Diese Gitarre ist bis heute unverändert von Fender als Original und von einer inzwischen unübersehbaren Reihe von anderen Herstellern als Kopie erhältlich.
Die 1954 von Fender auf den Markt gebrachte Stratocaster war eine der ersten Gitarren, die über einen Tremolohebel verfügte. Aufgrund einer Namens- und Sinnverwechslung von Vibrato und Tremolo durch Leo Fender wurde das ursprünglich für Vibratos vorgesehene System am 10. April 1956 von ihm unter dem Namen Synchronized tremolo zum Patent angemeldet.
1987 entwickelten Ibanez und Steve Vai eine siebensaitige E-Gitarre, die mit einer zusätzlichen tiefen H-Saite versehen ist. 2003 brachte Line 6 erstmals mit der Variax eine E-Gitarre auf den Markt, die verschiedene bekannte E-Gitarrenmodelle und Akustikgitarren simuliert. Heutzutage gibt es die ausgefallensten Versionen von E-Gitarren, wie zum Beispiel E-Gitarren mit zwei Hälsen oder eine Gitarre die den Tonumfang von E-Bass und E-Gitarre in einem Instrument enthält.
Unter Gitarreneffekten versteht man in der Regel elektronische Schaltungen, die das Gitarrensignal verändern. Hauptsächlich treten sie in Form so genannter „Bodentreter“ oder Pedale auf, aber auch komplexe 19"-Effekt-Prozessoren werden hierbei genutzt. Genutzt werden hier vor allem verzerrende-, Hall- und Modulationseffekte.
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