Als Dunkle Jahrhunderte oder Dunkle Zeitalter (engl.: dark ages) werden längere Zeiträume bezeichnet, in denen die Geschichte einer bestimmten Region mangels Schriftquellen, oder archäologischer Funde wenig bis gar nicht erforscht ist. In der Regel gehen diesen Dunklen Jahrhunderten Hochkulturen oder Zeitabschnitte voraus, die relativ besser bekannt sind.
Im übertragenen Sinn bezeichnet man auch Zeiten, in denen das zivilisatorische Niveau (z B. durch Krieg, Unterdrückung und Ausbeutung, Kreuzzüge, Pogrome, Inquisition oder Seuchen) niedrig ist, als dunkle Zeiten resp. dunkle Jahrhunderte. In diesen Zeiten ist auch ein Rückgang des Kulturschaffens und damit möglicher archäologischer Funde zu verzeichnen. Insbesondere in Bezug auf das Mittelalter spricht man auch vom „finsteren Mittelalter“.
Alternative Ansätze werden von Chronologiekritikern vorgebracht, die behaupten, es handle sich nicht um „dunkle Jahrhunderte“, sondern um falsche oder gefälschte Geschichtsschreibung. Es würden also deshalb keine Funde gemacht, weil die besagten geschichtlichen Abläufe Fiktion seien und jene Funde, die gemacht würden, falsch zugeordnet würden. Ansätze in dieser Richtung gibt es für die Antike Ägyptens, Griechenlands, Anatoliens, das Altertum Europas einschließlich Russlands bis ins Mittelalter. Trotz Problemen der tradierten Geschichtschreibung werden die Thesen der Chronologiekritiker eher zurückgewiesen.
Trotzdem war das 12. Jahrhundert v. Chr. im wirtschaftlichen und demographischen Bereich von einer starken Rezession geprägt. Es kommt auch im Verlaufe der Spätmykenisch-C-Phase lokal immer wieder zu Zerstörungen. Da Schriftfunde aus dieser Phase fehlen wird vermutet, dass mit dem Zusammenbruch der Palastwirtschaft auch die Kenntnis der Schrift verloren ging. Vasen mit Schiffsdarstellungen belegen jedoch, dass die Schifffahrt offenbar noch eine große Rolle spielte. Im Laufe des 11. Jahrhunderts v. Chr. verändert sich nicht nur die Keramik (Übergang zur Protogeometrischen Keramik, auch in den Bestattungsriten treten Änderungen. Es wird vermutet, dass in dieser Zeit (ca. 1050 v. Chr.) die Dorische Wanderung begann, bzw. dass sich die Zeusreligion, deren Aufkommen laut Mythos mit schweren Kämpfen verbunden gewesen zu sein scheint, sich zu dieser Zeit etablierte.
Der Eindruck, dass die Periode ein niedriges Kulturniveau hatte und Griechenland isoliert war, wird durch andere Siedlungsfunde verstärkt. Daher waren Entdeckungen auf Euböa ab Ende der 1970er Jahre sensationell. Bei Lefkandi wurde eine Siedlung ausgegraben, die ein anderes Bild lieferte. In den Nekropolen des 10. und 9. Jahrhunderts v. Chr. wurden die Toten oft mit kostbaren Beigaben bestattet, die Wohlstand und Handel bezeugen. Noch eindrucksvoller sind die Reste eines 45 m langen apsisförmigen Gebäudes, in dem wohl der Fürst von Lefkandi mit seiner Frau bestattet wurde. Neben vier Pferden wurden den Toten ein Messer, ein Schwert aus dem damals neuartigen Material Eisen, sowie Gegenstände und teilweise reich verzierter Schmuck aus Gold, Elfenbein und Fayence mit ins Grab gegeben. Vieles stammte aus Ägypten und dem Vorderen Orient. Die Funde von Lefkandi stehen in Kontrast zu den übrigen Fundstellen in Griechenland. Offensichtlich gab es im 10. und 9. Jahrhundert v. Chr. Gegenden in denen die Bevölkerung (auch) durch intensiven Handelsaustausch zu Wohlstand gekommen war.
Die Bildung von Stadtstaaten (poleis) wird abgeschlossen und es entstehen unterschiedliche Verfassungen. Die Saat dieses rapiden Aufstiegs in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. wurde aber schon in den späten "Dunklen Jahrhunderten" gelegt. Es gab griechische Handelsstationen auf Zypern (vor allem Kition) und in Syrien (Al Mina). Dort kann intensiver Handel mit Griechenland ab dem frühen 8. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen werden. Kontakte insbesondere zu den Phöniziern gab es aber vermutlich bereits im späten 9. Jahrhundert v. Chr.. Vermutlich noch im 9. Jahrhundert v. Chr. übernahmen die Griechen das Alphabet von den Phöniziern. Durch Kontakte mit dem Nahen Osten gelangten nicht nur materielle Güter und künstlerische Anregungen nach Griechenland, sondern auch gesellschaftliche und mythologische Einflüsse. All das führte zu höherem Lebensstandard, einem Anwachsen der Siedlungen und zu wirtschaftlichem und politischem Aufschwung.
siehe auch: Antikes Griechenland
Die dunklen Jahre Anatoliens setzen mit dem Zusammenbruch des Großreichs der Hethiter ein. Wie es dazu kam, wissen wir nicht, denn die jüngsten Schriftquellen aus der Hauptstadt Hattuscha datieren einige Jahre vor der Zerstörung der Stadt. Die Ursachen waren wahrscheinlich multikausal: Autoritäts- und Legitimierungs-Schwierigkeiten des Herrschers Suppiluliuma II., zu viele Feldzüge in zu kurzer Zeit, die sicher die militärische Kraft schwächten, eine Hungersnot, die für ca. 1200 v. Chr. in Kleinasien nachgewiesen ist. Zypern und das wichtige Handelszentrum Ugarit in Syrien wurden vermutlich von den Seevölkern erobert. Letztendlich ist aber unklar ob äußere oder innere Wirren für den Zusammenbruch verantwortlich sind. Es entstand ein Machtvakuum in Anatolien.
Im Laufe des 12. Jahrhunderts v. Chr. ziehen die Kaskäer von Nord- nach Ost-Anatolien. Phrygische Elemente breiten sich von der Troas über West- und Zentralanatolien aus. Hethitische Staaten bestehen in Ost- und Südostanatolien aber bis ins 8./ 7. Jahrhundert v. Chr. weiter. Möglicherweise existieren auch in anderen Randregionen eine Zeit lang hethitische Kleinstaaten. Im südlichen Anatolien wurde jedenfalls die Stele eines hethitischen Herrschers gefunden, der sich in der Tradition des Großreichs sieht. Dieser Fund steht bisher isoliert und man kann nicht mehr sagen, als dass die Stele während der Dunklen Jahre entstand.
Die Städte Zentalanatoliens werden entweder verlassen oder im Laufe des 12. Jahrhunderts v. Chr. (Hattuscha, Gordion) von neuer Bevölkerung wiederbesiedelt, bei denen es sich vermutlich um Phryger und Kaskäer handelt. Architektur und Keramik der Neubesiedlungen sind grundverschieden gegenüber der hethitischen. Die Keramik ist handgemacht und die Gebäude sind klein und schlicht. Gegen Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. wird dann ein mächtiges Phrygerreich fassbar, das weite Teile Anatoliens beherrscht. Wie es zur Herausbildung dieses Reichs kam, ist unbekannt. Ab ca. 750 v. Chr. gibt es auch wieder viele archäologische Funde und die Geschichte Anatoliens tritt wieder aus dem Dunkel.
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