Die Dunkelziffer der Armut - auch "verdeckte Armut" genannt - ist ein Fachbegriff aus der Empirischen Sozialforschung, der das Dunkelfeld der Nichtinanspruchnahme von Sozialhilfe oder "Arbeitslosengeld 2" ins Blickfeld rückt. Eine Person ist dann verdeckt arm, wenn sie Anspruch auf Sozialhilfe oder eine andere Grundsicherungsleistung wie z.B. Arbeitslosengeld II hat, diese aber nicht in Anspruch nimmt. Nach einer neuen Studie von Irene Becker und Richard Hauser kommen auf drei Bezieher von Grundsicherungsleistungen mindestens zwei bis drei weitere Person, die verdeckt arm sind. Diese Personengruppe hat also ein geringeres Einkommen als die Grundsicherungsleistungen. Besonders betroffen sind ältere Personen und Erwerbstätige. Letzte insbesondere deshalb, weil sie oft nicht wissen, dass auch sie Anspruch auf Sozialhilfe bzw. seit 2005 auf Arbeitslosengeld II haben. Siehe dazu auch: Strengmann-Kuhn, Wolfgang (2003): Armut trotz Erwerbstätigkeit. Analysen und sozialpolitische Konsequenzen. Frankfurt/Main: Campus.
Auch in der Sozialmedizin macht man zunehmend neue Erfahrungen mit dem massiven Ansteigen der Anzahl medizinisch unversorgter Bedürftiger im Deutschland des 21. Jahrhunderts. Das "Deutsche Ärzteblatt", Fachzeitung der approbierten Ärzte Deutschlands, meldete im April 2005 eine mangels genauerer Daten aus Indizien ermittelte Anzahl von 300.000 nicht krankenversicherten Personen in der deutschen Gesellschaft.
Der Essay mit dem die Berliner Autorin Maren Hombrecher 2004 den Büchergilde-Essaypreis errang, handelte von diesem zunehmenden Personenkreis, der in den Schattenregionen der Wohlstandsgesellschaft auf Suppenküchen und die verbilligten Lebensmittel der Deutschen Tafel angewiesen ist. In den USA erregte die deutschstämmige Sozialwissenschaftlerin Barbara Ehrenreich Aufsehen mit ihrem im sechsmonatigen Selbstversuch entstandenen Buch über die "Working Poor", die in drei verschiedenen Jobs gleichzeitig arbeitenden dauerhaft Armen des US-amerikanischen Alltags der Gegenwart.
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"Dunkelziffer der Armut".
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