article

Dschunke (von engl. Junk und ursprünglich von malayisch dgong oder jong) ist die deutsche Bezeichnung für die Vielzahl ein- bis dreimastiger Segel-Lastschiffe für die Fluss- und Seeschifffahrt, verbreitet im ost- und südostasiatischen Raum. Die historischen Typen waren Kriegs-, Handels- und Fischerdschunken. In Südostasien sind oftmals ganze Stadtteile mittels Hausbooten auf Basis von Dschunken realisiert.

Bauweise und Einsatz


Die Dschunke ist nicht mit europäischen oder arabischen Schiffsbauten zu vergleichen, da es sich bei ihr um ein so genanntes Kastenboot handelt. Sie besitzt keinen Kiel, sondern hat einen flachen Boden und die Seitenwände sind fast senkrecht hochgezogen. Die Beplankung ist in Klinkerbauweise ausgeführt, jedoch werden die Planken hier, anders als im europäischen Schiffbau, von oben beginnend, nach unten hin angesetzt. Die Dschunke zeichnet sich durch ihre hochgezogenen Enden aus, die dem Schiff eine fast bananenähnliche Form verleihen.

Die Besegelung besteht aus Luggersegeln, die mit Bambus-Stengen durchgeglattet sind. Das Spreizen der Segel durch diese leichten Bambus-Querrahen bewirkt eine optimale Verteilung der auf den Mast wirkenden Kräfte und schützt so gegen Mastbruch. Außerdem lassen sich die durchgeglatteten Luggersegel vom Deck aus leicht manövrieren. Die kurzen Pfahlmaste einer Dschunke sind üblicherweise nicht durch Wanten und Stage verspannt, so dass die Segel rundum geschwenkt werden können. Ist das Schiff auf Kurs, werden die elasischen Maste nach achtern durch Backstage gehalten.

Dschunken sind robuste, sichere und schnelle Segelschiffe. Sie können auf allen Kursen problemlos segeln. Ein Wendemanöver kann bei einem 20m-langen Schiff von einer Person durchgeführt werden, die Segel springen alleine in die entsprechende Position über. Dschunken verfügen über ein wasserdichtes Abschottungssystem und sind mitunter doppelwandig gebaut. Sie haben ein balanciertes Heckruder, das vertikal schwenkbar ist. Zur Vergrößerung des Unterwasserlateralplanes werden Seitenschwerter, Mittelschwerter oder Leeschwerter genutzt. Außerdem gibt es Dschunken mit angebolzten Kielflossen.

Abgesehen von den Grundmerkmalen dieses Schiffstyps gibt es regionale und nutzungsbedingte Unterschiede in der Bauweise. So haben die Dschunken des Nordens einen stumpfen, löffelformigen Bug, eine plumpere Bauform und einen fast geradlinigen Segelumriss. Sie erscheinen daher schwerfälliger, als die Dschunken des Südens.

Die in der Flußschifffahrt genutzten Dschunken sind meist schmaler als die seegehenden Typen und haben nur einen, dafür aber höheren, Mast. Historisch ging ihre ökonomische Nutzung mit der Entwicklung des Binnenschiffahrtskanals in China (so wird der Magische Kanal, chines. „Ling Qu“, ins 3. Jh. v. Chr.datiert) und der Entwicklung des Binnenhandels einher.

Historisches


Heckruder (spätestens 1. Jh.) und wasserdichte Querschotte (2. Jh.) sind schon früh Bestandteil dieses Schiffstyps. Ab dem 8. Jahrhundert wurden Seitenschwerter zur Verbesserung der Kursstabilität eingeführt.

Marco Polo, der selbst im 13. Jh. auf Dschunken mitfuhr, beschreibt diese in seinem Reisebericht "Von Venedig nach China" folgendermaßen:

....zuerst (wollen wir) mit der Beschreibung der Handelsschiffe anfangen. Diese sind von Tannenholz gebaut und haben nur ein einziges Deck; unter diesem ist der Raum in sechzig kleine Kajüten - auch mehr oder weniger, je nach Größe der Schiffe - eingeteilt, die zur Aufnahme der Kaufleute bestimmt sind. Sie haben vier Masten mit ebensoviel Segeln, und einige haben zwei Masten......Die grösten Schiffe haben eine Besatzung von dreihundert, andere von zweihundert.... Leuten. Man kann die Schiffe mit fünf- bis sechstausend Körben Pfeffer beladen......

Weiterhin beschreibt Marco Polo, daß die Schiffe (Dschunken) über Beiboote verfügten, mittels derer sie bei großer Windstille gezogen, von denen aus die Anker gelegt und Fische gefangen wurden.

Auf solch einem Schiff (innerhalb einer Flotte) fuhr Marco Polo während seiner Rückreise 1294 von China bis in die Straße von Hormus.


Bei militärischen Auseinandersetzungen im 12. Jahrhundert verzeichnet man auch die Nutzung des Schaufelradantriebes auf dem Yangtsekiang (Radpaddelflotte). Viele Dschunken hatten eine Größe von etwa 60 m Länge, 9 m Breite und 400 oder 500 Tonnen Tragfähigkeit. Die hochseetüchtigen Dschunken, die im Handelsverkehr zwischen China und Indien eingesetzt wurden, waren 3.000 bis 4.000 Tonnen große Segler, die sowohl als Fracht- wie auch als Passagierschiffe dienten. Der arabische Weltreisende Ibn Battuta beschreibt, dass sie Kabinen verschiedener Größe aufwiesen, von einfachen Kammern bis zu mehrräumigen Suiten mit Badezimmer und Toilette. Die Dschunken konnten bis zu 300 Reisende befördern und hatten neben rund 600 Mann Besatzung noch 400 Armbrustschützen an Bord.

Die größten Dschunken waren die sogenannten Schatzschiffe des Admirals Zheng He im frühen 15. Jahrhundert. Sie waren bis zu 150 m lang und hatten bis zu neun Masten.

Vor vierhundert Jahren kam die Weiterentwicklung der Dschunkentechnik zu stehen. Heutzutage gibt es in China auch dschunkenähnliche Flußschiffe, deren Rumpf auf Kiel gebaut ist und die mitunter ein zusätzliches Focksegel fahren.

Zitat


Der französische Schriftsteller Jean Mallard de la Varende beschreibt die Dschunke wie folgt:

"Der Rumpf ist aus weichem Holz gebaut, das sich leicht biegen läßt und trotzdem seine Form bewahrt. Die Dschunke ist das Schiff mit der geringsten benetzbaren Fläche im Vergleich zum Segelareal; sie fliegt über das Wasser hin und schneidet nicht hindurch! Der Dschunkenbau ist schnell und einfach; trotzdem bewahrt er, dank dem System der wasserdichten Unterteilung, eine Festigkeit, die jeder Beanspruchung gewachsen ist. Die Spanten und quer verlaufende Versteifungen des Schiffsrumpfs werden durch ein System längs- und quer laufender Schotten ersetzt. Im Ganzen gesehen war dieses eigenartige Fahrzeug uns um fünfhundert Jahre voraus."

Literatur


  • Peter Wieg: Chinesische See-Dschunken, Rostock 1984.
  • Ders.: Chinesische Fluß-Dschunken, Rostock 1988. ISBN 3-7688-0616-2
  • Ders.: Chinesische Dschunken, Berlin 1990. ISBN 3-344-00485-9

Weblinks


Segelschiffstyp | Verkehr (China) | Chinesische Geschichte

Junke | Junk (ship) | Jonque | Kapal Jung | Djúnka | ジャンク (船) | Dżonka | Džunka | Djonk | 中国帆船

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Dschunke".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld