Locomotive_BR52-8177-9.jpg auf einer Drehscheibe vor einem Ringlokschuppen in Dresden]]
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Eine Drehscheibe ist eine Einrichtung zum horizontalen Drehen von Schienenfahrzeugen, seltener von Straßenfahrzeugen. Dieser Vorgang wurde vor allem bei Dampflokomotiven mit Schlepptender durchgeführt, die meist nur in Vorwärtsrichtung mit ihrer Höchstgeschwindigkeit fahren können. Daneben wurden Drehscheiben zum raumsparenden Umsetzen eines Fahrzeuges in benachbarte Gleise benutzt.
Ein seltener Anwendungsfall liegt für straßengebundene Fahrzeuge vor, zum Beispiel die O-Bus-Drehscheibe in Burg an der Wupper.
Aufbau
Die Drehscheibe ist eine maschinentechnische Anlage, mit der zwischen 2 oder mehreren Gleisen wahlweise ein Fahrweg hergestellt werden kann. Die Drehscheibe dient der Verbindung radialer Gleise auf engem Raum. Lokomotivschuppen mit einer größeren Anzahl von Aufstellgleisen wurden deshalb immer mittels dieser raumsparenden Einrichtung angeschlossen. Durch die Drehung der Drehscheibenbrücke können Lokomotiven oder andere Fahrzeuge in die gewünschte Position gebracht werden. Man unterscheidet Kreuzdrehscheiben (bei einfachen Verhältnissen, z. B. im Bergbau und bei Feldbahnen),Segmentdrehscheiben (bei beengten Platzverhältnissen, z. B. in Anschlussbahnen) und Brückendrehscheiben mit und ohne Schlepprahmen. Immer handelt es sich um Stahlkonstruktionen, bei denen Brücken die Fahrschienen zur Aufnahme der Fahrzeuge tragen. Die Drehscheibengruben sind kreisförmig oder als Kreissegment ausgebildet und können unterschiedliche Durchmesser haben. Einheitsdrehscheiben in Deutschland haben einen Durchmesser von 23m oder 26m. Andere Maße sind möglich. Die Auflagerung der Drehscheibenbrücke in der Mitte bzw. im Drehpunkt erfolgt auf dem Königstuhl.Die Auflagerung der Drehscheibenbrücke an den Enden erfolgt mit -in der Regel- spurkranzlosen Laufrädern, die auf dem in der , mit Entwässerungseinrichtung versehenen, Drehscheibengrube verlegten Drehscheibenlaufkranz rollen. Zwischen der Drehscheibenbrücke und dem anschließenden festen Gleis muss eine sichere Verbindung mittels Verriegelungseinrichtung hergestellt werden können. Diese Verriegelungseinrichtung wird i.d.R mit Rangiersignalen und der Drehscheibensteuerung gekoppelt. Die an die Drehscheibenbrücke anschließenden Gleise sind auf mindestens 6m Länge horizontal, gerade und stoßfrei ausgeführt. Fehlt auf der Gegenseite der Zufahrtgleise die Fortsetzung des Gleises, ist ein Gleisstumpf mit Gleisendschuh herzustellen.
Drehscheiben wurden und werden durch Muskelkraft gedreht, im 20. Jahrhundert kam der Antrieb durch Elektromotoren auf, mittels derer heute meist 2 der 4 Laufräder angetrieben werden.
Verwendung
Drehscheiben befanden sich zumeist in
Bahnbetriebswerken direkt vor dem
Ringlokschuppen, in der Frühzeit der Eisenbahn auch am Ende von
Kopfbahnhöfen, beispielsweise dem ersten
Bahnhof von Altona oder dem
Berliner Bahnhof in Hamburg. Letzteres wurde jedoch mit zunehmender Größe der Lokomotiven aufgegeben.
Drehscheiben sind in Europa nunmehr im regulären Bahnbetrieb selten geworden, jedoch aber häufig in Eisenbahnmuseen zu sehen.
Segmentdrehscheibe
Eine besondere Bauart ist die Segmentdrehscheibe. Bei ihr überstreicht der Brückenträger nur ein Segment des Kreises. Sie kann sich deswegen nicht vollständig drehen, ist also nicht zum Wenden eines Fahrzeuges geeignet.
Sie dient primär der platzsparenden Umsetzung von Fahrzeugen auf anschließende Gleise, mitunter bei geringerem Platzbedarf als bei Weichen. Die aufwändige Errichtung und Unterhaltung ließ jedoch auch diese Bauart selten zur Ausführung gelangen. Eine erst kürzlich neu errichtete Segmentdrehscheibe ist im Bahnhof Bezau der Bregenzerwaldbahn anzutreffen.
Es gibt auch Drehscheiben, die zwischen zwei Drehpunkten hin und her geschoben werden können, und so besser zum Verteilen von Lokomotiven auf unterschiedliche Gleise geeignet sind. Ein Beispiel dafür ist die Drehscheibe im heutigen Deutschen Dampflokomotiv-Museum in Neuenmarkt-Wirsberg.
Heutzutage werden bei Bahnbetriebswerken hauptsächlich Schiebebühnen eingebaut, da sie es ermöglichen, mit dem geringsten Patzbedarf mehrere parallel verlaufende Gleise zu bedienen.
Moderne Lokomotiven sind normalerweise Zweirichtungsfahrzeuge, so dass die Drehscheibe überflüssig ist.
Literatur
- Bahnbetriebswerke Teil 3 Drehscheiben und Lokschuppen EK spezial 34, EK Verlag Freiburg
Bahnanlage
Turntable (railroad) | Obrotnica | Поворотный круг