Der Drehimpuls oder Drall ist eine physikalische Größe, welche Richtung und Geschwindigkeit einer Drehbewegung um einen Referenzpunkt beschreibt und im alltäglichen Sprachgebrauch mitunter Schwung genannt wird.
Der Drehimpuls eines Massenpunktes ist definiert als Kreuzprodukt zwischen Ortsvektor und Impuls:
wobei den Ort, die Geschwindigkeit, den Impuls und die Masse bezeichne.
Mathematisch korrekt wird solch ein Pfeil als Vektor bezeichnet.
Rechte_Daumen_Regel.png Die Skizze zeigt exemplarisch den Zusammenhang von Ort, Geschwindigkeit und Drehimpuls für die Kreisbewegung. Man beachte, dass der Drehimpuls senkrecht auf der Ebene, in welcher die Bewegung stattfindet, steht. Seine Länge ist in diesem Fall gleich dem Produkt aus Radius und Geschwindigkeit. Seine Richtung ist so zu wählen, dass er zusammen mit Ort und Geschwindigkeit eine sogenannte Rechtsschraube bildet. Man kann sich dies mit der Rechte-Hand-Regel veranschaulichen: Geben die gekrümmten Finger der rechten Hand die Richtung der Drehung an, so zeigt der Daumen in Richtung des Drehimpulses.
In vielen Fällen ist der Drehimpuls eines physikalischen Systems eine Erhaltungsgröße, er ändert sich also nicht. Dies hat viele weit reichende Konsequenzen, die weiter unten diskutiert werden.
: Die zeitliche Änderung des Impulses ist gleich der Kraft
Für Drehbewegungen gilt die analoge Formel:
: Die zeitliche Änderung des Drehimpulses ist gleich dem Drehmoment.
Dabei ist das Drehmoment definiert als Kreuzprodukt von Ortsvektor und Kraft. Dies folgt, indem man explizit die Zeitableitung des Drehimpulses bestimmt:
Da Geschwindigkeit und Impuls parallel sind folgt mit den Eigenschaften des Kreuzproduktes und der Identität die Formel für das Drehmoment.
Findet die Bewegung nur in einer bestimmten Ebene statt, so kann man in dieser Ebene Polarkoordinaten einführen. Dann ist der Drehimpuls beschrieben durch , wobei wieder die Teilchenmasse bezeichne. und sind die Polarkoordinaten.
Für die Beschreibung des Drehimpulses ist es wichtig, einen Referenzpunkt anzugeben, von dem aus der Ortsvektor gemessen wird. Der Drehimpuls gibt dann an, mit welcher Stärke der Massenpunkt um diesen Referenzpunkt rotiert. Dabei kann sich der Massenpunkt auch auf einer Gerade bewegen, seine Bahn muss nicht zwangsläufig gekrümmt sein.
Ist das mechanische System abgeschlossen, ist der Gesamtdrehimpuls erhalten. In guter Näherung gilt dies beispielsweise für unser Sonnensystem, aber auch für ein Elektron, das an einem Atomkern gestreut wird.
gegeben, wobei den Trägheitstensor bezeichnet. Dies ist eine Matrix, die für die Drehbewegung dieselbe Bedeutung hat, wie die Masse für die Translationsbewegung. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Winkelgeschwindigkeit und Drehimpuls im Allgemeinen nicht parallel zueinander sind.
Würde man beispielsweise alle Planeten des Sonnensystems gleichermaßen ein Stück weiter um die Sonne drehen, würde sich an der grundsätzlichen Planetenbewegung nichts ändern. Man nennt solche Systeme auch isotrop.
saltovor1b.gif Ferner nutzt man im Sport, insbesondere beim Eiskunstlauf, beim Turmspringen oder beim Ballett aus, dass der Drehimpuls erhalten bleibt: Da der Drehimpuls sowohl von der Rotationsgeschwindigkeit als auch vom Abstand der rotierenden Masse zur Rotationsachse abhängt, muss eine Änderung der einen Größe durch eine entsprechende Änderung der anderen Größe kompensiert werden. So beobachtet man bei der Pirouette, dass die Drehung schneller wird, sobald man die Arme eng an den Körper legt: Das Anziehen der Arme würde den Drehimpuls verringern. Da der Drehimpuls aber erhalten bleibt, muss dafür die Rotationsgeschwindigkeit zunehmen. Diese einfache Folgerung aus der Drehimpulserhaltung wird auch als Pirouetteneffekt bezeichnet.
Dasselbe Prinzip nutzen Turmspringer für Salti oder Katzen, um bei einem Sturz auf den Füßen zu landen.
wobei der Verbindungsvektor von Referenzpunkt und Angriffspunkt der Kraft ist und die angreifende Kraft ist.
Das Kreuzprodukt paralleler Vektoren ist Null, daher gilt weiter
Die Geschwindigkeit einer Rotationsbewegung ist gleich
, also das Kreuzprodukt aus Winkelgeschwindigkeit und Ortsvektor. Eingesetzt erhalten wir also
Gemäß den Regeln des Kreuzproduktes ist dies
Das lässt sich in beiden Fällen ausklammern und aus der Summe ziehen: Es handelt sich also um ein Matrixprodukt. In Komponentenschreibweise:
Hierbei wird die Einsteinsche Summenkonvention verwendet.
Die Summe ist gerade die Definition des Trägheitstensors , so dass der Drehimpuls letztendlich geschrieben werden kann als .
Für eine kontinuierliche Massenverteilung ersetze man die Summe durch ein Integral über das Volumen und die Massen durch die Dichtefunktion .
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