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Die dravidische Sprachfamilie (im Deutschen auch: drawidisch) umfasst heute etwa 25 Sprachen, die vor allem in Südindien und auf Sri Lanka gesprochen werden. Mit den in Nordindien gesprochenen indogermanischen Sprachen sind die dravidischen Sprachen nicht verwandt, die meisten der heutigen dravidischen Sprachen haben allerdings viele Einzelwörter aus dem Sanskrit und anderen indoarischen Sprachen übernommen. Der Name "dravidisch" leitet sich vom Sanskrit-Wort "dravida" für "Süden" ab und wird seit dem 19. Jahrhundert verwendet.
Die dravidischen Sprachen wurden von der Urbevölkerung im heutigen Verbreitungsgebiet und auch weiter nördlich davon bereits lange vor der Einwanderung der indogermanischen Arier (Indoarier) (1500-1000 v. Chr.) gesprochen und bilden damit - zusammen mit den austroasiatischen und sino-tibetischen Sprachen - eine der älteren in Indien heimischen Sprachfamilien.
Viele Forscher gehen bei dem Versuch, die Schrift der Induskultur zu entziffern, davon aus, dass auch die Träger dieser Kultur eine dravidische Sprache gesprochen haben, doch ließe sich dies erst nach der Entzifferung der Indus-Schrift endgültig entscheiden. (Die Frage, ob die Träger der Induskultur einer dravidischen Sprachgruppe angehörten, gewinnt im Rahmen eines tamilisch-nationalistischen Diskurses eine besondere politische Schärfe: hier scheint die Beanspruchung der Domänen des Dravidischen und der Induskultur häufig für eine Identitätsbestimmung moderner Tamilität notwendig zu werden; vgl. hierzu eine kritische Diskussion entsprechender Standpunkte durch Iravatham Mahadevan (Weblink angegeben)).
Es gibt auch die Hypothese einer Verwandtschaft des Elamischen mit den dravidischen Sprachen (vgl. MacAlpin 1981). Allerdings ist diese Theorie umstritten, da das zum "Beweis" herangezogene Material relativ dürftig ist.
Folgende dravidische Sprachen haben mehr als eine Mio. Sprecher. Sie werden alle in Indien gesprochen, mit Ausnahme des Brahui:
In Indien sind vier dravidische Sprachen offizielle Amtssprachen: Tamil, Telugu, Malayalam und Kannada.
Brahui wird in Pakistan, Afghanistan und im Iran gesprochen. Zur Erklärung der großen Entfernung dieser Exklave des Verbreitungsgebiets der dravidischen Sprachen wurden verschiedene Theorien aufgestellt, die unterschiedliche Siedlungsgebiete der Sprecher einer proto-dravidischen Grundsprache annehmen.
In Sri Lanka sprechen 3 Mio. Menschen Tamilisch. Als Folge von Migrationsprozessen werden dravidische Sprachen u.a. auch in Singapur, Malaysia, auf den Fidschi-Inseln und in Suriname gesprochen.
Die dravidischen Sprachen werden in die Nordgruppe, Zentralgruppe und die - nach Sprechern bedeutendste - Südgruppe eingeteilt, letztere zerfällt in Süd-Zentral-Dravidisch (auch Süd II genannt) und das eigentliche Süd-Dravidisch (Süd I). Wenn diese Bezeichnungen auch geographisch sind, handelt es sich dennoch um eine linguistisch begründbare genetische Klassifikation. Schon ein Blick auf die kleine Wortliste (siehe unten) zeigt den deutlichen Unterschied der nord- und süddravidischen Sprachen.
''Fettdruck: Sprachen mit mindestens einer Mio. Sprecher.
In ETHNOLOGUE (2005) werden über 70 dravidische Sprachen aufgeführt. Diese zusätzlichen „Sprachen“ werden weder in Steever (1998), noch in Krishnamurti (2003) erwähnt. Es handelt sich dabei entweder um Dialekte der hier klassifizierten Sprachen oder um Namen von Stämmen, die eine der hier aufgeführten dravidischen oder auch eine indoarische (!) Sprache sprechen.
Etliche Forscher (u.a. Parpola 1994) halten die Sprache der Induskultur „Harappanisch“ für dravidisch. Wegen der bisher nicht erfolgreichen Entzifferung der Indusschrift kann das nur als eine - plausible - Hypothese gelten (vgl. Steever, Krishnamurti). MacAlpin (1974, 1981) u.a. sehen eine Verwandtschaft des Elamischen zum Dravidischen. Beide Hypothesen sind in dieser Klassifikation nicht berücksichtigt.
| Sprache | Fisch | ich | unten | kommen | ein(s) |
|---|---|---|---|---|---|
| Proto-Drawid. | *min | *yan | *kiz | *varu | *or, *on |
| Tamil | min | yan,nan | kiz | varu | oru, or |
| Malayalam | min | nan | kiz(u) | varu | oru, or |
| Irula | na(nu) | kiye | varu | or | |
| Kota | min | an | kirm | var | or |
| Toda | min | on | ki | por | wir, oš |
| Badaga | minu | na(nu) | kie | bar | ondu |
| Kannada | min | nanu | kiz | baru | or, ondu |
| Kodagu | mini | nani | ki(li) | bar | or, ori, oni |
| Tulu | min' | yanu | kil' | bar | or, oru |
| Telugu | minu | (n)enu | kri | vaccu | okka, ondu |
| Gondi | min | nanna | . | vaya | or-, undi |
| Konda | min | nan(u) | . | va | or, unr |
| Kui | minu | (n)anu | . | vava | ro- |
| Kuwi | minu | nanu | . | va | ro- |
| Manda | . | an | . | va | ru- |
| Pengo | min | an(eŋ) | . | va | ro- |
| Kolami | . | an | . | var | ok- |
| Parji | mini | an | kiri | ver | ok- |
| Gadaba | min | an | . | varuk | uk- |
| Malto | minu | en | . | bare | ort-, -ond |
| Kuruch | . | en | kiyya | barna | ort-, on |
| Brahui | . | i | ki- | bar | on- |
Die Beispiele stammen aus STEEVER 1998, Table 1.9. Die phonetische Schreibweise ist vereinfacht.
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