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Drahtfunk ist die Bezeichnung für ein System zur Übermittlung von Radioprogrammen mittels amplitudenmodulierter Schwingungen über Strom- und Telefonleitungen im Langwellenbereich, gelegentlich auch auf Mittelwelle (später in Berlin: der störendenden Interferenzen wegen), nach dem PLC-Verfahren. Hierfür wird das Signal in einer zentralen Kopfstation über einen speziellen Transformator auf die Leitungen gegeben. Zum Empfang schaltete man eine Frequenzweiche zwischen seinen Empfänger und die Leitung.

In Deutschland war früher Drahtfunk in einigen Städten sehr verbreitet. Während des Zweiten Weltkrieges wurden in Berlin, aber auch in anderen Teilen Deutschlands (z. B. im Gau Hessen-Nassau) Drahtfunksender betrieben, um die Bevölkerung während der Angriffe feindlicher Flugzeuge über die Luftlage zu unterrichten. Die regulären Rundfunksender waren während dieser Zeit abgeschaltet, damit sie nicht von den feindlichen Bombern zur Orientierung benutzt werden konnten.

Nach dem Krieg begann der RIAS als DIAS (= Drahtfunk im amerikanischen Sektor) seine Tätigkeit, weil ihm zunächst keine normale Mittel- oder Langwelle zur Verfügung stand. Die Schweiz betrieb bis Anfang Januar 1998 ein Drahtfunknetz mit 6 Programmen (Schweizer Telefonrundspruch), er musste jedoch dem im gleichen Frequenzbereich arbeitenden DSL weichen. In UdSSR war der Drahtfunk früher sehr stark verbreitet, da man mit Drahtfunkgeräten nur russische Sender empfangen konnte. Noch heute wird die Technik des Drahtfunks in einigen Ländern verwendet, zum Beispiel in Italien. Auch in Krankenhäusern und in Pflegeheimen war Drahtfunk ein Kommunikationsmittel.

Mit dem Aufkommen des UKW-Rundfunks verlor der Drahtfunk seine Bedeutung und wurde nach und nach stillgelegt. Seit 1966 gibt es keinen Drahtfunk mehr in Deutschland.

Ein moderner Nachfolger des Drahtfunks ist das Kabelradio. HF-Drahtfunkanlagen sind in Deutschland, da sie Hochfrequenz benutzen, grundsätzlich genehmigungspflichtig.

Historisch gesehen ist Drahtfunk jegliche Übermittlung von Programmmaterial (Nachrichten und Musik, also keine persönliche Kommunikation, sondern Rundfunk) über Strom- bzw. Telefonleitungen, sowohl im Basisband als auch HF-moduliert. Tivadar Puskás etablierte ein solches, letztlich kommerziell erfolgreiches (Pay-Radio) System in Budapest (Start 1893 und Ende etwa 1924/1930, genannt 'Telefon Hirmondó' englisch 'Telephonic News Dispenser', 20–25 Jahre vor der ersten Ausstrahlung von Programmen über Luft). Die maximale Ausdehnung (Leitungslänge in Budapest) betrug etwa 1200 km mit 9107 Teilnehmern. Tivadar Puskás ist geehrt durch eine Büste in der Eingangshalle der ITU (International Telegraphy Union) in Genf. Es gab wohl solche Systeme in Folge auch in anderen Großstädten Europas.

Siehe auch


Hörfunk | Nachrichtentechnik

Filodiffusione | Проводное вещание

 

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