Ein Draht ist ein dünnes, langes Stück Metall, meist flexibel und mit kreisförmigem Querschnitt; Weitere Querschittsformen sind: Flach, Vierkant oder Profildrähte. Aufgrund der Länge wird es in der Regel auf Rollen (Spulen) gewickelt.
Metalle, die zur Herstellung von Drähten häufig zum Einsatz kommen sind: Eisen, Kupfer, Messing, Aluminium, Silber, Gold oder Edelstahl. In kleineren Mengen wird mittlerweile auch Magnesium zu Drähten für die Automobil- und Luftfahrtindustrie verarbeitet.
Herstellung und Anwendung von Draht
Beim Drahtziehen wird ein früher durch
Schmieden, heute durch
Walzen entstandener grober Draht kalt durch die sich verjüngende Öffnung eines
Zieheisens,
Ziehsteins oder Walzgerüstes gezogen.
Er wird länger und dünner, ohne dass es zu Materialverlusten kommt. Von Produktionsgang zu Produktionsgang zieht man ihn durch immer kleinere Öffnungen, bis er schließlich die gewünschte Abmessung hat - meistens rund. Ursprünglich wurde Draht mit Muskelkraft gezogen, einer körperlich anstrengenden Arbeit, zu der es bis ins späte Mittelalter keine Alternative gab.
Seit dem 14. Jahrhundert ist Drahtziehen mit Wasserkraft belegt.
Im 19. Jahrhundert wurden Windenscheiben-Grobzüge eingeführt, die das kontinuierliche Ziehen des Drahtes erlaubten. Die Qualität des Drahtes verbesserte sich entscheidend; die Produktionsmenge stieg enorm. Die Wasserkraft der zahlreichen Bachläufe im märkischen Sauerland war eine wesentliche Voraussetzung dafür, das es seit dem 16. Jahrhundert zum Zentrum der deutschen Drahtproduktion wurde und es auch noch blieb, als seine Erzvorkommen erschöpft waren.
In der industriellen Fertigung wird der Draht von einer sogenannten Ziehscheibe durch den Ziehstein gezogen. Moderne Drahtziehmaschinen haben dabei bis zu 31 Stufen und sind regelungstechnisch sehr anspruchsvoll, da alle Ziehstufen in einem Verband gefahren werden.
Geschichte
Schon vor etwa 3. Jahrhundert v. Chr. fertigten die Ägypter durch verschiedene Techniken
Golddrähte und verarbeiteten sie zu Schmuckstücken weiter. Seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. bis zum
14. Jahrhundert war das aus Eisendraht hergestellte
Kettenhemd die wichtigste Schutzausrüstung von Kriegern. Tausende von Drahtringen wurden miteinander zu Kettenpanzern verflochten.
Die Ursprünge der deutschen Drahtherstellung liegen im Bereich des Sauerlandes (NRW) - Insbesondere um den Ort Altena, in dem sich heute das deutsche Drahtmuseum befindet, waren schon im Mittelalter zahlreiche Drahtzieher angesiedelt. Man nutzte dort die Wasserkraft der zahlreichen Bäche um die Ziehmaschinen anzutreiben.
typische Erzeugnisse aus oder mit Draht:
Einige Anwendungen von Draht
- Drahtfeder und mit Drahtfedern funktionierende Gegenstände
- in Musikinstrumenten
- im Drahtwebstuhl
- in einer Drahtverseilmaschine zur Herstellung von Drahtseilen
- über Seilzüge gesteuerte Flugzeugmodelle.
- Niedervolt-Seilsysteme mit Halogenlampen
- Zäune
- in der Fertigungs- und Fügetechnik
- Herstellung von Nägeln und Schrauben
- Schweißdraht zur stoffschlüssigen Verbindung von mindestens zwei Bauteilen
- Spulen aus Kupferdraht in Transformatoren
Technische Anwendungen
Moderne Architektur und Ingenieurleistungen können ohne Draht nicht funktionierten. So z. B. sind die elastischen und zugfesten
Moniereisen des allgegenwärtigen
Stahlbetons gewalzter Draht, mittlerweile auch als rostfreier
Betonrippenstahl ; im
Spannbeton befinden sich Drahtseile. Drahtseile revolutionierten auch den
Brückenbau, ermöglichten Stand- und
Hochseilbahnen sowie transparente Dachkonstruktionen, wie das Dach des
Olympiastadions in München. Drahtgewebe und Drahtgeflechte finden immer häufiger als Fassadenelemente, Verkleidungen oder Zäune Verwendung.
Schweißelektroden bestehen ebenso aus Draht wie
Lötzinn.
Stahlwolle, Drahtkorn für die Hochdruckreinigung, viele
Werkzeuge und vor allem auch
Befestigungselemente, wie
(Befestigungs-) Schrauben,
Muttern,
Niete und die auch
Nägel genannten
Drahtstifte, sind Drahtprodukte. Eine weitverbreitete Art des Drahteinsatzes ist als "Steckverbinder" - Dies sind kurze Draht-Stifte, die millionenfach in jeglicher Art von Steckern verbaut werden.
Vierkantdraht
Eine besondere Form des Drahtes ist der Vierkantdraht. Dieser Draht hat einen Quadratischen Querschnitt und wird in der Regel aus Runddraht hergestellt. Die Werkzeuge zur Herstellung von Vierkantdrähten haben den Namen "Türkenkopf" - englisch "turkhead" und bestehen aus vier im rechten Winkel symmetrisch zueinander angeordneten Rollen (
Walzen), die auf den Draht beim Durchlaufen von vier Seiten her einen gleichmäßigen Umformdruck ausüben.
Dieses Verfahren wird aufgrund der sehr diffizielen Fertigungsart nur von wenigen Unternehmen in Europa betrieben. (z. B. Fa. Stenzhorn, Fa. Bedra, Fa. Neumayer)
Die Werkzeugbezeichnung "Türkenkopf" kommt aus dem englischen "turkhead" und bezeichnet die Anordnung der Rollen (Schleppwalzen), die ähnlich angeordnet sind, wie ein Türkenkopf-Knoten, das heißt wie in türkischen Kulturkreis traditionell die Kopftücher gebunden wurden.
Abnehmer dieser Vierkantdrähte, die vorwiegend aus Kupferlegierungen hergestellt werden, sind Betriebe der Einpresstechnik also Hersteller von Steckverbindern, die aus den quadratischen Drähten kurze Pins schneiden und in Stecker und Steckverbinder verbauen.
Für gewisse Anwendungen kann auch Vierkantdraht galvanisch beschichtet werden, das heißt er erhält in der Regel eine Zinnschicht.
Draht und Elektrizität
Ohne Draht wären maßgebliche Erfindungen und Entdeckungen besonders des 19. und
20. Jahrhunderts nicht möglich gewesen. Genannt seien das Prinzip des
Elektromagnets, das Messen von Temperaturen und auftretenden Kräften mit Draht.
Metalldrähte werden häufig zum Übertragen elektrischer Signale (z. B. im Computer) und zum Übertragen von elektrischem Strom verwendet (vor allem aus Kupfer).
Metalldrähte mit einer isolierenden Ummantelung (meist Kunststoff) werden auch Kabel oder Leitung genannt.
Zum Wickeln von Transformatoren, Spulen und Übertragern verwendet man oft lackierten Kupferdraht, auch Kupferlackdraht genannt; dieser Draht ist mit Hilfe einer Lackschicht elektrisch isoliert.
Vorwiegend Kupferdrähte verschiedenster Profile werden zu Pins geschnitten und als "Steckverbinder" verbaut. Dazu werden in der Regel Vierkantdrähte- also Drähte mit einem quadratischen Querschnitt - verwandt. Weitere verwandte Querschnitte sind Flach- und Runddrähte.
Für unterschiedliche Einsatzformen im elektronikbereich können Drähte auch galvanisiert, also beschichtet werden.
Draht und Sprache
Weit verbreiteten sind mehrdeutige und
methaphorische Verwendungen des Begriffs Draht. So etwa scheitern alle Versuche, den Begriff
Drahtzieher mit dem Draht herstellenden Industriearbeiter oder Unternehmer in Verbindung zu bringen.
Gemeint ist fast immer ein
Terrorist, Verbrecher, Politiker oder Intrigant, der im Hintergrund wie ein
Marionettenspieler die Fäden bzw. Drähte zieht.
Auf Draht sein, der heiße Draht, Nerven wie Drahtseile sind weitere Beispiele für doppeldeutige oder kreative Verwendungen des Wortes Draht. Allgegenwärtig sind diese Sprachbilder insbesondere auch in den
Schlagzeilen der Presse.
Nicht zuletzt ist mit
Drahtesel gemeinhin ein
Fahrrad gemeint.
Kunst
Berühmten
Nagelbilder stammen von
Günther Uecker, die im Wesentlichen aus Drahtstiften bestehen. Ein weiteres Werk ist der
Nagelvogel Phönix von
Hubert Berke. Darüber hinaus sind vor allem einige besonders originelle Drahtkunstwerke von
Axel Fischer, Birgit Happ, Doro Jung, Rolf Nickel, Ren Rong und Udo Sander aus den
1980er- und
1990er-Jahren bekannter geworden. Es fällt auf, dass Draht auf verschiedene Art und Weise in der Kunst eingesetzt wird: Um Skulpturen fast schwerelos wirken zu lassen, als Mittel für dreidimensionale Zeichnungen oder als Werkstoff im Verbund mit anderen Materialien.
Siehe auch
Literatur
- Martina Düttmann, Stephan Sensen (Hrsg.): Draht. Vom Kettenhemd zum Supraleiter. Mönnig, Iserlohn 2001, ISBN 3-933519-15-2
Weblinks
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