Ein Drachen (nicht: Drache) ist ein Spiel- und Sportgerät, das mit Wind betrieben wird. In Deutschland wird er dennoch als Luftfahrzeug gesehen, gehört luftrechtlich aber nicht etwa zu den Luftsportgeräten, sondern bildet eine eigene Luftfahrzeugklasse. Er besteht in der einfachsten Ausführung aus einem Segel, das in der Regel durch ein Gestänge aufgespannt wird und einer am Gestänge befestigten Leine, die vom Drachensteigenden (im Drachensport oft: Pilot) gehalten wird. Der Drachen wird so in den Wind gestellt, dass durch die Anströmung der Luft gegen das Drachensegel Auftrieb entsteht und der Drachen nach oben steigt.
Es gibt auch ein Drachenfliegen ohne Wind, bei dem die Luftanströmung durch Fortbewegung des Piloten erzielt wird. Auf diese Weise kann draußen bei Windstille oder in Hallen geflogen werden.
Zur besseren Unterscheidung von Drache und Drachenfliegen wird (vor allem in der Kiting-Szene) der Drachen mit dem englischen Begriff Kite bezeichnet, das „Drachen steigen lassen“ mit Kiting. Lenkdrachen in Tunesien.jpg
Auch in Afghanistan spielen Drachen insbesondere im Herbst und in Wintermonaten eine große Rolle. Doch der Höhepunkt des Drachensteigens ist während des traditionellen Neujahrfestes, Nauroz, das seit Urzeiten am Frühlingsanfang zelebriert wird.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts experimentierte der Amerikaner Samuel Franklin Cody mit seinem „Man Lifting System“ – bekannt geworden und 1903 patentiert als Cody's Mankite – für die britische Armee. Ziel der Experimente war es einen Drachen zu konstruieren, der sich eignete um einen Menschen erfolgreich in die Lüfte zu heben.
Im Zeitraum der Weltkriege fanden Drachen hauptsächlich in Bereichen der Luftüberwachung ihren Einsatz, wurden aber bald durch neuere Technologien ersetzt. Eine besondere Erwähnung verdient der im 2. Weltkrieg eingesetzte Gibson Girl. Er war Teil der Seenotrettungsausrüstung für Flugbesatzungen, die notwassern mussten.
Der Drachen trug eine dünne Notantenne in den Himmel, die mit einem Funkgerät verbunden war. Ein handbetriebener Generator erlaubte der Flugbesatzung, SOS zu funken. Der Gibson Girl trug so zur Rettung vieler Flugbesatzungen bei.
Seit ca. 100 Jahren bekannt ist eine Art der Fotografie, bei der die Zugkraft eines Drachens genutzt wird, um eine Kamera zu heben. Dies wird international als Kite Aerial Photography (kurz KAP) bezeichnet.
Viele Jahre wurden Drachen auch für die meteorologische Untersuchung der Atmosphäre benutzt. Am Aeronautischen Observatorium in Lindenberg (bei Beeskow) wurde am 1. August 1919 der noch heute gültige Höhenweltrekord für Drachen von 9740 m unter dem Aufstiegsleiter Stüve erreicht. Dabei wurde eine Drachenkette aus acht Schirmdrachen verwendet.
Als Gestänge können zum Beispiel Bambus-Spaltstäbe, Holz, Aluminium, glasfaser-- oder kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff (Latten, Rundprofile, Rohre, konische Streben) als Baumaterial verwendet werden.
Als Segel/Bespannung können Papier, Segeltuch (aus Nylon oder Polyester), Baumwoll-/Hanftuch, Naturmaterialien (Blätter, Leder), Folien aus Polyester oder Aluminium u.a. dienen.
Die Drachenwaage, kurz auch Waage genannt, verbindet Lenkschnur und Drachen miteinander. Die Waage ist für die Stellung/Neigung des Drachens zum Wind verantwortlich, d.h. ob er bei weniger oder mehr Wind fliegt und welche Flugeigenschaften er hat. Es gibt verschiedene Waagetypen, die sich durch unterschiedliche Verstellmöglichkeiten und Anwendungszwecke auszeichnen.
Das Einstellen der Waage ist der Schlüssel zum Erfolg beim Drachenfliegen. Grundlegend stellt man die Waage entweder flacher oder steiler ein, d.h. der Waagepunkt (Anknüpfpunkt der Halteleine an den Drachen) wandert in Richtung Drachennase bzw. Leitkante, oder aber er wandert zum Drachenheck bzw. zur Schleppkante. Steil und Flach bezeichnen dabei die Neigung oder den Anstellwinkel des Drachens zum Wind. Wird ein Drachen steiler gestellt, so wird der Winkel zwischen Segelebene und Windrichtung vergrößert. Wird er flacher gestellt, so wird er verringert. Dieser Anstellwinkel ist kleiner 90°. Ist er gleich, oder größer 90°, hebt der Drachen nicht ab, da kein Auftrieb erzeugt wird.
Grundsätzlich wird mit der Waage das Verhältnis von Zugkraft zu Auftriebskraft beim Aufteilen der Windkraft bestimmt. Je steiler der Drachen steht, umso mehr wird in Zugkraft verwandelt, je flacher, umso mehr in Auftriebskraft. Es ist allerdings eine Wissenschaft für sich, die optimale Waageeinstellung für einen Drachen bei einem gegebenen Wind heraus zu finden.
Für die Leinen von einleinigen, ungelenkten Drachen verwendet man das elastischere Nylon oder Polyester. Es längt sich unter Zug, was dazu führt, dass die Leine Windschwankungen ausgleichen kann. Traditionell fanden Flachs- und Hanfkordeln Verwendung.
Drachenleinen können durch ihren geringen Durchmesser, verbunden mit der starken auf ihr lastenden Zugkraft, schneidend wirken. Deswegen dürfen sich keine Zuschauer in der Viertelkugel (auch: Windfenster), die Drachen und Piloten zusammen mit den Leinen beschreiben können, aufhalten; selbst die Drachenlenker vermeiden es mit bloßen Händen unter Zug stehende Leinen zu halten. Schon ein unsachgemäßer Knoten könnte die teuren Leinen zerstören, die üblicherweise nur mittels Spleiß und in einem Schutzmantel mit den Halteösen verbunden werden.
Viele Gebietskörperschaften haben Regelungen, die die Länge der Drachenleinen begrenzen. Üblich sind dabei Grenzen zwischen 60 m und 100 m. Lenkdrachen werden üblicherweise mit Leinenlängen von etwa 30 Meter je Leine geflogen.
Da die meisten Drachenschnüre elektrischen Strom leiten, ist es bei Blitzgefahr und in der Nähe von Hochspannungsleitungen nicht ratsam, einen Drachen steigen zu lassen.
Kampfdrachen sind einleinige Lenkdrachen.
Wird die Leine locker gelassen, bricht der Drachen seitlich aus. Durch Ziehen an der Leine stabilisiert er seine Flugbahn in einen Geradeausflug. Durch die Gestängekonstruktion (Querstrebe in der Mitte dicker als außen) werden die Segelflächen durch den höheren Winddruck nach hinten gebogen, so dass durch die starre Mittelstrebe ein sogenannter Kiel entsteht, welcher den Drachen stabilisiert.
Der Bau des einleinigen Lenkdrachen ist ein etwas schwierigeres Unterfangen, da der Drachen perfekt austariert sein muss. Die Handhabung ist ebenfalls eine Übungssache und erfordert Geschick und Reaktionsschnelligkeit.
Da gute Drachen die Eigenschaft haben, bei genügend Wind von allein aufzusteigen, kann, wenn z. B. an der rechten Leine stärker gezogen wird, in diesem Fall der linke Teil des Drachens schneller aufsteigen. Folglich dreht er sich in diesem Fall um seinen rechten Teil, vom Piloten aus gesehen im Uhrzeigersinn. Dabei stehen sich der Vektor der Windkraft und der Vektor der Zugkraft nicht genau gegenüber. Folglich verdreht sich der linke Teil des Drachens leicht nach hinten (nach Lee), so dass der Drachen aus Sicht des Piloten weiter nach rechts zeigt. Das hat zur Folge, dass der Drachen auch weiter nach rechts fliegt.
Mit dem Zug an der linken Leine verhält es sich spiegelsymmetrisch.
Piloten können mit geschickt ausbalanciertem Zug an den Leinen bei einiger Übung den Lenkdrachen Loopings, Schrauben, Winkel und andere Figuren fliegen lassen. Je nach Leinen sind bis zu 15 Loopings und somit Verdrehungen der Steuerleinen nach einer Seite möglich. Das funktioniert auch als Mannschaftssport, üblicherweise vier Piloten bilden eine Crew und fliegen in Wettkämpfen gemeinsame Figuren.
Fliegt man zu viele Loopings nach einer Seite, blockieren die Leinen aufgrund der Reibung und der Drachen wird unsteuerbar.
Der Delta besteht aus einem V-förmigen Segel, das durch ein etwas schmaleres V in der Stabkonstruktion aufgespannt wird. Der Wind wölbt die Segelflächen nach oben und bildet das Profil aus. Bei etwa einem Drittel der Stablänge des V und bei rund zwei Dritteln wird je eine Waagenleine befestigt. Eine dritte Leine wird an das untere Ende der Mittelstrebe geführt (Dreipunktaufhängung). Damit erhält man zwei Befestigungspunkte für die Steuerleinen.
Kougar.jpeg Deltadrachen gibt es in vielen Ausführungsvarianten. Beim rechts abgebildeten Exemplar wird die Segelfläche durch kleine Ständer, so genannte Stand-Offs, vorgespannt.
Beim links abgebildeten Exemplar wird die Segelfläche nicht vorgespannt, dafür sind die Flügelenden breiter und haben eine zusätzliche Versteifungsrippe.
Grundsätzlich gilt, dass kleine Drachen schneller in ihren Bewegungen sind, große dagegen langsamer und dabei deutlich höhere Zugkräfte entwickeln können.
Die Matte besteht aus der Segelfläche und den sie stabilisierenden Luftkammern.
Die Matten werden meist aus zwei gleichen Segelflächen mit den sie verbindenden Kammern hergestellt. Die Kammern sind untereinander verbunden, damit Druckunterschiede im Innern ausgeglichen werden können.
Der eingefleischte Kiter braucht so auf Reisen selbst im knappen Fluggepäck nicht auf sein Hobby zu verzichten.
Eine Matte muss immer mit Zug an den Leinen geflogen werden. Wird sie drucklos, klappt sie zusammen. Deshalb werden beim Kite-Surfen häufig Drachen mit aufblasbarer Vorderkante (sog. Tubes) eingesetzt. Diese Konstruktion verhindert das Zusammenfallen bei fehlendem Zug. Ein ähnliches Prinzip wie bei den Tube-Kites findet man bei den „Flexifoils“ und ihren Nachfolgern den Airfoils. Anstatt des Tubes ist ein sehr biegsamer Gfk-Stab verbaut, welcher die Matte auch bei geringer Anströmung aufspannt. Ein Vorteil der Flexifoils/ Airfoils ist, dass diese Schirme problemlos „gestackt“ werden können, d.h. aneinandergehängt werden können. Mit dem sogenannten „stacker6“ der Firma Flexifoil wurde der Geschwindigkeitsrekord mit sagenhaften 180 km/h aufgestellt.
Matten werden sowohl als „Zwei-“ als auch als „Vierleiner“ konstruiert, manche wahlweise fliegbar. Zweitere werden im sportlichen Einsatz wegen der exakteren Lenkbarkeit und Dosierbarkeit der Zugkräfte durch den Einsatz der hinteren „Bremsleinen“ bevorzugt.
Zugdrachen werden für verschiedene Drachensportarten verwendet, zum Beispiel beim Kitesailing. Kitesailing ist der Oberbegriff für Sportarten wie:Kitesurfen, Snowkiting, Kitebuggyfahren oder Powerkiting. Im Bereich der Schifffahrt gibt es Systeme um Zugdrachen als Antriebsunterstützung einzusetzen (Skysails), diese haben allerdings noch keine weite Verbreitung erlangt.
Weitere Formen des sportlichen Drachenfliegens ist das Kitesailing. Kitesailing beinhaltet das Fahren mit einem Buggy (Kitebuggyfahren), das Kitesurfen, das Kiteskiing und das Kitesnowboarding. Hierbei lässt man sich in der Regel von großen zugstarken Matten ziehen.
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