Das Wort Doyen (weibl. Form Doyenne) stammt aus dem Französischen und bedeutet Dekan, Ältester. Der Ursprung liegt im lateinischen decanus. Der Plural Doyens wird aufgrund der Alleinstellungswirkung des Titels selten benutzt.
Doyen heißt das älteste bzw. rangälteste Mitglied in einem diplomatischen Corps (also der Botschafter, der schon am längsten im Land ist) und ist dessen Wortführer und Vertreter bei feierlichen Anlässen. Er vermittelt auch bei Konflikten innerhalb des jeweiligen diplomatischen Korps.
In vielen Staaten, die mit dem Heiligen Stuhl diplomatische Beziehungen pflegen, ist der Nuntius immer auch Doyen des örtlichen diplomatischen Korps. Dadurch werden Konflikte zwischen den Botschaftern um die Führungsrolle bei Staatsempfängen vermieden. Die Rangfolge nach Dienstalter würde unter Umständen den Vertretern kleinerer Staaten automatisch eine Führungsrolle zuweisen, die möglicherweise nicht beabsichtigt wird. Falls hingegen ein Vertreter eines größeren oder einflussreicheren Staates unangemessen bevorzugt würde, so würden die Vertreter des jeweils anderen Staates dies als diplomatischen Affront empfinden (wie etwa am historischen Beispiel des Londoner Kutschenstreites von 1661 deutlich wurde).
In der akademischen Welt werden angesehene, ältere Wissenschaftler als Doyen ihres Faches bezeichnet, wenn ihr Lebenswerk die allgemeine Denkschule ihrer Disziplin in herausragender Weise geprägt hat.