Der Kaiser von Österreich war in Personalunion auch König von Ungarn und somit zugleich König von Kroatien und Slawonien. Dies geschah im eigenen Recht und nicht mehr in Ableitung aus der österreichischen Kaiserwürde. Daraus folgte, dass der Monarch in Ungarn auch zum König gekrönt werden konnte.
Die Reichseinheit wurde neben der Personalunion auch durch gemeinsame Ministerien ausgedrückt (Außen-, Kriegs- und Finanzministerium). Diese Konstruktion wurde als Realunion bezeichnet. Alle Institutionen, die beide Reichshälften betrafen (beispielsweise die Armee), wurden als „k. u. k.“ (kaiserlich und königlich) bezeichnet.
Die Regierung von Cisleithanien wurde nur mit „k. k.“ („kaiserlich-königlich“) bezeichnet, wobei königlich sich hier auf die böhmische Königswürde bezog, die der österreichische Kaiser ebenfalls innehatte. Regierung und Institutionen der ungarischen Reichshälfte wurden mit „m. kir.“ (magyar királyi) oder „kgl. ung.“ („königlich ungarisch“) bezeichnet.
Der am 14. November 1868 nach der erfolgten Neuordnung vom Kaiser festgelegte Herrschertitel und Staatsname:
Bei im Namen des Kaisers abgeschlossenen Verträgen: Kaiser von Österreich und Apostolischer König von Ungarn
Persönliche Bezeichnung: Seine K. u. k. Apostolische Majestät
Dem voraus gegangen war die Niederlage des Deutschen Bundes gegen Preußen in der Schlacht bei Königgrätz im Jahr 1866. Die Konsequenz daraus war die Auflösung dieser losen Konföderation deutscher Staaten. Das Kaisertum Österreich, welches bis dahin den Vorsitz in diesem Bund inne hatte, sah sich nun genötigt sich mit den Ungarn zu verständigen. Bereits 1848/49 kam es in Ungarn unter der Führung von Lajos Kossuth zum Freiheitskampf gegen Österreich, welcher jedoch mit der Unterstützung Russlands niedergeschlagen wurde. Um das Habsburgerreich im Inneren zu festigen, erfolgte dessen Neustrukturierung, wobei der Kaiser gemeinsames konstitutionelles Staatsoberhaupt wurde und die Belange der Außenpolitik, des Außenhandels und des Militärwesens gemeinsam betrieben wurden. Diese Vereinbarung wurde als Realunion bezeichnet.
Der Ausgleich mit den Ungarn führte allerdings zum Protest der übrigen Volksgruppen, insbesondere der Slawen. So forderten z. B. allen voran auch die Tschechen eine gleichberechtigte Stellung ihres Volkes mit den Deutschen (Österreichern) und Ungarn. Die unberücksichtigten Interessen anderer Volksgruppen oder Assimilierungsversuche (z. B. der Magyarisierungspolitik in Ungarn) führten zu ethnischen Spannungen und zu Begriffen wie „Völkerkerker“.
Am 28. Juni1914 besuchten der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sarajevo, die Hauptstadt des 1908annektiertenBosnien. Franz Ferdinand galt als reformbereit und war offen für eine gleichberechtigte Beteiligung der Südslawen als drittes Staatselement (Trialismus). An jenem Tag beging Serbien zum ersten Mal den Veitstag als offiziellen Staatsfeiertag, der den Jahrestag der Schlacht auf dem Amselfeld bedeutet, an dem 1389 die Serben vernichtend von den Türken geschlagen wurden. Nationalisten, die ein vereintes Serbien forderten, empfanden den Besuch des Paares als Provokation. Während einer Autofahrt durch Sarajevo wurde das Paar von dem proserbischen Attentäter Gavrilo Princip erschossen, was zu einer schwerwiegenden Staatskrise, der so genannten Julikrise, führte.
Daraufhin erhielt der österreichisch-ungarische Kaiser Franz Joseph ein Treuebekenntnis des deutschen Kaisers Wilhelm II., in welchem er versicherte, "im Einklang mit seinen Bündnisverpflichtungen und seiner alten Freundschaft treu an der Seite Österreich-Ungarns * stehen". Dieses ohne Gegenleistungen versehene Treuebekenntnis ist auch unter der Bezeichnung Blankoscheck bekannt. Wie weit zu diesem Zeitpunkt der europäische Krieg bereits im Kalkül der deutschen Führung lag, ist in der historischen Forschung bis heute umstritten (siehe Fischer-Kontroverse).
Am 23. Juli stellte Österreich-Ungarn ein Ultimatum an Serbien, da man davon ausging, dass Serbien entscheidenden Einfluss an dem Attentat hatte. Die Antwort aus Belgrad war zwar nachgiebig, wurde aber als unzureichend abgelehnt, was die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 28. Juli nach sich zog. Es folgte die russische Generalmobilmachung, da sich Russland aufgrund des Panslawismus als Behüter der slawischen Völker sah und somit in den Krieg gegen Österreich-Ungarn einsteigen musste. Daraufhin trat der casus foederis, der Bündnisfall, in Kraft und auch das Deutsche Reich trat in den Krieg ein. Wegen verschiedener Bündnisse erklärten auch bald Frankreich und Großbritannien ihren Kriegseintritt, womit der Beginn des Ersten Weltkriegs nicht mehr aufzuhalten war.
Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg
Der erste Weltkrieg begann mit den Konflikten zwischen Österreich-Ungarn und Serbien während des Julis 1914. Es folgte die russische Generalmobilmachung, um den kriegsbedrohten Serben zu Hilfe zu eilen. Sowohl das Deutsche Kaiserreich als auch Österreich-Ungarn gingen ohne gepanzerte Fahrzeuge in den Ersten Weltkrieg.
Italien blieb zunächst neutral. Es sah sich trotz des Bündnisses (Dreibund) mit Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich nicht in der Pflicht, da dies ein Defensivbündnis gewesen sei, und Italien die Mittelmächte für die Verantwortlichen des Kriegsausbruches hielt. 1915 wechselte Italien schließlich die Seiten und kämpfte für die Entente in der Hoffnung, Gebiete der Donaumonarchie zu erobern.
Generalstabschef der österreichisch-ungarischen Armee war während des Ersten Weltkriegs General Franz Conrad von Hötzendorf, unter dessen Kommando die Truppen anfangs Serbien schlugen, die Wege nach Ungarn verteidigten und italienische Angriffe in Gorizia abwehrten. Die Russen begannen mit ihrer erheblichen Unterstützung für die serbische Armee. Obwohl die österreichisch-ungarische Armee unter einer großen Zahl Verletzter litt, gelang es ihnen doch auch Siege zu erringen und sogar in feindliches Territorium vorzudringen, obgleich mit deutscher Hilfe und Führung. So geschehen bei dem von Deutschland geführten Sieg in Galizien im Mai 1915, die kurzzeitige Eroberung Belgrads 1915 und bei Caporetto an der italienischen Front im Oktober 1917, was die Italiener zum Rückzug zwang. Kriegsgefangene wurden unter anderem in den großen Lagern Sigmundsberg und Feldbach fest gehalten. Große Internierungslager befanden sich in Drosendorf, Karlstein an der Thaya und Grossau.
Im Laufe des Krieges wurden die österreichisch-ungarischen Kriegsbemühungen immer mehr denen der deutschen Führung untergeordnet. Die letzten Kriegsjahre waren gekennzeichnet von Versorgungsengpässen, schwindender Moral und Einschränkungen der Operationsfähigkeiten, was auf die hohe Rate Verwundeter zurückzuführen ist.
Im Juni 1918 unternahm Generalstabschef von Hötzendorf mit den Überresten des österreichisch-ungarischen Heers eine finale Zangenbewegung. Ihr Scheitern hinterließ ein verwundetes Reich, das im Oktober 1918 von einem Angriff unter italienischer Führung heimgesucht wurde. Durch den Sieg in der Schlacht von Vittorio Veneto wurde der Rest der österreichischen Armee geschlagen, womit die Herrschaft der Habsburger beendet war.
Nach Ende des Krieges gingen viele ehemalige k. u. k. Soldaten in die Volkswehr, und später in das neu gegründete Bundesheer, über.
Ende der Doppelmonarchie
Kurz vor dem Zusammenbruch der Monarchie, am 16. Oktober 1918, erließ Karl I. das Völkermanifest. Dieses Manifest sollte Österreich-Ungarn in eine Konföderation umwandeln und somit den anderen Volksgruppen gleiche Rechte zugestehen. In ihm waren alle Nationalitäten dazu aufgerufen, eigene Volksvertretungen (nationale Räte) zu bilden. Obwohl eine Revision der Staatsverfassung schon zu Beginn des Jahres 1918 in Arbeit war, sollte diese tiefgreifende Umgestaltung des Staates erst nach einem Friedensschluss vollzogen werden. Doch dieser letzte Versuch zur Rettung des Staatsgebildes kam zu spät und hatte in Wirklichkeit auch keine Chance. Durch die nationalen Räte verabschiedeten sich die Völker aus der Doppelmonarchie. Am 28. Oktober wurde in Prag die Tschechoslowakische Republik proklamiert und Ungarn erklärte am 31. Oktober seinen Austritt aus dem Staatsverband. Selbst das neue Deutschösterreich sah sich schon als Teil eines deutschen Bundesstaates.
Österreich-Ungarns Ende.png]]
Der Vertrag von Saint-Germain ratifizierte das Ende der k.u.k.-Doppelmonarchie und brachte die völkerrechtliche Anerkennung der Nachfolgestaaten Ungarn, Polen, Tschechoslowakei, "Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen" (ab 1929Jugoslawien) und Gebietsabtretungen an Italien und Rumänien mit sich. Zudem verbot er den Anschluss an Deutschland und die Verwendung des Namens "Deutsch-Österreich".
Ungarn verlor zwei Drittel des Staatsgebietes.
Restaurationsversuche nach 1919
Karl von Habsburg hielt nach dem Zerfall der Doppelmonarchie Kontakt zu monarchistischen Kreisen, vor allem in Ungarn, wo er offiziell weiterhin als König galt. Jedoch führte Miklós Horthy als Reichsverweser das Amt des Staatsoberhauptes aus. Im Rahmen dessen führte Karl zwei vergebliche Restaurationsversuche in Ungarn durch, den ersten Ostern1921 und den zweiten am 20. Oktober 1921. Dabei zeigte sich jedoch, dass Miklós Horthy, zumindest unter Angabe von außenpolitischen Konsequenzen, nicht bereit war sein Amt aufzugeben.
Den realistischsten Restaurationsversuch startete Otto von Habsburg während des Zweiten Weltkrieges, indem er Winston Churchill für das Konzept der Donauföderation gewann. Auf dem Gebiet von Österreich und Ungarn sollte ein neuer Staat "Österreich-Ungarn" nach dem Vorbild der Verfassung Belgiens entstehen, das ebenfalls zwei große Bevölkerungsgruppen vereinigt, während die süddeutschen Länder Bayern, Baden, Württemberg und Hohenzollern-Sigmaringen ebenfalls als Monarchien wiederhergestellt werden sollten. Die so entstandenen Staaten sollten im Süddeutschen Bund vereinigt werden, der schlicht eine auf Süddeutschland beschränkte Variante des historischen Deutschen Bundes darstellt. Das Konzept scheiterte jedoch an der Ablehnung durch Franklin D. Roosevelt und Josef Stalin auf der Konferenz von Teheran.
21. November 1916 Besteigung des Kaiserthrons, Krönung sollte nach dem Krieg stattfinden
30. Dezember 1916 Krönung zum König von Ungarn als Karl IV. (IV. Károly)
11. November 1918 Regierungsverzicht in der österreichischen Reichshälfte (keine Abdankung)
13. November 1918 Regierungsverzicht in der ungarischen Reichshälfte (keine Abdankung)
Reichsteile und Länder
Der Fluss Leitha bildete streckenweise die Grenze zwischen den beiden Reichshälften Österreich und Ungarn (entspricht der heutigen burgenländischen Westgrenze). Daraus leiteten sich die Bezeichnungen Cisleithanien („Land diesseits der Leitha“ für die westliche Reichshälfte) und Transleithanien („Land jenseits der Leitha“ für die östliche Reichshälfte) ab. Cisleithanien hieß offiziell Die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder, die einzelnen Länder wurden auch als Kronländer bezeichnet. Die Länder Transleithaniens wurden offiziell als Die Länder der heiligen ungarischen Stephanskrone bezeichnet.
Darüber hinaus existierte das von beiden Reichshälften gemeinsam verwaltete Gebiet von Bosnien und Herzegowina, das 1878 besetzt und 1908 unter Inkaufnahme der Bosnischen Annexionskrise in den Reichsverband eingegliedert wurde.
|+ Länder der heiligen ungarischen Stephanskrone (Transleithanien) 1910
|-
!Land
!Hauptstadt
!Fläche in km²
!Einwohner
|-
|Königreich Ungarn
|Budapest (882.000)
|282.297
|18.265.000
|-
|Königreich Kroatien und Slawonien
|Agram (80.000)
|42.534
|2.622.000
|-
|Fiume mit Gebiet
|Fiume (39.000)
|21
|48.800
|-
|}
|+ Unter gemeinsamer Verwaltung der beiden Reichsteile 1910
|-
!Land
!Hauptstadt
!Fläche in km²
!Einwohner
|-
|Bosnien und Herzegowina
|Sarajevo (52.000)
|51.082
|1.932.000
|}
In den Volkszählungen wurde in Österreich-Ungarn jeweils die Umgangssprache ermittelt. Die Mehrheit der Juden wurde zur deutschspachigen Bevölkerung gezählt. Außerdem wurden meist Beamte nicht-deutscher Muttersprache, die sich Einsatz im Verwaltungsapparat vorwiegend der deutschen Sprache bedienten, auch als deutschsprechend gezählt.
Quelle: Volkszählung vom 31.Dezember 1910, veröffentlicht in: Geographischer Atlas zur Vaterlandskunde an der österreichischen Mittelschulen. K. u. k. Hof-Kartographische Anstalt G. Freytag & Berndt, Wien, 1911.
Magyarisierungspolitik in Ungarn
Nach dem Ausgleich mit Österreich kam es 1868 innerhalb der ungarischen Reichshälfte zu einem ungarisch-kroatischen Ausgleich. Dieser Ausgleich sicherte Kroatien und Slawonien eine beschränkte Autonomie zu. In den anderen Teilen Ungarns nahmen die Spannungen unter den Volksgruppen jedoch zu. Gründe für diese Spannungen waren zum einen die Magyarisierungspolitik der ungarischen Regierung als auch die Zunahme der Intoleranz der Nationalitäten untereinander. Im Gegensatz zu den in Ungarn lebenden Minderheiten wie Slowaken oder Rumänen hatte der Nationalismus der Ungarn die Staatsmacht auf seiner Seite und war somit in der stärkeren Position. Die Umsetzung der an sich liberalen Minderheitengesetzgebung hatte in einer solchen Atmosphäre kaum Erfolg. Das Nationalitätengesetz von 1868 bestimmte zwar ungarisch als Staatssprache, ließ jedoch Minderheitensprachen auf regionaler, lokaler und kirchlicher Ebene zu. Doch diese Regelung wurde oft nicht in die Tat umgesetzt und die Minderheiten sahen sich Assimilierungsversuchen von Seiten der Ungarn ausgesetzt. Ab 1875 wurde unter Ministerpräsident Kálmán Tisza (1875-1890) eine konsequente Magyarisierungspolitik betrieben um alle Nichtmagyaren in 40 Jahren zu Ungarn zu machen.
Bereits im Revolutionsjahr 1848 ergriffen slowakische Angehörige des ungarischen Parlaments die Initiative um sich beim Kaiser Unterstützung gegen die Magyarisierungspolitik zu holen. Es wurde eine Erklärung mit "Forderungen der slowakischen Nation" abgegeben, welche man dem Kaiser und der ungarischen Nationalregierung übergab. Gefordert wurde die Föderalisierung Ungarns, die Konstituierung einer ethnopolitischen Einheit, die Festlegung der slowakischen Grenzen, ein eigener Landtag, eine slowakische Nationalgarde, nationale Symbole, das Recht auf Gebrauch der slowakischen Sprache, allgemeines Wahlrecht und eine gleichberechtigte Vertretung im ungarischen Parlament. Die Ungarn jedoch sahen dadurch ihre Machtstellung in der Slowakei in Gefahr und reagierten mit Kriegsrecht und Haftbefehlen gegen die slowakischen Nationalführer. In Wien und Böhmen wurden slowakische Exilregierungen errichtet, die Hoffnungen der Slowaken wurden aber enttäuscht. Nach der Revolution ließ man die Ungarn mit ihrer zentralistischen Verwaltung gewähren. Der Ausgleich von 1867 liefert die Minderheiten nun völlig der Magyarisierungspolitik aus, ihre Anliegen wurden bis auf kleine Ausnahmen von Wien und Budapest ignoriert. Zwischen 1881 und 1901 hatten die Slowaken keine eigenen Abgeordneten im ungarischen Parlament, auch danach waren es im Verhältnis weniger, als ihr Bevölkerungsanteil ausmachte. Versuche vor und während des Ersten Weltkriegs, dem serbischen und rumänischen auf Expansion bedachten Nationalismus mit Zugeständnissen entgegen zu wirken, kamen zu spät.
Wirtschaft
Bergbau
Der Bergbau erwirtschaftete per 1889 78,81 Millionen Gulden. Die wichtigsten abgebauten Rohstoffe waren Braun- und Steinkohle sowie Salz. Weiters von Bedeutung waren auch Graphit, Blei und Zink. An Edelmetallen konnten 35.435 metr. Ztr. Silber abgebaut werden. Der Goldbergbau spielte schon damals praktisch keine Rolle mehr - 1889 wurden lediglich rund 13 Kilogramm Gold abgebaut.
Industrialisierung
BanknoteA-H.jpg
Die österreichisch-ungarische Wirtschaft veränderte sich während der Existenz der Doppelmonarchie erheblich. Die technischen Veränderungen beschleunigten sowohl die Industrialisierung als auch die Urbanisierung. Während die alten Institutionen des Feudalsystems immer mehr verschwanden, breitete sich der Kapitalismus auf dem Staatsgebiet der Donaumonarchie aus. Zunächst bildeten sich vor allem um die Hauptstadt Wien, in der Obersteiermark, in Vorarlberg und in Böhmen wirtschaftliche Zentren heraus, ehe im weiteren Verlauf des neunzehnten Jahrhunderts die Industrialisierung auch in Zentralungarn und den Karpaten Einzug hielt. Resultat dieser Struktur waren enorme Ungleichheiten in der Entwicklung innerhalb des Reiches, denn generell erwirtschafteten die westlich gelegenen Wirtschaftsregionen weit mehr als die östlichen. Zwar war bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts im annähernd gesamten Staatsgebiet die Wirtschaft rapide gewachsen und das gesamte Wirtschaftswachstum konnte sich durchaus mit dem anderer europäischer Großmächte messen, doch aufgrund des späten Einsetzens dieser Entwicklung blieb Österreich-Ungarn weiterhin im internationalen Vergleich rückständig. Haupthandelspartner war vor dem ersten Weltkrieg mit weitem Abstand an erster Stelle das Deutsche Reich (1910: 48% aller Exporte, 39% aller Importe), gefolgt von Großbritannien (1910: knapp 10% aller Exporte, 8% aller Importe). Der Handel mit dem geografisch benachbarten Russland hatte dagegen nur ein relativ geringes Gewicht (1910: 3% aller Exporte, 7% aller Importe). Haupthandelsgüter waren landwirtschaftliche Produkte.
Verkehr
Eisenbahn
Der Eisenbahntransport expandierte in Österreich-Ungarn rapide. Schon im Vorgängerstaat, dem Habsburgerreich, war 1841 von Wien ausgehend ein bedeutender Anteil an Schienenverbindungen entstanden. Grund dafür war, dass die Regierung das große Potenzial des Eisenbahnverkehrs für militärische Zwecke erkannt hatte und somit viel in deren Ausbau investierte. Wichtige Zentren wie Bratislava, Budapest, Prag, Krakau, Graz, Ljubljana und Venedig wurden in das Netzwerk integriert. 1854 waren etwa sechzig bis siebzig Prozent der 2000 Kilometer Schienenstrecke unter staatlicher Kontrolle. Allerdings begann die Regierung zu diesem Zeitpunkt große Streckenabschnitte an Privatinvestoren zu verkaufen, um der finanziellen Belastung Herr zu werden, die infolge der Revolution von 1848 und des Krimkriegs entstanden war.
Von 1854 bis 1879 wurde beinahe das komplette Schienennetz von privaten Investoren übernommen. In dieser Zeit erweiterte sich die Streckenlänge in Cisleithanien um 7952 Kilometer, in Ungarn um 5839 Kilometer, was zur Folge hatte, dass neue Gebiete in das Netzsystem aufgenommen wurden und zu mehr Regionen Anschlüsse entstanden. Von nun an war es möglich auch weit entlegene Gebiete zu erreichen und in wirtschaftlichen Fortschritt zu integrieren, was zu Zeiten, als der Transport noch von Flüssen abhängig war, nicht möglich war.
Nach 1879 begann die österreichisch-ungarische Regierung das Schienennetzwerk wegen der schwerfälligen Entwicklung während der weltweiten Wirtschaftskrise in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts wieder zu verstaatlichen. Zwischen 1879 und 1900 wurden in Cisleithanien und Ungarn mehr als 25000 Kilometer neue Schienenstrecke angelegt, was zur Folge hatte, dass einige Gebiete, vorrangig weit östlich gelegene, erstmals in das Netzwerk eingebunden wurden. Während dieser Periode gelang es der Doppelmonarchie mittels Bahneinsatzes die Transportkosten im Inneren zu reduzieren und neue Märkte außerhalb des Landes zu erschließen.
Aufgrund der Besitzungen im Österreichischen Küstenland sowie am weiteren Balkan verfügte Österreich über mehrere Seehäfen. Der bedeutendste davon war Triest, wo die österreichische Handelsmarine mit ihren beiden Gesellschaften Österreichischer Lloyd und Austro-Americana ihren Sitz hatte, und auch die k.u.k. Kriegsmarine zahlreiche Schiffe anfertigen und ankern ließ. Dies geschah allerdings erst nach der Eroberung Venedigs durch Österreich. Bis dahin konnte die Handelsmarine kaum Bedeutung erlangen, angesichts der großen Konkurrenz in Venedig. Auch die Kriegsmarine erlangte erst zur Zeit Österreich-Ungarns große Bedeutung. Die Gründung einer solchen scheiterte lange am Geldmangel des Hauses Habsburg.
Im Jahr 1889 zählte die österreichische Handelsmarine 10.022 Schiffe, wovon 7.992 Fischereischiffe und -Boote waren. Für den Küsten- und Seehandel bestimmt waren 1.859 Segler mit 6.489 Mann Besatzung und einer Ladekapazität von 140.838 Tonnen sowie 171 Dampfschiffe mit einer Ladekapazität von 96.323 Tonnen und einer Besatzung von 3.199 Mann. In einem Gesetz vom 19. Juni 1890 wurde zur Förderung des Baus von Dampf- und Segelschiffen aus Eisen oder Stahl im Inland für den Schiffsbetrieb zur See die Befreiung von der Erwerb- und Einkommensteuer auf die Dauer von 15 Jahren gewährt. Dies betraf vor allem den Bau und Betrieb von kleinen Dampfern für die Küstenschiffahrt in Dalmatien.
Während der Österreichische Lloyd bereits ab 1836 als Personen- und Gütertransportunternehmen zu hoher See unterwegs war, wurde die Austro-Americana erst 1903 gegründet. Sie beförderte bis zum Kriegsausbruch 1914 101.670 Passagiere von Österreich-Ungarn in die Vereinigten Staaten. Die Donaudampfschifffahrtsgesellschaft wiederum war bis Ende der Donaumonarchie die größte Binnenschifffahrtsgesellschaft der Welt, während der Österreichische Lloyd eine der größten Hochsee-Reedereien der damaligen Zeit, mit Reisezielen im Orient, sowie ab Errichtung des Suez-Kanals, auch in Asien, war. Vor Kriegsausbruch zählte er 62 Schiffe.
Besonders der wirtschaftliche Aufschwung der Donaumonarchie ist mit Franz Josephs I. Namen verbunden, der nach wie vor auf vielen Wiener Prachtbauten aus dieser Zeit als Inschrift zu lesen ist. Nach der Schleifung der mittelalterlichen Stadtbefestigungen Wiens auf Anordnung des Kaisers war Platz für eine die gesamte Innenstadt umfassende Prachtstraße geworden. Entlang dieser Straße, der Wiener Ringstraße, entstanden nicht nur die Palais der reichen Bankiers und Großindustriellen, sondern auch der Erweiterungsbau der kaiserlichen Hofburg, große Museen, die die kaiserlichen Kunst- und Natursammlungen beherbergten, ein Parlamentsgebäude für den Reichsrat, die Neue Universität, das Neue Rathaus, das Hofburgtheater und eine zum Andenken an die Errettung des Kaisers vor einem Attentäter im Jahre 1853 gestiftete Votivkirche.
Der Suizid des Architekten Van der Nüll, Miterbauer der Wiener Oper, als Reaktion auf eine Kritik des Kaisers, veranlasste Franz Joseph, zu kulturellen Angelegenheiten nur noch sehr zurückhaltend Stellung zu nehmen. Es heißt, der Kaiser habe sich bei allen möglichen kulturellen Anlässen nur noch mit der stereotypen Phrase: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut!“ geäußert.
Oft als schwarzer Reaktionär und grauer Bürokrat beschrieben, blühte besonders in den Jahren um 1900 unter seiner Regentschaft die Geisteskultur in Österreich-Ungarn wie nie zuvor und nie danach, ohne dass der Monarch freilich - im Gegensatz zu seinem Sohn Kronprinz Rudolf - aktiv an diesen kulturellen und intellektuellen Strömungen, die ihm völlig fremd blieben, Anteil genommen hätte.
Auf dem Gebiet der Bildenden Kunst entwickelte sich Gustav Klimt vom Dekorationsmaler der Ringstraßen-Bauten über die Wiener Secession zum Vorreiter der modernen Malerei.
Die Zurückhaltung des Kaisers erlaubte es dem Architekten Adolf Loos, genau gegenüber dem barocken inneren Burgtor der kaiserlichen Hofburg im Jahre 1910 sein umstrittenes erstes schmuck- und ornamentloses Wohnhaus zu bauen. Franz Joseph soll die Hofburg seit damals stets durch andere Tore verlassen haben.
Auch die Österreichische Filmgeschichte begann in Österreich-Ungarn. In Wien wurden 1896 die ersten beweglichen Bilder Österreichs von den Gebrüdern Lumière präsentiert, und bis zur Gründung der ersten österreichischen Filmproduktionsgesellschaften Ende der 1910er-Jahre waren hauptsächlich französische Filmgesellschaften für die noch sehr bescheidene Filmproduktion verantwortlich. Während des Ersten Weltkriegs entstanden mehrere Kriegswochenschauen, die patriotisch und unter Aufsicht der kaiserlichen Zensurbehörde vom Frontgeschehen berichteten. Auch Propagandafilme wurden in großer Anzahl hergestellt, und 1918, das letzte Jahr der Habsburger-Herrschaft, war mit rund 100 Spielfilmen auch das produktivste Jahr der österreichischen Filmindustrie zur Zeit der Monarchie.
Bildung
Neben dem Grundschulwesen bestand parallel für den Militär-Nachwuchs ein eigenes Schulsystem, welches speziell auf militärische Anforderungen ausgerichtet war. Eine Übersicht über diese Schule findet sich in den folgenden beiden Artikeln:
k. und k. Monarchie: steht für kaiserliche und königliche Monarchie
Donaumonarchie: Auf einer Länge von etwa 1.300 km durchfloss die Donau die Monarchie und bildete den Hauptstrom.
Doppelmonarchie: durch die staatsrechtliche Konstruktion der beiden Reichsteile und den Doppeladler des Wappens (der allerdings schon vor 1867 in Gebrauch war) entstanden.
Kakanien: Der in den Volksmund eingegangene Ausdruck stammt aus dem Roman Der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil und rührt von dem Kürzel k. k. (kaiserlich-königlich), welches von Seiten der Verwaltung für die cisleithanische Reichshälfte verwendet wurde.
Bernd Rill: Böhmen und Mähren - Geschichte im Herzen Mitteleuropas, 2 Bde., 2006, ISBN 3-938047-17-8
J. Ulbrich: Das Staatsrecht der österreichisch-ungarischen Monarchie (= Handbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart in Monographien. Bd. 4: Staatsrecht der außerdeutschen Staaten. I). Freiburg i. Br. 1884