Donna Leon (* 28. September 1942 in Montclair, New Jersey, USA) ist eine US-amerikanische Schriftstellerin.
Sie ist Autorin von Kriminalromanen und lebt in Venedig. Nach dem Studium in den USA und in Italien unterrichtete sie Englisch und englische Literatur, zuletzt an der Außenstelle der Universität Maryland auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Vicenza, bis sie sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Ihre Romane spielen in oder um Venedig. Der Held ihrer Kriminalromane ist Commissario Guido Brunetti. In Deutschland ist sie eine der erfolgreichsten Bestsellerautorinnen, in Italien erscheinen ihre Bücher auf ihren Wunsch hin nicht. 2003 erhielt sie den u. a. vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels (Landesverband Bayern), der bayerischen Staatskanzlei und dem bayerischen Rundfunk getragenen Internationalen Buchpreis Corine in der Sparte Belletristik. Ihr Hobby ist die Oper, besonders die Werke von Georg Friedrich Händel.
Der melancholische Polizist Guido Brunetti leidet darunter, das Böse nicht aus der Welt schaffen zu können. Seine Frau Paola, Tochter eines Conte aus einer der ältesten Familien Venedigs, arbeitet als Professorin für Englische Literatur und ist vom Geist der 68er Bewegung beseelt. Ihre heranwachsenden Kinder Raffael und Chiara entwickeln stets einen menschenfreundlichen Enthusiasmus, der mit der korrupten und grausamen Welt des Verbrechens kontrastiert. Als komische Figur der Romane fungiert der eitle und unfähige Polizeichef Venedigs Vice-Questore Patta, während der brave Sergente Vianello und die alles-wissende und recherchierende Signorina Elettra, seit dem dritten Roman Pattas Sekretärin, den Helden unterstützen.
Kritiker werfen Donna Leon nicht nur das klischeehafte Italienbild vor, sondern auch die melodramatische Aufblähung der Handlungsführungen, in denen die Schilderungen des alltäglichen Familienlebens – Essen, Trinken, Kindererziehung, Lektüre usw. – die Krimi-Plots in den Hintergrund drängen. Doch aus dem Gegensatz zwischen der Kernfamilie, die für die Werte des guten, zivilisierten Verhaltens steht, und dem Staat, den er zu repräsentieren hat, speist sich die Melancholie des Polizisten Brunetti: Der Staat fördert die Kriminalität der Mächtigen, unter deren Druck der Rückzugsraum der Familie stetig schrumpft. Leons Texte beklagen gleichermaßen den Verfall des herkömmlichen (beispielsweise an Henry James geschulten) Erzählens wie die Zerstörung tradierter Werte. Sie stellen sich so in die Tradition der Jeremiade, die in den USA noch besonders lebendig ist.
Mittlerweile wurden die meisten ihrer Romane für das Fernsehen verfilmt. Siehe auch: Donna Leon (Krimiserie).
Autor | Literatur (20. Jh.) | Literatur (21. Jh.) | Literatur (Englisch) | Kriminalliteratur | Frau | US-Amerikaner | Geboren 1942
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