Domestizierung oder Domestikation ist ein innerartlicher Veränderungsprozess von Wildtieren oder -pflanzen, bei dem diese über Generationen hinweg genetisch isoliert von der Wildform vom Menschen gehalten werden. Dieser Text befasst sich nur mit der Domestikation von Tieren.
Die Domestizierung von Wildtieren ergibt sich durch die menschliche Auslese solcher Individuen zur Zucht der Art, die den gewünschten Eigenschaften am meisten entsprechen, z. B. eine geringere Aggressivität gegenüber Artgenossen und Menschen. In diesem Fall spricht man von der Zähmung des Wildtiers, was aber nicht mit der Zähmung eines einzelnen Wildtiers verwechselt werden sollte. Zweck der Domestizierung ist die Verwendung als Nutz- oder Heimtier. Ist dies geschehen, spricht man von der Domestiziertheit des ursprünglichen Wildtiers.
Durch das Einsetzen der Domestizierung einer Tierart werden die Voraussetzungen für die Entwicklung der Art entscheidend verändert. Die natürliche evolutionäre Entwicklung wird durch künstliche Auswahl des Menschen nach Zuchtkriterien ersetzt. Die genetischen Eigenschaften der Tiere ändern sich daher im Rahmen der Domestikation.
Hauskatzen sind mit etwa 3500 Jahren ebenfalls eine sehr junge domestizierte Raubtierart. Sie verdrängte das ältere Frettchen, den domestizierten Iltis. Erst einige Zeit nach Beginn unserer Zeitrechnung, verdrängte die Katze auch in Europa das Frettchen.
In der jüngeren Geschichte wurden schließlich Lama,Meerschweinchen zur Fleischgewinnung und Rentiere wie auch verschiedene Heimtiere, wie Goldhamster und Farbmaus domestiziert.
Die Domestizierung von Pferden scheint an vielen verschiedenen Orten (gleichzeitig) geglückt zu sein. Forscher, die die mitochondriale DNA der Tiere untersuchten, fanden heraus, dass es keinen gemeinsamen Zuchtstamm gibt. Das Pferd war nach der Eiszeit in isolierten Gebieten als "Restpopulation" zurückgeblieben (iberische Pferde). Die erste Domestikation des Tieres gelang aber wohl in den Steppen des Ostens. Später konnten beinahe überall Nachdomestikationen erfolgen.
Mit der Domestizierung sind meist eine Reihe von typischen Merkmalsänderungen gegenüber der Wildform festzustellen, man bezeichnet dies auch als Domestikationseffekt:
Die Nachkommen domestizierter Wölfe bellen statt zu heulen, ohne jedoch mit Hunden in Kontakt zu treten.
Da derartige Effekte teilweise auch beim Menschen Homo sapiens zu beobachten sind (z. B. im Vergleich zum Homo neanderthalensis), sprechen manche Biologen (u. a. Konrad Lorenz) auch von der Verhaustierung des Menschen im Zuge seiner Entwicklung.
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