Ein Dogma (griech. dogma „Meinung, Lehrsatz“; Plural Dogmen oder seltener nach dem Griechischen Dogmata) ist eine Aussage für eine Religion, Weltanschauung, die von einer Gruppe von Menschen als grundlegend und nicht verhandelbar angesehen wird.
(siehe auch Selbstimmunisierung)
Im engeren Sinne wird der Begriff Dogma in der Theologie als Teil der Dogmatik sowie in der Philosophie verwendet.
Der Gebrauch des Begriffs Dogma im Zusammenhang mit den Naturwissenschaften geschieht meist mit einem kritischen Unterton dergestalt, dass jemand nicht bereit wäre, seinen "dogmatischen" Standpunkt neueren Erkenntnissen gegenüber zu öffnen. In Antike und Mittelalter war Dogma dagegen ein positiv besetzter Begriff; er stand für Klarheit und Eindeutigkeit.
Unter "Dogmen" versteht man im Laufe der Kirchengeschichte durch die lehramtliche Autorität formulierte Sätze (sowie seit dem II. Vatikanischen Konzil zusammenhängende Texte), die wichtig sind für die inhaltliche Profilierung ihres Glaubens. Sie "sind Lichter auf dem Glaubensweg. Sie erleuchten und sichern ihn." (
Katechismus der Katholischen Kirche KKK 89). Der Entstehungskontext von Dogmen ist in der Regel eine strittige Situation in Glaubensfragen.
Konzilien und
Synoden werden einberufen, um die Sachfragen zu klären und ggf. entsprechende Dogmatisierungen vorzunehmen.
Zum unterschiedlichen Dogmenverständnis
Der Begriff Dogma wird je nach konfessioneller Tradition und theologischer Lehrmeinung unterschiedlich verstanden bzw. verwendet:
- In den orthodoxen Kirchen sind damit vor allem die Lehraussagen der ersten sieben ökumenischen Konzilien sowie einiger späterer panorthodoxer Synoden gemeint.
- Die katholische Kirche hat im ersten Vatikanischen Konzil definiert, dass ein Dogma ein Satz göttlichen und katholischen Glaubens ist, der durch das allgemeine und ordentliche Lehramt oder durch konziliare oder päpstliche Definition als von Gott geoffenbarte Wahrheit zu glauben verkündet wird.
- Für Martin Luther und andere Reformatoren haben nur Dogmen Gültigkeit, die durch die Heilige Schrift belegt sind und damit unter den Begriff Doktrin fallen. Dogmen im engeren Sinne formulieren sie nicht.
- Karl Barth sieht Dogmen als Ausdrucksformen des Inhalts der Heiligen Schrift.
- Die evangelische Tradition sieht spätestens seit der Aufarbeitung von Anfragen und Kritik seitens der Aufklärung von Formulierungen eines Dogmas ab, da in der evangelischen Kirche kein Lehramt existiert, welches für die Gemeinde verbindliche Glaubenssätze formulieren könnte. Zwar sei die klare Bezeugung durch die Kirche die notwendige Bedingung für den Glauben -- dementsprechend habe die Kirche die Aufgabe, die Möglichkeit der Begegnung mit dem biblischen Zeugnis zu eröffnen. Eine innere Gewissheit im Einzelnen sei jedoch durch die Kirche und ihr Wirken nicht herstellbar, da Gewissheit etwas unverfügbares ist. Die Einsicht, dass das kirchliche Zeugnis Wahrheit über Gott, Welt und Mensch kommuniziere, kommt nach evangelischer Überzeugung durch die Inanspruchnahme dieser öffentlichen Bezeugung durch den Heiligen Geist zustande.
Beispiele für christliche Dogmen
diese von Konzilien verkündeten dogmatischen Definitionen wurden stets von den Päpsten bestätigt.
Dogmatik der katholischen Kirche:
Das II. Vatikanum (1962-1965) lehrt die notwendige Unveränderlichkeit der Glaubenswahrheit als ganzer, öffnet diese jedoch dem Dialog mit den Andersdenkenden. Die Kompetenz zur Unterscheidung des Wesentlichen vom Veränderlichen liegt beim kirchlichen Lehramt des Papstes (allein oder mit) resp. dem Bischofskollegium der Weltkirche.
In den evangelischen Kirchen vertretene "Glaubenswahrheiten":
Ökumenische Annäherungen:
Die "gerechten Werke" (kath.) sind Werke der Gnade Christi (Konvergenz Augsburg 1999);
die Hl. Schrift lebt in der Kirche, die als ganze die Einheit Christi mit den Menschen bewirkt.
- Keine Einheit besteht in der Auffassung von der "regula fidei", der Glaubensregel, die der Katholizismus konkret der kirchlichen Autorität anvertraut sieht, während der Protestantismus ein Spektrum christlicher Theologien zulässt, wodurch die Glaubenspraxis zum legitimen Ausdruck privater Autonomie wird (bis hin zum Verschwinden jeglicher kirchlich fassbarer Praxis).
Das Dogma: eine zuverlässige Überzeugung?
Dogmen einer Kirche gelten im allgemeinen als unwiderruflich. Sie sind jedoch offen für Präzisierungen sowie "Neuinterpretationen" in veränderten Kontexten und in neuem Sprachgebrauch. Es gibt deshalb - aus römisch-katholischer Sicht - durchaus eine Geschichtlichkeit des Dogmas:
"Was diese Geschichtlichkeit angeht, muß zunächst bedacht werden, dass der Sinn, den die Glaubensaussagen haben, teilweise von der Aussagekraft der zu einer bestimmten Zeit und unter bestimmten Umständen angewandten Sprache abhängt. Außerdem kommt es bisweilen vor, dass eine dogmatische Wahrheit zunächst in unvollständiger, aber deshalb nicht falscher Weise ausgedrückt wird und später im größeren Zusammenhängen des Glaubens und der menschlichen Erkenntnisse betrachtet und dadurch vollständiger und vollkommener dargestellt wird. Ferner will die Kirche in ihren neuen Aussagen das, was in der Heiligen Schrift und in den Aussagen der früheren Überlieferungen schon einigermaßen enthalten ist, bestätigen oder erhellen, sie pflegt dabei aber zugleich an die Lösung bestimmter Fragen und die Beseitigung von Irrtümern zu denken. All dem muß man Rechnung tragen, um jene Aussagen richtig zu deuten. Schließlich unterscheiden sich zwar die Wahrheiten, die die Kirche in ihren dogmatischen Formeln wirklich lehren will, von dem wandelbaren Denken einer Zeit und können auch ohne es zum Ausdruck gebracht werden; trotzdem kann es aber bisweilen geschehen, dass jene Wahrheiten auch vom Lehramt in Worten vorgetragen werden, die Spuren solchen Denkens an sich tragen."
(Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Mysterium ecclesiae zur katholischen Lehre über die Kirche und ihre Verteidigung gegen einige Irrtümer von heute vom 24. Juni 1973, Trier 1975 (Nachkonziliare Dokumentation 43) Nr. V, S. 147f.)
Zitate
- "Jeder Fortschritt, den eine Kirche in dem Aufbau ihrer Dogmen macht, führt zu einer ... Bändigung des freien Geistes; jedes neue Dogma ... verengt den Kreis des freien Denkens ... Die Naturwissenschaft umgekehrt befreit mit jedem Schritte ihrer Entwicklung ... Sie gestattet ... dem Einzelnen in vollem Maße wahr zu sein". Rudolf Virchow
- "Tolle assertiones, et Christianismum tulisti. - Nimm die festen Aussagen weg, und du hast das Christentum weggenommen". Martin Luther
- Auch die Wissenschaft hat ihre Apostel, ihre Märtyrer, ihre Gesetzgeber, ihren Katechismus, und sie dringt überall ein. - Über die Wissenschaft und das Leben , Francesco de Sanctis (1817-1883)
Wörter mit ähnlicher Bedeutung
Siehe auch
Literatur
Weblinks
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