Diskursanalyse ist ein Oberbegriff für die sprachwissenschaftliche Analyse von Diskursphänomenen. Je nachdem, was als Diskurs betrachtet wird, gibt es dafür unterschiedliche Interpretationen. In den Sozialwissenschaften ist nicht nur die Form, sondern auch der Inhalt des Diskurs Gegenstand der Analyse.
Die Diskursanalyse geht im wesentlichen auf die Arbeiten von Michel Foucault zurück, der damit die traditionelle Geistesgeschichte in Frage stellte. Die Diskursanalyse wird in der Literaturwissenschaft, der Soziologie und zunehmend auch in der Geschichtswissenschaft angewendet. Als wissenschaftliche Methode spielt die Diskursanalyse auch im Bereich der Politikwissenschaft, v.a. im Teilgebiet der Internationalen Beziehungen eine zunehmend wichtige Rolle.
Allgemein untersucht sie den Zusammenhang von sprachlichem Handeln und sprachlicher Form, sowie den Zusammenhang zwischen sprachlichem Handeln und gesellschaftlichen, insbesondere institutionellen, Strukturen.
Aus sprachwissenschaftlicher Sicht ist dabei die Abgrenzung des Diskurses (als pragmatisches Phänomen) gegenüber dem Text (als sprachliche Struktur des Diskurses, welcher u.a. in der Textlinguistik untersucht wird) bemerkenswert.
Bei einer Diskursanalyse können folgende Themen Beachtung finden:
Ähnliche Konzepte sind:
Analyseschritte in der Sozialwissenschaft
- Institutioneller Rahmen / Kontext (z.B.: Autor, Medium, Ereignishintergrund)
- Text-Oberfläche (Gestaltung, Sinneinheiten, Strukturierung angesprochener Themen)
- Sprachlich-rhetorische Mittel (Analyse der Argumentationsstrategien, Implikationen und Anspielungen, Logik und Komposition, Kollektivsymbolik ("Bildlichkeit"), Redewendungen, Wortschatz, Stil, Akteure, Referenzbögen ...)
- Inhaltliche-ideologische Aussagen: Menschenbild, Gesellschaftsbild, Vorstellungen von Zukunft, Technik etc.
- Interpretation: Systematische analytische Darstellung eines Diskursfragments nach der Aufbereitung des Materials. Dabei werden die einzelnen Elemente aufeinander bezogen.
Zentrale Analysekategorien sind dabei die Diskursstränge, der diskursiven Ereignisse, Diskursebenen und Diskurspositionen
(Vgl. Jäger (2004))
Siehe auch
Weblinks
- http://www.diskursanalyse.de/ - Zentrum für Medien- und Diskursanalyse
- http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/methoden/histdiskurs.htm - Historische Diskursanalyse
- http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/3-03/3-03review-diazbone-d.htm - Rainer Diaz-Bone : Entwicklungen im Feld der foucaultschen Diskursanalyse
- http://www.lrz-muenchen.de/~Diskursanalyse/content/waldsch.html - Anne Waldschmidt : Texte, Fragmente, Diskurse: Von den Schwierigkeiten, Diskursanalyse als Sozialforschung zu betreiben
Literatur
- K.-M. Bogdal: Historische Diskursanalyse der Literatur. Theorie, Arbeitsfelder, Analysen, Vermittlung, Opladen 1999.
- Rainer Diaz-Bone. (1999). Probleme und Strategien der Operationalisierung des Diskursmodells im Anschluss an Michel Foucault. In: Bublitz et al. (Hrsg.). S. 119-135.
- Michel Foucault, Die Ordnung des Diskurses, 6. Auflage, Frankfurt am Main 2001
- C. Kammler: Historische Diskursanalyse (Michel Foucault), in: K.-M. Bogdal (Hg.): Neue Literaturtheorien. Eine Einführung, Opladen 1990, S. 31-55.
- Sabine Hark, Dissidente Partizipation. Eine Diskursgeschichte des Feminismus, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2005
- Siegfried Jäger (4. Aufl. 2004) : Kritische Diskursanalyse. Eine Einführung, ISBN 3-89771-732-8
- Reiner Keller (2003) : Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen : ISBN 3-8100-3789-3
- Achim Landwehr, Geschichte des Sagbaren : Einführung in die historische Diskursanalyse, Tübingen : ed. diskord, 2001
- S. Winko: Diskursanalyse, Diskursgeschichte, in: H. L. Arnold / H. Detering (Hg.): Grundzüge der Literaturwissenschaft, München 1996, S. 463-478.
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