Der Heilige Disibod (irisch Disens) (* 619, † 700) war ein irischer Mönch und Einsiedler. Disibod wird erstmals - historisch gesichert - erwähnt in dem Martyrologium des Rabanus Maurus, das dieser zwischen 842 und 854 zusammengestellt hat. Den folgenden Informationen liegen seine um 1170 von der hl. Hildegard von Bingen verfaßte Lebensbeschreibung "Vita Sancti Disibodi", zwei 1108 bzw. 1128 von Mainzer Erzbischöfen ausgestellte Urkunden sowie die um 1150 im Kloster Disibodenberg geschriebenen "Annales Sancti Disibodi" zugrunde.
Disibod kam um das Jahr 640 als Glaubensbote aus den Klosterschulen Irlands in das Frankenreich. Er und seine drei Gehilfen Giswald, Klemens und Sallust wirkten etwa 10 Jahre mit geringem Erfolg in den Vogesen und den Ardennen.
Auf seiner Wanderschaft kam Disibod ins Nahetal zu der in einem Traum – so die Vita – vorbezeichneten Stelle „..wo sein Wanderstab, in die Erde gesteckt, grünte, wo eine weiße Hirschkuh einen Quell frischen Wassers aus der Erde scharrte und wo sich zwei Flüsse vereinigen.“
Disibod fand diese Stelle am Zusammenfluss von Nahe und Glan. Auf dem dort liegenden Berg befand sich vielleicht schon in keltischer Zeit ein Heiligtum, das auch unter der römischen Herrschaft fortbestand (u.a. Grabungsfund eines römischen Altars aus dem 2./3. Jahrhundert, das einen Speerwerfer zeigt - im 4. Jahrhundert stand auf dem Berg eine römische Ansiedlung).
Am Fuße des Berges in der Nähe der gefundenen Quelle baute Disibod und seine Gefährten eine Hütte und begannen anschließend mit der Verkündung des Evangeliums unter der heidnischen Bevölkerung.
Dankbare Anhänger der neuen Lehre errichteten am nordöstlichen Fuße des Berges eine Taufkapelle. Als weiser, geachteter Gottesmann starb Disibod im Jahre 700 mit 81 Jahren. Sein wundertätiges Grab wurde eine Pilgerstätte.
Nach Disibods Tod wurden auf dem Berg eine Kirche und eine klosterähnliche Anlage errichtet. 745 besuchte Bonifatius, der Bischof von Mainz, das Grab des Missionars und überführte die Gebeine Disibods unter den Altar der Klosterkirche.
Normannen (882) und Ungarn (1. Hälfte des 10.Jahrhunderts) überfielen wiederholt das Kloster, plünderten und zerstörten die Anlage. Die Mönche flohen und die Gebäude verfielen.
Die klosterähnliche Anlage auf dem Disibodenberg wurde unter dem Erzbischof Hatto II. von Mainz (968-970) aufgelöst. Erzbischof Willigis zu Mainz (975-1011) nahm sich der verwahrlosten Stätte an, kam selbst zum Disibodenberg und ließ eine neue Kirche errichten und die Gebäude instandsetzen. Die Gebeine des heiligen Disibod wurden abermals feierlich in die neuerbaute Kirche überführt. Willigis übergab die Anlage 12 Stiftsherren (Kanonikern) aus Mainz und stattete es reichlich mit Gütern, Ländereien und Einkünften aus.
Die Pfarrkirche zu Sobernheim mit dem dortigen Fronhofe, die Gehinkirche bei Auen und die Tochterkirche bei Semendis (heute Seesbach, sehr schön und sehenswert ist die Semendiskapelle) sowie die Kirchen zu Hundsbach, Meckenbach, Kichbollenbach und Offenbach am Glan wurden von Willigis dem Stift zugesprochen. Ferner stand dem Stift in seinen Ländereien und Ortschaften das Recht des Zehnten zu (das Recht des 10.Ertragsteils bezog sich vor allem auf Getreide und Wein).
Die Klostervogtei wurde dem Nahegaugrafen übertragen. Auch unter den Nachfolgern Willigis wurden dem Kloster reiche Geschenke gemacht, zumal auch viele Adelige sich in den Gebäuden aufhielten.
1096 setzte Erzbischof Ruthard an die Stelle der Chorherren nun wieder Benediktiner aus dem St. Jakobskloster zu Mainz als Klosterherren ein, was allerdings aufgrund religiöser Machtspiele erst 1107 erfolgreich gelang.
Unter der Leitung des Abtes Burchard (1108-1113) wurde eine neue, kreuzförmige, dreischiffige Pfeilerbasilika errichtet, die St. Nikolaus-Kirche. 1143 erfolgte die Schlußweihe der Klosterkirche. Deren Grundriss mit den Säulenresten ist heute noch gut zu erkennen. 1138 wurden die Gebeine des heiligen Disibods wiederum in die neue Kirche umgebettet.
Ab 1108 ließ die Grafenfamilie von Sponheim eine Frauenklause auf dem Klostergelände errichten, in die im Jahre 1112 die eigenwillige Grafentochter Jutta von Sponheim als Leiterin zusammen u. a. mit Hildegard (von Bermersheim bzw. Hosenbach), die spätere heilige Hildegard von Bingen einzog und das Profess (Gelübde) ablegten.
Nach dem Tod Juttas folgte 1136 Hildegard ihrer Lehrmeisterin als Leiterin der Frauenklause (magistra) auf dem Disibodenberg. Sie und Ihre Nonnengemeinschaft siedelten aber 1147-1151 in das neugegründete Kloster auf dem Rupertsberg bei Bingen über, da Hildegard die Gemeinschaft mit den Mönchen auf dem Disibodenberg nicht mehr zusagte und auch die Platzverhältnisse für die aus 18 Nonnen bestehende Frauengemeinschaft nicht mehr ausreichte.
Abt Theoderich beschrieb Anfang des 13. Jahrhunderts das Leben der heiligen Hildegard und Abt Dodechin verfasste um 1240 die Jahrbücher des Klosters. Neue Schenkungen von Grafen und Rittern machte das Kloster wieder reich und angesehen. Gelehrte Männer, die in den Klostermauern lebten, vermehrten den Ruf als Wallfahrtsort.
Durch eine fast zweijährige Fehde 1240-1242 zwischen Erzbischof Siegfried III. von Mainz und dem Wildgrafen Konrad II. von Kyrburg verschuldete sich wegen der Kriegsausgaben das einst reiche Kloster. Das sich ausbreitende Raubrittertum verschlimmerte noch die Lage der Abtei.
1259 wurden durch Erzbischof Gerhard von Mainz die Benediktiner, die das Kloster auf dem Disibodenberg schon größtenteils verlassen hatten, durch den Orden der Zisterzienser aus Otterberg ersetzt. Unter der strengen Zucht und vorzüglichen Verwaltung der Zisterzienser wurden die Schulden bald gedeckt und das Kloster blühte zum dritten Male erneut auf bis etwa 1500. Dann kam der endgültige Verfall.
Sowohl der Krieg 1471 zwischen Kurfürst Friedrich von der Pfalz und dem Pfalzgrafen Ludwig I. wie auch der pfälzisch-bayrische Erbfolgekrieg 1504 fügten der ganzen Nahegegend großen Schaden zu und auch das Kloster Disibodenberg wurde völlig ausgeplündert. Der Bauernkrieg 1524-1525 nahm die Abtei nur wenig mit, allerdings führte die Reformation, die im Nahegebiet eine günstige Aufnahme fand, die gänzliche innere Auflösung der Abtei herbei. 1559 trat der letzte Abt Peter von Limbach das Kloster an den Meisenheimer Erbvogt Herzog Wolfgang zu Zweibrücken ab. Säkularisierung und Einzug eines Verwalters.
Der Dreißigjährige Krieg 1618-1648 und der Pfälzer Erbfolgekrieg 1688-1697 brachten immer wieder Verwüstungen und wechselnde Besitzer. Die Spanier unter General Spinola versuchten 1631 und 1639 durch Benediktiner das Kloster wieder aufblühen zu lassen, doch waren diese Erfolge nur vorübergehend.
1768 kamen die Reste des Klosters durch den Hagenbacher Tauschvertrag zur Kurpfalz. Noch bis 1790 stand ein großer Teil der Klostergebäude, allerdings erklärten die Franzosen in der Zeit ihrer Herrschaft über das linke Rheinufer 1797-1814 den Disibodenberg zum Nationaleigentum und versteigerten Grund und Boden.
Der Disibodenberg kam 1809 in Privatbesitz an die Familien Großarth und Gutenberger. Die Klosteranlagen dienen als Steinbruch. Aus den Quadern der Kirche wurden Wohnhäuser in Odernheim und Staudernheim gebaut und die Pfeiler der Staudernheimer Brücke erneuert.
1842-1844 gräbt Peter Wannemann als Hof- und Klostereigner die Ruinen frei und richtet die Gebäudereste für Besucher her. Ein erster Lageplan wird erstellt.
Das Landesamt für Denkmalpflege in Mainz hat 1985 mit archäologischen Grabungen und Sicherungsarbeiten im Klostergelände begonnen. Die letzte private Besitzerin, Ehrengard Freifrau von Racknitz, überführte 1989 das ehemalige Klostergelände in die Disibodenberger SCIVIAS-Stiftung.
Heute kann das Gelände über den Disibodenbergerhof besichtigt werden. Das Klostermuseum im Besucherhof zeigt eine Reihe von Fundstücken und Kostbarkeiten, unter anderem schönste Steinmetzearbeiten aus der Zisterzienserzeit 1259 bis 1559. Die Klosterruine Disibodenberg ist ca. 2,5 ha groß. Hinweis- und Plantafeln geben dem Besucher Aufschluss über die Bauabschnitte. Von zwei Gebäuden stehen noch die hohen Giebel und die gut sichtbaren Mauerreste erlauben einen Überblick über die einstig große Klosteranlage.
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