Das Straßendorf Dippmannsdorf ist ein Ortsteil der Kreisstadt Belzig im Brandenburger Landkreis Potsdam-Mittelmark am Rand des Trappenschutzgebietes Belziger Landschaftswiesen.
Der Ort verfügt über eine ungewöhnliche Fachwerkkirche, die auf Friedrich August Stüler zurückgeht. Interessant ist ferner ein ausgedehntes Quellgebiet am Fläminghang, das Naturdenkmal Dippmansdorfer Paradies.
Allgemeine Daten, Namensgebung
Das Dorf mit 388 Einwohnern (April 2006) liegt rund acht Kilometer nördlich der
Kernstadt Belzig am Westrand der Landschaftswiesen beziehungsweise des
Baruther Urstromtals unmittelbar am Hang der
Endmoränenlandschaft des Hohen
Fläming. Es gehört zum
Naturpark Hoher Fläming und ist durch die
Bundesstraße 102 an das Straßennetz angeschlossen. Benachbarte Dörfer sind im Norden Ragösen und im Süden
Lütte, die als Ortsteile gleichfalls zu Belzig gehören und an der gleichen baumgesäumten
Allee liegen. Die Bundesstraße 102 ist hier und über weite Strecken Bestandteil der
Deutschen Alleenstraße. Im Dorf gibt es einen stillgelegten
Bahnhof der eingleisigen
Brandenburgischen Städtebahn, die zwischen 1904 und 1962
Treuenbrietzen über Belzig und
Rathenow mit
Neustadt (Dosse) verband. Weitere 38 Jahre hielten in Dippmannsdorf Züge, die auf der Teilstrecke zwischen Belzig und
Brandenburg an der Havel verkehrten. Dieser Streckenteil wurde im November 2000 eingestellt.
Von der 1.766 Hektar umfassenden Gesamtfläche der Gemarkung entfallen 61 % auf den Wald und 32 % auf die Landwirtschaft. Die traditionell von der Landwirtschaft geprägte Dorfwirtschaft wird heute von einer Genossenschaft betrieben, die außerhalb des Dorfes angesiedelt ist. Zunehmende Bedeutung als Wirtschaftsfaktor gewinnt der naturnahe Tourismus, dem neben den im folgenden beschriebenen Kirchengebäude und Naturdenkmal Dippmannsdorfer Paradies ein umfangreiches Netz gut angelegter und ausgeschilderter Wanderwege Rechnung trägt.
Die erste Erwähnung des Ortes findet sich 1285 im Stadtarchiv Weimar als Ditmarstorph, also Dorf des Dietmar. Spätere Dokumente sprachen von Dytmarsdorff (1388) oder Dylinsdorff (1419). Dietmar’s Ort war ursprünglich als Runddorf angelegt, das 1826 einem Brand zum Opfer fiel. Die Neuanlage bekam die Form des heutigen Straßendorfes. An die ehemalige Dorfform erinnert der Dorfanger, auf dem heute eine außergewöhnliche Fachwerkkirche steht.
Fachwerkkirche
Im Jahr 1840 erhielt das Nachbardorf
Lütte eine sogenannte
Normalkirche Schinkels. Zwanzig Jahre später mussten auch die Dippmannsdorfer ihre baufällige Kirche von 1705 ersetzen und waren wie die Nachbardörfler wegen geringer Geldmittel zu einer schlichten und preiswerten Ausführung gezwungen. Dabei bauten sie 1860 ein ungewöhnliches turmloses Gotteshaus, das gleichfalls in der Tradition Schinkels Normalkirche steht, auch wenn das rotleuchtende
Ziegelfachwerkhaus vollkommen anders aussieht als die
klassizistische Kirche im Nachbardorf.
Wegen ihrer schnellen und preiswerten Bauweise konzipierte Schinkel neben der Normalkirche auch Fachwerkkirchen. Das Thema der seltenen Ziegelfachwerkkirchen nahmen die Schinkelschüler Friedrich August Stüler und August Soller im Musterbuch der Entwürfe zu Kirchen, Pfarr- und Schulhäusern auf. Die Dippmannsdorfer griffen auf die Blätter 16 und 17 aus Stülers Folianten von 1852 zurück und produzierten mit dem im Fläming reichlich vorhandenen Holz einen eigenwilligen zweistöckigen Saalbau. Das Gotteshaus entspricht in seiner Grundkonzeption mit polygonaler Apsis und Hufeisenempore ganz dem Typus der von Schinkel für die dörflichen Gemeinden konzipierten Normalkirche. Der dort vorgesehene Rundbogenstil ließ sich allerdings nur schwer in Fachwerk umsetzen. Deshalb weist die Dippmannsdorfer Kirche gestalterische Elemente auf, die eher an den Tudorstil und dessen Umsetzung in die Fachwerkbauweise erinnern. [... .
Diese Bauweise hatte für Kirchen keine Zukunft. Der schlichte Stil und die einfache Bauweise fand mehr Anklang bei der Zweckarchitektur wie Bahnhöfen und Werkstatthallen. Tatsächlich erinnert das Gebäude auf den ersten Blick eher an eine historische Bahnhofshalle oder an eine der typischen frühen Barks-Zeichnungen ländlicher amerikanischer Schulgebäude, die die Neffen eines Donald Duck um jeden Preis zu umgehen versuchten, als an ein Kirchengebäude. Statt eines Turmes erhielt die Kirche einen kleinen Dachreiter, aus dem in den Barks-Zeichnungen die verhasste Schulglocke ertönte.
Bei der Innenaustattung, zu der ein schöner Taufständer aus Zinkguß gehört, dominieren gotisierende Formen. Der Barockaltar in der Kirche stammt aus dem Jahr 1705 und wurde vom Vorgängerbau übernommen.
Quellgebiet Dippmannsdorfer Paradies
Laut Abschlussbericht im Bundeswettbewerb 2001
Unser Dorf soll schöner werden erhielt Dippmannsdorf in diesem Jahr für die
Leistungen seiner Bürger eine Silberplakette. Unter diesen Leistungen hebt der Bericht besonders die Erschließung des Dippmansdorfer Naturdenkmals
Paradies hervor:
Das »Paradies« wurde durch eine behutsame und naturschutzgerechte Wegeführung erschlossen, scheint mit dem alten Buchenbestand jedoch völlig naturbelassen und eröffnet dem Besucher immer neue Perspektiven in dem abwechslungsreichen Relief des Naturparks.
Geologie und Quellbach
Die
Reliefenergie vom Urstromtal zum Fläming ist bei Dippmannsdorf mit steilen Böschungskanten sehr ausgeprägt mit der Folge, dass im Waldgebiet 32 (andere Angaben 54)
Sickerquellen auf engem Raum zu Tage treten, deren Wasser sich in zwei
Mühlenteichen sammeln und kurz oberhalb der Bundesstraße innerhalb des Mühlengeländes noch einmal um acht Meter senkrecht nach unten ergießen, bevor sie einen Quellbach herausbilden, als
Dippmannsdorfer Bach durch die Belziger Landschaftswiesen strömen und nach drei Kilometern in die
Temnitz münden; die Temnitz wiederum fließt weiter in den
Havel-Zufluss
Plane. Schaut man am Ende der Mühlenteiche die acht Meter hinab, gewinnt man eine anschauliche Vorstellung über die hoch aufragenden Geländestufen, die die Abflussbahn der
Weichseleiszeit-Schmelzwasser vor rund 21.000 Jahren am Nordhang des Fläming herausschnitt. Zählt der Hohe Fläming noch zur
Altmoränenlandschaft der
Saale-Eiszeit, gehören die Niederungen innerhalb des Urstromtals bereits zum
Jungmoränenland der Weichsel-Eiszeit, deren Inlandeis in der Talung seine maximale Ausdehnung nach Süden erreichte.
Sickerquellen und Flora
Die Grundwasseraustritte im Paradies sind gekennzeichnet durch dunkle
Versumpfungszonen, da Ablagerungen von Pflanzenresten an den Austrittsmulden die Zersetzung der
Bodenbildung anregen. Vorsichtig angelegte Wege, Stege, Dämme und Brücken führen durch die Schlucht und tragen dem empfindlichen weichen, morastigen Boden um die auch
Helokrene genannten Sickerquellen Rechnung. Seinen etwas fragwürdigen Namen verdankt das Naturdenkmal laut Informationstafel der Tatsache, dass
das klare, kalkarme und kühle Quellwasser einzigartige Lebensräume [schafft. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten haben hier ihr »Paradies« gefunden. An bemerkenswerten Pflanzen treten beispielsweise
Lebermoose (
Hepaticae),
Schwanenhals-Sternmoos (
Mnium hornum),
Bitteres Schaumkraut (
Cardamine amara), der seltene
Waldsauerklee (
Oxalis acetosella) auf – und auch das nur sehr wenig Licht benötigende
Wechselblättrige Milzkraut (
Chrysosplenium alternifolium) findet sich in dem schattigen Quellsumpf.
In dem kristallklaren Quellwasser kann ausgiebig gebadet werden, denn zwischen alten Gemäuern mitten im Dorf legten die Dippmannsdorfer einen Badeteich an. Der Abschlussbericht im Bundeswettbewerb 2001 hält fest: Beispielhaft ist der Bio-Badeteich mit seiner Gestaltung und Plazierung im Dorf, *. Er wird aus einer Quelle gespeist und ist mit seinen extensiv genutzten Röhricht-Zonen auch ein wichtiger Beitrag zur Dorfökologie.
Quellen
- Verschiedene Angaben zum Quellgebiet und zur Geschichte beruhen auf den Informationstafeln der Naturparkverwaltung (Naturpark Hoher Fläming) vor Ort.
Literatur
- Sabine Bohle-Heintzenberg, Architektur und Schönheit. Die Schinkelschule in Berlin und Brandenburg, Transit Buchverlag, Berlin 1997, ISBN 3-88747-121-0 Zitate zur Kirche in Dippmannsdorf S. 158
- Jan Feustel, Zwischen Wassermühlen und Sumpfwäldern, Ein Reise- und Erlebnisführer in das Baruther Urstromtal, Hendrik Bäßler Verlag, Berlin 1999 ISBN 3-930388-11-1, zur Kirche Seite 160, zum Quellgebiet „Paradies“ Seiten 158ff
Weblinks
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