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Der kynische Philosoph Diogenes (* ca. 399 v. Chr. in Sinope; † 323 v. Chr. in Korinth) lebte in Athen und war Schüler des Antisthenes (und dieser wiederum ein Schüler des Sokrates).
Er gilt als Verächter der Kultur und wirkte in seiner Philosophie mehr durch den praktischen Vollzug, als durch Lehren. Völlige Unabhängigkeit des Menschen von der Außenwelt und allen konventionellen Verhältnissen war ihm Bedingung der wahren Tugend. Von den über ihn überlieferten legendären Anekdoten sind am bekanntesten die von
„Diogenes in der Tonne“: Vermutlich ein Übersetzungsfehler eines von Seneca geprägten Ausspruches, dass ein Mann mit derart geringen Ansprüchen ebenso gut in einem Pithos, einer „Tonne“, leben könne. Wirklich in einer Tonne gelebt hat Diogenes wohl nie. Der Wuppertaler Diogenes-Forscher Sören Lüdeke sagt in dem Aufsatz „Diogenes im Kontext antiker Philosophie“ mit dem Untertitel „Ein Philosoph als zeitlose Reflexionsfigur“, dass der „Philosoph in der Tonne“ nur als „Bild“ überlebt habe, als „Metapher für ein Leben in absoluter Bedürfnislosigkeit“. Er ist eine Art – so Lüdeke – „Gedankenfigur, die uns noch heute eine mögliche Reaktion auf eine kriegerisch-unruhige, zügellose Zeit verdeutlicht“ – gemeint ist die hellenistische Zeit: „Krieg und Not machten Diogenes zum Kyniker und bedingten sein Selbstverständnis als Hund in einer Tonne (v. griech.: kynismós – Bissigkeit; aus kýon, kynós – Hund, siehe unten).“
Diogenes ist also gerade durch dieses Missverständnis immer noch in unseren Gedanken lebendig und muss als eine „Gedankenfigur des Rückzugs von der Gesellschaft und ihren Wertmaßstäben“ (Lüdeke 2002) gedeutet werden.
„Geh mir aus der Sonne“: Alexander der Große suchte den bekannten Philosophen auf. Auf die Frage nach seinem größten Wunsch antwortete dieser: „Geh mir aus der Sonne“. Daraufhin Alexander: „Wäre ich nicht Alexander, wollte ich Diogenes sein“. Allerdings gibt es auch andere Versionen dieser Anekdote, in denen es die Leibwächter Alexanders des Großen sind, die spöttisch sagen, sie wollten gerne Diogenes sein. Alexander der Große aber war wirklich ein Bewunderer dieses Philosophen.
Diogenes von Sinope.jpeg“, Raphael Santi, 1510/11, Stanzen des Vatikans, Rom]] Im altgriechischen Originaltext (Diogenes Laertios) steht eigentlich: „Nimm deinen Schatten von mir“ – und spielt möglicherweise weit mehr auf den Sieg Spartas über Athen (404 v. Chr.) dank gewaltiger finanzieller Unterstützung durch die Perserkönige an, der damit den Niedergang und Zusammenbruch der griechischen Polis-Ordnung einleitete, der 70 Jahre später vollendet war.
„Der Mann mit der Laterne“: Tagsüber ging Diogenes mit einer Laterne über den Marktplatz von Athen und rief: „Ich suche Menschen“. – Diese Episode wurde von Friedrich Nietzsche in seinem berühmten Aphorismus „Der tolle Mensch“ Fröhliche Wissenschaft, Nr. 125 verarbeitet.
Zur Selbstbefriedigung gibt es von Diogenes ein Zitat „Wäre es so einfach wenn ich Hunger habe, ich bräuchte mir nur den Bauch zu reiben“.
Durch sein Bettlerleben erwarb er sich den Beinamen Kyon (griech.: der Hund). Die Philosophenschule der Kyniker leitet von dieser Lebenspraxis ihren Namen ab. Allerdings könnte der Name Kyniker auch vom Lehrort des Antisthenes, dem „Kynosarges“ herleiten. Heutige Begriffe wie zynisch und Zynismus werden ebenfalls davon abgeleitet.
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Zu den Erkennungszeichen der Kyniker gehörten Wanderstab, Rucksack und Essensschale, die gleichzeitig die Grundprinzipien des Kynismus, nämlich Kosmopolitentum, Autarkie, Bedürfnislosigkeit und Parrhesie (freie Rede) symbolisieren.
Zum Geburtstag und Todestag von Diogenes gibt es zwei Legenden. Die eine besagt, dass Sokrates an dem Tag den Schierlingsbecher trinken musste (in Athen), an dem Diogenes geboren wurde (in Sinope). Die andere Legende sagt, dass der 33-jährige Alexander am selben Tag sterben musste (in Babylon) wie der mehr als doppelt so alte Diogenes (in Korinth).
Diogenes war der erste Mensch, der sich als „Weltbürger“ bezeichnete, statt Bürger einer Stadt oder eines Staates.
Mann | Philosoph (Antike) | Grieche (Antike) | Geboren 399 v. Chr. | Gestorben 323 v. Chr.
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