Neugriechisch (Νέα Ελληνικά) ist eine der 21 offiziellen Amtssprachen der EU. Es wird von ca. 12,3 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen etwa 10,5 Millionen in Griechenland leben. Die anderen Muttersprachler sind auf 35 andere Staaten verteilt. Im griechischen Teil Zyperns ist Griechisch ebenfalls Amtssprache (etwa 0,7 Millionen Sprecher). Außerdem ist es in einigen südalbanischen und süditalienischen Gemeinden, in denen Angehörige der griechischen Minderheit leben, als lokale Amts- oder Schulsprache zugelassen. Siehe: Griko in Italien
Hauptartikel: Griechische Sprache
Neugriechisch gehört zur indoeuropäischen Sprachfamilie und hat sich aus dem klassischen Altgriechischen entwickelt. Den Beginn der neugriechischen Epoche setzt die Forschung wechselweise im 11. Jahrhundert (erste Epen in weitgehend neugriechischer Sprache), um das Jahr 1453 (Fall Konstantinopels) oder in der Mitte des 17. Jahrhunderts (Kretische Renaissance) an. Innerhalb der heute noch gesprochenen indoeuropäischen Sprachen steht das Griechische isoliert, d. h. es ist mit keiner weiteren Sprache näher verwandt.
Bis 1976 wurde das Neugriechische unterschieden in Dimotiki (Δημοτική), der traditionellen Volkssprache, und Katharevousa (Καθαρεύουσα, „die Reine“), einer künstlichen, an das klassische Griechisch angelehnten Hochsprache. Nach Ende der Papadopoulos-Diktatur wurde die Katharevousa durch Parlamentsbeschluss als Amtssprache abgeschafft und spielt heute nur noch in Dokumenten der Kirche, in Inschriften oder in anderen schriftlichen Bereichen vereinzelt eine Rolle. Die Volkssprache hat sich in den letzten Jahrzehnten endgültig als gesprochene wie auch geschriebene Sprache Griechenlands durchgesetzt. Vielen gelehrten Redewendungen und Wörtern aus der Katharevousa gelang es jedoch, Eingang in die gesprochene Sprache des Volkes zu finden, so daß sich das heutige Neugriechisch als eine Synthese der Dimotiki und der Katharevousa darstellt, mit einem Mischungsverhältnis zugunsten ersterer. Das breite stilistische und lexikalische Spektrum der heutigen Sprache, resultierend aus den erwähnten volkstümlichen wie auch gelehrten Einflüssen, macht einen wichtigen Aspekt des besonderen Reichtums des Neugriechischen aus.
Mit der Kunstsprache Katharevousa versuchten national gesinnte, gebildete Kreise des jungen griechischen Staates die Kontinuität zur „großen“ klassischen Vergangenheit zu unterstreichen. Die kompliziertere Grammatik und der veraltete Wortschatz wurden von der Bevölkerung nicht angenommen, trotzdem tobte ein jahrzehntelanger Sprachstreit zwischen den Attizisten (Befürwortern der an den attischen Dialekt des Altgriechischen angelehnten Katharevousa mit Zentrum an der Universität in Athen) und den Demotikisten (Anhängern der Volkssprache mit Zentrum an der Universität in Thessaloniki).
Die neugriechische Sprache wird heute vergleichsweise einheitlich gesprochen und ist nur wenig dialektal zergliedert. Ein Besucher Griechenlands muss kaum damit rechnen, auf griechische Menschen zu treffen, mit denen keine Verständigung auf Standardgriechisch möglich ist.
Trotzdem weichen die in manchen Landesteilen - z.B. in Kreta, im Epiros, in Thrakien (hier vor allem in Nord-Evros) oder auf Zypern - gesprochenen Idiome soweit von der Hochsprache ab, dass man von neugriechischen Dialekten spricht, auch wenn die Abweichungen zur Hochsprache nicht so groß sind, wie es beispielsweise bei einigen deutschen Dialekten der Fall ist.
Der erste Versuch, die neugriechischen Dialekte zu ordnen, stammt von Georgios N. Hatzidakis. Anhand der Entwicklung der unbetonten halboffenen und geschlossenen Vokale teilte er die neugriechischen Dialekte in Nördliche und Südliche ein. Dieser Einteilung zufolge wandeln sich in den nordgriechischen Dialekten alle unbetonte /o/ und /e/ in /u/ bzw. /i/, während alle unbetonten /i/ und /u/ ganz verstummen. In den südgriechischen Dialekten hingegen bleiben diese Vokale unverändert (G.N. Hatzidakis 1892, 342). Beispiele: πεθαίνω *>" target="_blank" >[, σκυλί [.
Eine mögliche Isoglosse, die neugriechischen Dialekte einzuteilen, ist der Erhalt oder Verlust des - Auslautes bei Nomina. Gemäß dieser Isoglosse werden die Dialekte eingeteilt in die östlichen, in denen der Auslaut n erhalten * und in Westlichen, in denen er gar nicht vorkommt.
Eine andere Isoglosse ergibt sich aus der Entwicklung des sogenannten „irrationalen“ intervokalischen Stützlautes In vielen Teilen Griechenlands (Kykladen, Lesbos, Ikaria, Kreta) kann man zwischen Vokalen im Auslaut eines Wortes den eingeschobenen Konsonanten [ vorfinden, so z.B. bei κλαίω > κλαίγω (kléo > kléγο). In manchen Regionen Griechenlands entwickelt sich der Stützlaut (auf Zypern der Laut k) zwischen dem Stammauslaut [ und der Endung -ω im Präsens, z.B. δουλεύω > δουλεύγω (δulévo > δulévγo und auf Zypern δuléfko). Weiterhin wurden als Basis für die Einteilung der neugriechischen Dialekte folgende phonetische, morphologische und syntaktische Phänomene vorgeschlagen (Triandafyllidis 1938, 66-67):
Die neugriechische Umgangssprache beruht auf der Koine und damit dem altgriechischen attischem Dialekt (siehe auch: Geschichte der griechischen Sprache).
In manchen kleinräumigen, abgelegenen Gebieten haben jedoch einige griechische Mundarten fortgelebt, deren Entwicklung stark von anderen altgriechischen Dialekten geprägt war oder die aus ihnen hervorgegangen sind: dem Dorischen oder dem Ionischen.
Weitere dialektale Exklaven des Griechischen im Ausland sind:
Die wichtigsten phonologischen Veränderungen fanden wahrscheinlich schon während der hellenistischen Periode statt:
Diese phonologischen Entwicklungen haben sich nicht in der Orthographie niedergeschlagen.
| vorne | zentral | hinten | |
|---|---|---|---|
| hoch | |||
| mitte | |||
| tief |
Die im Wortschatz seltenen Vokalfolgen αϊ, εϊ oder οϊ tauchen sowohl silbisch als auch unsilbisch gesprochen auf, nur im letzteren Vorkommen liegt ein Diphthong vor.
| bilabial | labio- dental | dental | alveolar | palatal | velar | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| stl. | sth. | stl. | sth. | stl. | sth. | stl. | sth. | stl. | sth. | stl. | sth. | |
| Plosive | ||||||||||||
| Affrikaten | ||||||||||||
| Nasale | ||||||||||||
| Vibranten | ||||||||||||
| Frikative | ||||||||||||
| Laterale |
Zur Erläuterung der Artikulationsorte siehe die Grafik unter Phonetik. Die Abkürzung „stl.“ steht hier für „stimmlos“ und „sth.“ für „stimmhaft“. Die gelb gefärbten Laute stellen das Phoneminventar des Neugriechischen dar. Die hellgrün gefärbten Laute *," target="_blank" >*" target="_blank" >und Allophone von *," target="_blank" >*," target="_blank" >*" target="_blank" >und [.
Die Plosive p, t, k und b, d, g werden weniger behaucht, also weicher als im Deutschen ausgesprochen.
Das griechische Gamma (γ) , meist mit „g“ transkribiert, ist kein velarer Verschlusslaut sondern ein Reibelaut, ähnlich einem stimmhaften „ch“ was dem deutschen „Zäpfchen-R“ nicht unähnlich klingt. Es ist ungefähr der gleiche Laut wie „g“ in Berlinerisch „Wagen“.
Das Chi (χ) hat die gleichen beiden Ausprachevarianten (Allophone) wie das deutsche „ch“, nämlich palatal wie in „ich“ oder velar wie in „ach“. Allerdings richtet sich die Aussprache nicht wie im Deutschen nach dem vorangehenden Vokal, sondern nach dem folgenden. Vor Konsonanten findet sich tendenziell mehr die palatale Aussprache.
Die Betonung einer Silbe erfolgt im Neugriechischen nicht durch Längung des tragenden Vokals, sondern durch die Lautheit der Aussprache (Dynamischer Akzent). Als bedeutungsunterscheidendes Merkmal (siehe Phonem, Morphem) spielt die korrekte Betonung eines Wortes eine sehr viel größere Bedeutung als in romanischen oder germanischen Sprachen. Nicht korrekt betonte Worte werden von Muttersprachlern meist falsch- oder missverstanden. Beispielsweise bedeutet πότε "wann" aber ποτέ "nie".
Die Betonung muss auch in gramatischen Regeln berücksichtigt werden (z.B. verschiebt sie sich im Aorist auf die drittletzte Silbe, hat das Verb nur 2 Silben, wird ein sogenanntes Augment-"ε" vor das Verb gesetzt, welches dann die Betonung trägt: κάνω (ich mache) -> έκανα (ich machte)). Dieses Phänomen bringt Probleme für viele Grammatiktheorien der 80er Jahre mit sich, welche suprasegmentale Merkmale wie Akzentverschiebung nicht berücksichtigen konnten.
Eine Grundregel für die Betonung ist die sogenannte "Dreisilbenregel": Keine Silbe, die vor der drittletzten Silbe (Antepaenultima) liegt, bekommt den Akzent, er liegt immer auf einer der drei letzten.
Da der Dynamische Akzent schon eine semantische oder syntaktische Aufgabe übernommen hat, muß pragmatische Betonung durch andere spachliche Mittel realisiert werden. Der Unterschied zwischen "ich SAH dich" (aber hörte dich nicht) versus "ich sah DICH" (und nicht deine Freundin) wird beispielsweise durch eine Verdoppelung des Personalpronomens ausgedrückt: Σε είδα (ich SAH dich) versus Εσένα σε είδα (ich sah DICH).
1 bis 10: éna - dhío - tría - téssera - pénde - éxi - eftá - ochtó - enéa - dhéka. 100: ekató(n). 1000: chília.
| 0 | μηδέν | * | ||||||
| 1 | ένας, μία, ένα (1) | *" target="_blank" > | 11 | ένδεκα | [ | |||
| 2 | δύο | 12 | δώδεκα | * | ||||
| 3 | τρεις, τρεις, τρία (1) | *" target="_blank" > | 30 | τριάντα | [ | |||
| 4 | τέσσερις, -ρις, τέσσερα (1) | *" target="_blank" > | 40 | σαράντα | [ | |||
| 5 | πέντε | 15 | δεκαπέντε | * | ||||
| 6 | έξι | 16 | δεκαέξι | * | ||||
| 7 | εφτά (auch επτά (2)) | 17 | δεκαεφτά | * | ||||
| 8 | οχτώ (auch οκτώ (2)) | 18 | δεκαοχτώ | * | ||||
| 9 | εννιά (auch εννέα (2)) | 19 | δεκαεννιά | * | ||||
| 10 | δέκα | 20 | είκοσι | * | ||||
| 21 | είκοσι ένα (1) | 101 | εκατόν ένας (1) | |||||
| 22 | είκοσι δύο | 200 | διακόσιοι, -κόσιες, -κόσια (1) | * | ||||
| 23 | είκοσι τρία (1) | 300 | τριακόσιοι, - κόσιες, -κόσια (1) | * | ||||
| 24 | είκοσι τέσσερα (1) | 1000 | χίλιοι, χίλιες, χίλια (1) | * | ||||
| 25 | είκοσι πέντε | 2000 | δύο χιλιάδες | * |
(1) Die Zahlworte für 1, 3 und 4 werden nach Genus unterschieden und dekliniert, dadurch ebenso die zusammengesetzten Zahlen 13, 14, 21, 23, 24, usw. Das gleiche gilt für alle Hunderter (außer der 100 selbst) und die Zahl 1000. Dei den deklinierten Zahlworten ist die Reihenfolge mask./fem./neut. angegeben. Beim bloßen Zählen wird die Form des Neutrums benutzt.
(2) Sprech- und Schreibalternativen, keine Deklination
siehe auch: Griechische Zahlen
Trotzdem gilt für die heutige griechische Rechtschreibung mehr als für die deutsche oder englische, dass man "schreibt, wie man spricht". Allerdings sieht sich der griechisch Schreibende mit dem o.g. historisch bedingten Problem konfrontiert: Es gibt sechs verschiedene Schreibweisen des Lautes "i", zwei für "o" und zwei für "e", dh. es gibt im Vokalbereich mehr Grapheme als Phoneme. Lesend kann man mit hoher Treffsicherheit die Lautung auch unbekannter Wörter erschließen, umgekehrt ist die korrekte Schreibung der o.g. Vokale nur erlernbar oder aus Kenntnis des Altgriechischen etymologisch erschließbar.
Der weiter verwendete Akut zeigt immer die betonte Silbe eines mehrsilbigen Wortes an, Bei den Digraphen (οι, αι, ει, ου, ευ, αυ) wird das Akzentzeichen immer auf den zweiten Buchstaben gesetzt. Nur in sehr wenigen Ausnahmen wird er als graphische Unterscheidung für gleichlautende Worte unterschiedlicher Bedeutung verwendet, z.B. bei "η", die (Artikel Fem. Sing.) und "ή", oder. Teilweise wird diese bedeutungsunterscheidende Funktion kontextsensitiv gehandhabt: z.B. das einsilbige Genitiv/Dativpronomen "μου" bekommt nur dann einen Akzent, wenn es an seiner Position im Satz mit dem gleichgeschriebenen Possesivpronomen verwechselt werden könnte.
Der Doppelpunkt über den Vokalen i oder y (das "Trema") ist kein Betonungszeichen, sondern typografischer Hinweis darauf, dass eine Buchstabenkombination aus 2 Vokalen nicht wie üblich als ein Laut, sondern als zwei getrennte Laute gesprochen werden soll (Diärese). Ohne Trema würde z.B. dass Wort προϊστάμενος /pro-is-´tamenos/ (der Vorgesetzte) /pris´tamenos/ gesprochen. In manchen Fällen (κέικ /ke-ik/ Kuchen) kann bei scheinbaren Digraphen der auf das erste Vokalzeichen gesetzte Akut zugleich die Rolle des Tremas übernehmen.
Zur Umschrift der griechischen Schreibung mit lateinischen Buchstaben siehe die Tabellen der Namenskonventionen/Neugriechisch#Transkriptionstabellen. Die Transkription Neugriechisch/Deutsch wird nicht einheitlich gehandhabt, eine existierende ISO-Norm konnte sich bislang nicht durchsetzen. In der Namenskonvention Neugriechisch wird die Umschrift dargestellt, die zur einheitlichen Verwendung in der Wikipedia empfohlen wird.
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