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Neugriechisch (Νέα Ελληνικά) ist eine der 21 offiziellen Amtssprachen der EU. Es wird von ca. 12,3 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen etwa 10,5 Millionen in Griechenland leben. Die anderen Muttersprachler sind auf 35 andere Staaten verteilt. Im griechischen Teil Zyperns ist Griechisch ebenfalls Amtssprache (etwa 0,7 Millionen Sprecher). Außerdem ist es in einigen südalbanischen und süditalienischen Gemeinden, in denen Angehörige der griechischen Minderheit leben, als lokale Amts- oder Schulsprache zugelassen. Siehe: Griko in Italien

Geschichte


Hauptartikel: Griechische Sprache

Neugriechisch gehört zur indoeuropäischen Sprachfamilie und hat sich aus dem klassischen Altgriechischen entwickelt. Den Beginn der neugriechischen Epoche setzt die Forschung wechselweise im 11. Jahrhundert (erste Epen in weitgehend neugriechischer Sprache), um das Jahr 1453 (Fall Konstantinopels) oder in der Mitte des 17. Jahrhunderts (Kretische Renaissance) an. Innerhalb der heute noch gesprochenen indoeuropäischen Sprachen steht das Griechische isoliert, d. h. es ist mit keiner weiteren Sprache näher verwandt.

Bis 1976 wurde das Neugriechische unterschieden in Dimotiki (Δημοτική), der traditionellen Volkssprache, und Katharevousa (Καθαρεύουσα, „die Reine“), einer künstlichen, an das klassische Griechisch angelehnten Hochsprache. Nach Ende der Papadopoulos-Diktatur wurde die Katharevousa durch Parlamentsbeschluss als Amtssprache abgeschafft und spielt heute nur noch in Dokumenten der Kirche, in Inschriften oder in anderen schriftlichen Bereichen vereinzelt eine Rolle. Die Volkssprache hat sich in den letzten Jahrzehnten endgültig als gesprochene wie auch geschriebene Sprache Griechenlands durchgesetzt. Vielen gelehrten Redewendungen und Wörtern aus der Katharevousa gelang es jedoch, Eingang in die gesprochene Sprache des Volkes zu finden, so daß sich das heutige Neugriechisch als eine Synthese der Dimotiki und der Katharevousa darstellt, mit einem Mischungsverhältnis zugunsten ersterer. Das breite stilistische und lexikalische Spektrum der heutigen Sprache, resultierend aus den erwähnten volkstümlichen wie auch gelehrten Einflüssen, macht einen wichtigen Aspekt des besonderen Reichtums des Neugriechischen aus.

Mit der Kunstsprache Katharevousa versuchten national gesinnte, gebildete Kreise des jungen griechischen Staates die Kontinuität zur „großen“ klassischen Vergangenheit zu unterstreichen. Die kompliziertere Grammatik und der veraltete Wortschatz wurden von der Bevölkerung nicht angenommen, trotzdem tobte ein jahrzehntelanger Sprachstreit zwischen den Attizisten (Befürwortern der an den attischen Dialekt des Altgriechischen angelehnten Katharevousa mit Zentrum an der Universität in Athen) und den Demotikisten (Anhängern der Volkssprache mit Zentrum an der Universität in Thessaloniki).

Dialekte


Die neugriechische Sprache wird heute vergleichsweise einheitlich gesprochen und ist nur wenig dialektal zergliedert. Ein Besucher Griechenlands muss kaum damit rechnen, auf griechische Menschen zu treffen, mit denen keine Verständigung auf Standardgriechisch möglich ist.

Trotzdem weichen die in manchen Landesteilen - z.B. in Kreta, im Epiros, in Thrakien (hier vor allem in Nord-Evros) oder auf Zypern - gesprochenen Idiome soweit von der Hochsprache ab, dass man von neugriechischen Dialekten spricht, auch wenn die Abweichungen zur Hochsprache nicht so groß sind, wie es beispielsweise bei einigen deutschen Dialekten der Fall ist.

Bestimmung neugriechischer Dialekte

Der erste Versuch, die neugriechischen Dialekte zu ordnen, stammt von Georgios N. Hatzidakis. Anhand der Entwicklung der unbetonten halboffenen und geschlossenen Vokale teilte er die neugriechischen Dialekte in Nördliche und Südliche ein. Dieser Einteilung zufolge wandeln sich in den nordgriechischen Dialekten alle unbetonte /o/ und /e/ in /u/ bzw. /i/, während alle unbetonten /i/ und /u/ ganz verstummen. In den südgriechischen Dialekten hingegen bleiben diese Vokale unverändert (G.N. Hatzidakis 1892, 342). Beispiele: πεθαίνω *>" target="_blank" >[, σκυλί [.

Eine mögliche Isoglosse, die neugriechischen Dialekte einzuteilen, ist der Erhalt oder Verlust des - Auslautes bei Nomina. Gemäß dieser Isoglosse werden die Dialekte eingeteilt in die östlichen, in denen der Auslaut n erhalten * und in Westlichen, in denen er gar nicht vorkommt.

Eine andere Isoglosse ergibt sich aus der Entwicklung des sogenannten „irrationalen“ intervokalischen Stützlautes In vielen Teilen Griechenlands (Kykladen, Lesbos, Ikaria, Kreta) kann man zwischen Vokalen im Auslaut eines Wortes den eingeschobenen Konsonanten [ vorfinden, so z.B. bei κλαίω > κλαίγω (kléo > kléγο). In manchen Regionen Griechenlands entwickelt sich der Stützlaut (auf Zypern der Laut k) zwischen dem Stammauslaut [ und der Endung -ω im Präsens, z.B. δουλεύω > δουλεύγω (δulévo > δulévγo und auf Zypern δuléfko). Weiterhin wurden als Basis für die Einteilung der neugriechischen Dialekte folgende phonetische, morphologische und syntaktische Phänomene vorgeschlagen (Triandafyllidis 1938, 66-67):

  1. Die Entnasalierung der Konsonantenkomplexe mb, ng, nd: vgl. κουμπί (ku'mbi > ku'bi)
  2. Der Wandel des Lautes in *" target="_blank" >> [.
  3. Der Erhalt des Augments: εδένατε - δένατε (ε'δεnatε - 'δεnatε)
  4. Der Verlust des Genitivus Personalis und Ersatz durch den Akkusativ bei den nördlichen neugriechischen Dialekten: σου λέω > σε' λέω *
  5. Die Nachstellung der unbetonten Formen des Personalpronomens> μου λέει > λέει μου μου δίνει > δίνει μου> [

Einfluss altgriechischer oder mittelalterlicher Sprachformen auf heutige Dialekte

Die neugriechische Umgangssprache beruht auf der Koine und damit dem altgriechischen attischem Dialekt (siehe auch: Geschichte der griechischen Sprache).

In manchen kleinräumigen, abgelegenen Gebieten haben jedoch einige griechische Mundarten fortgelebt, deren Entwicklung stark von anderen altgriechischen Dialekten geprägt war oder die aus ihnen hervorgegangen sind: dem Dorischen oder dem Ionischen.

  • Tsakonisch wird noch in zehn Dörfern in der Region Lakonien auf dem Peloponnes aktiv gesprochen, es hat sich aus dorischen Wurzeln entwickelt.
  • Ebenfalls dorisch geprägt ist die Mundart einiger Dörfer auf der Insel Karpathos (bekannt vor allem Olympos).
  • Das Pontische und das Kappadokische dagegen weisen starke ionische Einflüsse auf. Pontisch war der verbreitete Dialekt der griechischen Siedlungen rund um das Schwarze Meer, während Kappadokisch in Zentralanatolien gesprochen wurde. Im Rahmen des Bevölkerungsaustausches mit der Türkei im Jahr 1922 wurden diese Volksgruppen in verschiendene Teile Griechenlands umgesiedelt. Im Gegensatz zum Kappadokischen ist das Pontische noch nicht ausgestorben und wird noch aktiv gesprochen. In von pontischen Umsiedlern besiedelten Gegenden ist es auch heute noch allgemeine Verkehrssprache, die auch das Standardgriechische oft pontisch gefärbt sprechen. Im Raum Thessaloniki gibt es sogar pontischsprachige Radiosender. Allerdings geht die Sprecheranzahl weiter zurück, was auch daran liegt, dass die Hellenische Republik das Pontische - wie auch die Geschichte der Pontier allgemein - offiziell bis vor wenigen Jahren vollkommen ignorierte. Kenntnisse des Standardgriechischen sind nicht ausreichend, um Pontisch zu verstehen.

  • Das Griko (κατωιταλιώτικα) wird noch in wenigen Dörfern Kalabriens gesprochen. Die Bewohner dieser Dörfer sind wahrscheinlich Nachfahren der griechischen Kolonisation Süditaliens. Das Griko ist ebenfalls stark vom dorischen Altgriechisch geprägt.
  • Das Zypriotische Griechisch: Bedingt durch die lange politische und räumliche Isolation im Mittelalter und in der Neuzeit konnten sich bis zur türkischen Invasion 1974 auf der Gesamtinsel und danach im griechischen Teil der Insel Zypern bis heute (2006) einige sprachliche Archaismen aus dem Mittelalter halten. Dadurch weicht die Umgangssprache der Zyperngriechen merklich von der griechischen Hochsprache ab. Letztere wird trotzdem in allen formellen Zusammenhängen (Politik, Medien, Schule) und in Schriftform benutzt.

Weitere dialektale Exklaven des Griechischen im Ausland sind:

Phonologie


Unterschiede zum klassischem Griechisch

Die wichtigsten phonologischen Veränderungen fanden wahrscheinlich schon während der hellenistischen Periode statt:

  • Veränderung der stimmlosen aspirierten Verschlusslaute — Phi //, Theta // und Chi // — zu stimmlosen Reibelauten //, // und // bzw. //.
  • Veränderung der stimmhaften Verschlusslaute — Beta //, Delta und gamma — zu stimmhaften Reibelauten //, // und // bzw. //.
  • Vereinfachung des Vokal- und Diphthong-Systems: Veränderung von //, //, // und // zu //, Veränderung von // zu //, Veränderung von // und // zu // und //, Verlust der Unterscheidung zwischen langen und kurzen Vokalen.

Diese phonologischen Entwicklungen haben sich nicht in der Orthographie niedergeschlagen.

Vokale

Das Neugriechische besitzt 5 Monophthonge.

Monophthonge des Griechischen
  vorne zentral hinten
hoch  
mitte  
tief    

Aussprachehinweise
Alle Vokale werden kurz ausgesprochen, "e" und "o" stets offen, "i" und "u" geschlossen. Das "e" klingt also wie deutsches "ä" in "hätte", nicht wie "heben" und das "o" wie in "offen", nicht wie in "Ofen"; "i" entspricht der (korrekten) Aussprache in "Minute", "u" der in "Musik" (also kurz, aber geschlossen). Unbetontes "i" vor einem anderen Vokal wird oft zu einem "j"-ähnlichen Laut abgeschwächt (μια -> /mja/) oder palatalisiert den vorangehenden Konsonanten: (ελιά -> /eʎa/).

Die im Wortschatz seltenen Vokalfolgen αϊ, εϊ oder οϊ tauchen sowohl silbisch als auch unsilbisch gesprochen auf, nur im letzteren Vorkommen liegt ein Diphthong vor.

Konsonanten

Das Griechische hat 28 Konsonanten.

  bilabial labio-
dental
dental alveolar palatal velar
stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth.
Plosive        
Affrikaten                    
Nasale              
Vibranten                      
Frikative    
Laterale                    

Zur Erläuterung der Artikulationsorte siehe die Grafik unter Phonetik. Die Abkürzung „stl.“ steht hier für „stimmlos“ und „sth.“ für „stimmhaft“. Die gelb gefärbten Laute stellen das Phoneminventar des Neugriechischen dar. Die hellgrün gefärbten Laute *," target="_blank" >*" target="_blank" >und Allophone von *," target="_blank" >*," target="_blank" >*" target="_blank" >und [.

Aussprachehinweise

oder Μ, μ + unbetontes + *
Schreibweise Lautwert Beschreibung Beispiel
MΠ, μπ stimmhafter bilabialer Plosiv – Im Anlaut stets als im Inlaut entweder als *," target="_blank" >manchmal auch als [mp μπαίνω αμπέλι *," target="_blank" >καμπάνια, [
ΝΤ, ντ stimmhafter alveolarer Plosiv – Im Anlaut stets als im Inlaut entweder als *. ντύνω αντί *
ΓΚ, γκ+ (am Wortanfang und im Wortesinnere), ΓΓ, γγ+ [ (nur im Wortesinnere), stimmhafter velarer Plosiv – Im Anlaut stets als im Inlaut entweder als *. γκολ αγκώνας *," target="_blank" >αγγούρι *
ΓΚ, γκ+ (am Wortesanfang und im Wortesinnere), ΓΓ, γγ+ [ (nur im Wortesinnere), stimmhafter palataler Plosiv – Im Anlaut stets als im Inlaut entweder als * γκιώνης αγκινάρα *" target="_blank" >άγγιγμα *
Π, π stimmloser bilabialer Plosiv παπάς *
Τ, τ stimmloser alveolarer Plosiv τέτανος *
Κ, κ+ * stimmloser velarer Plosiv κάτι, *
Κ, κ+ *, stimmloser palataler Plosiv κύμα, *
Φ, φ/ ΕΥ, ευ oder ΑΥ, αυ + *, stimmloser labiodentaler Frikativ φέρνω ευχαριστώ *
Θ,θ stimmloser alveolarer Frikativ θύμα*,
Χ, χ + * stimmloser velarer Frikativ χαρά *,
Χ, χ+ *, Stimmloser palataler Frikativ χημεία * ,
Β, β/ ΕΥευ oder ΑΥ,αυ + und [, stimmhafter labiodentaler Frikativ βορράς Εύα*
Γ, γ + * stimmhafter velarer Frikativ γάλα *
Γ, γ + * stimmhafter palataler Approximant γιατί *,
Μ, μ stimmhafter bilabialer Nasal μήτρα *
Ν, ν stimmhafter alveolarer Nasal Κίνα *
Ν, ν + unbetontes + * Stimmhafter palataler Nasal πανιά,νοια, *
ΓΚ γκ, ΓΓ γγ, ΓΧ γχ (alle drei Konsonantenverbindungen tauchen nur im Wortesinnere auf) Stimmhafter velarer Nasal άγχος *, siehe auch oben γγ, γκ
Λ. λ stimmhafter lateraler alveolarer Approximant λίπασμα *
λ+ // (bei unbetontem [) Stimmhafter lateraler palataler Approximant λιακάδα ελιά [
Ρ, ρ stimmhafter alveolarer Vibrant ρύζι *
Μ, μ + oder [ stimmhafter labiodentaler Nasal αμφιβολία έμβολο [
Σ, σ, ς (als Minuskel am Wortende) stimmloser alveolarer Frikativ σύρμα μήνας [
Ζ, ζ oder Σ,σ + stimmhafter alveolarer Frikativ καζάνι σβούρα *" target="_blank" >, σγουρός *," target="_blank" >σμάρι *." target="_blank" >Vor *" target="_blank" >von dem Sprecher abhängig, z.B. Χοσρόης [ Chosrau
TΣ, τσ stimmloser alveolarer Affrikat ατσάλι*,
ΤΖ, τζ stimmhafter alveolarer Affrikat. Im Anlaut stets als , im Inlaut manchmal auch als . τζ άμι γά(ν)τζος *

Die Plosive p, t, k und b, d, g werden weniger behaucht, also weicher als im Deutschen ausgesprochen.

Das griechische Gamma (γ) , meist mit „g“ transkribiert, ist kein velarer Verschlusslaut sondern ein Reibelaut, ähnlich einem stimmhaften „ch“ was dem deutschen „Zäpfchen-R“ nicht unähnlich klingt. Es ist ungefähr der gleiche Laut wie „g“ in Berlinerisch „Wagen“.

Das Chi (χ) hat die gleichen beiden Ausprachevarianten (Allophone) wie das deutsche „ch“, nämlich palatal wie in „ich“ oder velar wie in „ach“. Allerdings richtet sich die Aussprache nicht wie im Deutschen nach dem vorangehenden Vokal, sondern nach dem folgenden. Vor Konsonanten findet sich tendenziell mehr die palatale Aussprache.

Betonung

Die Betonung einer Silbe erfolgt im Neugriechischen nicht durch Längung des tragenden Vokals, sondern durch die Lautheit der Aussprache (Dynamischer Akzent). Als bedeutungsunterscheidendes Merkmal (siehe Phonem, Morphem) spielt die korrekte Betonung eines Wortes eine sehr viel größere Bedeutung als in romanischen oder germanischen Sprachen. Nicht korrekt betonte Worte werden von Muttersprachlern meist falsch- oder missverstanden. Beispielsweise bedeutet πότε "wann" aber ποτέ "nie".

Die Betonung muss auch in gramatischen Regeln berücksichtigt werden (z.B. verschiebt sie sich im Aorist auf die drittletzte Silbe, hat das Verb nur 2 Silben, wird ein sogenanntes Augment-"ε" vor das Verb gesetzt, welches dann die Betonung trägt: κάνω (ich mache) -> έκανα (ich machte)). Dieses Phänomen bringt Probleme für viele Grammatiktheorien der 80er Jahre mit sich, welche suprasegmentale Merkmale wie Akzentverschiebung nicht berücksichtigen konnten.

Eine Grundregel für die Betonung ist die sogenannte "Dreisilbenregel": Keine Silbe, die vor der drittletzten Silbe (Antepaenultima) liegt, bekommt den Akzent, er liegt immer auf einer der drei letzten.

Da der Dynamische Akzent schon eine semantische oder syntaktische Aufgabe übernommen hat, muß pragmatische Betonung durch andere spachliche Mittel realisiert werden. Der Unterschied zwischen "ich SAH dich" (aber hörte dich nicht) versus "ich sah DICH" (und nicht deine Freundin) wird beispielsweise durch eine Verdoppelung des Personalpronomens ausgedrückt: Σε είδα (ich SAH dich) versus Εσένα σε είδα (ich sah DICH).

Grammatik


Die neugriechische Sprache hat einen Großteil der altgriechischen Grammatik vereinfacht, ist aber immer noch eine stark flektierende Sprache. Sie ist eine der wenigen indogermanischen Sprachen, die eine synthetische (also nicht mit Hilfsverben konstruierte) Diathese (d.h. eigene Endungen für Aktiv und Passiv) beibehalten hat, genauso wie die konsequente Unterscheidung der Verb-Aspekte Einmalig/Abgeschlossen (Aorist) und Dauernd/Wiederholt (Paratatikos).

Unterschiede zum Altgriechischen

Wichtige Änderungen der neugriechischen Grammatik gegenüber dem Altgriechischen sind u.a.:
  • Der Dativ ist bis auf einige feste Ausdrücke wie εν τάξει (en táxei //) ("in Ordnung") verloren gegangen und wird syntaktisch meist durch eine Präpositional-Konstruktion mit se (in, zu) oder gia (für) + Akkusativ ersetzt.
  • Die Verkleinerung der Anzahl von Deklinationen (Zusammenfall von a-Deklination und konsonantischer Deklination) und der verschiedenen Formen in jeder Deklination. Einige altgriechische Formen werden gelegentlich bei aus dem Altgriechischen übernommenen Wörtern benutzt.
  • Verlust des Infinitivs (wird durch Nebensätze ersetzt "Ich will kaufen" -> "Ich will, dass ich kaufe", untergeordneter Nebensatz mit "να" na angeschlossen).
  • Verlust des Modus Optativ zugunsten von Konstruktionen mit "να" na oder "ας" as.
  • Verlust des Duals (wird durch den Plural ersetzt).
  • Die neue Modalpartikel θα (aus θέλω να ("ich will, dass...") > θε' να > θα) für das Futur und Konditional.
  • Einführung weiterer Hilfsverben.
  • Reduzierung der Partizipien in den meisten Fällen auf das Partizip Perfekt Passiv (-μένος) und das Gerund (-οντας/-ώντας). Es gibt jedoch auch einige "gelehrte" Partizipien, die voll deklinabel sind: υπάρχων (existierend), εισαχθείς (eingeschrieben), δρών (handelnd), επιζών (überlebend) u.a.
  • Erweiterung des Futurs auf die Aspektunterscheidung zwischen Präsens/Imperfekt und Aorist.
  • Verlust der dritten Person Imperativ, außer in Archaismen wie ζήτω! ('Er/Sie/Es lebe!').
  • Neue Pronomen für die 2. Person Plural, da die alten wegen der Lautveränderung akustisch nicht mehr von denen der 1. Person Plural zu unterscheiden waren.
  • Vereinfachung des Systems der Präfixe, Reduzierung der Reduplikation (noch vorhanden in: πεπεισμένος, προσκεκλημένος u.a.) und des Augments.
  • u.v.a.

Besonderheiten

Gerade die beibehaltene Aspekt-Unterscheidung der "einmaligen, abgeschlossenen Handlung" (gebildet mit dem Aorist-Stamm der Verben) und der "andauernden oder wiederholten Handlung" (gebildet mit dem Präsens-Stamm) als eigene, in vielen anderen Sprachen unbekannte grammatische Kategorie verlangt vom Neugriechisch Lernenden besondere Aufmerksamkeit. Eine weitere grammatische Besonderheit des Neugriechischen ist die reichhaltige Wortgruppe so genannter Deponentien - Verben, welche mit passivischen Endungen gebildet werden, aber trotzdem rein aktivische Bedeutung haben (έρχομαι, ich komme).

Wortschatz


Dem Grundwortschatz des Neugriechischen kann man seine Herkunft aus dem Altgriechischen noch sehr stark ansehen; die Ähnlichkeiten auf morphologischer Ebene sind stärker ausgeprägt als man es in der vergleichbaren Entwicklung vom Lateinischen zum Französischen oder Spanischen vorfinden kann. Mit sehr guten Kenntnissen des Altgriechischen ist ein schriftlich vorliegender neugriechischer Text sinngemäß oft zu verstehen; umgekehrt ist es jedoch nur mit Neugriechisch-Kenntnissen deutlich schwieriger, Sinn und grammatikalische Strukturen eines altgriechischen Textes zu erfassen. Auch Griechen müssen also Altgriechisch lernen, um Homer, Thukydides und Plato lesen zu können. Da an deutschen Schulen die Erasmische Aussprache gelehrt wird, kann man mit Altgriechisch-Kenntnissen im heutigen Griechenland im Normalfall mündlich weder verstehen noch verstanden werden.

Diminutive

Sehr häufig ist der Gebrauch von Verkleinerungsformen (z.B. -άκι, -ούλης, -ούλα, -ίτσα), mit denen außer Verniedlichung auch Vertrautheit, Üblichkeit oder Nähe ausgedrückt werden.

Fremdworte

Natürlich hat das Neugriechische in den Jahrhunderten der Besatzung des Landes durch anderssprachige Mächte viele Wörter aus deren Sprachen übernommen. So findet man manche italienische Vokabel, die durch die genuesischen oder venezianischen Besatzer übermittelt wurde (porta πόρτα "Tür", bagno μπάνιο "Bad", coverta κουβέρτα "Decke", scala σκάλα "Treppe", terazza ταράτσα "Terrasse"), aber auch unzählige türkischstämmige Wörter, letztere vor allem aus dem Bereich der Alltagskultur wie Essen oder Musik (Κεφτές "Keftes" Frikadelle,(Ν)Tουφέκι "Doufeki" Gewehr). Schon im frühen Mittelalter sind einige arabische Wörter aufgenommen worden, v.a. im Bereich Mathematik oder Medizin (...). Die Bezeichnungen neuzeitlicher Errungenschaften sind teils aus dem Französischen (Douche ντους "Dusche", Crayon κραγιόν "Lippenstift") oder Englischen übernommen (bar μπαρ "Kneipe", sandwich σαντουίτς "Belegtes Brot", goal γκολ "(Fußball)Tor"). Das Deutsche tritt nur in sehr wenigen Fällen als Gebersprache für das Griechische auf (σνίτσελ Schnitzel).

Zahlwörter

Die Grundzahlen in Transkription mit Betonung („dh“ = engl. „th“ wie in „these“):

1 bis 10: éna - dhío - tría - téssera - pénde - éxi - eftá - ochtó - enéa - dhéka. 100: ekató(n). 1000: chília.

0 μηδέν *            
1 ένας, μία, ένα (1) *" target="_blank" > 11 ένδεκα [      
2 δύο 12 δώδεκα *
3 τρεις, τρεις, τρία (1) *" target="_blank" > 30 τριάντα [
4 τέσσερις, -ρις, τέσσερα (1) *" target="_blank" > 40 σαράντα [
5 πέντε 15 δεκαπέντε *
6 έξι 16 δεκαέξι *
7 εφτά (auch επτά (2)) 17 δεκαεφτά *
8 οχτώ (auch οκτώ (2)) 18 δεκαοχτώ *
9 εννιά (auch εννέα (2)) 19 δεκαεννιά *
10 δέκα 20 είκοσι *
      21 είκοσι ένα (1)   101 εκατόν ένας (1)  
      22 είκοσι δύο   200 διακόσιοι, -κόσιες,
-κόσια (1)
*
      23 είκοσι τρία (1)   300 τριακόσιοι, - κόσιες,
-κόσια (1)
*
      24 είκοσι τέσσερα (1)   1000 χίλιοι, χίλιες, χίλια (1) *
      25 είκοσι πέντε   2000 δύο χιλιάδες *

(1) Die Zahlworte für 1, 3 und 4 werden nach Genus unterschieden und dekliniert, dadurch ebenso die zusammengesetzten Zahlen 13, 14, 21, 23, 24, usw. Das gleiche gilt für alle Hunderter (außer der 100 selbst) und die Zahl 1000. Dei den deklinierten Zahlworten ist die Reihenfolge mask./fem./neut. angegeben. Beim bloßen Zählen wird die Form des Neutrums benutzt.

(2) Sprech- und Schreibalternativen, keine Deklination

siehe auch: Griechische Zahlen

Rechtschreibung


Im Neugriechischen wird das griechische Alphabet verwendet. Da die schriftliche Form viel stärker den klassischen Sprachstand wiedergibt als die gesprochene Sprache, ist die Orthographie z.T. problematisch. Dieses Problem teilt sich die griechische Sprache mit allen Sprachen, deren Verschriftlichung lange zurückliegt und in denen aus "sprachpflegerischen" Gründen keine entsprechend konsequente Rechtschreibreform stattfand.

Trotzdem gilt für die heutige griechische Rechtschreibung mehr als für die deutsche oder englische, dass man "schreibt, wie man spricht". Allerdings sieht sich der griechisch Schreibende mit dem o.g. historisch bedingten Problem konfrontiert: Es gibt sechs verschiedene Schreibweisen des Lautes "i", zwei für "o" und zwei für "e", dh. es gibt im Vokalbereich mehr Grapheme als Phoneme. Lesend kann man mit hoher Treffsicherheit die Lautung auch unbekannter Wörter erschließen, umgekehrt ist die korrekte Schreibung der o.g. Vokale nur erlernbar oder aus Kenntnis des Altgriechischen etymologisch erschließbar.

Diakritische Zeichen

Mit der Rechtschreibreform von 1982 wurden u.a. die bis dahin verwendeten Hauchzeichen (Spiritus asper und Spiritus lenis) sowie alle Akzente bis auf den Akut (´ οξεία) abgeschafft. Als orthographischer Ballast wurden sie bis dahin als Erbe des Altgriechischen mitgeschleppt, obwohl sie für die Aussprache des Neugriechischen keine Rolle mehr spielten.

Der weiter verwendete Akut zeigt immer die betonte Silbe eines mehrsilbigen Wortes an, Bei den Digraphen (οι, αι, ει, ου, ευ, αυ) wird das Akzentzeichen immer auf den zweiten Buchstaben gesetzt. Nur in sehr wenigen Ausnahmen wird er als graphische Unterscheidung für gleichlautende Worte unterschiedlicher Bedeutung verwendet, z.B. bei "η", die (Artikel Fem. Sing.) und "ή", oder. Teilweise wird diese bedeutungsunterscheidende Funktion kontextsensitiv gehandhabt: z.B. das einsilbige Genitiv/Dativpronomen "μου" bekommt nur dann einen Akzent, wenn es an seiner Position im Satz mit dem gleichgeschriebenen Possesivpronomen verwechselt werden könnte.

Der Doppelpunkt über den Vokalen i oder y (das "Trema") ist kein Betonungszeichen, sondern typografischer Hinweis darauf, dass eine Buchstabenkombination aus 2 Vokalen nicht wie üblich als ein Laut, sondern als zwei getrennte Laute gesprochen werden soll (Diärese). Ohne Trema würde z.B. dass Wort προϊστάμενος /pro-is-´tamenos/ (der Vorgesetzte) /pris´tamenos/ gesprochen. In manchen Fällen (κέικ /ke-ik/ Kuchen) kann bei scheinbaren Digraphen der auf das erste Vokalzeichen gesetzte Akut zugleich die Rolle des Tremas übernehmen.

Transkriptionstabelle für modernes Griechisch


Zur Umschrift der griechischen Schreibung mit lateinischen Buchstaben siehe die Tabellen der Namenskonventionen/Neugriechisch#Transkriptionstabellen. Die Transkription Neugriechisch/Deutsch wird nicht einheitlich gehandhabt, eine existierende ISO-Norm konnte sich bislang nicht durchsetzen. In der Namenskonvention Neugriechisch wird die Umschrift dargestellt, die zur einheitlichen Verwendung in der Wikipedia empfohlen wird.

Siehe auch


Literatur


  • Geschichte:
    • Francisco R. Adrados: Geschichte der griechischen Sprache von den Anfängen bis heute. Tübingen/Basel 2002
    • Hans Eideneier: Von Rhapsodie zu Rap. Aspekte der griechischen Sprachgeschichte von Homer bis heute. Tübingen 1999

Weblinks


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