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Die Dillinger Hütte ist ein Hüttenwerk im saarländischen Dillingen mit über 300 jähriger Geschichte. Sie wurde im Jahr 1685 gegründet und war die erste Aktiengesellschaft (1802) Deutschlands. Die weltweit erste Stranggussanlage für Brammen wurde in Dillingen im Jahr 1962 in Betrieb genommen. 1998 kam eine weitere Anlage für 400 mm dicke Brammen hinzu. Hauptaggregate des Walzwerks sind zwei Quartogerüsten, wovon eines mit 5,5 m Ballenbreite und 110 MN Walzkraft das derzeit größte der Welt ist.

Ein weiteres Walzwerk in Dünkirchen (Frankreich) gehört zur Unternehmensgruppe. Die Dillinger Hütte gehört zu 51% dem luxemburgischen Stahlkonzern Arcelor. 1990 wurde mit 23.700 Beschäftigten ein Umsatz von DM 4,8 Mrd. erzielt.

Produziert werden Roheisen, Stahl, Grobbleche, Schlackenkübel und Halbfertigprodukte wie Pressteile, Böden und Mantelschüsse für den Behälterbau. Zusammen mit ihrer französischen Tochtergesellschaft GTS Industries produziert sie weit über zwei Millionen Tonnen Grobbleche pro Jahr im Dickenbereich von 6 bis 440 mm und ist damit größtes Grobblechwerk in Europa. Die Bleche finden Verwendung für Bohrinseln, Schiffe, Anlagen, Brücken, Maschinen und Reaktoren; u. a. zum Bau der Öresundbrücke, der Allianz Arena, des Luxusliners Queen Mary 2 und der Ariane 5. Auch der markante Bogen des Athener Olympiastadions ist aus Dillinger Blechen. Hauptanwendungsbereich ist jedoch die Fertigung von großformatinen Pipelines. Dabei wird das sog. thermomechanische Walzen eingesetzt, eine sehr spezielle Walztechnik, die höchste mechan. Eigenschaften in Kombination mit besten Verarbeitungseigenschaften erlaubt. Die Dillinger Hütte ist auch 50%iger Anteilseigner an der Europipe GmbH, Europas größtem Hersteller von Großrohren mit Standorten in Deutschland, Frankreich und den USA.

Dillingen ist der einzige Standort im Saarland, an dem Roheisen hergestellt wird. Die gemeinsame Roheisengesellschaft ROGESA versorgt auch den Partner Saarstahl.

Weitere Beispielanwendungen für Stahl der Dillinger Hütte:

  • das Viaduc de Millau, die höchste Brücke der Welt
  • die Frankfurter Commerzbank, das höchste Bürohochhaus Europas
  • Auch die NASA bezieht noch Stahl von der Dillinger Hütte und ein Teil der
  • Bodenkonstruktion von Michael Schumachers Ferrari wurde in Dillingen vorgewalzt.
  • BMW kleidet die Karosserie ihrer gepanzerten Limousinen mit plattierten Dillinger Blechen aus. Der Spezialstahl besteht aus zwei Platten unterschiedlicher Härte, die aufeinander gelegt werden. Durch eine gezielte Sprengung mit einem auf die Platten verteiltem brisanten Sprengstoff und dem dabei erzeugte Plasma entsteht aus den beiden Platten ein Verbundwerkstoff. Ein Geschoss bricht am harten Stahl und nimmt ihm den größten Teil seiner kinetischen Energie. Die weiche, zähe Stahlschicht absorbiert die verbliebene Restenergie. Das patentierte Herstellungsverfahren erlaubt wesentlich geringere Blechstärken als die herkömmlichen neun Millimeter.
  • Skulpturen des amerikanischen Bildhauers Richard Serra brachten Dillinger Bleche auch in die Welt der Kunst, u. a. ins Guggenheim-Museum Bilbao.

Geschichte


Dillinger_Huettenwerke_gross.jpg Im Jahr 1685 erteilte der französische König Louis XIV. dem Marquis Charles Henri de Lénoncourt die Genehmigung, eine Eisenhütte mit Schmelzofen vor den Toren der Festung Saarlouis zu errichten. Die Standortfaktoren für die Gründung der Eisenhütte waren gut. Das Flüsschen Prims lieferte die benötigte Wasserkraft, der Wald das Brennholz für die Schmelzöfen und die Erzvorkommen in der direkten Umgebung die Rohstoffe für die Produktion. Erste Produkte waren anfangs Schmiedeeisen, Nägel und Gusswaren wie Takenplatten, Töpfe und Pfannen. Erst allmählich wurde die Produktion optimiert. Mit dem Bau des ersten Blechwalzwerks auf dem europäischen Kontinent im Jahr 1802 bestimmte das Produkt Blech die Entwicklung des Werkes. Dadurch avancierte die Hütte zum größten Schwarz- und Weißblechproduzenten Preußens. 1828 nahm die Firma die Bezeichnung Anonyme Gesellschaft der Dillinger Hüttenwerke an. Damit war eine der ersten Aktiengesellschaften Deutschlands geboren. Neueste Walzanlagen und Hochöfen wurden angeschafft und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Belegschaft bereits auf über 2.500 Mitarbeiter angewachsen. Längst war die sogenannte Dillinger Blechlehre mit 24 Dicken als maßgebende Norm europaweit anerkannt.

Im sozialen Bereich war die Dillinger Hütte vergleichbaren Unternehmen voraus: Hilfs- und Pensionskasse wurden eingerichtet, ebenso ein Werkskrankenhaus, Werkswohnungen sowie eine eigene Schule. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Hütte zu 65% zerstört. Fast 200.000 Granaten gingen auf das Werksgelände nieder. Die Folge waren monatelange Aufräumarbeiten und ein kompletter Neubeginn. Nach dem Krieg setzt die Dillinger Hütte weiter auf die Zukunft Stahl: mit Weltneuheiten wie der ersten Brammenstranggußanlage 1961, der Inbetriebnahme des Grobblechwalzwerkes 1971, des stärksten Walzgerüstes 1985, der neuen Brammenstranggußanlage 1998 für die dicksten Brammen der Welt und der weltgrößten Fräsmaschine für Blechkanten 2003.

Weblinks


Montanunternehmen | Unternehmen (Saarland)

 

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