Das digitale Kino ist eine neuere Entwicklung der Kinotechnik, bei der die bisher übliche analoge Speicherung und Verbreitung von Filmen auf Filmrollen durch digitale Verfahren ersetzt werden. In der Filmindustrie werden heute die meisten Filme zwar analog fotografiert, über 50% aller Filmproduktionen werden aber bereits digitalisiert. Die Nachbearbeitung erfolgt dann ausschließlich am Computer. Mit dem digitalen Kino werden die letzten Schritte der Filmproduktion und –vermarktung, das Kopieren, Verteilen und Aufführen / Wiedergabe auf den neusten Stand der Technik gebracht.
In Europa startet am 12. November 2004 das Projekt European DocuZone in acht Ländern und 182 Kinos, davon 112 in Deutschland. Die teilnehmenden Länder sind Deutschland, Frankreich, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowakei, Spanien und Großbritannien. Dieses Projekt wird durch die Filmförderung und EU-Mittel unterstützt und fokussiert sich dabei ganz bewusst darauf die Auswertungssituation von kleinen Filmen in kleinen Kinos mit kleinen Leinwänden zu verbessern. European DocuZone legt seinen Schwerpunkt vor allem auf den Dokumentarfilm. Die hierbei verwendete Technik ist voll DCI-konform (siehe nächster Absatz) was zeigt, dass für die Festlegung zukünftiger Standards die Besitzer der Filmrechte ein erhebliches Wort mitzusprechen haben.
In Nordamerika arbeitet die im März 2002 gegründete Fa. Digital Cinema Initiatives LLC (DCI) mit ihren Mitgliedsfirmen – Disney, Fox, MGM, Paramount, Sony Pictures Entertainment, Universal und Warner Bros. Studios – unter anderem an einen gemeinsamen Standard für digitale Kino-Filmprojektion. Diese Firma teilte am 8.September 2004 in einer Pressemitteilung mit, dass am 30. September dieser Standard in der DCI Technical Specification Version 5.0 veröffentlicht werden soll. Bis zur endgültigen Umsetzung dieses Standards ist wohl mit einem Jahr zur rechnen. Durch die Tatsache, dass die wichtigsten Hollywood Firmen an diesem Gremium beteiligt waren, ist anzunehmen, dass hierdurch ein zukünftiger DeFacto Standard für kommerzielles Kino geschaffen wurde.
MPEG-2
Große Verbreitung, vor allem im Broadcast-Bereich hat in den letzten Jahren MPEG-2 gefunden. Neben einer akzeptablen Kompression bietet MPEG-2 die Verlässlichkeit eines über einen langen Zeitraum erprobten offenen Standards. Die Variante MPEG-2-HD wird vielfach als Datenaustausch- und Speicherformat verwendet.
Windows Media
Auch Microsoft hat mit Windows Media 9 (WM9) einen HD-fähigen Codec im Portfolio. Im Gegensatz zu MPEG-2 ist dessen Algorithmus jedoch proprietär und nicht offengelegt. Des Weiteren ist der Codec nur unter Microsoft Windows verfügbar. Microsoft versucht, WM9 als Standard für HD-Video und HD-DVDs zu etablieren. Auf der WM9-Website finden sich Trailer in 720p-und 1080p-Auflösung zum Download. WM9 integriert DRM-Technologie zur Rechtekontrolle.
Einen kleinen Erfolg beim Digital Cinema konnte Microsoft 2003 verbuchen, als die Kinokette Landmark alle 177 Leinwände in 53 Kinos mit WM9-kompatibler Hardware ausstattete. Momentan ist die höchste Auflösung von WM9-kodiertem Video bei 1920x1080 Bildpunkten - eine Datenmenge, die aktuelle Desktop-PCs (2005) noch flüssig abspielen können.
Motion JPEG 2000
Im Juni 2004 erklärte die DCI Motion JPEG 2000 zum Codec der Wahl. Dieser basiert auf Part 1 des JPEG2000 Standards. Der offene JPEG2000-Standard ist der Nachfolger von JPEG, welcher der Quasi-Standard zur Speicherung von pixelbasierten Grafikdaten ist. Motion JPEG 2000 vollzieht die simple Aneinanderreihung von einzelnen JPEG2000-Bildern zu einem Video. Der Codec hat dabei einige einzigartige Vorteile gegenüber den anderen Lösungen:
Dabei haben sich die Mitglieder für den Motion JPEG 2000 Codec entschieden. Die Master-Auflösung soll 4096x3112 Pixel (entspricht 4K-Auflösung) betragen. Je nach Kamera und Projektor werden niedrigere Auflösungen festgelegt. Verwendet wird ISO/IEC 15444-1 "JPEG2000" (.jp2) im CIE XYZ Farbraum mit 12bit je Komponente bei 1/2.6 Gammut kodiert zu 16bit RGBA 4444. Der Audiokanal enthält Bitströme mit 24 bits bei 48 KHz oder 96 KHz Abtastrate. Der Datencontainer ist MXF-konform mit XML-kodiertem Inhaltsverzeichnis und maximal 250 MBit/s.
Das Format bietet genügend Spielraum für die technische Weiterentwicklung. Durch Verwendung von Alphakanälen und mehrerer Ebenen können z. B. Untertitel integriert werden. Da 4K-Projektoren zwar angekündigt, aber noch längst nicht zu vertretbaren Kosten verfügbar sind, erlaubt die Spezifikation auch die Verwendung von 2K-Projektoren mit dem 4K-Film. Die DCI hat das Standardisierungsverfahren offiziell abgeschlossen, erarbeitet aber weitere Details, welche unter anderem Sicherheitsfragen betreffen. DRM und Watermarking werden sicher in den DCI-Standard einbezogen werden. Momentan sind aber noch keine Details zu Implementierungen festgelegt.
Durch das Vorhandensein eines digitalen Filmmasters erhöht sich die Gefahr, dass an irgendeiner Stelle der Produktions-, Übermittlungs- und Aufführungskette jemand eine Kopie des Films in eine Tauschbörse stellt. Noch sind die Datenmengen, die bei einem digitalen Film anfallen zu hoch für die schnelle Verbreitung über das Internet, doch Skalierung oder Kompression des Videos und vor allem schnell wachsende Netzwerk-Bandbreiten lassen Raubkopien zur ernsthaften Gefahr für die Rechteinhaber werden.
Aus diesem Grund wird ein zukünftiges digitales Filmmaster mit Digital-Rights-Management (DRM)-Technik geschützt werden. Diese ermöglicht es den Rechteinhabern, die Kontrolle über ihre Filme auch nach der (digitalen) Auslieferung an die Kinos zu behalten. DRM-Systeme verknüpfen in einer Lizenz bestimmte Restriktionen und Anforderungen mit einer Mediendatei. Diese können unter anderem umfassen:
Zusätzlich zu den DRM-Maßnahmen ist auch ein Watermarking sehr wahrscheinlich. Dabei können Copyright-Informationen unsichtbar in das Bild eingebettet werden. Diese bleiben dann auch beim Konvertieren in andere Formate oder beim Abfilmen enthalten. Die Copyright-Informationen können von Sicherheitsbeauftragten mit spezieller Software wieder ausgelesen werden. Eingebettet werden kann zum Beispiel der Name des Kino, für das der Film bestimmt ist. Bei der Aufführung können auch Watermarks direkt vom Player erzeugt werden. Damit könnten auch das Datum der Aufführung und der Kinosaal im Bild versteckt werden. Wenn ein Besucher seine Kinokarten für diesen Film mit der Kreditkarte bezahlt, kann er als Verdächtiger ermittelt werden, falls der Film in den Tauschbörsen auftaucht.
Ein Projektor für Digitales Kino muss viel höhere Anforderungen erfüllen, als ein typischer Consumer-Videobeamer leisten kann. Neben höherer Auflösung und Farbtiefe ist vor allem eine deutlich höhere Leuchtstärke notwendig, um die große Kinoleinwand ausreichend zu beleuchten. Herkömmliche LCD-Projektoren arbeiten transmissiv, d. h. ein LCD befindet sich vor der Projektorlampe und kontrolliert die Lichtintensität. Bei hoher Leuchtstärke der Lampe führt dies zu zwei Problemen. Zum einen erhitzt sich der Projektor immens, was eine aufwendige und laute Kühlung notwendig macht. Zum anderen wird die minimale Helligkeit eines Pixels dadurch festgelegt, wie stark das LCD das Licht der Lampe blocken kann. Aufgrund der geringen Dicke eines LC-Displays reicht die Abdunklung dann gerade noch für ein mattes Grau, weshalb diese Methode ausscheidet. Momentan konkurrieren drei Technologien für digitale Kinoprojektoren um die Gunst der Kinobetreiber und Standardisierungsgremien:
In den USA zählt Film nicht als kulturelles, sondern als wirtschaftliches Gut. Insofern gibt es keine staatliche Förderung für D-Cinema. Den großen Studios kommt allerdings der Digital Millennium Copyright Act (DMCA) entgegen, der unter anderem die Umgehung eines Kopierschutzes verbietet und den Rechteinhabern umfangreiche Befugnisse bei der Verfolgung von Raubkopierern einräumt.
In Europa hingegen werden Film und Kino als kulturelles Gut betrachtet. Zahlreiche staatliche und europäische Filmförderungen unterstützen Filmemacher und Kinos finanziell. Für Pilotprojekte wie zum Beispiel das weiter unten erwähnte CinemaNet Europe werden Finanzmittel aus dem MEDIA-Programm bereitgestellt. Weder die Europäische Union noch die deutsche Bundesregierung allerdings sehen einen Bedarf, sich in Standardisierungsverfahren einzubringen. Besonders in Deutschland ist immer noch die Erinnerung an die unglücklichen Digital-Euphorie der 90er Jahre wach. Damals wurden – subventioniert vor allem von den Bundesländern – überall in Deutschland digitale Postproduktionszentren aus dem Boden gestampft. Allein das Vorhandensein von Immobilien belebte aber vorhersehbarerweise den deutschen Filmmarkt nicht, so dass Prestigeobjekte wie High-Definition Oberhausen (HDO) oder das HTC Babelsberg sich als Investitionsruinen herausstellten.
Anders in China. Das Land erlebt durch die Globalisierung momentan einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung. Durch HighTech-Prestigeprojekte wie den Transrapid soll die neue Bedeutung Chinas demonstriert werden. Auch im Unterhaltungsbereich findet momentan – vom Staat gesteuert – ein technischer Umbruch statt. Da viele Kinos und Multiplexe gerade erst aus dem Boden schießen, bietet es sich hier an, gleich auf Digitaltechnik zu setzen. Durch die enge Verzahnung von Staat und Wirtschaft kann China eigene Standards beim D-Cinema einführen. Der staatliche Monopolist China Film Group (CFG) reglementiert ausländische Importe und steuert Chinas Filmmarkt. Ihr Chief Technical Officer, Chen Fei meint:
Die chinesische Regierung plant, als Pilotprojekt 100 DLP-Projektoren in Kinos zu installieren. Als einer der größten Weltmärkte der kommenden Jahrzehnte ist China aber auch für Hollywood interessant. Einer der Gründe, warum Hollywood einen möglichst hochqualitativen Standard für D-Cinema fordert, ist die Angst, dass China diesen Standard sonst als minderwertig erachten und eigene Standards schaffen könnte.
Das European Digital Cinema Forum (EDCF) soll ebenfalls standardisierend tätig werden. Allerdings ist seine wirtschaftliche und politische Macht sehr gering im Gegensatz zur SMPTE-Arbeitsgruppe. Die Statusreports des EDCF lassen auf wenig Fortschritte schließen. Eine allgemein verbindlicher Standard wird aus diesen Gründen kaum vom EDCF kommen.
Die SMPTE DC 28 ist die D-Cinema Arbeitsgruppe der Society of Motion Picture and Television Engineers. Diese Vereinigung ist in den USA die maßgebende Standes- und Standardisierungsorganisation im Film- und Fernsehbereich. Wegen des internationalen Einflusses der amerikanischen Unterhaltungsindustrie haben die Standards der SMPTE auch in Europa Bedeutung. Die SMPTE DC 28 erarbeitet momentan Standards für die digitale Verwertungskette. Sowohl die Produktionsseite, als auch die Verleihe sind in diesem Gremium vertreten, so dass die Entscheidungen der Arbeitsgruppe mit großer Wahrscheinlichkeit allgemein angenommen werden.
Überraschend großen Einfluss auf den Standardisierungsprozess nimmt allerdings die Digital Cinema Initiative (DCI), ein Zusammenschluss der sieben großen Hollywoodstudios Disney, Fox, MGM, Paramount, Sony, Universal und Warner Bros. Im Februar 2002 gegründet hat die DCI inzwischen eine Spezifikation vorgelegt, die die Anforderungen der Verleihe an die Digitaltechnik beschreibt. Dieses Dokument ging als „Ankündigung“ an die SMPTE DC 28, womit die DCI explizit die SMPTE DC 28 als Standardisierungsgremium stärkt.
Das trifft aber nur auf Low-Budget Produktionen zu. Bei Hollywood-Produktionen machen die Kosten für das Filmmaterial weniger als 1% des Gesamtbudgets aus. Wenn mit Kameras gedreht wird, die eine Filmauflösung von etwa 9 Millionen Pixeln erreichen, dann sind diese im Verleih wesentlich teurer als Filmkameras. Auch muss das Material unkomprimiert in Echtzeit auf Festplatten gespeichert werden um ähnlich gut wie Filmmaterial verarbeitet werden zu können. Das sind riesige Datenmengen. Da hat der 35mm-Film, der auch in der Farbauflösung und im Kontrastumfang dem Video überlegen ist, deutliche Vorteile.
Weitere Einsparungen ergeben sich durch die einfache Möglichkeit, digitale Korrekturen und Ergänzungen vorzunehmen. Auch das Risiko, dass eine Produktion scheitert ist mit digitalen Kameras geringer. Daten können einfach und verlustfrei gesichert werden, wohingegen ein Fehler beim Entwickeln des Films tagelange Arbeit zunichte machen kann. Für die Produzenten erfreulich ist eine sofortige Kontrolle über das Bild, ohne auf die Muster aus dem Kopierwerk warten zu müssen. So können sie direkt am Set die Qualität des Endprodukts beurteilen.
Bei einer Filmproduktion können schon am gleichen Abend, spätestens aber am nächsten Tag die Muster gesichtet werden. Film wird heutzutage zur Bearbeitung digitalisiert. Der Vorteil ist, dass nur die Szenen, die ausgewählt werden in bester Qualität eingescannt werden müssen. Das spart riesige Mengen von unnützen Daten. Die nicht benötigten Szenen sind aber weiterhin verfügbar, da auf Film belichtet. Sie können also jederzeit digitalisiert werden. Am Set kann auch nicht die Endqualität von digitalen Produktionen beurteilt werden, da diese nicht unwesentlich auch von der Nachbearbeitung abhängt. Digitale Bandsysteme sind zudem sehr anfällig. Bei HDV kann es durch Drop-Out genannte Bandfehler zu Bildstörungen von bis zu einer halben Sekunde kommen.
Probleme sieht man darin, dass die Technik noch relativ neu und damit noch nicht ausreichend erprobt ist. Bei Kosten von hunderttausend Dollar für einen Drehtag ist ein technischer Defekt fatal. Videokameras sind wesentlich anfälliger und unsolider verarbeitet als Filmkameras. Bereits die Erwärmung kann zu Bildunschärfen führen, da die Objektivjustierung sich verstellt. Bei jedem Objektivwechsel muss zudem das Objektiv neu justiert werden, was kostbare Zeit kostet. Daher wird meist mit qualitativ weniger hochwertigen Zommobjektiven gedreht. Ohnehin sind die Kamerachips der meisten hochauflösenden Videokameras zu klein. Daher kann die Auflösung nicht genutzt werden, da die Optiken diese hohe Auflösung auf den kleinen Chips gar nicht erreichen können.
Außerdem verursachen digitale Kameras mittelfristig einen größeren Overhead als Filmkameras, da zur Betreuung der Kamera und zur Bedienung der Speichersysteme neue Geräte und Spezialisten erforderlich sind..
Da der Kameramann für die Bildqualität des Filmes verantwortlich ist, riskiert er ungern technische Probleme und Qualitätseinbußen, nur um eine neue Technologie auszuprobieren. Hinzu kommt, dass die Bildauflösung und der Farb- und Kontrastumfang aktueller HD-Kameras noch nicht an 35mm-Film heranreicht.
Als positiv empfunden werden allerdings die neuen kreativen Möglichkeiten, die die digitale Nachbearbeitung bietet. Film wird heutzutage auch meist zur Nachbearbeitung digitalisiert.
Weiter D-Cinema Kameras sind die VIPER von Grass Valley (alias Thomson) mit rund 9 Millionen Bildpunkten Auflösung, und die HDW-F900H von Sony, mit nur 1,67 Millionen Bildpunkten Auflösung. Mit der Viper wurde teilweise Collateral gedreht, mit der Sony einige wenige Einstellungen der Star Wars Episode Die Rache der Sith.
Aus dem Videobereich drängen viele große Elektronikunternehmen wie Sony, JVC oder Panasonic ebenfalls auf den Digital-Cinema-Markt. Diese verfügen über großes Know-How in Sachen Datenverarbeitung, -filterung, -kompression und -speicherung. Momentaner Stand der Technik ist das HD-Format, welches mit einer Auflösung von 1920×1080 Pixeln allerdings nicht den Anforderungen der Verleihe entspricht.
Besonders gefährlich ist die Einführung des D-Cinema für die klassischen Hersteller von Filmmaterial und die Kopierwerke.
Allerdings kostet einer digitaler Kinoprojektor rund 250.000,-- Euro. Ein Filmprojektor hingegen nur rund 50.000,-- Euro. Und der Filmprojektor hält mindesten 50 Jahre. Die Kosten für die Filmkopien betragen keine 5% einer Hollywoodproduktion. Die Kinos bekommen die Kopien kostenlos. Es besteht also wenig Grund für Kinobesitzer auf digitales Kino umzurüsten.
Ein wenig anders sieht es aus bei kleineren Independent- und Filmkunstverleihen. Die digitale Technik böte ihnen, wenn sie flächendeckend verbreitet wäre, die Möglichkeit, zeitgleich in möglichst vielen Kinos gleichzeitig mit ihrem Film an den Start zu gehen. Durch die Kosten der 35mm Kopien werden sie heute oftmals daran gehindert, einheitliche Werbemaßnahmen durchzuführen, da die wenigen Kopien monatelang durch das Land geschickt wurden (die mit Vor-Ort-Aktionen verbunden waren), können die Maßnahmen bei der Herausbringung eines Films zentraler gesteuert und auch mit weniger Personalaufwand gemeistert werden.
Die digitale Technik scheint also von Vorteil für Independent Filmer zu sein. Allerdings ist es heute so, dass auch von Blockbustern nur eine begrenzte Zahl von Kopien für die Kinos gefertigt wird. Kleinere Kinos haben daher nicht die Chance aktuelle Blockbuster zu bekommen. Sie müssen daher oft Independent Programm anbieten. Wenn alle Kinos digitalisiert sein sollten, können die kleinen Kinos auch Blockbuster spielen. Den Independant Filmern droht daher auch ein Verlust von Abspielstätten.
Neue Einnahmequellen könnten dennoch durch E-Cinema erschlossen werden. Mit den digitalen Projektoren können Konzerte, Sportereignisse oder Computerspiel-Turniere gezeigt werden. Auch kontextsensitive Kinowerbung – abhängig von Uhrzeit, Publikum oder Genre des Hauptfilms – ist möglich und würde der Kinowerbung eine neue Dynamik verleihen. Diese Einnahmen werden allerdings sehr langsam wachsen.
Einige wenige Kinos in Deutschland bieten schon jetzt den Kinobesuchern digitales Kinoerlebnis. Zu diesen Vorreitern zählt auch die FILMWELT HERNE. Als eines der ersten Kinos in Nordrhein-Westfalen bietet man den digitalen Kinogenuss in den Kinosälen 5 (280 Sitzplätze) und 1 (100 Sitzplätze).
Auf den Filmfestspielen von Cannes 2006 wurden nun die //www.innenstadtkinos.de EM Filmtheaterbetriebe mit ihren Kinos GLORIA und METROPOL in Stuttgart mit dem //www.digitalcinemawards.com Digital Cinema Award ausgezeichnet. Mit der Vorführung von vier gleichzeitigen digitalen Projektionen (u.a. Star Wars: Episode 3, Sin City, Die Insel und Flightplan) sind die EM Filmtheaterbetriebe zurzeit weltweit führend was den Einsatz von digitaler Projektion anbelangt.
Als Vorteil von digitalem Kino wird angeführt, dass der Bildstand besser sei. 35mm-Bilder "wackeln" ein wenig. 35 mm projiziert aber 24 echte Vollbilder in der Sekunde. Die Bilder sind also auf einmal zu sehen. 16 Bilder in der Sekunde reichen, um eine Bewegung flüssig darzustellen. Zu Beginn des Kinos wurde mit 16 Bildern pro Sekunde gearbeitet. Damit das Bild nicht flackert, wurde die Projektion durch das das Malteserkreuz zweimal unterbrochen, so dass ein Bild 3 mal zu sehen war. Insgesamt waren also 48 Bilder in der Sekunde zu sehen, was einer Frequenz von 48 Hz entspricht. Heute werden die 24 Bilder, die in der Sekunde gezeigt werden, ein mal unterbrochen. Jedes Bild ist also zweimal zu sehen. Auch das ergibt 48 Hz. Bei Video werden die Bilder zeilenweise aufgebaut. Sie wackeln also sozusagen auch. Die Frequenz muss mindestens 96 Hz betragen, damit das nicht gesehen wird. Ein Bild muss also mindestens 3 mal gezeigt werden.
Weiterhin wird als Vorteil angeführt, dass nun der Filmemacher "jedes Pixel unter Kontrolle" habe. Tatsächlich wird in den USA der Hauptumsatz eines Films in den ersten 2 Wochen nach Start erzielt. Daher werden die Kopien so gefertigt, dass sie nur 4 Wochen ohne Qualitätsverlust haltbar sind. In Europa ist das aber nicht der Fall. Die Qualität von Kopien hängt im wesentlichen neben der Erstellung im Kopierwerk von dem Umgang der Filmvorführer mit den Kopien ab. Eine Filmrolle ist zu groß um sie komplett zu transportieren. Daher wird der Film in mehrere kleine Rollen geschnitten und muss vom Filmvorführer erst zusammengesetzt werden. Dadurch und durch defekte Projektoren können Materialschäden entstehen. Durch die Lagerung und den Transport in kleinen Rollen lagert sich zudem etwas Staub in den Rollen ab. Die Filmoberfläche ist aber nur am Anfang und am Ende einer Rolle betroffen. Für kurze Momente ist das gelegentlich sichtbar. Bei digitalem Material gibt es diesen Nachteil nicht. Dafür sind bei digitalem Kino Bildfehler (Artefakte) wie Kamm- und Treppeneffekte, in dunklen Flächen bisweilen ein Pixelrauschen oder gar indifferente Flächen sowie Unschärfen bei Schwenkbewegungen zu beobachten.
Die digitale Projektion wird im Wesentlichen auch durch die Güte des Projektors und dessen Einstellung beeinflusst. Wie zu Hause am Fernseher kann der Vorführer die Schärfe anheben und/oder die Farben und den Kontrast verändern. Der Film bekommt also gegenüber der 35 mm Projektion einen anderen Look. Auch in jedem digitalen Kino wird der Film einen etwas anderen Look haben. Bei 35 mm ist hingegen gewährleistet, dass der Film den Look hat, der von dem Produktionsteam gewünscht ist.
Ein Nachteil der digitalen Projektion ist der, dass der Farb- und vor allem der Kontrastumfang nicht so hoch sind wie beim Film. Auch wenn die Digitaltechnik schon viel aufgeholt hat, in Punkto Bildqualität hinkt sie gegenüber guter analoger Qualität immer noch etwas hinterher. Auch dadurch, dass nun auch die kleine 2k Auflösung zugelassen werden soll, sind für den Kinobesucher gegenüber der 35 mm Projektion eher Nach- als Vorteile zu erwarten, da die Auflösung nach Bildpunkten etwa 6 - 8 mal unter der von 35mm-Film liegt.
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Digitales Kino".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world