Digital Subscriber Line (engl. für Digitale Teilnehmeranschlussleitung; Abk.: DSL, xDSL) bezeichnet verschiedene Techniken, um über zwei bis vier Kupferadern des Telefonnetzes, das heißt die Teilnehmeranschlussleitung, Daten mit hoher Datenübertragungsrate zu übertragen.
Der grundlegende strukturelle Unterschied zwischen DSL- und herkömmlichen Datenverbindungen über analoge Telefonanschlüsse (POTS) oder ISDN besteht darin, dass die eigentliche DSL-Verbindung nicht zwischen zwei Teilnehmern (Endpunkten), sondern nur auf der letzten Meile zwischen Teilnehmer und Vermittlungsstelle aufgebaut wird. Vom DSL-Modem des Kunden kommend wird das analoge DSL-Signal in der Vermittlungsstelle in einem DSL-Multiplexer (DSLAM) demoduliert, digitalisiert und über einen breitbandigen Backbone von der Vermittlungsstelle über einen Konzentrator (DSL-AC, BB-PoP) zum Provider übertragen. Durch die im Vergleich zu einem Kanal im Telefonnetz sehr hohe Übertragungskapazität der Backbone-Anbindung kann die Übertragungskapazität der Teilnehmeranschlussleitung (TAL) besser ausgenutzt werden als bei analoger oder ISDN-Datenübertragung. Dies geschieht durch verbesserte Modulationsverfahren und die Nutzung einer größeren Bandbreite (vgl. unten).
DSL-Verbindung (vereinfacht): Kunde Vermittlungsstelle Provider TAL DSL-Modem
Während ISDN in erster Linie für die Telefonie mit zwei Amtsleitungen genutzt wird, ist ADSL die erste Technologie, die Netzbetreiber für den schnellen Internet-Zugang von Privatkunden installiert haben. SDSL ist für beide Bereiche geeignet und kommt hauptsächlich für Geschäftskunden zum Einsatz. ISDN hat somit im Privatkundenbereich einen Konkurrenten durch DSL erhalten.
Die Tendenz geht dahin, mehrere Dienste über eine einzige Doppelader übertragen zu können – idealerweise das Triple Play aus Telefonie (siehe DSL-Telefonie), Internet-Zugang und Video (siehe auch Line-Sharing).
Ursprünglich wurde unter dem Begriff Digital Subscriber Line die Übertragungstechnik für den Basisanschluss von ISDN verstanden, das heißt das Echokompensationsverfahren. Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre wurden digitale Signalprozessoren mit sehr hoher Rechenleistung verfügbar, welche neue – heute als DSL bekannte – Verfahren ermöglichten. Das erste DSL-Verfahren, das mit diesen Bausteinen entwickelt wurde, war HDSL. Normungsorganisationen in Amerika (ANSI) und Europa (ETSI) begannen damals sofort damit, diese Technik zu standardisieren, um sie in großem Maßstab für Standleitungen einzusetzen. Es gab wichtige Randbedingungen: Es sollten die bereits für Telefonie verlegten Kupfer-Doppeladern verwendet werden, es sollten in den USA eine Bitrate von 1,544 Mbit/s (T1), in Europa 2,048 Mbit/s (E1) erreicht werden, es sollte eine Reichweite von 3 bis 4 km erzielt werden. HDSL wurde standardisiert und wird stellenweise bis heute für Standleitungen verwendet. HDSL wurde inzwischen weitgehend von SHDSL abgelöst, welches nur ein Aderpaar (eine Doppelader) benötigt und weniger Strom verbraucht, aber nicht an die Reichweite von HDSL (mit Signalregeneratoren) heranreicht.
In den 1990er Jahren wurde eine Reihe weiterer DSL-Verfahren entwickelt. ADSL war, nach HDSL, das erste dieser neu zur Verfügung stehenden Verfahren. Als der Internet-Verkehr so hohe Wachstumsraten aufzuweisen begann, dass der Ausbau der Netze kaum mehr mit dem wachsenden Bedarf an Bandbreite Schritt halten konnte, sollten nicht nur die Backbones ausgebaut werden, sondern auch den Benutzern höhere Übertragungsgeschwindigkeiten geboten werden. Das inzwischen verfügbare ADSL wurde als Technik für den Hochgeschwindigkeitszugang zum Internet ausgewählt und weltweit von vielen Netzbetreibern im Telefonnetz zugelassen.
In Deutschland wurde die Bezeichnung DSL zunächst als Synonym für einen breitbandigen Internetzugang über ADSL bekannt, sodass inzwischen auch andere breitbandige Internetzugänge (zum Beispiel über Satellit) als „DSL“ vermarktet werden. In der Schweiz gibt es dagegen klare Abgrenzungen; so wird in der Schweiz der Begriff ADSL verwendet und gilt nicht als Synonom für andere breitbandige Internetdienste. Die DSL-Techniken wurden jedoch auch für andere Anwendungen als den Internetzugang konzipiert. Ursprünglich verwendet für Standleitungen, die keine hohe Stückzahl haben, waren Internetzugänge die erste Massenanwendung. Besonders Video-Anwendungen sollen künftig über fortgeschrittene DSL-Techniken mit hoher Datenübertragungsrate neue Märkte erschließen.
Seit Ende 2005 neu auf dem Markt ist ADSL2+. Bei diesem Standard werden derzeit 20 Mbit/s angeboten (Stand März 2006).
Weltweit stieg die Zahl der ADSL-Anschlüsse von 58 Mio. im Jahr 2003 auf 115 Mio. im Herbst 2005. Im Zeitraum April 2005 bis Ende 2005 wuchs deren Zahl um 43 Millionen auf über 150 Millionen weltweit.
In Deutschland meldete die Bundesnetzagentur zum Ende des Geschäftsjahres 2005 eine Steigerung der Anzahl von ADSL-Anschlüssen auf 10,4 Millionen. 72 % davon wurden von der Deutschen Telekom installiert, wovon allerdings ein Teil im Wege des Resale von anderen Netzbetreibern vermarktet wurde.
Weltweit gab es nach der Studie von Point Topic im zweiten Quartal 2005 176,3 Mio. Breitbandanschlüsse, wovon 65 % DSL-Anschlüsse sind, 35 % Kabelanschlüsse. Die meisten Breitbandanschlüsse gibt es der Studie zufolge in den USA mit 38,2 Millionen Anschlüssen, gefolgt von China mit 30,8 Millionen und Japan mit 20,7 Millionen. Der am schnellsten wachsende Breitbandmarkt ist die Türkei vor Argentinien und Indien.
Gemessen an der Anzahl der DSL-Anschlüsse liegt Deutschland knapp vor Frankreich an der Spitze der europäischen Staaten. Im Verhältnis zu den vorhandenen Telefonanschlüssen schneidet Deutschland jedoch schlechter ab, was u.a. an der weiten Verbreitung von ISDN liegt, und liegt weltweit nur auf Platz 19: Auf 1000 Telefonanschlüsse kommen hierzulande 139 ADSL-Anschlüsse (unbekannte Quelle), wobei allerdings die Bürotelefone mitgezählt wurden. Auch der Ausbau der ostdeutschen Gebiete mit Glasfaser (OPAL) ist für die Installation von DSL hinderlich. In der Schweiz ist ADSL auf Grund des Kabel-Internets, welches etwa die gleiche Verbreitung hat wie ADSL, nicht so populär wie in Deutschland.
Ob DSL an einem Standort verfügbar ist, liegt im Wesentlichen an folgenden Faktoren:
Da in ganz Europa und insbesondere in Deutschland DSL nicht überall verfügbar ist, erhalten alternative Zugangsarten Zulauf, zum Beispiel Internetzugang über Satellit oder Wi-Fi. Auf dem Internetportal kein-dsl.de treffen Betroffene aus unversorgten Gebieten zusammen. Die Initiative gegen digitale Spaltung geteilt.de fordert ein Grundrecht auf einen breitbandigen Internetanschluss und Wiedereinführung einer Schmalbandflatrate in nicht-DSL-versorgten Gebieten.
Es gibt verschiedene Arten von DSL-Techniken, die unter der Bezeichnung „DSL“ oder „xDSL“ (x als Platzhalter für das spezifische Verfahren) zusammengefasst werden:
Es gibt einige Faktoren, die die Reichweite beziehungsweise die erzielbare Datenübertragungsrate für eine Kupferleitung beeinträchtigen. Vor allem sind die Länge der Leitung und der Durchmesser der Kupferadern der Leitung entscheidend. Die in Deutschland verlegten Kupferadern haben einen Durchmesser zwischen 0,25 bis 0,8 mm, je nach Länge der Leitung. Für lange Leitungen, das heißt Leitungen von 6 km Länge und mehr, werden die dickeren Kupferadern verwendet. Zu den Störfaktoren gehört besonders das Übersprechen. Um zu verhindern, dass durch Übersprechen benachbarte Doppeladern in einem Kabelbaum von einer DSL-Übertragung beeinträchtigt werden, werden in der Regel nicht alle Doppeladern eines Kabelbaums mit DSL-Anschlüssen beschaltet.
Bei der neuen IFC-Technik (Interference Cancellation) sollen in Echtzeit Übersprechstörungen analysiert und durch gezielte Kompensationssignale ausgeglichen werden. Siehe *
Generell gilt: Je weiter ein Teilnehmer von der Vermittlungsstelle entfernt ist, desto niedriger ist die maximal erzielbare Datenübertragungsrate. Die Bedingung für die Verfügbarkeit von DSL ist eine geringe Dämpfung der Teilnehmeranschlussleitung (gemessen in dB) – je niedriger diese ist, desto höher die maximale Datenübertragungsrate.
Faktoren, die die Datenübertragungsrate beeinflussen, sind:
Dämpfungsgrenzen bei T-DSL:
Für FastPath je 4 dB weniger beziehungsweise 3 dB weniger bei 6016 kbit/s
Dämpfungsgrenzen bei Arcor:
Die Dämpfung stellt die Minderung der übertragenen Energie eines Signals im Verlauf einer Übertragungsstrecke dar und ist somit ein entscheidender Wert für DSL. Ist die Dämpfung zu hoch, kann kein oder nur ein langsameres DSL geschaltet werden. Daraus resultieren verschiedende Dämpfungsgrenzen, bis zu welcher Dämpfung eine gewisse DSL-Geschwindigkeit geschaltet werden kann.
Für den DSL-Zugang werden folgende Hardwarebauteile benötigt:
Dazu können, je nach technischer Realisierung, weitere Komponenten, wie RADIUS-Server für die Benutzeranmeldung und Benutzerverwaltung und das Billing (Verbrauchsdatenspeicherung zum Zwecke der Rechnungserstellung), oder Splitter zur Abtrennung von ISDN-/POTS-Signalen kommen. Im erweiterten Sinne gehört auch noch der PC oder der Router des Kunden zu den DSL-Komponenten, da auf diesen gegebenenfalls die PPPoE-Strecke des DSL-AC terminiert.
Schnittstellen und Spezifikationen für DSL-Technologien sind beispielsweise:
Protokolle für ADSL-Technologien sind beispielsweise:
DSL-Anbieter in Deutschland (Marktanteile aus dem Sommer 2005 in Klammern):
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