Digital Radio Mondiale (DRM) (weltweiter Digitalrundfunk) ist digitaler Rundfunk auf der Lang-, Mittel- und Kurzwelle. Er umfasst vor allem Hörfunk, aber auch Datendienste und Amateurfunk. Eine Weiterentwicklung ist DRM+ als Übertragungsstandard für Frequenzen über 30 MHz, somit auch für UKW.
Das DRM-Projekt wurde im September 1996 bei einem informellen Treffen einiger großer internationaler Rundfunkanstalten in Paris aus der Taufe gehoben. Vertreten waren Radio France Internationale, TéléDiffusion de France, Deutsche Welle, Voice of America und Thomcast (neu: Thales).
Die offizielle Gründung erfolgte am 5. März 1998 in Guangzhou, China.
Die Deutsche Welle sendet rund um die Uhr für Europa über Sendeanlagen in Jülich, Wertachtal und Sines (Portugal) in DRM. Zudem sendet RTL Radio von Luxemburg aus über die Mittelwelle 1.440 kHz und Kurzwelle 6.095 KHz im DRM-Modus. Seit Mai wird auch der KW-Sender Ismaning des Bayerischen Rundfunks auf 6.085 kHz ausschließlich digital betrieben. Zahlreiche internationale Stationen testen bzw. nutzen bereits DRM.
Das digitale DRM bietet eine bessere Tonqualität als die analoge Amplitudenmodulation (AM) auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle, die gegenwärtig noch fast alle Stationen nutzen.
Vorteile von DRM gegenüber AM:
Für eine 24-Stunden-Versorgung eines großen Sendegebietes sind ständige Frequenzwechsel nötig. Die DRM-Technik bietet Voraussetzungen, diesen Vorgang im Empfänger zu automatisieren. Inwieweit die Empfänger dies unterstützen, bleibt abzuwarten.
Durch die stark schwankenden Ausbreitungsbedingungen auf Kurzwelle kann es allerdings zu Ausfällen kommen, die im Einzelfall über mehrere Stunden anhalten. Eine flexible Frequenzplanung kann diese minimieren.
Ein großes Sendegebiet ist nicht nur von Vorteil: da der Frequenzbereich beschränkt ist und damit die Anzahl der Sender beschränkt ist, kann nur eine sehr kleine Anzahl von Sendern in ganz Europa Kurzwelle zur Ausstrahlung nutzen, d.h. pro Land nur etwa ein Dutzend Sender.
Diese Frequenzen unterscheiden sich je nach Helligkeit. Tagsüber ist auf Mittelwelle nur regionale Versorgung möglich. Auf Langwelle reichen die Signale tagsüber bis ca. 500 km.
Bei Dunkelheit ist auf einer freien Frequenz auf MW und LW europaweiter Empfang möglich.
Gegenwärtig rüstet die T-Systems im Auftrag von Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur mehrere Mittelwellen- und Langwellensender für DRM um. Der Zeitpunkt der Umschaltung soll von den Sendeanstalten festgelegt werden.
Für die lokale Versorgung laufen experimentelle Tests im 26-MHz-Kurzwellenband. Auf diesen Frequenzen könnten zwar unter bestimmten Bedingungen Distanzen von mehreren 1000 Kilometern überbrückt werden. Für DRM ist allerdings zunächst vorgesehen, mit kleinen Sendeleistungen regionale Gebiete zu versorgen.
Das DRM-Konsortium will zudem den Übertragungsmodus für Frequenzen über 30 MHz als DRM+ weiterentwickeln. Dieser Bereich ist ausschließlich für die lokale Versorgung geeignet. Die klanglichen Einschränkungen der Mittel- und Kurzwelle entfallen hier, vielmehr ist die Klangqualität dem etablierten DAB-System weit überlegen. Denn bei höheren Bandbreiten sind Datenraten von 100 bis 300 kbps möglich, die sich von CD-Qualität kaum unterscheiden. Damit positioniert sich DRM als Alternative zum digitalen Radiostandard DAB.
Vorteile von DRM+ gegenüber DAB:
Nachteile:
Über die Kosten streiten sich die Experten. Eine Studie der European Broadcasting Union kommt zwar zu dem Schluss, dass DAB das günstigere System sei. Das englische Internetangebot Digitalradiotech.co.uk dokumentiert jedoch gravierende Rechenfehler in dieser Studie und sieht einen deutlichen Vorteil für DRM+, auch im Vergleich zu den anderen neuen digitalen Modulationsarten DMB, DVB-T und DVB-H.
Alle diese Systeme sind auch in der Lage, Fernsehbilder in z. T. geringer Qualität zu übertragen.
Auf welchen Frequenzen DRM+ zum Einsatz kommt, ist noch unklar. Im Gespräch ist das Band I, in dem gegenwärtig nur wenige Fernsehsender aktiv sind. Theoretisch könnten auch UKW-Programme digital ersetzt werden. Einer der ersten Tests hierfür hat 2006 in Hannover auf der UKW-Frequenz 95,2 MHz begonnen.
Derzeit (Stand 4/06) sind wenige Empfänger verfügbar drm-national: DRM Empfänger im Handel .
Die Firma Texas Instruments hat inzwischen einen Chip entwickelt, der sowohl DRM als auch DAB dekodieren kann. Auf dieser Basis könnten 2006 digitale Universalempfänger in Serie gehen. Zu erwarten sind Preise von zunächst deutlich über 100 Euro. Abzuwarten bleibt, ob diese viele Abnehmer finden.
Erst wenn viele DRM-Empfänger verbreitet sind, lohnt sich für Radiostationen die Ausstrahlung. Das gilt auch für alle anderen digitalen Modulationsarten. Jedoch ist die Reichweite in diesem Frequenzspektrum sehr hoch, so dass nur wenige Sendemasten notwendig sind, um ganz Europa abzudecken, die Kosten also sehr gering sind.
Seit Oktober 2006 stehen DRM-Empfänger in nennenswerter Stückzahl zur Verfügung. rein-hoeren.de: " ... die Serienfertigung des DRM-40 nunmehr angelaufen sei und ab Oktober 2006 endlich ein ordentlichen Tischradio in nennenswerter Stückzahl zur Verfügung stehen soll."
Ebenso wie bei Digital Audio Broadcasting (DAB) oder Digital Video Broadcasting-Terrestrial (DVB-T) wird bei DRM das Übertragungsverfahren OFDM (Orthogonal Frequency-Division Multiplexing) mit QAM als Modulationsverfahren verwendet.
Als Audiokompressionsverfahren kommt Advanced Audio Coding (AAC), CELP oder HVXC zum Einsatz.
Auf Kurzwelle sind
Bandbreite vorgesehen.
Daneben sind noch Übertragungen mit
Im Amateurfunk wird seit kurzem ein modifiziertes DRM mit 2,5 kHz Bandbreite benutzt, um die IARU-Bandpläne einhalten zu können, siehe HamDream. Dabei wird aufgrund der sehr geringen Bandbreite als Audiokompressionsverfahren Speex oder Linear Predictive Coding verwendet.
| Modus | Trägerabstand (Hz) | Anzahl der Träger | Symboldauer (ms) | Schutzintervall (ms) | Symbole pro Rahmen | Datenrate | Robustheit gegen Doppler und Mehrwegeausbreitung | |||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 9 kHz | 10 kHz | 18 kHz | 20 kHz | |||||||
| A | 41,66 | 204 | 228 | 412 | 460 | 26,66 | 2,66 | 15 | ++ | -- |
| B | 46,88 | 182 | 206 | 366 | 410 | 26,66 | 5,33 | 15 | o | - |
| C | 68,18 | * | 138 | * | 280 | 20,00 | 5,33 | 20 | - | o |
| D | 107,14 | * | 88 | * | 178 | 16,66 | 7,33 | 24 | -- | ++ |
Modus B findet in letzter Zeit immer häufiger im Amateurfunk Verwendung.
Die Tabelle zeigt typische Bitraten in den jeweiligen Modi und Schutzklassen bei der Verwendung von EEP (equal error protection) in kbit/s.
| Schutzklasse | Modus / Bandbreite / QAM-Modus | Robustheit | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| A | B | C | D | |||||||
| 9 kHz | 10 kHz | |||||||||
| 64-QAM | 16-QAM | 64-QAM | 16-QAM | 64-QAM | 16-QAM | 64-QAM | 16-QAM | 64-QAM | ||
| 0 | 19,6 | 7,6 | 15,2 | 11,6 | 17,4 | 9,1 | 13,7 | 6,0 | 9,1 | ++ |
| 1 | 23,5 | 10,2 | 18,3 | 14,5 | 20,9 | 11,4 | 16,4 | 7,5 | 10,9 | o |
| 2 | 27,8 | - | 21,6 | - | 24,7 | - | 19,4 | - | 12,9 | - |
| 3 | 30,8 | - | 24,0 | - | 27,4 | - | 21,5 | - | 14,3 | -- |
Beim überwiegenden Teil der DRM-Sendungen wird heutzutage Modus A oder B in der Schutzklasse 1 verwendet, wobei Modus B am häufigsten auf Kurzwelle anzutreffen ist.
Lediglich diese beiden A und B Modi erlauben mit ihren Bitraten um ca. 20 kbit/s bei einfacher Kanalbandbreite (9/10kHz) die häufig in der Öffentlichkeit gepriesene UKW-nahe Audio-Qualität. Durch die Verwendung von AAC in Verbindung mit der sog. "Spectral Band Replication" (kurz: SBR) erreicht man eine Audio-Bandbreite von 15 kHz (ab 22 kbit/s) bei einem Bandbreitenbedarf von lediglich 9 oder 10 kHz im Funkfrequenz-Spektrum. Allerdings klingen die Spektralanteile zwischen 6 und 15 kHz auch für das ungeübte Ohr etwas synthetisch.
Die Modi C und D dienen momentan nur der Vorführung des Verhältnisses aus Unempfindlichkeit gegenüber Fading-Effekten und der erreichbaren Bitrate.
Die Audio-Qualität der Modi C und D ist bei Verwendung von AAC relativ bescheiden und nur wenig besser, als die herkömmlicher AM-Sendungen. Wird zudem noch eine hohe Schutzklasse eingesetzt, kann sie sogar als schlechter empfunden werden, als die analoger Aussendungen, weil die Art der Störungen ungewohnt ist. Auch wenn dieser Punkt die letzten beiden Modi zunächst unattraktiv erscheinen lässt, gilt dennoch (bei ausreichendem Rausch- und Störsignalabstand) wie bei allen digitalen Rundfunksenungen im Bezug auf die Ton(Bild)-Qualität: Sendersignal = Empfangenes Signal, der Ton ist also frei von Rauschen, Knacken und Pfeifen. Zudem kann zusammen mit einem der für DRM standardisierten Sprachencoder (HVXC und CELP) eine gute bis sehr gute Sprachqualität erreicht werden, so dass diese Moden zumindest für Informationsprogramme durch ihre Robustheit wieder attraktiv sein können.
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