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Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann ist eine Erzählung von Heinrich Böll, die von Volker Schlöndorff verfilmt wurde. Böll verarbeitet in der Erzählung seine Erfahrungen einer Hetzkampagne der Bild. Die Erzählung ist sein Beitrag zur Gewaltdebatte. Im Oktober 1974 erklärte Böll in einem Interview: „Die Gewalt von Worten kann manchmal schlimmer sein als die von Ohrfeigen und Pistolen.“ In der Erzählung wird, am Beispiel der Normalbürgerin Katharina Blum, der Machtmissbrauch der Boulevardpresse angeprangert. Literarisch liegt eine Nähe zu Friedrich Schillers Der Verbrecher aus verlorener Ehre vor.

Inhalt


Kurzbeschreibung

Am Abend vor Weiberfastnacht des Jahres 1974 veranstaltet Else Woltersheim, die Patentante der Titelfigur, eine Karnevalsfeier, zu der auch die Haushälterin Katharina Blum und der wegen Raubmordes gesuchte Ludwig Götten kommen. Die 27 Jahre alte Katharina verliebt sich Hals über Kopf in den Schwerverbrecher, ohne über seine Taten Bescheid zu wissen. Sie verbringen gemeinsam die Nacht in Katharinas Wohnung. Am nächsten Tag stürmt die Polizei, die Götten beschattet hat, das Gebäude. Als Katharina allein angetroffen wird, weil sie Götten in der Nacht zur Flucht verholfen hatte, wird sie vom ermittelnden Kriminalkommissar Beizmenne vorläufig festgenommen.

Die ZEITUNG (eine Anspielung auf die vom Axel Springer Verlag publizierte Bild) behandelt den Fall ausführlich und stellt Katharina als Schwerverbrecherin und „Flittchen“ hin. Sie behauptet, Katharina habe Götten schon seit Jahren gekannt, und bringt gelegentliche „Herrenbesuche“ mit Orgien von Kriminellen in Verbindung. Ihre für ihr Alter außerordentlich gute Vermögenslage (eigenes Auto, Eigentumswohnung) heizt die Vermutungen, sie habe mit dem Bankräuber und Deserteur Götten gemeinsame Sache gemacht, weiter an. In Recherchen und Interviews verdreht die ZEITUNG Aussagen von Personen, die Katharina kennen, um sie in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen. Die zu Beginn gesellschaftlich voll integrierte junge Frau wird so zu einer verachteten Außenseiterin.

Als Werner Tötges, ein Journalist der ZEITUNG, Katharinas kranke Mutter im Krankenhaus aufsucht und sie mit den Vorwürfen gegen ihre Tochter konfrontiert, stirbt diese in der Nacht. In der gleichen Nacht wird auch Ludwig Götten im Landhaus von Alois Sträubleder, zu dem Katharina einen Schlüssel hatte, verhaftet. Katharina Blum verzweifelt an ihrer Situation und ermordet bei einem von ihr freiwilli angebotenen Interview den Journalisten Tötges. Nach stundenlangem Herumirren in der Stadt stellt sie sich selbst einem Polizisten an dessen Wohnungstür und wird daraufhin verhaftet.

Rezeption


Verfilmung

Die Erzählung wurde für das Theater bearbeitet und 1975 von Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta in einem 102 Minuten langen Film verfilmt. Musik: Hans Werner Henze.

Allgemeines

Die Finanzierung des 1,7 Millionen DM teuren Films kam wie folgt zustande: 500.000 DM zahlte der WDR, 500.000 DM eine Koproduktion von Paramount Orion, ein 300.000 DM hohes Darlehen von der Filmförderungsanstalt (Es wurde durch das Einspielergebnis zurückgezahlt). Der noch fehlende Betrag von etwa 400.000 DM wurde vom Produzenten beglichen (Eigenbeteiligung).

Der Film feierte am 10. Oktober 1975 Premiere in neun Kinos der Bundesrepublik Deutschland und wurde erstmals am 18. Mai 1978 in der ARD gezeigt. Anfang Oktober 1975 wurde der Film auf dem New Yorker Filmfestival gezeigt und kam anschließend in andere Kinos der Vereinigten Staaten. 1977 lief er in 30 Moskauer Filmtheatern, danach in (fast) allen Großstädten der Sowjetunion.

Es ist noch zu erwähnen, dass der Film ein anderes Ende als Bölls Roman hat. Während das Buch mit der Inhaftierung Katharina Blums endet, ist im Film schließlich die Beerdigung des erschossenen Journalisten zu sehen. Eine besondere Ironie liegt darin, dass in der (von Heinrich Böll verfassten) Grabrede der Chef des Verlags, der die ZEITUNG veröffentlicht, die Tat Katharina Blums als „Angriff auf die Pressefreiheit“ bezeichnet und man erklärt, dass man derartigen Angriffen künftig stärker entgegenwirken müsse. Die Wirkung des Böll-Manuskripts sollte auf diese Weise noch verstärkt werden. Der Film endet mit einer Parodie des üblichen „Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht absichtlich“: „Gewisse Ähnlichkeiten mit den Praktiken der Bild-Zeitung sind weder absichtlich noch zufällig, sondern schlichtweg unvermeidlich.“

Auszeichnungen

Der Verfilmung wurde eine Vielzahl von Auszeichnungen verliehen, unter anderem:

Angela Winkler erhielt folgende Preise:

  • Filmband in Gold (Bundesfilmpreis)
  • Kritikerpreis 1975 der Sparte Darstellung der Titelfigur

Jost Vacano erhielt als Kameramann ebenso das Filmband in Gold (Bundesfilmpreis).

Bühnenbearbeitung und Oper

Margarethe von Trotta führte im Mai 1976 das Stück nach der Erzählung von Heinrich Böll an der Werkstattbühne des Bonner Stadttheaters auf.

Im Gegensatz zum Film (s.o.) bekam diese Rezeption jedoch wesentlich mehr negative Kritiken.

Am 20. April 1991 wurde am Stadttheater Bielefeld Tilo Medeks Katharina Blum. Oper in fünf Tagen und einem Nachspiel uraufgeführt. Das Libretto stammt von Dorothea Medek, der Ehefrau des Komponisten. Das Echo der Kritik war überwiegend negativ.

Literatur


Der Text der Erzählung liegt als dtv-Taschenbuch vor.

Forschungsliteratur

  • Werner Bellmann: Heinrich Böll. Die verlorene Ehre der Katharina Blum. In: Erzählungen des 20. Jahrhunderts. Interpretationen. Bd. 2. Reclam, Stuttgart 1996. S. 183-204. ISBN 3-15-009463-1

  • Hanno Beth: Rufmord und Mord: die publizistische Dimension der Gewalt. Zu Heinrich Bölls Erzählung Die verlorene Ehre der Katharina Blum. In: Hanno Beth (Hrsg.): Heinrich Böll. Eine Einführung in das Gesamtwerk in Einzelinterpretationen. 2., überarb. Aufl. Königstein (Ts.) 1980. S. 69-95.

  • Klaus Jeziorkowski: Die verlorene Ehre der Katharina Blum. In: Heinrich Böll. Romane und Erzählungen. Hrsg. von Werner Bellmann. Reclam, Stuttgart 2000. (Literaturstudium: Interpretationen.) S. 249-267.

  • Hanjo Kesting: Katharina Blum. Eine Romanfigur und ihre Kritiker. In: die horen 25 (1980) Heft 120. S. 86-97.

  • Juliane Köster: Katharina Blum - die fremde Freundin. Über Identifikation als Erkenntnismittel. In: Diskussion Deutsch 19 (1988) Heft 103. S. 606-621.

  • Anette Petersen: Die Rezeption von Bölls "Katharina Blum" in den Massenmedien der Bundesrepublik Deutschland. Kopenhagen/München 1980.

  • Eberhard Scheiffele: Kritische Sprachanalyse in Heinrich Bölls Die verlorene Ehre der Katharina Blum. In: Basis. Jahrbuch für deutsche Gegenwartsliteratur 9 (1979) S. 169-187 und 268f.

Es gibt sehr viele deutsch- sowie auch englischsprachige Forschungsliteratur zu Bölls Werk; sie zu nennen, sprengte den Rahmen.

Daneben gibt es eine intensive journalistische Rezeption; zu nennen sind besonders Kritiken im Nachrichtenmagazin Der Spiegel und in diversen Zeitungen des Ruhrgebietsraum.

Letzten Endes existiert auch noch eine ganze Menge didaktisch orientierter Publikationen; es handelt sich weitgehend um Zusammenfassungen von anderer (Forschungs-)Literatur, die zum Teil durchaus lesenswert sind.

Weblinks


Literarisches Werk | Literatur (20. Jh.) | Literatur (Deutsch) | Erzählung | Filmtitel | Filmtitel 1975 | Literaturverfilmung

The Lost Honour of Katharina Blum | Die verlorene Ehre der Katharina Blum | Katharina Blums tapte ære

 

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