Die Vögel (1963) ist ein Horrorfilm von Alfred Hitchcock, basierend auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Daphne du Maurier.
Am nächsten Tag kommt es bei der Geburtstagsfeier von Mitchs kleiner Schwester zu einem Angriff von Vögeln. Zu Hunderten stürzen sie sich auf die Kinder herab und hacken ihnen auf Köpfe und Gesichter. Später am Abend dringen ganze Scharen von Vögeln durch den Kamin im Haus der Brenners ein. Bei dem Besuch eines Nachbarn entdeckt Mrs. Brenner am nächsten Morgen das erste Todesopfer der Vögel: Die Leiche des Farmers liegt mit ausgehackten Augen im Schlafzimmer.
Im weiteren Verlauf des Films häufen sich die Angriffe der Vögel und nehmen an Aggressivität zu. Annie wird bei dem Versuch Mitchs Schwester zu retten, von Vögeln getötet. Geschockt verbarrikadieren sich die Brenners in ihrem Haus, doch die zugenagelten Türen und Fenster bieten kaum ausreichend Schutz. Bei einem Angriff auf dem Dachboden kommt Melanie beinahe zu Tode. Da Melanie ärztliche Hilfe braucht und die Lage im Haus aussichtslos geworden ist, machen sich die Protagonisten gemeinsam auf den Weg nach draußen. Dort bietet sich ihnen ein apokalyptisches Bild: die gesamte Landschaft ist voll von abertausenden, wartenden Vögeln. Langsam fahren sie einem ungewissen Ende entgegen.
Hitchcock war es wichtig, niemals im Film zu erklären, warum die Vögel die Menschen angreifen. Trotzdem gibt der Film einige wenige Anhaltspunkte zum Verständnis. So wird etwa in einer Radiomeldung erwähnt, dass sich die Angriffe der Vögel um Bodega Bay herum konzentrieren. Eindeutig ist auch, dass sie in etwa zeitgleich mit dem Auftauchen Melanies in Bodega Bay beginnen (wenngleich bereits vor der Zoohandlung in San Francisco Vögel auffällig den Himmel bedecken - auch hier in unmittelbarer Nähe Melanies). Eine hysterisch auftretende Frau in einem Restaurant in Bodega Bay macht denn auch tatsächlich Melanie für die Vogel-Angriffe verantwortlich und bezeichnet sie als „Hexe“.
Robin Wood (Hitchcock's Films, S. 116) schlägt drei Lesarten der Vögel vor: eine „kosmologische“, eine „ökologische“ und eine „familiale“.
In der kosmologischen Lesart wären die Vögel die Verkörperung eines unauflösbaren chaotischen Rests in der Ordnung des Universums, die in sich prekär ist und jederzeit aus dem Gleichgewicht geraten kann. In diesem Sinne interpretiert der psychoanalytisch orientierte slowenische Philosoph Slavoj Žižek die Vögel auch als Verkörperung des Lacan'schen „Realen“: als eine von außen in die Wirklichkeit hereinbrechende, traumatische Erscheinung jenseits der Kausalität und des durch Denken und Sprache Begreifbaren (vgl. Žižek: Liebe Dein Symptom wie Dich selbst!, Berlin: Merve Verlag 1991, S. 57).
In der ökologischen Lesart stünden die Vögel für die Rache einer durch die Menschen ausgebeuteten Natur. Darauf deutet auch die Szene in der Zoohandlung hin, in der alle Tiere in Käfigen eingesperrt sind. Andererseits sind gerade die zwei eingesperrten Zuchtvögel, die Melanie als Geschenk für Mitchs Schwester nach Bodega Bay mitbringt, den ganzen Film hindurch völlig friedlich.
In der familialen Lesart schließlich sind die intersubjektiven Beziehungen der Protagonisten der Schlüssel zum Verständnis der Vögel. Die Vögel verkörpern demnach „den tiefen Mißklang, die Störung, das Entgleisen dieser Beziehungen.“ (Žižek, Warum greifen die Vögel an?, S. 182 f.) Für diese Interpretation spricht die im Film mehrmals explizit psychologisch thematisierte ödipale Dimension des Verhältnisses zwischen Mitch, seiner Mutter und Melanie, die auch durch entsprechend inszenierte Dreiecks-Szenen am Ende des Films (Fluchtszene) angedeutet wird. „Die Vögel sind in dem Film wie die Plage in Ödipus’ Theben: Die Inkarnation einer tiefen Störung der familiären Beziehungen - der Vater ist abwesend, die väterliche Funktion (die Funktion des befriedenden Gesetzes, der Name-des-Vaters) ist außer Kraft gesetzt. Dieses Vakuum füllt das ‚irrationale‘ mütterliche Über-Ich, das tyrannisch und boshaft jede ‚normale‘ sexuelle Beziehung verhindert.“ (Žižek, Warum greifen die Vögel an?, S. 183 f.) Am Ende, als Mitchs Mutter ihre Konkurrentin endlich akzeptiert (die Szene im Auto) und ihren Sohn "freigegeben" hat, greifen die Vögel denn auch nicht mehr an.
Žižek stellt den Film in eine Reihe mit zwei weiteren zeitnah entstandenen Filmen Hitchcocks, in denen ebenfalls Vögel eine bedrohliche Rolle spielen: In Der unsichtbare Dritte wird der Protagonist von einem Flugzeug („Stahlvogel“) aus der Luft angegriffen, und in Psycho ist das Zimmer des Mörders Norman Bates mit ausgestopften Vögeln angefüllt. (Žižek, Warum greifen die Vögel an?, S. 183)
Der Film verzichtet auf die Untermalung durch einen musikalischen Soundtrack im herkömmlichen Sinne. Stattdessen ließ Hitchcock, unter Aufsicht seines bevorzugten Komponisten Bernard Herrmann, den Film von dem deutschen Komponisten Oskar Sala auf dessen Trautonium mit Montagen elektronischer Vögelklänge und Geräuscheffekte unterlegen. Dies macht den Film auch musikwissenschaftlich zum Meilenstein. Im Film ist keine einzige natürliche Vogelstimme zu hören.
Die 1952 erschienene Kurzgeschichte Daphne du Mauriers spielt in Großbritannien und hat wenig mit dem Film zu tun. Einzig das Motiv der angreifenden Vögel wurde als Basis übernommen. Auch Hitchcocks Filme Rebecca und Riff-Piraten beruhen auf Werken Du Mauriers.
Der Film wurde in der Kategorie Spezialeffekte für einen Oscar nominiert. Tippi Hedren erhielt für ihre schauspielerische Leistung in diesem Film den Golden Globe als vielversprechendste Newcomerin des Jahres 1964. Sie teilte sich diesen Preis mit Ursula Andress und Elke Sommer.
Wie in fast jedem seiner Filme hat Alfred Hitchcock auch in Die Vögel seinen obligatorischen Cameo-Auftritt. Er kommt ganz zu Anfang des Films mit Hunden an der Leine aus der Zoohandlung, in der sich Melanie Daniels und Mitch Brenner kennenlernen.
Filmtitel | Filmtitel 1963 | US-amerikanischer Film | Horrorfilm | Literaturverfilmung
The Birds (film) | Los pájaros | Linnut (elokuva) | Les Oiseaux (Hitchcock) | Madarak | Fuglarnir (The Birds) | Gli uccelli | Птицы (фильм) | Fåglarna (film) | Ptice (1963) | The Birds (filme)
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