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Die Spur des Falken ist ein US-amerikanischer Kriminalfilm aus dem Jahr 1941. Er gilt als Detektivfilm-Klassiker und markiert den meisten Filmhistorikern zufolge den Beginn der klassischen Ära des Film Noir bzw. der Schwarzen Serie. John Huston schrieb das Drehbuch und führte Regie.

Hustons Regiedebüt war bereits die dritte Verfilmung des gleichnamigen Romans von Dashiell Hammett. Während die ersten beiden (The Maltese Falcon, 1931, mit Ricardo Cortez und Bebe Daniels und Satan met a Lady, 1936, mit Warren William und Bette Davis in den Hauptrollen) nur an den Roman Hammetts "angelehnt" waren, so ist Hustons Version näher an der Vorlage und legt den Schwerpunkt des Films auf die Charakterzeichnungen, wobei die eigentliche Handlung auf einige, wenige Orte reduziert wird.

Die Privatdetektive Sam Spade und Miles Archer erhalten von einer Frau den Auftrag, einen zwielichtigen Charakter namens Floyd Thursby zu beschatten. Kurz darauf sind Archer und Thursby tot und Sam Spade versucht den Tod seines Partners aufzuklären. Bei seinen Ermittlungen stellt sich jedoch heraus, dass es sich mitnichten um, wie zunächst angenommen, einen simplen Fall von Eifersucht, handelt. Vielmehr dreht sich alles um eine goldene, mit Edelsteinen besetzte Statuette, den Malteser Falken.

Handlung


In San Francisco betreiben Sam Spade und Miles Archer ein Detektivbüro. Dort erscheint eines Tages eine junge Frau die sich als Ruth Wonderly vorstellt. Die Frau bittet Spade und Archer ihre Schwester zu finden, die mit einem mysteriösen Mann namens Floyd Thursby durchgebrannt ist. Den einzigen Hinweis auf den Verbleib ihrer Schwester Corinne hat Wonderly durch einen Brief, in dem ihre Schwester schrieb, sie halte sich in San Francisco auf. Der galante Archer, angetan von der attraktiven Wonderly, ist sofort bereit, Thursby zu suchen und zu beschatten. Spade kommt die ganze Sache nicht geheuer vor.

An einer Straßenecke wird Archer, der Thursby beschattet, von einem Unbekannten erschossen. Spade erhält die Nachricht vom Tod seines Partners und bittet seine Sekretärin Effie Perine, Archers Frau Iva vom Tod ihres Mannes zu unterrichten. Spade selbst fährt mit einem Taxi zum Ort des Geschehens und wird von Detective Polhaus über den Hergang des Verbrechens unterrichtet. Polhaus und Spade finden heraus, das Archer von jemandem umgebracht wurde, dem er vertraute. Auf die Frage des Polizisten, an welchem Fall Archer gearbeitet hat, antwortet Spade ausweichend. Kurz darauf wird die Leiche Thursbys gefunden und Spade gerät in den Verdacht, seinen Partner gerächt zu haben. Iva, mit der Sam Spade ein Verhältnis hat, verdächtigt Spade des Mordes an ihrem Mann. Spades Sekretärin hingegen glaubt, dass Iva ihren Mann getötet hat, um Spade heiraten zu können.

Spade wirft Iva aus seinem Büro und macht sich daran, die beiden Morde aufzuklären. Er begibt sich zu Ruth Wonderly, die, wie sich herausstellt, in Wahrheit Brigid O'Shaughnessy heißt und auch sonst eine Menge Lügen erzählt hat. Als Spade sie zur Rede stellt und nun endlich die Wahrheit über Thursby erfahren will, antwortet O'Shaughnessy ausweichend und bittet Spade sie zu beschützen. Obwohl der Detektiv ihr nicht traut, werden die beiden Partner.

Schließlich taucht eine weitere zwielichtige Figur in Gestalt von Joel Cairo auf. Cairo will Spade ebenfalls engagieren und bietet dem Detektiv eine Menge Geld für die Beschaffung des Falken. Spade, der hier zum ersten Mal von der Statue hört, findet heraus, das Cairo mit dem Revolvermann Wilmer Cook in Verbindung steht und der Chef der beiden wiederum Kasper Gutman, genannt "Fatman", ein sinisterer Gangsterboss ist. Die Drei stehen mit O'Shaughnessy in Konkurrenz um den Besitz der wertvollen Statue. Bei einem Gespräch mit Gutman erfährt Spade die Geschichte des Falken, der als Tribut für den König von Spanien gedacht war, aber seit dem Jahr 1539 verschollen ist. Seit Jahren schon hat Gutman die Spur des Falken verfolgt und endlich in Hong Kong gefunden.

Spade erhält die Statue des Falken aus der Hand eines sterbenden Kapitäns, dessen Schiff gerade aus Hong Kong in den Hafen von San Francisco eingelaufen ist. Bei einem weiteren Treffen, diesmal in Spades Wohnung, bei der alle Beteiligten versammelt sind, stellt sich schnell heraus, dass die schwarz angemalte Statue eine Fälschung ist. Nach einigem Hin und Her, kann Spade schließlich alle losen Enden verknüpfen und den Fall lösen.

O'Shaughnessy tötete Archer, als dieser sich nicht von ihr überreden ließ, Thursby zu töten, um an den Falken zu kommen. Gutman, der glaubte, dass Thursby ein falsches Spiel spiele und den Falken für sich allein haben wolle, ließ ihn durch Cook umbringen, der auch den Kapitän des Schiffes erschoss. Spade übergibt die drei Gangster, Gutman, Cairo und Cook der Polizei. Aber auch O'Shaughnessy kommt nicht ungestraft davon: Spade übergibt auch sie der Polizei.

Als der Polizist Tom Polhaus die Staue begutachtet und Spade fragt was das für eine Figur sei, spricht Spade seinen berühmten Schlusssatz: Ein Stoff, aus dem man Träume macht.

Entstehungsgeschichte


John Huston schrieb seit 1938 Drehbücher für die Warner Bros. und erhielt 1941 die Chance, zum ersten Mal Regie zu führen. Der 1930 erschienene Roman Der Malteser Falke, für den er auch das Drehbuch schrieb, war zuvor bereits schon zweimal verfilmt worden.

Warner Bros. entschied, den Roman ein drittes Mal umzusetzen, da es sich die Produktionsfirma während der Depression der 30er- Jahre zum Prinzip gemacht hatte, die Rechte an den jeweiligen Vorlagen möglichst billig einzukaufen und dann vollständig auszuschöpfen.

Nach Hustons Meinung hatten allerdings die früheren Drehbuchautoren und Regisseure es nicht verstanden, Hammetts Buch adäquat umzusetzen. Huston schrieb den Roman beinahe Szene für Szene zum Drehbuch um, strich jedoch einige Charaktere (z.B. Gutmans Tochter Rhea). Zudem reduzierte er die Schauplätze auf einige wenige Orte (unter anderen das Detektivbüro, Sam Spades Appartment, einige Hotelzimmer) und schuf damit eine klaustrophobische Atmosphäre, die durch die Kameraführung und die Kameraeinstellungen, dass Spiel von Licht und Schatten und die Musik unterstützt wurde.

Ähnlich wie Alfred Hitchcock für Rebecca erstellte Huston ein Storyboard, auf dem jede Filmszene präzisiert wurde.

Eine Vorgabe des Studios war es, George Raft die Hauptrolle des Sam Spade spielen zu lassen, doch Raft lehnte es ab, unter einem unerfahrenen Regisseur zu arbeiten. Huston vergab die Rolle dann an seinen Freund Humphrey Bogart, der zu dieser Zeit einer der führenden Darsteller in Low-Budget-Produktionen war.

Die Spur des Falken wurde mit einem Budget von etwa 300.000 US-Dollar innerhalb von knapp acht Wochen gedreht und gehört damit ebenfalls zu den Low-Budget-Filmen. Die relativ niedrigen Produktionskosten ergeben sich zum Teil daraus, dass die bei den jeweiligen Filmstudions unter Vertrag stehenden Schauspieler nicht je Film bezahlt wurden, sondern ein Jahresgehalt erhielten. So erhielt zum Beispiel Bogart für das Jahr 1941 ein Gehalt von 96.525 US-Dollar.

Der Studiochef Jack L. Warner war von der Hintergrundgeschichte der Statue sehr angetan. Er setzte durch, dass Huston der Figur Kasper Gutmans mehr Text gab. Zudem erzählt der Film im Vorspann mit einigen erklärenden Sätzen, dass die Tempelritter auf Malta dem spanischen König die Statue im Jahre 1539 als Tribut schickten, diese jedoch von Piraten geraubt wurde und seitdem verschollen sei...

Wirkung


John Huston setzte in seinem Film beinahe ganz auf die Präsenz von Humphrey Bogart in der Rolle des Samuel Spade. So gibt es überhaupt nur eine Szene, in der dieser nicht zu sehen ist (Als sein Partner Miles Archer erschossen wird). Die Kamera ist immer nahe an Bogart/Spade und die meisten Einstellungen vermitteln dem Zuschauer das Gefühl, das Geschehen entweder aus dessen Sicht zu betrachten, oder aber ihm zumindest über die Schulter zu schauen. Dabei ist der Detektiv anfangs ein eher unsympathischer, kaltschnäuziger Typ, der seinen Partner eher ablehnt, sogar ein Verhältnis mit dessen Frau hat, und sich ständig - auf eine diffuse Weise - am Rande der Legalität aufhält. Als Spade in ein Netz aus Intrigen und Lügen gerät und sogar verdächtig wird, Thursby oder Archer oder gar beide getötet zu haben, keimt im Zuschauer dann doch Sympathie für den Antihelden auf, zumal Spade bei allem was er tut, sich und seinen Prinzipien treu bleibt.

Huston erzeugt Geschwindigkeit durch ständige Telefonate, Taxifahrten und daraus resultierenden Ortswechseln. Dazu spielt der Film durchgehend bei Nacht und jede auftretende Person scheint hinter der ominösen Figur des Falken her zu sein, wie etwa der halbseidene Joel Cairo, der Pässe unterschiedlicher Nationalitäten mit sich trägt und dessen Homosexualität unter anderem durch parfümierte Taschentücher angedeutet wird. Oder die zunächst naiv erscheinende Brigid O'Shaughnessy/Ruth Wonderly, die sich als gefährliche Femme Fatale herausstellt. Der Gangsterboss Kasper Gutman, der für einen Bösewicht viel zu kultiviert erscheint, sowie sein beinahe mitleiderregender und unfähiger Revolvermann Wilmer Cook. Sie alle umgibt jeweils ein Geheimnis, welches zu lösen der Zuschauer aufgefordert ist. Einzig Spades Sekretärin Effie Perine erscheint als der Ruhepol zwischen den mysteriösen Geschehnissen.

Mit seiner Adaption des Malteser Falken brachte Huston den, von Hammett und Raymond Chandler geschaffenen, Hardboiled-Detective adäquat auf die Leinwand.

Trivia


In den USA fand die Filmpremiere am 3. Oktober 1941 statt, in den deutschen Kinos war der Film zum ersten Mal 1948 zu sehen.

Der Film enthält ein selbstreflexives Moment: Als Spade am Schauplatz des Mordes an Archer mit Polhaus spricht, ist ein zerfetztes Filmplakat zu sehen. Das Plakat wirbt für den Film Swing Your Lady mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle.

Eine auf Grund des großen Erfolges geplante Fortsetzung scheiterte an Hammetts überzogener Gagenforderung.

Kritiken


Der Filmdienst schreibt über Die Spur des Falken: "Legendärer stilbildender Film der amerikanischen "Schwarzen Serie", die er mitdefinierte, perfekt gebaut, bestechend gespielt, zynisch, pessimistisch und voller schwärzestem Humor, präzise in den Dialogen, beeindruckend in der Dichte der "schwarzen" Atmosphäre, die nicht zuletzt durch eine Lichtsetzung in der Tradition des deutschen Expressionismus erreicht wird."

Bosley Crowther (sinngemäß) in The New York Times, am 4. Oktober 1941: Der Malteser Falke, der gestern Premiere feierte, entpuppt sich als bester Mystery-Thriller des Jahres und der junge Mr. Huston verspricht einer der besten Regisseure werden.

1992 sieht Pauline Kael in 5001 Nights at the Movies Die Spur des Falken als: "Die perfekte Visualisierung von Dashiell Hammetts Thriller."

David Thomson schreibt 1994 in A Biographical Dictionary of Film: "Die Spur des Falken war ein eindrucksvoller Debutfilm *. Aber überbewertet, redselig, langsam und oft mit einer schwerfälligen Kameraführung. Bogarts Launen wechseln ständig und Mary Astors Brigid hilft auch nicht weiter, illustriert aber Hustons Frauenfeindlichkeit."

Lexikon des Internationalen Films: "Regiedebüt John Hustons. Legendärer stilbildender Film der Schwarzen Serie, die Humphrey Bogart mitdefinierte, perfekt gebaut, bestechend gespielt, zynisch, pessimistisch und voller schwärzestem Humor, präzise in den Dialogen, beeindruckend in der Dichte der schwarzen Atmosphäre, die nicht zuletzt durch die Komposition von Licht und Schatteneffekten in der Tradition des deutschen Expressionismus erreicht wird."

Deutsche Synchronfassung


Die deutsche Synchronfassung gibt dem Film einen gänzlich anderen Charakter. So wurde die komplette Filmmusik durch eine Art beschwingte Jazz-Themen ersetzt und die Dialoge gehen in eine parodistische Richtung, so dass ein großer Teil der Spannung verlorengeht.

Auszeichnungen


Die Spur des Falken erhielt im Jahr 1942 drei Oscar-Nominierungen:
  • Bester Film
  • Bestes Drehbuch (John Huston)
  • Bester Nebendarsteller (Sydney Greenstreet)
konnte jedoch keine der Trophäen erringen.

Humphrey Bogart und Mary Astor gewannen 1941 jeweils den Preis als beste Darsteller des National Board of Review.

Im Jahr 1989 wurde Die Spur des Falken in das National Film Registry der als besonders erhaltenswert geltenden US-Filme aufgenommen.

In den im Jahr 1998 vom American Film Institute zusammengestellten Top-100-Listen ist Die Spur des Falken dreimal vertreten: In der Liste der 100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten auf Platz 23 und in der Liste der 100 spannendsten amerikanischen Filme auf Platz 26. In der Liste der 100 besten Filmzitate aller Zeiten rangiert "The stuff that dreams are made of." ("Das ist der Stoff aus dem die Träume sind") auf Platz 14.

Literatur


  • Dashiell Hammett: Der Malteser Falke, Diogenes, Zürich 1974. ISBN 3-257-20131-1
  • Willi Winkler: Humphrey Bogart und Hollywoods Schwarze Serie, Heyne, München 1985. ISBN 3-453-86084-5
  • Alan G. Barbour: Humphrey Bogart : seine Filme - sein Leben, Heyne, München 1984. ISBN 3-453-86001
  • Stuart M. Kaminsky: John Huston : seine Filme - sein Leben, Heyne, München 1986. ISBN 3-453-86037-3

Weblinks


Filmtitel | Schwarzweißfilm | US-amerikanischer Film | Literaturverfilmung | Kriminalfilm | Filmtitel 1941

Ridderfalken | The Maltese Falcon (1941 film) | El halcón maltés (1941) | Le Faucon maltais (film, 1941)

 

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