Die Grenzen des Wachstums (engl. Originaltitel: The Limits to Growth) ist eine 1972 veröffentlichte Studie zur Zukunft der Weltwirtschaft. Im Auftrag des Club of Rome führten Dennis L. Meadows und seine Mitarbeiter an Jay W. Forresters Institut für Systemdynamik eine Systemanalyse mit einem Rechenmodell durch, das die hohe Vernetzung globaler Prozesse berücksichtigte und Computersimulationen zu unterschiedlichen Szenarien ermöglichte. So wurde mit unterschiedlich hoch angesetzten Rohstoffvorräten der Erde gerechnet oder eine unterschiedliche Effizienz von landwirtschaftlicher Produktion, Geburtenkontrolle oder Umweltschutz angesetzt.
Ergebnis
Das Simulationsergebnis der meisten Szenarien ergab ein weitergehendes, zunächst unauffälliges
Bevölkerungs- und
Wirtschaftswachstum bis zu einer ziemlich jähen Umkehr der Tendenz um das Jahr 2030. Nur sofortige durchgreifende Maßnahmen von Umweltschutz und Geburtenkontrolle änderten dieses Systemverhalten, so dass auch Szenarien errechnet werden konnten, unter denen sich die
Weltbevölkerung (bei ca. vier Milliarden) wie auch der
Wohlstand langfristig konstant halten ließen. Die erforderlichen Einschnitte waren politisch nicht durchsetzbar.
1992: Die neuen Grenzen des Wachstums
1992 wurden
Die neuen Grenzen des Wachstums herausgegeben, die neue Erkenntnisse (beispielsweise größere Rohstoffvorkommen als 20 Jahre zuvor bekannt) in die aktualisierten Simulationen einfließen ließen und die die in der Zwischenzeit eingetretene Entwicklung aufgriffen.
2000 gab Meadows eine Stellungnahme heraus, nach der auf Basis der heutigen Weltbevölkerung ein stabiler Zustand nicht mehr erreicht werden könne.
2004: The 30-Year Update
Im Jahr
2004 veröffentlichten die Autoren das
30-Year Update. Darin brachten sie die verwendeten Daten auf den neuesten Stand, nahmen leichte Veränderungen an ihrem Computermodell
World3 vor und errechneten anhand verschiedener Szenarien mögliche Entwicklungen ausgehend vom Jahr 2002 bis zum Jahr 2100. In den meisten der errechneten Szenarien ergibt sich ein Überschreiten der Wachstumsgrenzen und ein anschließenden Kollaps (
"overshoot and collapse") bis spätestens 2100. Fortführung des
"business as usual" der letzten 30 Jahre führt zum Kollaps im Jahr 2030.
Auch bei energischem Umsetzen von Umweltschutz- und Effizienzstandards kann diese Tendenz oft nur abgemildert, nicht aber verhindert werden. Erst die Simulation einer überaus ambitionierten Mischung aus Einschränkung des Konsums, Kontrolle des Bevölkerungswachstums, Reduktion des Schadstoffausstoßes und zahlreichen weiteren Maßnahmen ergeben eine
nachhaltige Gesellschaft mit hoher
Lebensqualität bei knapp 8 Mrd. Menschen.
Das Update geht auch stark auf die Entwicklung 1972 - 2002 ein und beschreibt unter anderem die Zunahme des sozialen Gefälles (20% haben 85% des GDP), die Bodenqualität (40% wurden übernutzt), die Überfischung (75% der Fischbestände) und die Erschöpfung fossiler Rohstoffe (erreichen des Ölfördermaximums innerhalb eines Jahrzehnts). Die Autoren stellen fest, dass die Kapazität der Erde Rohstoffe zur Verfügung zu stellen und Schadstoffe zu absorbieren (siehe ökologischer Fußabdruck) im Jahr 1980 bereits überschritten wurde und heute 20% darüber liegt.
Kritik
Die Grenzen des Wachstums stellen ein Konfliktthema dar, da sie einerseits aufgrund einfacher mathematischer Zusammenhänge einleuchtend zu sein scheinen, andererseits mit dem Ziel beständigen Wirtschaftswachstums in unlösbarem Widerspruch stehen. Ein Ausweg könne in einer Verlagerung zu einem "qualitativen Wachstum" bestehen, einer Verlagerung von der Massenproduktion hin zu Dienstleistungen und Informationen, die auf ressourcenschonende Weise den Bedürfnissen der Menschen immer besser gerecht werden. Durch
Recycling (Kreislaufwirtschaft) können Rohstoffreserven geschont werden. Durch Miniaturisierung (z. B. bei der
Datenspeicherung) kann auch im begrenzten Lebensraum der Menschheit ein erheblicher Mehrwert geschaffen werden, der zum Zeitpunkt der Studie von Meadows noch nicht vorhersehbar war.
Nach wie vor schwer zu beherrschen ist das Bevölkerungswachstum in armen Regionen, der steigende Verbrauch fossiler Energien mit den Folgen einer globalen Erwärmung, der Wasser- und Energiebedarf für eine immer intensivere Landwirtschaft und der Flächenverbrauch infolge fortschreitender Urbanisierung und Industrialisierung. Hier eine stabile Situation zu schaffen, sei eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben der Menschheit.
Kritiker der Studie bemängeln die Fortschreibung von vorhandenen Entwicklungstendenzen in die Zukunft, bei der Anpassungen durch technologische, wirtschaftliche und politische Veränderungen ignoriert werden. Außerdem bemängeln sie, dass unbewiesene Katastrophenszenarien dazu benutzt werden würden, stark von politischen Vorstellungen geprägte Zukunftsvisionen zu propagieren. Des Weiteren sind sie i. d. R. der Meinung, dass sich die Probleme auch ohne Verzicht auf Wachstum lösen ließen, und dass die Vorteile von Wachstum die Nachteile überwiegen würden.
Ein oft gehörtes Urteil besonders über die Ausgabe von 1972 lautet, dass die Voraussagen nicht eingetreten seien und daher bereits der Ansatz offensichtlich falsch sei. Tatsächlich errechneten Meadows et al. in keiner ihrer Studien Prognosen, sondern immer nur Szenarien, die bewusst keine spezifischen Schlüsse für die Zukunft beinhalteten. Lediglich die Grundtendenzen der wachstumsorientierten Wirtschaftsweise sollten erkennbar gemacht werden. Auch die Kritik am "einfachen" Computermodell geht oft ins Leere, betrachtet man die Komplexität von World3.
Außerdem bestand auch das Problem darin, dass diese Studie vor der Ölkrise 1973 verfasst wurde. Dies ist insofern wichtig, dass diese Periode von höchsten Wachstumsraten in der Wirtschaft profitierte, da man auf der Spitze des 4. Kondratjew-Zyklus stand. Außerdem war eine Steigerung der Energieeffizienz durch die spottbilligen Rohstoffe ein Fremdwort. Dies änderte sich erst 1973, aber sehr plötzlich. 1973 war ein Wirtschaftsschock, der aber die Wirtschaft vor dem Erreichen der Grenzen des Wachstums bewahrte, da somit der Rohstoffverbrauch abflachte und somit mehr zur Verfügung stand.
Konsequenz
Die schlussendliche Konsequenz einer Fortführung der bisherigen Entwicklung ist nach Meinung der Autoren der Grenzen des Wachstums eine unter schmerzlichen Bedingungen eintretende Hungersnot und Umweltkatastrophe, die die Bevölkerung stark dezimieren würde. Da aber der gleiche Bevölkerungsstand auch die Konsequenz einer starken Geburtenkontrolle wäre, haben Verfechter freiheitlicher Vorstellungen Probleme, den Sinn derartiger Maßnahmen zu sehen. Abgesehen davon, scheint es auch möglich zu sein, ein moderates Bevölkerungswachstum ohne größere Katastrophen zu meistern. Ähnliches gilt für Produktionswachstum: Ein Stillstand auf einem bestimmten Niveau wird von vielen als inakzeptable Beschränkung ihrer Rechte auf freie Entfaltung und Entwicklung angesehen. Während ein fortgesetztes Wachstum durchaus die Chance beinhalte, damit verbundene Probleme zu lösen.
Auswirkungen
Einen förderlichen Einfluss dürfte das Buch auf die Geschwindigkeit gehabt haben, mit der Umweltschutzmaßnahmen durchgeführt wurden, sowie auf die verstärkte Beobachtung des Klimas und der Umwelt. Dieses Buch wird als Refenz dafür gesehen, dass anhaltendes Wirtschaftswachstum in einer endlichen Welt unmöglich ist.
Umstritten ist jedoch wie das Wirtschaftswachstum krisenfrei gebremst werden kann. Seit der Jahrtausendwende entstand auf der Basis der Logik der Wachstumsgrenze die Theorie der nachhaltigen wirtschaftlichen Wachstumsrücknahme, die teilweise schon konkrete Maßnahmen auf regionaler Ebene vorschlägt und die, vor allem in Frankreich, breit diskutiert wird.
Es ist ungewiss, ob eine Gesellschaft sowohl mit als auch ohne Wirtschaftswachstum den westlichen Lebensstandart halten kann.
Siehe auch
Literatur
- Dennis L. Meadows, Donella Meadows, Erich Zahn, Peter Milling:: Die Grenzen des Wachstums - Berichte des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Deutsche Verlags-Anstalt, München 1972, ISBN 3-42-102633-5.
- Dennis L. Meadows et al.: Die neuen Grenzen des Wachstums. Rowohlt, Reinbek 1993, ISBN 3-49-919510-0.
- Dennis L. Meadows et al.: Limits to Growth: The 30-Year Update. Chelsea Green Publishing Company 2004, ISBN 1-93-149858-X (engl.).
- Dennis L. Meadows, Donella Meadows, Jörgen Randers: Grenzen des Wachstums - Das 30-Jahre-Update. Hirzel Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-7776-1384-3.
Weiterführende Literatur
- Karsten Herzmann, Caroline Seibert: Neue Perspektiven für die ökologische Wachstumskritik (PDF 376 kB), 2005.
- Athanasios Karathanassis: Naturzerstörung und kapitalistisches Wachstum. VSA, Hamburg 2003, ISBN 3-89-965018-2.
- Friedrich Schmidt-Bleek: Wieviel Umwelt braucht der Mensch? Das Maß für ökologisches Wirtschaften. Birkhäuser, Basel 1994, ISBN 3-76-432959-9.
- Bob Woodward und Andrew Simms: Growth Isn't Working. London 2006, ISBN 1-90-488206-4, (PDF, 1,2 MB) (engl.).
Populärwissenschaftliche Literatur
- Johannes M. Waidfeld: Wachstum, der Irrtum, Wohlstand, eine gesellschaftliche Betrachtung, Fischer & Fischer Medien AG, Frankfurt 2005, ISBN 3-89950-076-8
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