Als Diastereomere (veraltet auch Diastereoisomere) werden Paare von Molekülen bezeichnet, die zwar die gleiche Summenformel und Konstitution aufweisen, bei denen aber eine unterschiedliche räumliche Anordnung der Atome vorliegt (Stereoisomere) und die keine Enantiomere sind. Diastereomere können sowohl chiral als auch achiral sein. Sie unterscheiden sich in allen physikalischen Eigenschaften (Schmelzpunkt, Löslichkeit usw.) voneinander.
Diastereomerie aufgrund von Chiralität
Bei solchen Molekülen mit mehreren Stereozentren liegen Distereomere vor, wenn sich eines (
Epimere) oder mehrere, aber nicht alle
Stereozentren unterscheiden. Letztere Verbindungen werden dagegen als
Enantiomere bezeichnet und verhalten sich wie Bild und Spiegelbild. Voraussetzung ist, dass mindestens zwei
Chiralitätszentren vorhanden sein müssen. Diastereomere haben in der Regel unterschiedliche physikalische Eigenschaften (z. B. Schmelzpunkt, Löslichkeit), während sich Enantiomere ausschließlich in ihrem
Drehwert und in ihren chemischen Eigenschaften gegenüber anderen chiralen Molekülen sowie in ihren physiologischen Eigenschaften (z. B. Geruch, Geschmack) unterscheiden.
Ursache der
Chiralität in einem Molekül sind meist Atome, die als Stereozentren bezeichnet werden. Meist handelt es sich um
asymmetrisch substituierte
Kohlenstoff-
Atome, die vier unterschiedliche Reste tragen. An einem solchen
Stereozentrum sind, bedingt durch die
tetraedrische Struktur des C-Atoms, jeweils zwei Konfigurationen möglich, die auch durch Drehung nicht zur Deckung gebracht werden können. Um Diastereomere bilden zu können müssen mehrere Chiralitätszentren vorhanden sein. Mit n Stereozentren ergeben sich dabei 2
n verschiedene Verbindungen.
Diastereomere mit mehreren Stereozentren sind meistens chiral. In bestimmten Fällen ergibt sich allerdings bei mehreren Stereozentren eine Spiegelebene im Molekül, wodurch diese sogenannte
meso-Verbindung achiral wird.
Beispiel: D-
Glukose und D-
Galaktose sind zwei
Zucker, die sich in einem von vier Chiralitätszentren von einander unterscheiden. Es handelt sich somit um Diastereomere und gleichzeitig um Epimere.
D-Glukose und L-Glukose unterscheiden sich in allen vier Stereozentren und verhalten sich wie Bild und Spiegelbild. Es sind also
Enantiomere.
D-Glukose und L-Galactose unterscheiden sich in drei von vier Stereozentren. Es sind also Diastereomere aber keine Epimere.
π-Diastereomere
π-Diastereomere sind
Isomere, die durch die Starrheit einer
Doppelbindung aufgrund der
π-Bindung bestehen. Doppelbindungen sowie die gebundenen Gruppen sind nicht frei drehbar. So existieren unterschiedliche räumliche Anordnungen. Beispiele sind die
cis-/trans-Isomere der
Alkene oder
E-/Z-Isomere.
Diastereoselektivität
Chirale Moleküle differenzieren gegenüber anderen chiralen Molekülen zwischen den möglichen Enantiomeren. Das liegt daran, dass zwei verschiedene chirale Moleküle in einem diastereomeren Verhältnis zueinander stehen. Diastereoselektivität tritt in einer chemischen Reaktion sowohl zwischen zwei chiralen Edukten als auch zwischen einem chiralen Edukt oder Reagenz und einem prochiralen oder achiralen Edukt auf, so dass auf der Produktseite ein Enantiomer bevorzugt wird. Bei diastereoselektiven Reaktionen haben die verschiedenen Übergangszustände von Enantiomeren auch unterschiedliche physikalische Eigenschaften, woraus sich letztlich die Selektivität ergibt. Enantioselektive Synthesen beruhen letztlich immer auf diastereoselektiven Mechanismen, weshalb der Begriff Diastereoselektive Synthese zu bevorzugen ist. Eine einmal vorhandene Chiralität setzt sich somit in Folgesystemen fort.
Chemie
Diastereomer | ジアステレオマー | Diastereoizomer