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Der Durchfall (medizinisch auch die Diarrhoe oder Diarrhö von griechisch διάρροια, diárria - Durchfall aus δια-, dia- = durch- und ρέω, rhéo - ich fließe) ist ein Symptom.

ICD-10-Codes Diarrhoe
A09 Diarrhoe und Gastroenteritis
K52.9 Nichtinfektiöse Gastroenteritis und Kolitis
K59.1 Funktionelle Diarrhoe

Definitionen


Durchfall wird unterschiedlich definiert. Eine gängige Beschreibung lautet: die häufige und zu schnelle Entleerung von breiigem bis flüssigem Stuhlgang, der je nach Ursache auch mit Schleim, Eiter oder Blut vermengt sein kann. Medizinisch exakt ist folgende Definition: der mehr als 3malige dünnflüssige Stuhlgang am Tag mit einem Gewicht von mehr als 200 g/Tag. Hierbei ist die Ernährung des Patienten zu berücksichtigen; bei vegetarischer Ernährung beträgt das Stuhlgewicht täglich bis zu 350 g. Gesunde Kinder und Erwachsene haben ein Stuhlgewicht von bis zu 250 g/Tag, Kleinkinder bis 10g pro kg Körpergewicht.

Häufige Entleerungen oder Stuhlinkontinenz bei normalem Stuhlgewicht sind kein Durchfall im medizinischen Sinn.

Durchfall von mehr als vier Wochen Dauer wird als „chronisch“ bezeichnet.

Entstehung


Akute Durchfallerkrankungen sind in der Regel durch Infektionen oder durch Nahrungsmittelvergiftung mit Bakterientoxinen bedingt. Jedes Jahr erkrankt fast ein Drittel der Bevölkerung einmal daran; allerdings sucht nur ein kleiner Teil der Betroffenen medizinische Hilfe.

Häufigste Erreger der nichtfieberhaften Erkrankung sind Virusinfektionen. Die weltweit häufigsten Erreger von Durchfall bei Kindern sind Rotaviren, die weltweit je nach Region zwischen 20 bis 60% der Erkrankungen verantwortlich sind. (Salmonellen, Ruhrbakterien und Choleravibrionen sind dagegen zusammen für insgesamt weniger als 10% der Erkrankungen bei Kleinkindern verantwortlich). Von den jährlich etwa 3 Millionen Todesfällen durch Durchfall bei Kindern gehen ca. 500.000 auf Infektionen mit Rotaviren zurück.

Bei der fieberhaften Verlaufsform (invasive Erreger) sind es die Bakterien Campylobacter und Salmonella sp.. Schwere akute Durchfallerkrankungen sind: Amöbenruhr, Cholera, Salmonellen, Typhus und Darmtuberkulose.

Chronische Diarrhoen werden nach ihrer Entstehung in osmotische, sekretorische, motilitätsbedingte (= durch gestörte Darmbewegung bedingte) und entzündliche Formen eingeteilt. Neben der klinischen Untersuchung (Fieber? Bauchschmerzen?) und der Anamnese (Ernährung? Abführmittel?) dienen Untersuchungen der Stuhlzusammensetzung und bildgebende Verfahren wie die Darmspiegelung zur Einordnung. Die Ursachen des chronischen Durchfalls können harmlos bis gefährlich sein: Stress, Nahrungsmittelunverträglichkeit, Fehlernährung, Funktionsstörungen der Bauchspeicheldrüse, der Leber oder der Gallenblase, chronische Darminfektionen, Parasitosen, nichtinfektionsbedingte Entzündungen wie Sprue, Morbus Crohn u.a., übermäßiger Gebrauch von Abführmitteln und weitere sein. Auch einige Medikamente wie z.B. Zytostatika, Schmerzmittel und Digitalispräparate können Durchfall verursachen.

Der mit dem Durchfall verbundene Flüssigkeitsverlust kann zu Austrocknung (Dehydratation/Exsikkose), der gleichzeitig einhergehende Elektrolytverlust (Verlust von wichtigen Salzen wie Natrium- und Kalium-, Magnesium- und Chloridionen) dagegen kann zu Krämpfen führen. Bei andauerndem Durchfall können die Dehydration und der Elektrolytverlust zum Tode führen. Weltweit sterben jährlich mehr als 3 Millionen Kinder an Diarrhöen.

Der Durchfall von Säuglingen ist als Säuglingsdyspepsie das Zeichen einer Ernährungsstörung und sollte sorgfältig beobachtet werden, da es schnell zu einem lebensbedrohlichen Zustand der Säuglinge kommen kann.

Bei Blutbemengungen im Stuhl sollte die Ursache der Blutung herausgefunden werden: Differentialdiagnose Blutiger Durchfall.

Behandlung


Grundsätzliches

Um der Austrocknung entgegen zu wirken, sollte Flüssigkeit, mit Mineralien und Zucker angereichert, getrunken werden. Zucker hilft Flüssigkeit besser zu absorbieren, Mineralien (Kalium, Natrium und andere) ersetzen die durch Diarrhoe verlorenen Stoffe. Diarrhoe ist eine natürliche Reaktion des Körpers um Giftstoffe auszuscheiden. Es ist deshalb in erster Linie wichtig diesen Ausscheidungsprozess auch bis zu einem gewissen Grad zuzulassen und nicht sofort die Darmbewegung durch ein chemisches Mittel anzuhalten. Wichtig: Bei längerem Durchfall unbedingt medizinischen Rat suchen!

Hausmittel

Kohletabletten
Während Aktivkohletabletten von vielen Ärzten als unwirksam belächelt werden, helfen sie jedoch bei der Entgiftung, da Aktivkohle manche Gifte bindet und deaktiviert. Es sind aber einige Gramm Kohle notwendig um bei einem akuten Durchfall zu helfen. Aktivkohle ist frei erhältlich und praktisch unverderblich.

Haferflocken mit Kakaopulver und Zucker
Eine Mischung, bei der die kombinierte Wirkung mehrerer Zutaten zum Tragen kommt. Der Kakao wirkt durch die Gerbsäuren leicht desinfizierend und bindet ähnlich der Aktivkohle zugleich Mikroorganismen und Gifte. Die Haferflocken erleichtern das Einnehmen des Kakaopulvers während der Zucker vornehmlich der Verbesserung des Geschmacks dient. Bei nicht extremen Durchfall hilft eine Mischung aus einer Tasse Haferflocken, einem gehäuften Eßlöffel Kakaopulver und beliebiger Menge Zucker.

Elektrolytlösung für den Hausgebrauch
Eine hilfreiche Elektrolytlösung für den Hausgebrauch besteht aus 1 Teelöffel Kochsalz, 8 Teelöffel Zucker/Traubenzucker in 1 Liter sauberes (frisch abgekochtes) Wasser, für Besseren Geschmack wird das Getränk mit etwas Saft abgeschmeckt.

Breinahrung
Zerdrückte Bananen und geriebener Apfel bei Appetit sind einfache, natürliche und leichtverdauliche Nahrungsmittel ohne Fett und deshalb gut geeignet, um die Ernährung zu beginnen. Ebenfalls ist ein Reisschleim sehr gut verdaulich. Hierbei wird Reis mit viel Wasser solange gekocht, bis die Struktur des Reiskorns vollständig aufgelöst ist. Zugabe von etwas Salz und/oder einer einfachen Sojasauce können dem Geschmack etwas nachhelfen. Das Rezept, Haferflocken mit Milch zu kochen und davon über mehrere Tage hinweg zu essen, ist wohl nicht empfehlenswert, da Milch für viele Menschen schwer- oder unverdaulich ist und Fett enthält, und zum anderen die Lagerung „über mehrere Tage hinweg“ das Verderben des Breis ermöglicht.

Cola und Salzstangen
Das alte Rezept Cola mit Salzstangen sollte nicht mehr angewendet werden, weil es bei akutem Durchfall die Beschwerden fast immer verschlimmert. Hier steht wohl eher die Zuführung von Mineralien im Vordergrund als eine tatsächliche Bekämpfung der Beschwerden.

Tee
Bei schwerem Durchfall kann es vorkommen, dass der Körper selbst die Aufnahme von klarem Wasser verweigert. Tee, besonders Kamille, kann da sehr hilfreich sein, den Magen-Darm-Trakt zu beruhigen, um so wieder Flüssigkeit aufzunehmen. Schwarzer Tee eignet sich, um den Stuhl wieder zu festigen.

Allopathische Medizin

Der Durchfall wird je nach Schwere und Ursache behandelt, in leichten Fällen genügt eine Tablette mit dem Wirkstoff Loperamidhydrochlorid, sonst auch noch Kapseln mit dem Hefepilz Saccharomyces boulardii und viel Flüssigkeit. In schweren Fällen mit Antibiotika (letzteres nur nach Konsultation eines Arztes).

Literatur


  • G. Hahn, J.F. Riemann: Klinische Gastroenterologie, 3. Auflage 1996 352-363
  • T.Schleip /G. Hofbauer: Wenn´s schon auf der Naht sitzt, 1. Auflage 2006, GU Verlag

Link


http://www.welt.de/data/2006/07/05/945186.html

Siehe auch


Krankheitssymptom | Gastroenterologie

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